Basssaxophon von Rampone und Cazzani Baujahr ca 1920

Dieses Thema im Forum "Saxophone" wurde erstellt von Juergen65, 23.Januar.2026 um 08:37 Uhr.

  1. Juergen65

    Juergen65 Schaut nur mal vorbei

    Liebe Forumsmitglieder,

    ich suche seit langer Zeit ein Basssaxophon. Ich spiele alle Saxgrößen von Sopranino bis Bariton und habe ganz gute Instrumente. (Selmer Mark IV, Selmer Serie III Tenor, YAS-82Z Custom, YSS-675, YBS-62 etc).
    Das Bass sollte qualitativ nicht ganz so weit weg sein von diesen Instrumenten.
    Jetzt wird mir ein Basssaxophon angeboten von Rampone und Cazzani. Ich habe noch keine Seriennummer.
    Baujahr ist ca 1920.

    Kann mir vorab schon jemand sagen wie gut die alten Bässe von Rampone und Cazzani sind?
    Intonation, Verarbeitung, Sound?
    Worauf müßte man beim Kauf achten?

    Besten Dank im Voraus
    Jürgen
     
  2. Earl Jay

    Earl Jay Ist fast schon zuhause hier

    Eins vorweg, ich kenne diesen R&C Bass nicht, aber würde mir aus verschiedenen Gründen nicht allzuviel erwarten.
    Bässe, v.a. sehr alte sind sehr eigenwillige Instrumente mit allen möglichen Baustellen in Sachen Intonation und Ansprache.
    Wenn man den satten, vollen amerikanischen Sound der Long Wraps haben will muss man in Sachen Spielkomfort stark zurückstecken.
    Es gibt aber wohl eine Ausnahme, die gut spielbar sein soll, intoniert und sich auch von der Bauweise her an diesen Vorbildern orientiert: den Keilwerth Bass.
    Derzeit wird hier in den Kleinanzeigen so einer angeboten. Wenn du also ein Instrument in der angesprochenen Liga suchst solltest du den ernsthaft in Erwägung ziehen.
    Wenn Geld bei mir keine Rolle spielen würde hätte ich den selber gekauft, tut es leider aber..
    VG,
    Jens
     
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  3. Sandsax

    Sandsax Gehört zum Inventar

    Ich kann vollständig unterstreichen, was Jens zuvor geschrieben hat.

    Ich kenne nur neue Rampone und Cazzanis anderer Baugrößen und selbst die sind qualitativ (allerdings nicht klanglich, da liegen sie nach meiner Erfahrung und Geschmack eher vorne) schon deutlich weg von den Instrumenten Deiner Aufzählung.

    Ein Basssaxophon fordert zudem immer Kompromisse, u. a. auch im Bereich Handhabung und Intonation; das wird alles andere als ein Selbstläufer.
    Das gilt auch für das erwähnte angebotene Keilwerth, das für sich genommen ein ziemlich gutes Instrument ist. Das wurde mir zu der Zeit als es noch meins war auch von Andreas Kaling (ehemals Deep Schrott) bestätigt, der im Rahmen einer Basssaxstunde bei ihm meinte, es würde deutlich besser spielen als das eines seiner Kollegen. Auf sein Conn ließ er natürlich nichts kommen.
    Ich hatte trotzdem damit zu kämpfen… ;)

    Bei dem was Du planst, würde ich mir jedenfalls möglichst wenig Steine selbst in den Weg legen, und in dem Zusammenhang schätze ich besagtes Rampone schon als ziemlichen Felsbrocken ein.
     
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  4. ppue

    ppue Mod Experte

    Ich könnte dir ein Rampone & Cazzani Sopranino tief H anbieten. Es würde deine Familie ebenso erweitern, nimmt kaum Platz weg, kommt mit eigenem Koffer daher und ist, seit seiner GÜ bei Atti Hopmann, kaum bespielt.

    (-;
     
    Zuletzt bearbeitet: 23.Januar.2026 um 13:37 Uhr
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  5. Silver

    Silver Gehört zum Inventar

  6. Bereckis

    Bereckis Gehört zum Inventar

    Keins deiner Instrumente ist ein Vintage!

    Daher würde mich alleine das Baujahr abschrecken.

    Um 1920 war Rampone & Cazzani ein großer Hersteller mit rund 160 Mitarbeitern; Bass-Saxofone gehörten damals ausdrücklich zum Programm.

    Ein originaler Bass von ca. 1920 ist in der Regel intonatorisch und ergonomisch deutlich weiter weg von modernen Konzepten (Bohrung, Klappenlayout, Federspannung), daher würde ich solch ein Instrument nicht nur selber testen, sondern beim Saxdoc deines Vertrauens vor dem Kauf prüfen lassen.

    ich spiele u.a. auch alles von Nino bis Bari und habe mich gegen ein Basssaxofon entschieden, weil ich auch kein Vintage spiele und ein gebrauchtes Selmer für mich unerschwinglich wäre. Yamaha und Yanagisawa bauen ja leider keine und ein chinesisches Thomann (ca. 3.500 Euro) wird vermutlich meinen Qualitätsansprüchen im Vergleich zu meinen anderen Instrumenten nicht erfüllen. Hinsichtlich des Thomann-Bass gibt es hier einen emotionalen Thread.

    Ich bin mir aber sicher, dass das Thomann besser funktioniert als das Rampone von 1920!

    Wenn du das Rampone tatsächlich mal testen solltest, schreibe bitte hier mal über deine Erfahrungen.

    Danke.

    PS.:

    Was spricht gegen das Bass-Keilwerth in den Kleinanzeigen? Da ist sogar bekannt, wer es vorher hatte und dies sind alles seriöse Typen.

    Von @Sandsax habe ich gerade erfahren in Unterhaltung erfahren: "Es ist von ca. 1988 und wird unverändert so weiter in Einzelanfertigung gebaut."
     
  7. Silver

    Silver Gehört zum Inventar

    Dass der Anbieter keinen Preis nennt und man sich den „Neupreis beim Musikalienhändler“ erst heraussuchen müsste…?
     
  8. Sandsax

    Sandsax Gehört zum Inventar

    Das ist ja schnell erledigt, aber ich schätze dass für das Rampone vielleicht ein Drittel davon aufgerufen wird.
     
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  9. Bereckis

    Bereckis Gehört zum Inventar

  10. Silver

    Silver Gehört zum Inventar

    Im Prinzip ja.
    "Richtwert für VB" hat ein bisschen was von "Preis auf Anfrage" - was meist nichts anderes heißt, als "mal sehen, was ich dem Interessenten aus der Tasche leiern kann..." - bei überenthusiastischen Späteinsteigern fällt der dann deutlich höher aus, als beim gut informierten Sammler oder Profi - der trotzdem einen reellen, einigungsfähigen Preis zahlt.

    Und dann ist der Zwist vorprogrammiert.

    Wenn ich als Interessent sage: "VB 200€? Fein. Ich gehe mal mit 180 ins Rennen!"
    während der Anbieter denkt "VB 200€! Fein, da bekomme ich bestimmt 220, das Horn ist ja so toll! (Zur Not geht's halt für 200€ weg)"

    In der Realität liegen die Ideen zu VB sicher noch weiter auseinander, so ist nun mal die Psychologie.


    Aber wir wollen jetzt nicht konkrete Preise diskutieren. Was ein Keilwerth SX90 Bass wirklich wert ist, wissen am Ende nur Käufer und Verkäufer.
     
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  11. giuseppe

    giuseppe Gehört zum Inventar

    Ich kann sogar noch schneller. Kleinanzeigen-Regel Nummer 3 ist eine realistische Preisangabe. Wie das „sollte“ in der Formulierung juristisch zu bewerten ist, kann ich leider nicht beurteilen. Ich verstehe, dass der Verkäufer vielleicht selber noch nicht ganz genau weiß, wieviel er bekommen kann und für welchen Preis er es noch abgeben würde. Persönlich finde ich aber schon, dass zu einem Verkaufsangebot ein Preis gehört.
     
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  12. JES

    JES Gehört zum Inventar

    Schließe mich vollumfänglich den kritischen Stimmen an.
    Ich habe ein altes amerikanisches Holton/Conn Bassax aus den 1920ern. Das ist weder spielerisch noch ergonomisch ein Spaß, ein passendes mundstück finden, was klingt, stimmt und noch moderat im luftbedarf ist, war Glückssache... Ich würde so ein Instrument nicht wieder kaufen.
     
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  13. gaga

    gaga Gehört zum Inventar

    Technische Seitenfrage: ich hatte ein einziges Mal ein altes Basssax in den Händen (bei dem Schrauber in Bochum) Es spielte und klang auf Anhieb faszinierend gut, aber ich fand es äußerst irritierend, dass es keinen Bis-Key hatte - nur Seiten-Bb. Ist das bezeichnend für alte Hörner?
     
  14. JTM

    JTM Ist fast schon zuhause hier

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  15. saxfax

    saxfax Strebt nach Höherem

    Vor vielen Jahren suchte ich ein Baßsax und hatte diverse in der Hand, eine Zeitlang auch ein Keilwerth. Für mich war es eine eigene Welt, ergonomisch, ansatzmäßig, klanglich. Der klangliche Gewinner war Conn. Aber: Alles nix für nebenher.

    Die Instrumente von Benedikt Eppelsheim konnte ich vor Jahren auch auf der Musikmesse anspielen. Alle, Eb-Tubax, Bb-Bass, Eb-Kontrabass waren perfekt eingestellt und sprachen leicht an. Vor der handwerklichen Qualität ziehe ich meinen Hut. Und Benedikt Eppelsheim erwies sich als sehr angenehmer Gesprächspartner. Würde ich ernsthaft so ein tiefes Instrument spielen wollen, wäre das meine erste Adresse. Ich laß‘ das lieber, im Bariton liegen genug Herausforderungen (da hat Tommy Inderbinen auch was feines im Angebot).
     
    Zuletzt bearbeitet: 23.Januar.2026 um 22:50 Uhr
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  16. Silver

    Silver Gehört zum Inventar

    Meine größte Herausforderung zum Thema Bariton war heute, die Finger von einem 1968er Mark VI mit tief A zu lassen, das in meiner Nähe in augenscheinlich sehr gutem Zustand und einer relativ frischen GÜ mit einer 8 vor dem Preis angeboten wird…

    Meine Frau hat sich zu diesem Thema dahingehend geäußert, dass mir so tiefe Töne nicht gut stehen und ein Bari selbst zu diesem Kurs übertrieben viel Platz im Haus einnimmt, um damit in irgendeiner BigBand gelegentlich - brummbrumm - auszuhelfen.
    Das hätte so ein Instrument auch nicht verdient. Also, das rumstehen. Artgerechte Haltung … von Hörnern.

    Meine Frau ist einfach unvergleichlich…:)


    Äääh - das Bass-Thema war doch weitgehend… nein? :topic:

    Nach meiner Kenntnis hat Rampone in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts mit Conn kooperiert - ich meine, als eine Art verlängerte Werkbank in Europa woraus auch Conn-Stencils unter dem Namen R&C entstanden sind.

    Es wäre somit nicht allzu abwegig, wenn der 1920er R&C Bass dem 1920er Holton/Conn-Bass von @JES ziemlich ähnlich sähe.
     
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  17. Sandsax

    Sandsax Gehört zum Inventar

    Wenn ich die früher mal gelesenen Hinweise im Netz richtig erinnere, hat Rampone zeitweise legiglich Teile für Conn (Korpusse oder Korpi (?)) hergestellt.
    Das Rampone BassSax, das ich mal in einer Sammlung gesehen habe, von dem ich allerdings nicht weiß wie alt es war, sah mir nicht nach Conn aus.
     
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  18. Cazzani

    Cazzani Ist fast schon zuhause hier

    R&C hatte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gute Zeiten. Conn-Stencil halte ich für unwahrscheinlich, die Italiener konnten das selbst und haben eher für andere gebaut.

    Die alten R&C-Bässe (ich habe mich mal konkret für einen interessiert) stehen in dem Ruf, einen schönen Ton zu haben, aber möglicherweise eine problematische Intonation. Anspielen und ausprobieren ist der einzige Weg, um das für das konkrete Instrument zu klären. Dafür würde ich unbedingt genug Zeit einplanen. Denn eine Stunde ist zu wenig, um zu klären, ob die Selmer- und Yamaha-gewohnten Hände sich mit der historischen Ergonomie anfreunden können.
     
  19. JES

    JES Gehört zum Inventar

    Also für mich als wenig spielender Amateur.... Ich kann relativ problemlos zwischen Alto und Tenor wechseln, der Sprung zum Bari dauert vllt 15 Minuten Eingewöhnung, auf mein Bass-sax muss ich mich einarbeiten. 1-2 Stunden minimum, eher einen Tag, und bei meinem kenne ich die Probleme.
    Also mal eben ein bischen drauf rumnudeln, um dann ne Entscheidung über ev mehrere 10k€...da empfehle ich sich Zeit nehmen.
    Mundstück/Blätter könnten auch ein Thema werden. Sooo viele Hersteller kenne ich nicht. Auch bei denen ist die Auswahl begrenzt, also extrem viel kleiner als für Bari, geschweige Alto oder Tenor. Wer meint, ein altes Bari sei schon anspruchsvoll, was das setup angeht, sollte beim Bass noch mal ne Schippe drauflegen. Gerade, wenn man wenig Arbeit bei der Intonation möchte, wert auf einen bestimmten Klang legt und dabei mit der Luft haushalten muss.... mich hat das Zeit gekostet und ich hatte mit HWP damals jemanden, der schon vorsortiert hat und mir gesagt hat, was geht und was nicht.

    Ich würde mir auch sehr gut überlegen, was ich mit dem Instrument machen will. Ist das nur mal hin und wieder im Einsatz, wird wenig transportiert,... lohnt sich dann ein teures Instrument, oder komme ich vllt mit einem Billigasiaten auch aus? Auseinanderfallen tun die nicht, stimmen tun die auch nicht schlechter, als die alten Dinger, sind vielleicht ergonomischer und kosten weniger. Zumindest mal drüber nachdenken...???
     
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  20. Cazzani

    Cazzani Ist fast schon zuhause hier

    Falls das für den Threadersteller @Juergen65 oder jemand anders hier interessant ist: Das aus meiner Sicht zur Zeit leckerste angebotene Vintage Bass-Sax ist ein Buescher-Stencil "York" https://www.kleinanzeigen.de/s-anzeige/york-buescher-bass-saxophon/3262935744-74-23685 von Rick Alan in sehr gutem Zustand. Auf Youtube gibt es zahlreiche Aufnahmen von dem Instrument, z.B.:



    Was er an dem Horn liebt, dikutiert er auf https://www.saxontheweb.net/threads/getting-the-pitch-up.416130/ ebenso wie die in der Kleinanzeige angedeuteten Intonationsprobleme beim tiefen C und H. Mehr kann man über ein Instrument vorab kaum wissen. Anspielen in Bonn...
     
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