Spielen Profis noch Vintage-Saxophone?

Dieses Thema im Forum "Saxophone" wurde erstellt von Steven.Tailor, 10.April.2026 um 21:41 Uhr.

  1. Steven.Tailor

    Steven.Tailor Schaut nur mal vorbei

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    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 14.April.2026 um 10:49 Uhr
  2. Onkel D

    Onkel D Ist fast schon zuhause hier

    Ich habe eine Frage, die mich schon länger beschäftigt – vielleicht ein bisschen off-topic, aber thematisch passt es ja doch ganz gut hier rein.

    Wie schätzt ihr die Rolle von Conn und anderen Vintage-Saxophonen im heutigen professionellen Kontext ein?

    Mein Eindruck (nach etwas Recherche und auch KI-Abfragen) ist, dass es heute nur noch sehr wenige international aktive Profis gibt, die solche Instrumente als Hauptsetup spielen.

    Täuscht dieser Eindruck? Gibt es aktuelle Beispiele – oder hat sich der Einsatz von Vintage-Hörnern eher in Richtung Liebhaberei bzw. spezielle Klangästhetik verschoben?

    Mir fehlt da der echte Überblick und ich würde mich über Einschätzungen freuen.

    P.S.: Falls das hier nicht ganz passt, gerne verschieben.
     
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  3. Gerrie

    Gerrie Strebt nach Höherem

    Ein guter Bekannter und sehr guter Saxophonist besitzt einige Vintage Instrumente.
    Büscher etc. in sämtlichen Baugrössen.

    In allen Größen auch je ein Yamaha.
    Bei Konzerten kommen die auch meistens zum Einsatz.
    Seine Aussage zu dem Thema.
    „Wenn ich keine Lust habe mich mit der Intonation intensiv auseinanderzusetzen nehme ich das Yamaha.“

    Wir spielen regelmäßig miteinander. Er versteht auch nicht warum sich Saxophonisten/innen die im Ensemble mitspielen und wenig Zeit zum üben haben ein Yamaha gegen ein Vintage mit großer Herausforderung bei der Intonation tauschen.
    Ich übrigens auch nicht. Zumal der Sound mit wenig Übung auch nicht automatisch gut ist.

    Bevor es los geht. Ich weiß, es gibt auch Vintage Instrumente die gut intonieren. Es gibt aber auch andere.
    Gerade bei den erwähnten Ex Yamaha Spieler/innen ist es mir auch ein paar mal aufgefallen.
    Der Umstieg erfolgte i.d.R. nach Seminaren weil man den Sound und das Instrument der Dozenten toll fand.

    Grüsse Gerrie
     
  4. JES

    JES Gehört zum Inventar

    Wenn sieht man noch häufig Selmer Mk6 (keine Diskussion wieder, ob das noch vintage ist), gelegentlich noch SBA. Der Rest... eher noch in Jazzgruppen. Das sind nichte viele, und dann auch eher ganz spezielle Vintage, die eher ein gewisses Image haben (king silver).
     
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  5. jabosax

    jabosax Ist fast schon zuhause hier

    Dave O‘Higgins
     
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  6. jabosax

    jabosax Ist fast schon zuhause hier

    @Juju hat dazu hier irgendwann mal was geschrieben und kennt sich der Szene auch sehr gut aus.
    Neblige Grüße aus dem Rheinland
    Jabo
     
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  7. Bereckis

    Bereckis Gehört zum Inventar

    Selmer Mk6 wird überproportional viel von international aktiven Profis (Jazz , Rock und Pop) gespielt. Von den echten Vintage siehst du z.B. in der WDR-Bigband zwei Kings. Conn siehst du häufig als Bari bei Profis.

    Internationale aktive Profis haben die Intonation in der Regel auf jedem Saxofon im Griff. Wenn sie Vintage spielen, sind es musikalische Gründe und keine Liebhaberei.
     
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  8. Juju

    Juju Strebt nach Höherem

    Wenn Du z.B. Tucker Antell anhörst, gibt es keinen Grund ein Conn als Profiinstrument abzulehnen- the sky is the limit! Brandon Allen ist ebenfalls ein Monsterspieler, Jerry Bergonzi auch…
    LG Juju
     
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  9. Onkel D

    Onkel D Ist fast schon zuhause hier

    Super, danke für die Antworten. Ich wollte da auch kein Fass aufmachen, deshalb kein eigener Thread, sondern hier. Eure Antworten helfen mir, das besser einzuschätzen, und die genannten Musiker werde ich mir mal anhören.
    :thumbsup:
     
    Zuletzt bearbeitet: 14.April.2026 um 09:24 Uhr
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  10. Silver

    Silver Gehört zum Inventar

    Mein Eindruck ist eher, dass es erstaunlich wenige (international aktive) Profis gibt, die mit Neuware auf Bühnen gesichtet werden.

    Endorst wird viel - auch das Selmer Supreme - aber so richtig in freier Wildbahn … eher selten.
    Mark VI und SA80 dürften die Mehrheit bei Jazz und Rock/Pop sein.
    Yamahas sind deutlich seltener, Yanagisawa sind eher ein „Geheimtipp“ und dann wird’s exotisch.

    Unabhängig von dieser Selmer-Geschmacksrichtung sind es vor allem King Super 20 und Conn NW2, 10M/6M/12M, die immer wieder auftauchen und meist einen sehr besonderen Eindruck hinterlassen. Und Büscher im Klassikbereich (vielleicht eher im Rascher-Bereich…)

    Aus eigener Erfahrung: Ein gutes Conn hat keinerlei Intonationsauffälligkeiten, die irgendwie mehr Arbeit bedeuten würden, als bei einem modernen Horn.
     
  11. JES

    JES Gehört zum Inventar

    Stimmt. Keines meiner New Wonder (1A, 2T) ist auffälliger als mein Yamaha T62, und stimmt sehr gut.
    Problematisch sehe ich eher, dass die Justage eines modernen Saxophons bekannt ist, richtige Vintages mehr Aufmerksamkeit bedürfen und das nicht jeder kann und weiß wie. Da kann durchaus bei einer GÜ Mehraufwand entstehen die Klappenaufgänge zu erspielen und zu korrigieren, bis es passt.
     
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  12. ppue

    ppue Mod Experte

    Ich denke, ein wenig liegt es in der Natur der Sache, dass diejenigen Profis weniger werden, die alte Vintage-Saxophone spielen.

    Zum einen werden die alten Kannen ja nicht mehr, zum anderen gibt es eine Menge moderner Alternativen.
     
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  13. Onkel D

    Onkel D Ist fast schon zuhause hier

    Ich hatte die Frage ja zunächst im „Das ist mein Saxophon“-Thread gestellt, bevor sie hierhin verschoben wurde. Deshalb kurz zur Erläuterung:

    Mir war einfach aufgefallen, dass im oben genannten Thread fast ausschließlich „alte“ Saxophone vorgestellt werden (von Mark VI einmal abgesehen), während ich auf Konzerten und auf YouTube bei Profis fast nur moderne Hörner sehe. Mit modern meine ich dabei alles ab Mark VI, mit alt oder Vintage alles davor (nur meine persönliche Definition, ich möchte keine Diskussion darüber starten, was Vintage ist und was modern :)).

    Dass das Mark VI bei Profis verbreitet ist, ist mir durchaus bewusst, deshalb hatte ich auch Conn als Beispiel gewählt. Hätte ich vielleicht klarer schreiben sollen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 14.April.2026 um 11:08 Uhr
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  14. Otfried

    Otfried Gehört zum Inventar

    Ich sehe in letzter Zeit immer häufiger blitzblanke neuwertig aussehende Saxophone auf Bühnen. Zwar scheint es immer noch so zu sein, dass, wer im Jazzbereich Profi werden will, sich erst mal um ein MKVI, SBA, BA und eher seltener Super20, und noch seltener Conn bemüht, aber die Tendenz ist langsam fallend.

    Was mich aber extrem verwundert, Asya Fateyeva spielt häufig (nicht nur) auf einem MKVI Sopran, und zwar Klassik.

    Irgendwann hatte ich mal gelesen, dass MKVI bei Klassik Meisterkursen nicht (mehr) zugelassen werden, Aber wenn man so populär (und gut) ist, wie sie spielt das wohl keine Rolle mehr.

    Gruß,
    Otfried
     
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  15. giuseppe

    giuseppe Gehört zum Inventar

    Mein Eindruck ist auch, dass unter den Profis die Klassiker häufiger modern, die Jazzer häufiger vintage und die Popper gemischtes Material spielen.

    Selmers ab 1950 sind sicher häufiger als alte Amis, deutsche Hörner oder andere. Aber gerade die Vintage-Amis sind meines Erachtens eher ein stabiler kleiner Anteil im Jazz, der mit Globalisierung und Internet eher gewachsen ist.

    Leute wie Jerry Bergonzi, Tucker Antell oder @Juju’s Mann sind sicher exponierte Beispiele von Spielern, die technisch besonders ausgereift sind und pre-Mark IV spielen. Sie rufen einem in Erinnerung, dass es nicht am Material liegt.

    Auf der Sachebene sehe ich es so. Es gibt gute alte Amis, die besondere Eigenschaften haben können, die man bei modernen Hörnern nicht immer findet. Ein gutes 10M oder 6M ist einem modernen Horn nicht unterlegen, aber die Einstellung ist etwas aufwendiger. Das heißt man hat im beste Fall einen Doc zum Horn und dann ist es komplett unproblematisch.

    Allerdings sind diese Hörner bald ein Jahrhundert alt und irgendwann wird es nicht mehr so viele davon geben. Dann ist das halt so. Bis dahin hat man die Wahl und kann sich selber ein Bild machen.
     
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  16. Bereckis

    Bereckis Gehört zum Inventar

    Hinsichtlich MK 6 müssen wir auch noch beachten, dass viele "Jazz-Idole" (z.B: Brecker, ...) ihr MK 6 gekauft hatten, als es das aktuelle Saxofon von Selmer war.

    Für die genannten Musiker ist es aber musikalisch wichtig, dass sie ältere Saxofone spielen.

    Sehr beeindruckendes Beispiel für mich war in zwei Bari-Workshops Rik van den Bergh (Conn) im klanglichen Vergleich zu Anatole Gomersall (modernes Yanagisawa). Rik mit dem sehr speziellen Sound nur für seine Musik und Anatole mit dem flexiblen Sound für alle Stilformen.
     
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  17. Badener

    Badener Strebt nach Höherem

    Das kann ich für mein Conn NW II Alt bestätigen. Gerade als Amateur ist es wunderbar, sich nicht so sehr mit schlechter Intonation beschäftigen zu müssen.
     
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  18. Juju

    Juju Strebt nach Höherem

    Es gibt auch zahlreiche Profis, die eher auf pre Selmer MKVI stehen, also BAs oder SBAs, da kommt man dann schon auf viele Spieler…
    LG Juju
     
  19. Silver

    Silver Gehört zum Inventar

    Das „nicht unterlegen“ hat jetzt mehrere Facetten… ich gehe mal auf die mechanische Seite.

    Ein 6M oder 10M gehört zum Geschmeidigsten, was ich je unter den Fingern hatte. Ausnahme: Pinky-Cluster links …
    Die Geometrie der Klappen, Bindungen, Federlängen usw. finde ich sehr gut ausgereift und auch die Inline-Bauweise ist überhaupt kein Problem. Im Gegenteil, es greift sich eigentlich ergonomischer so, wenn man es richtig macht und ein paar kleine Anpassungen bei Gurtöse und Daumenauflagen gemacht wurden.
    Hinsichtlich der Regulierung / Einstellung ist ein 6M/10M nur an der Kopplung Fis/Gis/Bb etwas aufwendiger, weil es dort keine Einstellschrauben wie bei den Mark VI Ablegern gibt (die gibt’s beim BA auch nicht, beim SBA bin ich mir gerade nicht 100% sicher).
    Und ja, es hilft, wenn der Reparateur die Sache mit den Madenschrauben verstanden hat, ggf. echte gerollte Tonlöcher substanzerhaltend bearbeiten kann und schon mal einen Microtuner beim Alt erfolgreich instandsetzen konnte.
    Alles andere ist m.E. nicht wesentlich schwieriger, als bei anderen Hörnern - wieder im Gegenteil: wenn ich mich erinnere, was zu den gefederten Spitzschrauben an den Selmer ab SA80 Serie II gesagt wurde…

    Eine ähnlich geschmeidige Mechanik hat so ein Mark VI und zusätzlich die Balanced Action (Technik), die den Pinky-Cluster links maßgeblich verbessert.

    Ursprünglich stammt die geniale Idee von Selmer und kam mit dem Balanced Action (Modellbezeichnung) auf den Markt. Das ist noch Inline und es geht über der rechten Hand extrem eng zu - sowohl beim spielen, als auch beim reparieren. Tenor geht noch ganz gut, beim Alt stößt man mit großen Händen ständig an.
    Deshalb kam das Super (nix Balanced) Action mit dem Offset der Tonlöcher und ein paar Detailverbesserungen. Das war der einzige Grund. Ergonomischer zu greifen ist das eigentlich nicht - man knickt ja jetzt das rechte Handgelenk nach außen. Bei Inline war es in gerader Linie zum Unterarm.

    Beim Mark VI wurden dann ein paar komplizierte Lösungen von BA und S(B)A verbessert wodurch es nochmal geschmeidiger aber auch einfacher zu produzieren war. Der Pinky-Cluster steht eine Idee schräger vom Korpus ab, als bei BA und S(B)A - das gleicht das durch Offset gewinkelte Handgelenk wieder ein bisschen aus. (Ab dem Mark 7 steht das Elefantenohr noch weiter ab)

    Alle Mark VI haben eher kurze Hebel und lange Federn (ähnlich wie Conn 6M/10M) und sind dadurch sehr geschmeidig.
    Stephen Howard hat sich sehr über die deutlich kürzeren Federn am Ref.54 gewundert und führt ein anderes - für ihn weniger angenehmes - Spielgefühl genau darauf zurück.


    Wenn ich also die Conn 6M/10M mit einem modernen Horn vergleiche, sehe ich eine Menge mechanische Sachen, die ich mindestens genauso gut oder besser finde. In Sachen Einstellung sind es halt Korke statt Schrauben an manchen Stellen. Aber dieser vermaledeite Pinky-Cluster…
     
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  20. Juju

    Juju Strebt nach Höherem

    Das Problem hast Du halt nicht beim 30M/26M, da ist es fast so wie man es von moderneren Modellen kennt...
    LG Juju
     
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