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Interview mit Quadro Nuevo

Artikel in 'Interviews', hinzugefügt von matThiaS, 13.Februar.2008. Current view count: 887.

Mit ihrer Mischung aus Tango, Valse Musette, Flamenco, Jazz, orientalischen und südländischen Melodien entführt Quadro Nuevo den Zuhörer in abenteuerliche Klangräume. Auf der Bassklarinette gespielte didgeridooartige Obertonkaskaden werden in den Quadro Nuevo spezifischen Sound ebenso integriert wie Streichpsalter und andere exotische Instrumente und Klänge.

Wer nicht die Chance hat die Band demnächst live zu erleben, sollte sich auf der Homepage von Quadro Nuevo, auf der es etliche Soundbeispiele gibt, einen ersten Eindruck verschaffen.

saxophonforum.de: Der Quadro-Nuevo-Tourbus rollt momentan quer durch Deutschland, Österreich und Italien sind Ziele in den nächsten Wochen. Das zeigt, dass ihr eine gefragte Band seid. Wie begründest du den 'Erfolg' eurer Musik?

Mulo Francel: Wir sind nicht nur vier Musiker, denen es riesigen Spaß macht, zusammen zu spielen. Wir sind auch vier Freunde und ziehen seit über zehn Jahren an einem Strang. Mit Didi, dem Bassisten spiele ich schon seit über 20 Jahren. Unsere erste Band gründeten wir bereits in der Schule.
Vielleicht merken die Menschen, daß da vier Männer auf der Bühne stehen, die sich gegenseitig mögen, respektieren und viel gemeinsam erleben.
Zum anderen ist dieser Erfolg stets auch harte Arbeit: musikalisch und organisatorisch. Wir spielten von Anfang an unglaublich viel, auch für sehr geringe Gagen. Spielten sogar auf der Straße, einfach weil wir wollten, daß uns die Leute hören.


saxophonforum.de: Auf eurer Webseite steht, dass sich die Bandmitglieder anlässlich einer Filmusikaufnahme kennen lernten. Kannst du kurz erläutern, wie sich eure weitere Bandgründung vollzog und vor allem, wie ihr euren unverwechelbaren Stil gefunden habt?

Mulo Francel: Nach den Filmmusikaufnahmen beim ORF in Salzburg gingen wir erstmal ins dortige Spielcasino und verspielten die Gage. Das war schon mal ein guter Start, denn gute Freundschaften resultieren oft aus intensiven gemeinsamen Begegnungen. Da uns der akustische Sound von spanischer Gitarre, Saxophon, Kontrabass und Akkordeon im Zusammenklang so begeisterte veranschlagten wir ein kleines Konzert in einem Rosenheimer Jazzclub.
In den nächsten Wochen stellten wir ein Programm zusammen, jeder steuerte Lieder bei, die zur Instrumentierung passend erschienen und dann ging es auf die Bühne. Der Spaß war riesig und das Publikum war entzückt. Viele sagten, sie hätten soetwas noch nie gehört und doch schienen die Klänge aus irgendeiner Vorzeit, vielleicht aus dem kindlichen Paradies, vertraut.
Das ist nun genau 10 Jahre her.

saxophonforum.de: Wenn man euren prallen Tourneekalender anschaut und die damit verbundene Fahrerei vor Augen hat, könnte man euch ja als moderne Nomaden bezeichnen. Wie empfindest du dieses Leben ohne ein festes Zuhause?

Mulo Francel: Ich gebe mit Quadro Nuevo etwa 200 Konzerte im Jahr. Manche davon in großer Ferne, wie Kanada, Singapur oder Australien. Dann spiele ich noch etwa 60 Konzerte im Jahr mit der Harfenistin Evelyn Huber im Duo. Dazu kommen Termine mit der Plattenfirma, Studioaufnahmen und dergleichen. Bleiben also noch etwa 60 Tage, die ich intensiv mit meiner großen Familie und Freunden verbringe.
Wenn wir etwas länger gemeinsam Zeit haben, dann versuchen wir immer zu reisen. Ich bin einfach gerne unterwegs. Das inspiriert mich immer.

saxophonforum.de: Habt ihr eine Crew, die euch bei der Tour begleitet, einen Fahrer für den Bus, oder macht ihr alles alleine?

Mulo Francel: Nein, wir machen immer alles selbst. Wir bauen selbst auf und ab und verkaufen in den Konzerten selbst unsere CDs.
Auch bei der Produktion der CDs gestalten wir immer von vorne bis hinten selber mit: Musik, Sound, Mischung, Cover, Texte.
Wir haben auch keinen Fahrer. Einer von uns fährt unseren Ford-Transit, der ürigens Ferdinand heißt. Einer ist der Beifahrer und navigiert oder legt gute Musik auf. Zwei dürfen auf den Rückbänken üben oder schlafen. Dann wechseln wir durch. Auf unserer DVD Quadro Nuevo : LIVE haben wir eine Tour durch Italien gefilmt. Da kann man das alles sehr schön miterleben !

saxophonforum.de: Auf deiner Homepage stellst du mehrere Ensembles vor, bei denen du neben Quadro Nuevo nach tätig bist. Hast du für diese Prokete noch ausreichend Zeit?

Mulo Francel: Leider zu wenig. Ich hätte viele Ideen für diverse Ensembles.
Ich habe aber festgestellt, daß es ganz hilfreich ist, sich auf einige wenige Projekte zu konzentrieren.

saxophonforum.de: Das Kinderprogramm des trio blasirello liesst sich ja sehr spannend. Hast du besondere Erfahrungen daraus gewonnen, wie sprechen die Kinder darauf an?

Mulo Francel: Wir spielten jahrelang für die von Jehudi Menuhin initiierte Stiftung 'Live Music Now' in Kinderheimen, Waisenhäusern, Asylantenheimen und Krankenhäusern. Kinder sind das ehrlichste Publikum. Sie zeigen oft sofort ihre Begeisterung und sagen auch, wenn Ihnen etwas nicht gefällt. Das sind oft Kinder, die sonst nie Gelegenheiten haben, Kultur zu erleben. Sie stellen dann viele Fragen und freuen sich, wenn man sich um sie bemüht. Ich war sehr ergriffen, als uns ein kleiner Bub auf der Kinder-Krebsstation selbstgetöpferte und mit Blumen bemalte Tassen schenkte.

saxophonforum.de: Ihr habt das Programm auch in Krankenhäusern, Strafvollzugsanstalten und Asylantenheimen gespielt. Ist es ein Problem an einem Ort zu spielen, in dem erstmal vielleicht erstmal eine bedrückte Atmosphäre herrscht?

Mulo Francel: Ja, während man reingeht und aufbaut schon. Oft kommt man sich erstmal wie ein Eindringling vor. Der Reiche im Reich der Armen, der Gesunde unter den Kranken, der Freie unter den Eingesperrten. Man hat ein schlechtes Gewissen, daß es einem im Vergleich zu diesen Menschen so gut geht. Aber ich komme um ihnen was zu geben: Musik, Ablenkung und vor allem Wertschätzung! Wenn man dann spielt, wird man sicherer und die Barrieren schwinden.

saxophonforum.de: In einem Interview mit einem Saxophonisten/Klarinettisten darf die Frage nach der Hardware natürlich nicht fehlen. Welche Setups verwendest du?

Mulo Francel: Tenor: Selmer Mark 6, 50er Jahre, Metallmundstück V16 von Vandoren, mittlere Bahn, Blätter Vandoren Java Stärke 3,5

Sopran: Yamaha YSS 62, verlängert zum tiefen A, Kautschuk-Mundstück Otto Link 7*, Blätter Vandoren Stärke 3

C-Melody-Sax von Conn, 20er Jahre, dazu ein Otto Link Kautschuck-Tenor-Mundstück enge Bahn mit Blätter Vandoren Java Stärke 3,5

Klarinette von Marigaux, Paris, Böhm-System, mit Original-Mundstück und Blätter Vandoren Stärke 3.

Bassklarinette von Artley, billig und aus Kunststoff, daher aber auch temperaturresistent. Originalmundstück, Blätter Vandoren Java Stärke 3,5 für Tenor-Sax

Dann habe ich noch eine Alt-Klarinette und eine alte Kontra-Bassklarinette von Leblanc.

saxophonforum.de: Es gibt ja Saxophonisten, die sehr schnell ihre Lieblinshörner und Mundstücke gefunden haben. Andere sind lebenslang am ausprobieren. Zu welchem Typ würdest du dich zählen?

Mulo Francel: Ich habe früher mein ganzes Geld in Instrumente und Mundstücke investiert. Seit etwa 10 Jahren spiele nun diese Konstellation. Ich habe festgestellt: Wechsle ich ein Instrument oder auch nur ein Mundstück aus, so hat das auch Auswirkungen auf das Spiel der anderen Instrumente.
Ich glaube mein Hirn hat nicht nur die Ansätze zu den jeweiligen Hörnern abgespeichert, sondern vor allem auch die Umstellungen beim Hornwechsel auf der Bühne. Wenn ich da jetzt zu viel erneuere, dann kommt das Hirn total durcheinander.

saxophonforum.de: Du spielst auch das sehr selten verwendete C-Melody, das du manchmal als Zirkussaxophon ankündigst. Aus welchem Grund setzt du es ein?

Mulo Francel: Es klingt einfach anders: altertümlich, weich, passen zu speziellen Liedern. Es paßt zu Filmmusik zu Fellini-Filmen, niemals aber zu Funk-Grooves. Vielleicht kommt sein eigenartiger sound von seiner schlechten Intonierung?

saxophonforum.de: Mit wie vielen Jahren hast du mit dem Saxophonspielen begonnen?

Mulo Francel: Sehr sehr spät: mit 17 ! Ich hatte auch anfangs keinen Lehrer, spielte autodidaktisch zu Jazz-LPs.

saxophonforum.de: Ab wann war es dir klar, dass Musik dein Beruf werden sollte? Hattest du je Zweifel daran, oder war es immer klar, dass es 'deine Sache' ist?

Mulo Francel: Ich habe nie ernsthaft geglaubt, daß Musiker ein Beruf für mich werden würde. Immer nur heimlich davon geträumt. Erst als ich mit 24 Jahren etwa 150 Auftritte im Jahr hatte und es dann immer mehr wurde war ich halt einfach Musiker. Ich habe neben Musik viele Interessen, habe Geschichte, Linguistik studiert und bin viel gereist.

saxophonforum.de: Hast du einen Tipp für Saxophonisten, eine spezielle Übung, oder auch eine Herangehensweise an Musik?

Mulo Francel: Es gibt so viele Wege und Möglichkeiten mit Musik umzugehen. Ich finde aber, jeder Musiker sollte versuchen in einem Ensemble mitzuspielen. Egal auf welchem instrumentalen Niveau er sich auch befindet. Es gibt so viele Kavierspieler, die alleine vor sich hinklimpern. Sucht Euch einen netten und versucht es zusammen. Erst nur ein paar Töne und einige Akkorde dazu, dann vielleicht ein Lied, dann Improvisieren und so weiter. Trefft Euch immer wieder. Macht Euch selber Lieder oder sucht euch schöne Noten. Werdet nicht müde oder frustriert dabei. Irgendwann wird Euch die Musik dafür belohnen !

saxophonforum.de: saxophonforum.de bedankt sich herzlich bei Mulo Francel für dieses Interview und wünscht (nicht ganz uneigennützig) Quadro Nuevo noch viele musikalische Sternstunden.