Sax und "Leierkasten"

Dieses Thema im Forum "Eigene (musikrelevante) Themen" wurde erstellt von Isachar, 12.Januar.2016.

  1. Isachar

    Isachar Guest

    Hallo Zusammen !

    Ich habe ein Video der Band "FAUN" , also sowas mittelalterlich/ modernes. Ist normalerweise nicht so mein Ding ,aber dieser Sound gefällt mir ganz gut.
    Da spielt nun eine der Maiden , nebst etlichen anderen alten Instrumenten etwas, was ich unter dem Namen "Leierkasten" verstehe.
    Das Ding sieht aus wie ein Ei oder ein gestauchter Cellokorpus und sie kurbelt die ganze Zeit daran herum, drückt aber auch auf irgendwelche Tasten.

    Das Ding fasziniert mich und ich würde sowas gerne mal auf dem Baritonsax begleiten !

    Aber was mich am meisten plagt ist, daß man bei Google unter "Leierkasten " Immer nur die Drehorgel findet, die wir wohl alle aus Fußgängerzonen und von Jahrmärkten her kennen.
    Was könnte das also sonst für ein Instrument sein, woran man kurbeln muß und auch Tasten drücken ?
    Es klingt schnarrig melodiös-bassig, sehr Mittelalterlich eben, und ich kann es einfach nicht einordnen

    Kennt jemand hier sowas und /oder hat sogar schonmal mit sowas zusammengespielt ?

    Würde mich mal arg interessieren !!

    Isach
     
  2. Isachar

    Isachar Guest

    In Dieser Tube sieht man, was ich meine, hier spielt den Leierkasten allerdings ein Typ, ganz links

     
  3. ppue

    ppue Mod Experte

  4. Isachar

    Isachar Guest

    Danke @ppue

    Das Ding trifft den Nagel auf den berühmten Kopf !

    Das Gerät hat also ein Rad drinnen, was mit der Kurbel betätigt wird so quasi wie der Bogen bei ner Geige und die Tasten ersetzen die Bünde ( die ne Geige ja garnicht hat !! )
    Versteh ich das richtig ?
    Wäre ja krass !

    Auf jeden Fall faszinierend das Ding !

    Grüßle

    Isach
     
  5. RomBl

    RomBl Guest

    Ursprünglich habe ich lange Zeit mittelalterliche und Renaissance-Musik gemacht. Ein Bekannter aus unserem Ensemble hatte eine Drehleier, die einen sehr eigenen, schnarrigen Ton hat.
    Mittelalterliche Instrumente haben ihren eigenen Charme und bieten sehr interessante Klangnuancen.
    Ich war damals bei den Blasinstrumenten zuhause, also bei sowas, sowas und sowas.
     
  6. Roland

    Roland Strebt nach Höherem

  7. Isachar

    Isachar Guest

    @RomBl

    Ja, Krummhorn, Schalmei und Rankett kenne ich ! Sehr schön finde ich auch den oder das "Serpent" das Ding macht seinem Namen ja alle Ehre, obwohl ich sowas noch nie spielen gehört habe aber die Schlangenförmige Form mit den simplen Grifflöchern und "Trompetenmundstück" hat was !
    Auch die Dudelsäcke sind klasse, obwohl ich mich bis heute frage, wie man wohl einen Wischer durch den Beutel zieht, oder bleibt die Feuchtigkeit der eingespeicherten Atemluft da einfach drinnen und gammelt herum ?

    @Roland

    Ja, der Preis ist ganz ordentlich ! Aber zum Glück will ich sowas ja nicht kaufen ! Ich knapse immer noch an den finanziellen Folgen meines Baritonsaxes herum da wären 14 K Euro eh nicht drinne gerade. ;-)

    Mal die Frage an die Experten: Das Instrument, welches ich hier meinte heißt also "Drehleier" und unter dem Begriff "Leierkasten" fnde ich im Internet immer die "Drehorgel".
    Ist also der "Leierkasten" tatsächlich eine Drehorgel ? Ich habe nämlich noch nie jemanden eine Drehorgel so nennen gehört.

    Grüßle

    Isach
     
  8. Roland

    Roland Strebt nach Höherem

    Ja. :)

    Grüße
    Roland
     
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  9. RomBl

    RomBl Guest

    Einen Serpent (und auch einen Zink, gleiches Mundstück) habe ich bei einem Workshop vor ewigen Zeiten schon einmal in der Hand gehabt und auch schon einmal reingeblasen, habe aber keinen vernünftigen Ton raus bekommen. Beide (Zink und Serpent) werden mit Kesselmundstück gespielt. Der Serpent ist ein Bassinstrument und so gebogen, weil wenn er eine gerade Form hätte (wie ein gerader Zink), unendlich lang wäre und man Orang Utan-Arme zum Spielen bräuchte.
    Vom Klang her sehr verwandt mit den heutigen Blechblasinstrumenten dieser Stimmlage (vielleicht ein wenig roher / ungeschliffener vom Klangbild), nur unendlich laut (Freiluftinstrument) und von der Intonation her (wie fast alle mittelalterlichen Instrumente) extrem diffizil.

    In unserem Ensemble (mittelalterliche Instrumente gemischt, Windkapsel- Doppelrohrblatt etc.) hatten wir in der Anfangszeit Tage, wo wir eine Stunde nur gestimmt haben und gar nicht zum Spielen gekommen sind, weil das so greuselig klang. Gerade bei feuchter Witterung spann jedes dieser Instrumente anders.
     
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  10. Isachar

    Isachar Guest

    @RomBl

    Ja, daß Serpente so gebogen sind aus Spieltechnischen Gründen, das habe ich mir schon gedacht. Ist ja bei vielen Instrumenten so !
    Stell Dir mal ein gerade gebautes Baritonsax vor oder eine Tuba !
    Ich würde sowas ja gerne mal ausprobieren, aber ich komme mit diesen Kesselmundstücken absolut nicht klar. Mein Bruder hat mich mal in seine Posaune reinblasen lassen und mein Vater auch in sein Jagdhorn aber das klang immer nach Babywindel voller Durchfall, zu gutdeutsch also beschissen, egal wie viel Mühe ich mir gegeben habe, da wenigstens einen sauberen Ton rauszubekommen.

    Aber ich finde die Einfachheit und die Bauform der Serpente einfach klasse !

    Isach
     
  11. ppue

    ppue Mod Experte

    Dr Drehorgelspieler heißt sogar Leiermann.
     
  12. Isachar

    Isachar Guest

    @ppue

    Jetzt, wo Du das sagst/schreibst klingelt in meinem Kopf etwas.
    Stimmt ! Den Ausdruck "Leiermann" kenne ich auch.
    Habe den nur nie mit "Leierkasten" in Verbindung gebracht, denn eine Drehorgel klingt für mich ja tatsächlich eher nach "Orgel" während ich eine Leier eher mit einem Saiteninstrument in Verbindung gebracht habe, in etwa sowas was der Barde Troubardix in den Asterixcomics spielt, irgendwie eine kleine Harfe oder so ähnlich.

    ;-)

    Isach
     
  13. ppue

    ppue Mod Experte

    Du meinst eine Lyra und ja, die sind verwandt:

    Aus Wiki:

    "Die Lyra (griechisch λύρα) ist ein antikes Saiteninstrument aus der Familie der Leiern (Jochlauten), das aus dem 9. Jahrhundert v. Chr. stammt. Im Gegensatz zu der Kithara, mit der es verwandt und von der es mitunter schwer zu unterscheiden ist, weist es keinen Fuß auf."
     
  14. ppue

    ppue Mod Experte

    Ich denke, dass vom Drehleierspiel das Wort Leier sich zur Tätigkeit des Leierns (Drehens) umgedeutet hat und dann auf die Tätigkeit des Drehorgelspielers übertragen wurde.
     
  15. Isachar

    Isachar Guest

    Lyra = Leier
    Leiern = Drehen

    OK, dann lag ich also doch nicht ganz so falsch und habe den feinen Unterschied nun wohl kapiert.

    Schönen Dank ! Man lernt hier doch immer noch was dazu !

    Isach
     
  16. quax

    quax Gehört zum Inventar

    Früher, gaaanz viel früher, gabs mal ein Wort für das Leierspielen. Ich glaub im Mttelhochdeutschen. Davon weiss ich allerdings noch am besten, dass es das mal gab.Aber Duden sei Dank:
    Das Wort fürs Leierspelen hiess wohl "liren". Da hätte wir dann:
    Lyra>Liren>Leierspielen >Drehleierspielen>Leiern>Kurbel> Kurbelkasten>Leierkasten etc
    And the winner is ppue.
    LG quax
     
    Isachar gefällt das.
  17. saxoson

    saxoson Ist fast schon zuhause hier

    Die Drehorgel ist in der Tat eine Orgel mit Pfeifen. Der Luftbalg wird mit der Kurbel betätigt
    und damit die richtigen töne erklingen ist eine Art Lochkartensystem in den Drehmechanismus
    eingebunden.
    Ernst
     
  18. 47tmb

    47tmb Gehört zum Inventar

    Leiern = nicht gleichmäßig drehen :)
     
  19. saxfax

    saxfax Strebt nach Höherem

    Ich auch! Hier spielt der Meister
    Michel Godard
    :

    [​IMG]
     
  20. Saxax

    Saxax Ist fast schon zuhause hier

    Ja, das ungleichmäßige Drehen braucht´s bei der Drehleier, da viele Modelle eine Art Schnarre dran haben, die bei Beschleunigung der Drehbewegung den Rhythmus macht.

    Unklar ist mir aber, was man neben der Drehleier mit einem Bari machen sollte. Die Drones sind in der Leier ja schon eingebaut :)


    keep swingin´



    Euer Saxax
     
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