Wie sollte man sich ein Stück erarbeiten

Dieses Thema im Forum "Anfänger Forum" wurde erstellt von Gelöschtes Mitglied 11184, 11.September.2016.

  1. Gelöschtes Mitglied 11184

    Gelöschtes Mitglied 11184 Guest

    Ich bin immer mehr am überlegen, wie man sich ein neues Stück erarbeiten sollte. Auch mit dem Hintergedanken, dass man es später auswendig und in jeder Tonart spielen kann.

    Ist es nicht sinnvoll anhand der Tonart festzustellen welche Tonnummer die einzelnen Töne haben und sich nur das zu merken? Also c-dur... C.. G -> 1 5

    Wenn man in einer anderen Tonart spielt Dan spielt man den 1. Und den 5. Ton

    Oder wie macht Ihr das, wenn Ihr ein Stück auswendig lernen müsst, oder Transponieren?
     
  2. saxhornet

    saxhornet Experte

    Da gibt es verschiedene Ansätze. Deine Vorgeschlagene ist schon gut, hat aber das Problem daß Du dann zwar die Tonhöhe relativ zu einer Tonart hast und so schneller transponieren kannst, aber Dir nicht bewusst ist was bei Modulationen oder den Tönen in Relation zum jeweiligen Akkord passiert.
    Das mag egal sein wenn es einem nur ums Transponieren geht aber wenn man wirklich flexibel werden will reicht es nicht.
     
    Zuletzt bearbeitet: 12.September.2016
  3. ppue

    ppue Mod Experte

    Ich denke, am Praktischsten ist es, wenn man lernt, die Stücke zu singen. Kennt man eine Melodei, dann kann der Kopf die problemlos transponieren und die Stimme in allen Tonarten singen.

    Fehlt noch der zweite Schritt: Das im inneren Ohr Gehörte dann in Griffe umzusetzen. Das muss man leider lange üben. Man kann sich Übungen dazu machen, gibt sicher auch Apps, die einen Ton vorgeben, den du finden musst. Oder man spielt alles mögliche auswendig, vom einfachen Kinderlied bis zu komplexeren Sachen.

    Dieses Spielen nach dem inneren Ohr ist eine grundsätzliche und absolut bereichernde Technik, die man in allen Bereichen des Musizierens braucht.
     
    RomBl und mixokreuzneun gefällt das.
  4. bluefrog

    bluefrog Strebt nach Höherem

    Das verstehe ich nicht ganz. Die harmonische Struktur muss man auf jeden Fall ja noch zusätzlich lernen. Wenn man aber die relative Tonhöhe hat, ist da schon der erste Schritt getan, man hat die Stufen und nicht nur isolierte Töne gelernt.

    LG Helmut
     
  5. bluefrog

    bluefrog Strebt nach Höherem

    @ppue
    Das ist der Idealfall. Wenn man noch nicht so weit ist, nach Ohr spielen zu können, ist es trotzdem sinnvoll, Stücke auswendig zu lernen. Also muss eine Strategie her.
    Außerdem übt das Auswendiglernen und Transponieren wiederum umgekehrt das innere Ohr. :)

    LG Helmut
     
  6. ppue

    ppue Mod Experte

    Eine Strategie, auswendig spielen zu lernen, hm. Ich kenne leider keine bessere, als das Ohr zu benutzen.

    Nach dem Ohr zu spielen, ist ein A und ein O. Ich hatte in meiner Jugend einen Klarinettenlehrer, der 10 Minuten der kostbaren Unterrichtszeit damit "vergeudete", mir zufällige Töne am Klavier vorzuspielen, die ich dann treffen sollte. Dann einen Bruder, der wirre Akkorde auf dem Klavier spielte, zu denen ich "richtige" Töne finden musste. Super Training!

    Entscheidend ist gar nicht, dass man die Noten auf Anhieb trifft, sondern dass man immer bessere Methoden entwickelt, schnell zum richtigen Griff zu finden.

    Ich halte jede andere Rechenmethode, ein Stück in allen Tonarten zu spielen, für einen Umweg, der zu viel Zeit kostet. Es gibt Leute mit fotografischem Gedächtnis, die scannen eine Notenseite und haben sie intus. Ob sie diese transponieren können, weiß ich nicht.

    Ich muss vieles auswendig spielen. Mehrere Abendprogramme. So lange diese am Stück gespielt werden, weiß ich auch immer Bescheid. Werden sie seltener gespielt, gebrauche ich auch andere Hilfsmittel. Meist habe ich die ersten drei Noten dann optisch im Gedächtnis. Geht nur um den Anfang, danach läuft es.

    Langer Rede kurzer Sinn: Am Besten lernt man auswendig spielen, indem man lernt, nach dem Ohr zu spielen. Ganz klar meine Strategie.
     
  7. macpom

    macpom Ist fast schon zuhause hier

    Ich versuche es in der Regel auch mit den Intervallen der Tonart. Aber in meinem Alter, vergesse ich es auch schnell wieder, dann brauche ich doch Noten. Wenn man aber richtig in einem Stück drin sein will, macht das auf jeden Fall Sinn. Wenn du es dann noch in ein paar unterschiedlichen Tonarten spielst, sitzt es viel sicherer.

    Andreas
     
  8. flar

    flar Guest

    Moin, moin

    Ich merke mir auch immer die Tonhöhe, als V, kl.VII usw, allerdings nicht im Bezug zur Tonart sondern zu dem zugrunde liegendem Akkord.
    Das ist im Blues, Rock und Pop Bereich und natürlich auch im Jazz von Vorteil da es meistens nicht ganz harmonisch eindeutig (bezogen auf die Grundtonart) während eines ganzenTitels zu begeht.
    So brauche ich nicht ständig darauf zu achten in welcher Tonart ich mich gerade bewege.
    Ich nutze das aber eher beim arrangieren, im Vergleich zum spielen also ultra langsam, und wenn mir mal eine schöne Idee kommt die vielleicht nicht ganz in die Harmonie paßt probiere ich den Akkord eben zu verändern. ;)

    Viele Grüße Ralf
     
    saxhornet gefällt das.
  9. Saxophonia

    Saxophonia Ist fast schon zuhause hier

    Ich mache es meistens so:
    Zuerst hole ich mir die Lyrics. Die helfen mir bei der Interpretation des Stücks, ausserdem kann ich mir eine Melodie besser merken (gerade wenn ich ein Stück länger nicht gespielt habe), wenn ich Textpassagen kann.
    Dann übe ich das Stück erstmal auswendig.
    Gleichzeitig schreibe ich mir über die Akkorde, welche Stufen (bzw. die Stufe von der STufe, wenn ich mir die Relation zur Ausgangstonart verdeutlichen will), wo es Quartverbindungen gibt bzw. iiVI-Verbindungen. Wo gibt es Tonartwechsel usw.
    Ich höre mir auch auf Youtube andere Interpretationen an.
    Beim Üben konzentriere ich mich erstmal auf die Akkordtöne (weil ich die noch nicht so schnell abrufen kann).
    Oder ich konzentriere mich auf andere Aspekte, die ich beim Improvisieren mal berücksichtigen will.
    Wenn ich dann aber den Song spiele, vergesse ich das alles und improvisiere mal drauf los.

    Ausserdem spiele ich regelmässig mein Repertoire durch, (aber nur schnell und angedeutet - allerdings immer mit gutem Sound und "musikalisch"), damit ich es nicht vergesse.
     
  10. saxhornet

    saxhornet Experte

    Flar hat es schon gut beschrieben. Ein Stück aus dem Bereich Jazz wechselt gerne auch mal öfters die Tonart und ist nicht durchgehend modal oder funktional nur in einer Tonart.
    Das ist fürs reine Transponieren oder eins zu eins Nachspielen der Melodie unerheblich aber halt auch nicht das was man im Jazz macht. Für Variationen des Themas und Verzierungen oder kurze eingebaut Improvisationen (ins Thema eingebaut) ist es wichtig den harmonischen Zusammenhang zu kennen wo man sich befindet und wie die Melodie in Relation zun den Harmonien funktioniert und variiert werden kann.
    Trennt man Thema und Harmonien komplett, wissen öfters Spieler gar nicht bei welcher Stelle der Melodie gerade was harmonisch passiert. Sie kennen die Melodie, sie kennen die Harmonien, aber halt getrennt und nicht im Zusammenhang. Aber gerade diesen Zusammenhang finde ich wichtig fürs Spielen.
    Da haben es Pianisten leichter......
    Aber wenn es nur darum geht einfach eine Melodie im Kopf zu transponieren kann es helfen die Töne einfach in eine Tonart erstmal als Korsett reinzuzwängen, man sollte sich aber der Tücken bewusst sein.
     
  11. Gelöschtes Mitglied 11184

    Gelöschtes Mitglied 11184 Guest

    Vielen Dank für die Antworten....und jetzt der Grund warum ich frage...

    Wenn ich ein Stück übe, dann kann ich es ca. nach dem vierten Mal auswendig spielen. Die Finger bewegen sich dann ohne das ich nachdenke. Das Problem ist aber, dass ich manchmal hängen bleibe und dann muss ich nach Gehör kurz probieren wie es weiter geht. Ich kann mir nie sicher sein, dass ich wirklich bis zum Ende durchkomme (meist nur so 90%).

    Muss man transponieren, dann wird es kompliziert: 1) nächster Ton linker Zeigefinger 2) das ist H 3) ok drei Töne höher ....... irgendwie muss das doch anders gehen .......

    Aber @ppue das mit dem Hören geht doch so in meine Richtung oder ???? Man hört das Lied innerlich in einer Tonlagen und spielt dann einfach drei Töne höher (relative Tonhöhe) ????
     
  12. stefalt

    stefalt Strebt nach Höherem

    Du spiest etwas 4x und kannst es auswendig .:applaus:.. Chappeau!

    Ich bekomme es beim 4. Mal meist noch nicht mal fehlerfrei mit Noten durchgespielt, Neid!
     
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  13. RomBl

    RomBl Guest

    Das beisst sich ein wenig mit dieser Aussage aus einem anderen Thread:

    :D:D:D
     
  14. stefalt

    stefalt Strebt nach Höherem

    :-D
     
  15. Viper

    Viper Ist fast schon zuhause hier

    ...das ist m.E. das Entscheidene für Improvisation, um eine momentane Idee (Phrase, Intervall, etc.), die gerade im Kopf ist auch sofort umsetzen zu können.
     
  16. tunundlassen

    tunundlassen Ist fast schon zuhause hier

    ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich Stücke (konkret gehts bei mir um Jazz-Standards) am besten einpräge, wenn ich NIE Noten gesehen habe, sondern von Beginn weg nach Gehör gespielt habe, sprich, die Melodie von einer Aufnahme rausgehört habe. Aktuell bestes Beispiel dafür ist "Blue Bossa".

    Bei "Doxy" habe ich "dummerweise" mal auf das Leadsheet geschaut, vorallem, um über die Form zu improvisieren.

    Jetzt habe ich bei Doxy das Problem, dass ich beim Auswendig spielen vor meinem "inneren Auge" mich versuche an das Schriftbild der Noten zu erinnern. Abgesehen davon, dass ich so nie wirklich frei interpretieren kann, weil ein Grossteil der "Brain-Power" dafür draufgeht, mich ans Notenbild zu erinnern, habe ich eindeutig das Gefühl, dass die Melodie weniger gut verinnerlicht ist, als beim "Vergleichsstück" Blue Bossa.

    @ppue das mache ich öfters mal mit mir selbst, ich sitze mit dem Rücken zum Klavier und drücke eine Taste, und versuche dann den Ton zu singen und dann auf dem Sax zu finden. Super Übung!
     
  17. Gelöschtes Mitglied 11184

    Gelöschtes Mitglied 11184 Guest

    Bei den meisten Stücken gibt es ja Wiederholungen .... z.B. on the sunny side of the street 2xA 1xB 1xA ... ist ja nicht so schwer
     
  18. Gelöschtes Mitglied 5328

    Gelöschtes Mitglied 5328 Guest

    Was ich an mir bemerke ist, dass es mehr bringt nicht ständig neue Stücke zu erarbeiten, sondern an denen, die man glaubt zu können, immer wieder zu arbeiten. Verschiedene Interpretationen hören, verschiedene Stile probieren. am Ausdruck, Rhythmik und Dynamik arbeiten, grade auch gemeinsam mit der Band.

    Ich finde es faszinierend wie die Stücke dadurch nie langweilig werden, es sich immer wieder neue Wendungen erschließen.

    CzG

    Dreas
     
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  19. tunundlassen

    tunundlassen Ist fast schon zuhause hier

    trifft wohl definitiv zu. "repetition and consistency" sagen die Amis... Immer und immer wieder wiederholen, bis sich das Gehör und das "Muskelgedächnis" das Stück wirklich verinnerlicht haben. Trifft wohl beim Erarbeiten zu, genau so aber beim Erhalt...
    Wahrscheinlich ist es möglich, viele verschiedene Titel in kurzer Zeit "draufzuschaffen", aber diese nach Jahren noch abzurufen wird schwer, wenn die einzelnen Titel nicht ins Langzeitgedächnis gewandert sind...
    Ganz abgesehen davon, dass man ja bekanntlich aus einem Chorus Solo, von einem Titel, von einem Album soo viel rausziehen kann / könnte...

    Das braucht dann aber richtig viel Disziplin, und natürlich auch eine riesige Begeisterung, für genau diesen Chrous genau dieses Titels... Das fällt mir doch sehr schwer, mich auf einen Titel wirklich lange einzulassen... Die Ablenkung ist doch sehr gross, und aus einem Standard werden dann halt 3, die man so einigermassen kann :-(
     
  20. saxhornet

    saxhornet Experte

    Die Herangehensweise ist halt nur eine Seite der Medaille, keine Schlechte aber auch sie hat Mängel und mitunter braucht es so sehr sehr lange bis man einen Song lernt (abhängig vom Ohr und Bewegungsgedächtnis).
    Ich würde immer mehrere Wege nutzen und üben, so erhöht sich der Lerneffekt.
     
    bluefrog gefällt das.
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