Beethoven ist auch back... aber wie ?

Dieses Thema im Forum "Eigene (musikrelevante) Themen" wurde erstellt von CBlues, 17.Oktober.2021.

  1. CBlues

    CBlues Strebt nach Höherem

    ...läuft grad bei mir grad als Sonntagnachmittag Konzert.

    Beethoven X - The AI Project

    ( Achtung: der Link führt auf eine externe Seite. Magneta Musik 360)

    Ich finde es... interessant und war der Meinung es mag evtl. Mitinteressierte geben.
    Wen es nicht interessiert, der mag dieses für sich behalten.

    LG und einen schönen Sonntag noch,
    Lothar
     
  2. altblase

    altblase Strebt nach Höherem

    Künstliche Intelligenz wird überschätzt! Beethoven würde sich im Grabe umdrehen.:cool:
     
  3. ehopper1

    ehopper1 Strebt nach Höherem

    Mag sein, muss aber nicht.
    Beethoven war zu Lebzeiten ja sehr kritisch, aber auch innovationsfreudig.
    Vielleicht hätte er so etwas gutgeheißen, wer weiß?
    Aber Spekulation hin oder her.
    Ich finde das Projekt interessant und werde es mir gelegentlich mal anhören.

    LG
    Mike
     
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  4. JES

    JES Gehört zum Inventar

    Wieso?
    Das ist doch hier ein ideales Feld für KI. Das Thema ist da, aus der historie lassen sich Muster typisch für den Komponisten ableiten, gleiches für den Einsatz der unterschiedlichen Instrumente. Der eigentlich kreative Teil war ja vorhanden.
    Ich habe bedenken, wenn es um grundsätzlich neues geht. KI erkennt Muster, Zusammenhänge, aber ob das reicht wirklich kreativ zu sein und auf etwas vollkommen Neues zu kommen? Klar, oft genug try and error führt auch zum Ziel, aber...
     
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  5. visir

    visir Gehört zum Inventar

    Ich hab nur ein Stück in den Beitrag reingehört, insbesondere den Teil vom Telekom-Chef: das ist/ war in diesem Fall genau der Punkt. Die KI hat keinen kreativen Beitrag geliefert, sondern aus dem vorhandenen Material Vorschläge erarbeitet, wie man das Werk fortsetzen kann. Daraus wiederum haben Menschen dann das Werk fertiggestellt.

    Meine Meinung: kann man machen, wieso nicht? Muss man aber auch nicht.
    Ich überlege da auch: was ist die Alternative? Von Beethoven waren ja scheinbar nur Notizen da, also keine "Unvollendete", wo schon etwas zum Spielen da war, nur halt nicht bis zum Ende. Jetzt könnte man sagen schade, dass er nicht weiter gekommen ist, und es lassen, oder eben versuchen, daraus was zu machen. Es entsteht kein Schaden, wenn man zweiteres tut - es wird ja nichts weggenommen.
    Ob etwas hinzukommt, ist die Frage. Wie auch wer zum KI-Teil gesagt hat: es klingt nach Beethoven, aber es ist nicht Beethoven. Man hat etwas in der Art gemacht, wie es Beethoven schon gemacht hatte. Hätte Beethoven es so gemacht? Ich tendiere zu "nein". Beethoven war innovativ, er war Wegbereiter der Romantik. Ich glaube, er hätte etwas "neues" gemacht und nicht ein "greatest hits"-Album. Und vielleicht war er noch nicht weiter, weil er das "Neue", das er machen wollte, noch nicht gefunden hatte.
     
  6. mato

    mato Strebt nach Höherem

    Vielleicht kann die Telekom ja von einem Computer mal Kafkas Schloß zu Ende schreiben lassen. Das fände ich richtig klasse. :)
     
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  7. ppue

    ppue Mod Experte

    Ja, einiges klingt sehr konstruiert, teilweise banal. Und diese Banalitäten wirken dann aneinandergesetzt. Es fehlt die gesamte Architektur, es fehlen gut gesetzte Leitmotive und deren Variationen.

    Ich finde das Experiment dennoch Klasse, denn es geht nicht darum, die 10. zu vollenden, sondern den musikalischen Wirkmechanismen nachzuspüren.
     
  8. CBlues

    CBlues Strebt nach Höherem

    Danke @ppue. Du beschreibst genau, was ich beim Hören empfunden habe.
    Das anschließende Gespräch mit den Beteiligten habe ich auch als sehr banal empfunden.
    Aber spannend und interessant ist es allemal und es muss ja auch irgendwie finanziert werden...
     
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  9. JES

    JES Gehört zum Inventar

    Interessant wäre jetzt andere Komponisten in die 10. mit zu integrieren. Beethoven hatte sicher Kollegen, die ihn inspiriert haben, bei denen er sich etwas abgeschaut hat. Ev. kann man auch noch 1 Generation weiter gehen und Komponisten mit einbeziehen, die ihrerseits von Beethoven inspiriert wurden. Stile fallen ja nicht vom Himmel und verschwinden plötzlich wieder... aber Musik und Mathematik sind ähnlich, also sollte eine KI sich austoben können.
     
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  10. MrWoohoo

    MrWoohoo Ist fast schon zuhause hier

    Wie man bei AlphaGo gesehen hat, kann AI auch kreativ werden, nur habe ich den Eindruck, daß sie nicht über den Tellerrand blicken kann und schon gar nicht reflexiv das Ergebnis kritisch hinterfrägt.
    Der "Komponist" (com/ponere), der die einzelnen Stücke zusammengesetzt hat, hat den undankbaren Job eines Editors beim Film: das Zeug ist ja bereits fertig.
    Somit klingt das Ergebnis von Beethoven X in meinem Kopf belanglos und unspannend. Die technische Leistung der Musiker ist klasse und das Projekt selbst gefällt mir.
     
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  11. JES

    JES Gehört zum Inventar

    Das hat nichts mit Kreativität zu tun. Auch eine Bewertung bestimmter Züge ist nichts anderes als Daten zu verarbeiten und Muster zu erkennen. Wenn ich Muster auswerte gehe ich halt nur weg vom einzelnen Zug hin zu zugfolgen, oder figurmuster auf dem brett. Selbst noch alle von einem ist-Zustand alle Varianten durchzurechnen bis zum Ende ist nicht kreativ, auch nicht intelligent.
    KI basiert eben nur auf Auswertung von historischen Daten und ev. der Übertragung gefundener Lösungsansätze auf andere Probleme.
     
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  12. MrWoohoo

    MrWoohoo Ist fast schon zuhause hier

    @JES : ich bekomme den Eindruck, daß Du die komplette Geschichte noch nicht gesehen hast. Die AI hatte tatsächlich neue Ansätze "ausprobiert", das Spiel taktisch anders anzugehen, als es bis dahin üblich war. Deswegen konnten die Vorgehensweisen nicht programmiert oder gelehrt worden sein. Das war durchaus kreativ ;-)
    Edit: aber eben nur in dem begrenzten Rahmen der Spielregeln. Das meine ich mit "Tellerrand".
     
  13. JES

    JES Gehört zum Inventar

    Dann haben wir etwas andere Vorstellungen davon, was kreativ ist.
    Egal, spannend ist es trotzdem und KI wird unser Leben zunehmend beeinflussen.... hoffentlich nicht zu sehr
     
  14. zwar

    zwar Ist fast schon zuhause hier

    Mich würde eigentlich am meisten interessieren wie die KI selber darüber denkt
     
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  15. ppue

    ppue Mod Experte

    Bei uns Menschen geht es immer nur darum, die Art zu erhalten und uns zu vervielfältigen. Das ist unser evolutionärer Antrieb. Dass dies auch ohne Intelligenz geht, zeigen so einige Tier- und Pflanzenarten. Um die Arterhaltung aber geht es allen gleichsam.

    Ich habe mich lange gefragt, was künstliche Intelligenz ausmacht und habe dabei den Fehler gemacht, die menschliche Intelligenz als das Maß der Dinge zu sehen. Wie oben schon beschrieben, pflanzen sich andere Pflanzen ohne bzw. mittels einer anders gearteten Intelligenz fort.

    Zum Leben und auch zu einer gewissen Intelligenz gehört eben der ganz wichtige Punkt: das Ziel zur Fortpflanzung. Ohne ein solches Ziel kann es keinen allgemeinen Willen geben, überhaupt etwas zu unternehmen. Wir tun alles, um Liebe zu erleben, Liebe zu machen, Kinder großzuziehen, denen ein Heim und eine Erziehung zu geben, auf dass wir unsere Seelen weitergeben können.

    Es gibt nichts im Leben, außer vielleicht Motorrad fahren, was nicht von diesem Gedanken durchdrungen ist.

    Was aber, wenn Computer (Einzeller) und Internet (Körper) längst auch von dem Willen getrieben werden, ihre Art zu schützen und zu erweitern? Momentan sieht es danach aus, dass es ihnen gut gelungen ist. Zwar in Symbiose mit dem Menschen (wie auch das Hausschwein übrigens), aber grundsolide, zukunftssicher und mit wachsendem Potenzial. Der Parasit Computer hat es glänzend verstanden, sich in alle Bereiche unseres Lebens einzunisten.

    Vielleicht kann man hinter dieser Entwicklung genau so eine Intelligenz erkennen, wie in der Geschichte der Menschheit, nur eben eine ganz andere, wenn auch gleich motivierte.
    Versuche der Spezies, nun auch in den künstlerischen Bereich einzudringen, um sich auch hier unabkömmlich zu machen, gibt es seit über 50 Jahren zuhauf.

    Die 10. war nur ein weiterer Versuch.
     
  16. bthebob

    bthebob Strebt nach Höherem

    @zwar
    Dieser Gedanke scheint mir entscheidend !

    Nach meinem Wissen ist die Fähigkeit zur Selbstreflexion und
    das ausgeprägte Bewusstsein der eigenen Existenz
    das Alleinstellungsmerkmal unserer Spezies.

    In letzter Konsequenz ist unser gesamtes Handeln determiniert durch
    diese Angst vor der eigenen Endlichkeit.
    Die lebenslange Suche nach Glück, Liebe, Anerkennung, Perfektion usw.
    ist dabei die "freundliche Rückseite" der gleichen Medaille.

    Und alles in der Hoffnung auf Unsterblichkeit !

    Das Tiere Emotionen haben, sich sozial verhalten, eine Sprache besitzen,
    sich und ihre Art im Spiegel erkennen können .... alles mittlerweile bewiesen.

    Aber kennen Tiere oder KI Selbstreflexion ?
    Und wenn ja, wie würden sie es uns mitteilen?

    VG
     
  17. Gelöschtes Mitglied 5328

    Gelöschtes Mitglied 5328 Guest

    Noch nicht. Aber das Projekt zeigt mir, wie weit KI inzwischen ist.

    Es geht gar nicht darum der „echte“ Beethoven zu sein, sondern zu checken was KI heute kann.

    Und wir stehen da am Anfang….etwa Röhrenradio.

    Grund für Ängste oder Zuversicht?

    CzG

    Dreas
     
  18. Roland

    Roland Strebt nach Höherem

    Intelligenz ist graduell, es gibt nicht die eine herausragende Fähigkeit, die Intelligenz ausmacht. Das glaubte man früher, als der Mensch etwas qualitiativ besonderes sein musste wegen Schöpfung, Gott und so. Das hat auch die Ansuchten geprägt.

    Heute wissen wir, das auch Affen und Delphine Metakognition haben, Selbtreflexion. Es gibt fast nichts in der menschlichen Denke, dass nicht auch irgendwo andres zu finden wäre.

    Und bzgl. KI zieht man sich eine Eigenschaft irgendwo her, die eine Maschine prinzipiell nicht haben kann und haben darf. Und deswegen werden Maschinen nie XYZ können. Ist einfach so. Ich kannte mal einen, der meinte, das prinzipiell an sich und überhaupt niemals nicht ein Computer einen Weltmeister im Schach schlagen kann, weil der Computer nur rechnen kann, aber der Mensch kreativ ist, den schöpferischen Funken in sich trägt.

    Die Prophezeiung war wohl nix.

    Grüße
    Roland
     
  19. Gelöschtes Mitglied 13399

    Gelöschtes Mitglied 13399 Guest

    Den Konflikt bei der Sache sehe ich darin, dass wir Menschen immer mehr Sicherheit, Autonomie usw. wollen, was für die Allgemeinheit oft gut ist (bessere medizinische Versorgung als früher z.B.).
    Ich finde aber die menschliche Existenz wird ab einem gewissen Grad von Organisation, Fremdbestimmung auch wieder unangenehmer (Freiheit und Natur oder Zwang und Kultur, quasi als Pole in unseren Köpfen, wenn es auch in der Realität nicht so ist, dass das eine immer mit dem anderen einhergeht/weniger wird).
    Deswegen macht mir KI eher Angst.
    Sie birgt wahnsinnige Kräfte, und, dass wir oft keine Ahnung haben, was wir mit solchen anstellen - oder gute Ratschläge einfach ignorieren -, ist mit dem Klimawandel eindrucksvoll bewiesen...
     
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  20. visir

    visir Gehört zum Inventar

    Schmarrn, um diese Tageszeit stoße ich noch auf so viel "Inhalt"...

    Das ist nicht nur eine sehr eindimensionale Sicht des Lebens, sondern auch grundfalsch. Fortpflanzung ist nicht unser einziger Trieb, und weder der stärkste noch der zweitstärkste. Nummer 1 ist "überleben", Nummer 2 ist "Anerkennung".

    Und wir tun jede Menge Dinge, die mit Fotpflanzung genau gar nichts zu tun haben.
    Das ist also schon einmal eine falsche Prämisse, die Schlüsse daraus sind damit ungültig.
    Zugleich hat Intelligenz, wie Du selbst indirekt schon dargelegt hast (Pflanzen pflanzen sich völlig ohne Intelligenz fort - nein, die haben keine "andere Intelligenz", man muss nicht zwanghaft irgendwas zur Intelligenz erheben, damit auch der letzte Grashalm welche hat), nichts mit Fortpflanzung zu tun.

    mehr oder weniger...
    Die Metaebene ist da so die Kategorie. Das Denken über das Denken. Ein Werkzeug benützen, um ein Werkzeug zu machen.
    Aber Krähen kommen uns darin nahe, die kennen mehrstufige Abläufe, um zum Ziel zu kommen.
    Was Oktopusse alles können, wissen wir noch gar nicht, deren Fähigkeiten werden gerade erst entdeckt.

    Halte ich auch wieder für eindimensional...

    Eine KI unter Umständen schon, also eine, die dafür ausgelegt ist, mit uns zu kommunizieren. KIs werden nun einmal - wie Maschinen - für bestimmte Aufgaben ausgelegt. Die Kompositions-KI ist nicht dafür ausgerüstet, mit uns zu plaudern.

    Ja, man ist da heute viel weiter, weiß viel mehr über Intelligenz bei Tieren und erforscht die gezielt. Selbstreflexion ist aber etwas anderes und hätte ich von Tieren noch nicht gehört. Das Erkennen der eigenen Reflexion in einem Spiegel gehört übrigens nicht dazu.

    Eine Fähigkeit, die z.B. Schimpansen nicht haben, ist mit dem Finger auf etwas Entferntes zu deuten. In welche Kategorie das gehört, habe ich auch noch nicht nachgedacht.
    Schimpansen ist es, wie an anderer Stelle vor einiger Zeit schon breitgetreten, auch egal, ob sie mit Musik oder "Kakophonie" beschallt werden. Da gibt es allerdings wiederum andere (auch weniger intelligente) Tiere, die auf Musik schon reagieren... z.B. auch Hunde oder Pferde.

    Das zielt jetzt wohl auf "Kreativität". Dann müsste man die wohl zuerst einmal so definieren, dass man bestimmen kann, ob eine bestimmte Handlung nun definitiv (nicht) kreativ ist...
     
    Rick gefällt das.
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