Gedanken zum Konstruktionskonzept

Dieses Thema im Forum "Soprano Special" wurde erstellt von rumigdirk, 27.Dezember.2025.

  1. rumigdirk

    rumigdirk Kann einfach nicht wegbleiben

    Ladies and Gentlemen,

    finden sich hier möglicherweise weitere Sopran Afficionados, die der alten Bauweise, wie sie zB bei Yanagisawa (S880, S6, Sopranino) oder bei Selmer Mark VI und früheren Modellen verwendet wurde, Vorzüge abgewinnen können?
    Mittlerweile habe ich Sopranos beider Baukonzepte intensiv viele Jahre gespielt und kann auch beiden etwas abgewinnen. Meine Vorliebe tendiert allerdings jetzt deutlich zur älteren Bauweise. Die "modernen" Sopranos erklären sich für mich aus dem weitverbreiteten Wunsch, das Sopran möglichst ähnlich zu den größeren Geschwistern bedienen zu können - besonders vorteilhaft, wenn das Sopran nur ein Nebeninstrument ist und man keine Umstellungsschwierigkeiten haben möchte.
    Für diejenigen Kolleg*innen, die das Sopran als Hauptinstrument ansehen finde ich gute Gründe, die für die ältere Bauweise sprechen:
    - Das geringere Gewicht macht sich bei langen Übezeiten bemerkbar.
    - Die Applikatur schmiegt sich enger und sowohl flötiger als auch klarinettiger (Palmkeys) an den Korpus.
    - Die tiefen Klappen für Bb, B und C# liegen an der Oberseite des Instruments und strahlen anders ab. Obendrein verklebt die C# Klappe dadurch auch nicht.
    - Die Hebelrichtung des linken Kleinfingertischs passt gut zur Bewegung des kleinen Fingers
    - Die Mechanik ist generell weniger ausladend
    Der Wendepunkt für mich war als ich völlig überzeugt und zufrieden mit meinem wunderschönen YSS 62RS einfach nur aus Neugier ein 52k Selmer ausprobieren wollte. Seither habe ich große Mühe dieses Instrument aus der Hand zu legen.
    Wie sind Eure Erfahrungen mit der DS der Saxophone?

    Herzliche Grüße
    Dirk
     
  2. Bereckis

    Bereckis Gehört zum Inventar

    Ich habe nur Erfahrungen zum SC-880 und SC-WO20.

    Weiterhin spiele ich das aktuelle Sopranino (alte Bauart) und kenne relativ gut das S-WO02.

    Ich kann deine Argumentation nachvollziehen.

    Ich meine, dass ich auf dem SC-WO einfacher intoniere.

    Wie gut kommst du auf dem Mk6 Sopran mit der Intonation klar? Diese soll in den tiefen und hohen Lage schwieriger zu meistern sein.
     
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  3. JTM

    JTM Ist fast schon zuhause hier

    Ich hatte ein Mark 6 mit sensationellem Klang aber unüberwindbaren Herausforderungen bei der Intonation. Jetzt spiel ich ein einteiliges Yamaha und bin zufrieden damit
     
  4. Silver

    Silver Gehört zum Inventar

    Ich hatte mal ein sehr schönes Yanagisawa S-800 Elimona - das habe ich leichtsinnig verkauft, weil ich mir ein King Saxello eingebildet hatte.

    Es hatte alle von @rumigdirk beschriebenen Vorteile weil es äußerlich einem MK VI zum Verwechseln ähnlich sieht, hatte aber keinerlei Probleme mit der Intonation und insgesamt eine deutlich größere Mensur, als ein Mark VI.
    Wenn mir mal wieder so eins über den Weg läuft, könnte ich schwach werden. Mein aktuelles S-WO20 ziehe ich zwar allen parallel getesteten aktuellen Selmer und Yamaha vor aber das S-800 hatte mehr Charakter (in meiner Erinnerung).

    Ein MK VI Sopran wäre allerdings auch einen Test wert - aber nur, wenn die Intonation nicht bizarr ist.
     
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  5. ppue

    ppue Mod Experte

    Ich bin da mit all deinen Argumenten ganz bei dir. Ich spiele Buffet Crampon SDA-S1 transitional Sopransaxophone und bin von der Handhabe recht überzeugt.
     
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  6. rumigdirk

    rumigdirk Kann einfach nicht wegbleiben

    Meins läuft ja laut Liste noch unter "Super (Balanced) Action", aber die Elemente, die in Richtung Mark VI verändert wurden kamen erst allmählich sukzessive dazu und sind sowieso eher kosmetisch. Bislang hatte ich auch nur ein halbes Duzend Mark VI Sopranos so ausgiebig in den Fingern, dass ich dazu etwas sagen kann. In diesem nicht repräsentativen Rahmen war keine Intonationsgurke dabei und Deine Vermutung der schwierigen Randlagen kommt in meiner Erfahrung so nicht vor. Aus anderen berufenen Mündern habe ich das aber auch schon zuhauf vernommen. So häufig, dass ich dann regelrecht überrascht war, als es auch gerade bei dem pre-Mark VI Horn gar keine Probleme gab. Bestimmt hat eine Rolle gespielt, dass die japanischen Hörner zuvor ziemlich gute Lehrmeister waren. Ja gar nicht panisch...
     
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  7. rumigdirk

    rumigdirk Kann einfach nicht wegbleiben

    Charakter ist halt so eine Sache, wenn er mit Intonationsroulette erkauft wird. Bislang hatte ich etwa ein halbes Duzend Mark Vi und drei entsprechende Yanagisawas ausgiebiger in den Fingern. Ich habe wirklich erwartet, dass die mich nach dem YSS62RS heftig in die Bretagne bringen würden, aber von wegen: Die waren alle cool und einander sogar verblüffend ähnlich. Ich denke, wenn man die Spielweise von grösseren Saxophonen aufs Sopran zu adaptieren gedenkt wird es eher schwierig. Für mich war das Sopran immer ein ganz eingenständiges Geschöpf und viel holzbläseriger als die grossen Geschwister. Mit diesem Mindset hat es für mich artgerechter getönt.
     
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  8. rumigdirk

    rumigdirk Kann einfach nicht wegbleiben

    Tut mir leid zu hören, dass Dein VI so wild war. Die Zufriedenheit mit dem Yamaha kann ich prima nachvollziehen, mein 62RS war ein Traum und sowieso schon deutlich leichter als das Yanagisawa zuvor. Der Wechsel kam dann ja ohne Not, sondern weil mir die ältere Konzeption einfach noch besser gefiel UND (echt überraschend) keine Kompromisse mit der Intonation eingegangen werden mussten.
     
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  9. Bereckis

    Bereckis Gehört zum Inventar

    Ein befreundeter Musiker findet den Sound meines SC-800 „erfahrener“ als meines SC-WO20. Allerdings hört er meine korrektere Intonation auf dem SC-WO20 auch.

    Aktuell plane ich mehrere Monate nur auf den WO-20-Instrumenten zu üben und bin gespannt, wie ich dann auf den „ewigen“ Instrumenten klarkomme.

    Aktuell stelle ich fest, dass ich auf den vier WO20 sehr homogene Rahmenbedingungen habe.

    Ob ich final für die jeweilige Bauform einen individuellen Klang hinbekomme?
     
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  10. rumigdirk

    rumigdirk Kann einfach nicht wegbleiben

    Allmählich (!) denke ich, dass eine aktive Suche nach dem individuellen Klang quasi unnötig ist, weil man den automatisch schon hat: Die eigene Anatomie, die Art wie man atmet, die Ausgestaltung musikalischer Ideen sind bei niemandem identisch. Das zu verfeinern und zu erweitern ist ein produktives Bestreben. Ein Haken war für mich, dass ich "meinen" sound lange Zeit nicht so richtig geniessen konnte und dauernd andere Musiker*innen vor der Nase (vorm Ohr) hatte, die mir viel besser gefielen. Mich selber habe ich ja jeden Tag gehört, das war also nichts besonderes...
    Ich freue mich mit Dir, dass Du in Deinen WO20 Instrumenten erstklassige Gefährten gefunden hast.
     
  11. Silver

    Silver Gehört zum Inventar

    Das ist gerade der Todesstoß für alle (Späteinsteiger-)Amateure, die sich das vermeintliche Equipment ihrer Idole zusammenkaufen, um möglichst genauso zu klingen… :D

    Andererseits ist es wenigstens für mich schon auch so, dass ein Instrument es mir leichter oder schwerer machen kann, bestimmte Aspekte meines eigenen Klangs herauszuarbeiten. Hätte ich vor Jahren schon gewusst, welche Aspekte das sind und wie ich sie mit einem Instrument unterstützen kann… :rolleyes:

    Zu den fantastischen WO20 (bei mir sind es „nur“ Tenor, Alt, Sopran) kann ich sagen, dass die in jeder Lage leichtgängig und willig alles mitmachen. Das empfand ich über ein paar Jahre als riesigen Vorteil. Inzwischen ist das mein größter Kritikpunkt an den Hörnern.
     
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  12. mato

    mato Strebt nach Höherem

    Ich selbst komme mit dem alten Design gar nicht gut zurecht. Das Problem sind vor allem die Palmkeys, die ich oft versehentlich etwas öffne.
    Auch sonst empfinde ich das moderne Klappendesign als wesentlich angenehmer in der Hand. Mein letztes Sopran war ein Yani S6 und ich war glücklich, als es abgelöst wurde durch ein anderes. :)
     
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  13. Bereckis

    Bereckis Gehört zum Inventar

    Aktuell empfinde ich die Homogenität für mich besser, weil ich durch den kompetenten Unterricht hoffe, "Instrumente-übergreifende" Fähigkeiten hinsichtlich Klangbildung noch auf neuem Weg zu erlernen.

    Dabei ist zu beachten, dass bereits die Bauformen von Bari bis Sopranino jeweils sehr spezielle klangliche Anforderungen beinhalten.

    Meine "ewigen" Instrumente (Sopran, Alt und Tenor) sind eindeutig "individueller".

    Ich stimme dir voll zu. Mir geht es darum, klanglich flexibler und bewusster zu werden. Ich möchte die Tonansprache, Fülle und Flexibilität des Klangs systematischer weiter entwickeln.

    Hierzu habe ich vermutlich einen guten Lehrer gefunden, der mich mit 65 Lebensjahren motivieren kann.
     
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  14. rumigdirk

    rumigdirk Kann einfach nicht wegbleiben

    Das habe ich gute zwanzig Jahre auch so gesehen und mich gefreut, dass moderne Soprane genauso in der Hand liegen wie Altos oder Tenöre. Sehr lange war ich mit einem Yanagisawa S9930 verheiratet und hatte irgendwann das Bedürfnis nach einem nicht so kostbaren aber unverwüstlichen und no-brainer Backup. Das wurde dann das Yamaha 62RS (... nicht so kostbar... Spitzenwitz) mit dem Resultat, dass ich praktisch nur noch das 62er spielte. Die aktuelle Favoritin unterscheidet sich in wenigen Details vom Mark VI. Am deutlichsten wird es an den Perlmutttasten - die sind eine Nummer kleiner und feiner und weisen direkt in eine andere Idee von Saxophon. Eben unabhängig von den grösseren Geschwistern. Ausserdem gibt es ein praktisches zweites tief Bb, keinen Mitnahmearm von tief B zu C# und keine Huckepackklappe für die Oktave C#2-C#3.
     

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  15. rumigdirk

    rumigdirk Kann einfach nicht wegbleiben

    Oder besser da zu sehen:
     

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  16. giuseppe

    giuseppe Gehört zum Inventar

    Ich weiß nicht, ob ich deinen Unterschied zwischen alter und neuer Bauweise korrekt verstehe, da fehlt mir vermutlich Detailwissen.

    In den frühen 90ern war jedenfalls ein SA80II Sopran mein Hauptinstrument, insofern war ich mal ein Sopranist, bis ich es auf die 2. Position geschoben habe und nach 15 Jahren endgültig verkauft. Mechanisch und ansprachetechnisch war das Serie II über jeden Zweifel erhaben. Ist das noch alt oder schon neu?
    Jetzt habe ich seit einiger Zeit ein Conn Curvy in meinem Besitz (der Nummer nach ein NWII von 1928, sofern man die Sopis hier überhaupt sauber einordnen kann). Eher so als Experiment, ob so ein altes Sopran für mich als mittlerweile Tieftöner spielbar ist, aber nach anfänglicher Überforderung werde ich möglicherweise gerade damit warm und lerne, wie man so ein eigentümliches Horn bedient. Ich vermute das läuft unter alt, bin aber nicht sicher, ob so alt damit gemeint war. ;)

    Das einzige was ich schon sicher sagen kann ist, dass Conn nicht nur die (für mich) bestklingendsten Baris, Tenöre und Altos gebaut hat, sondern dass auch die Sopranos soundmäßg in einer anderen Liga (für mich) spielen als der modernere Rest - hier allerdings erstmals zu einem echten Preis was Applikatur und Intonation betrifft. Ich denke es ist wohl in meinem musikalischen Rahmen machbar mit etwas Übung und kleinen Mods. Aber auf den anderen Baugrößen sind die alten Teile leichter zu spielen, vielleicht auch, weil meine Hände eher groß sind und man flötennah hin muss, um alle Klappen zu treffen.

    Ich denke du hattest mit alt vielleicht etwas nicht ganz so altes gemeint, und Conn-Afficionado ist knapp am Thema vorbei, aber vielleicht ist es trotzdem interessant.
     
    Zuletzt bearbeitet: 30.Dezember.2025
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  17. Bereckis

    Bereckis Gehört zum Inventar

    SA80Ii ist neue Bauart. Dein Conn würde ich als Vintage einordnen.

    Ich denke, dass @rumigdirk von Soprane spricht, die moderner aber noch inline sind?

    Am Ende sollte jeder die Instrumente spielen, die einen motivieren und wo man sich wohl fühlt.

    Welche SaxofonistenInnen mir wirklich vom Sound gefallen, hat für mich nichts mit der Marke des gespielten Instruments zu tun.

    Mein aktueller Lehrer, der mich vom Sound aktuell überzeugt, spielt im Unterricht ein älteres Keilwerth-Alt und ein Keilwerth-Stencil-Tenor (Couf).

    Zuhause und im Studio spielt er ein Selmer-SBA Tenor.

    Vielleicht werde ich irgendwann beide Tenöre von ihm im Vergleich hören.
     
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  18. mato

    mato Strebt nach Höherem

    Ich denke, @rumigdirk definiert den Unterschied über das Palmkey Design und die linke Kleinfinger-Mechanik. Diese ist beim Mark 6 Soprano (gibt es eigentlich SBA oder BA Sopranos?) gegenüber den anderen Baugrössen nicht „modernisiert“ worden. Also die Drehrichtung der langen Achsen ist noch im Uhrzeigersinn und die Klappen liegen oben. Beim SA80 hat Selmer dann erstmals die Wippenmechanik mit der geänderten Achsposition auch auf das Sopran adaptiert.
     
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  19. Sandsax

    Sandsax Gehört zum Inventar

    @Bereckis

    Mit inline oder nicht hat das nichts zu tun.
    Die Tonlochanordnung an meinem geraden Yanagisawa Sopran ist tatsächlich auch noch inline.
     
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  20. Sandsax

    Sandsax Gehört zum Inventar

    Was ist denn dann bereits S1 an Deinem SDA-S1 transitional?
    Mein S-1 unterscheidet sich konstruktiv in Bezug auf Klappenlage und -Anlenkung praktisch nicht von meinem aktuellen Yanagisawa.
     

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