wohin soll es gehen mit dem Klang?

Dieses Thema im Forum "Eigene (musikrelevante) Themen" wurde erstellt von Calymne, 31.Dezember.2025.

  1. giuseppe

    giuseppe Gehört zum Inventar

    Wo ist oben? Ich vermute Wien, dachte aber, dass es in Vorarlberg auch gute Blasmusik gibt.
     
  2. Analysis Paralysis

    Analysis Paralysis Ist fast schon zuhause hier

    Wien ist Osten, Blasmusik in Tirol (und auch in dem Teil, der eigentlich unser 10. Bundesland ist /s) ist extrem gut.
    Wobei wie gesagt die Blasmusik bei mir im Umkreis (besonders eine) im AT-Spitzenfeld liegt. Ganz Richtung Nordosten wird's (teilweise) etwas dürr, aber man scheint generell (noch) seitens der Verwaltungen mehr Geld dafür locker machen zu wollen.
    Sieht man schon daran, dass man damals im Zuge der Einsparungsmaßnahmen beim Heer die Militärmusiken einsparen wollte, was das Volk so nicht hinnahm :)
     
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  3. giuseppe

    giuseppe Gehört zum Inventar

    Das hab ich jetzt nicht kapiert. Dass Wien im Osten ist, hatte ich vermutet. :)
    Mein Frage war eher, wo beim Gefälle aus deiner Sicht oben und unten ist, da ich aus bayerischer Sicht in Westösterreich wie Ostösterreich gute Blasmusik gehört habe, im Osten halt zusätzlich die Tempel der E-Musik stehen.
     
  4. Spacecat

    Spacecat Ist fast schon zuhause hier

    Z.B. vom Blatt spielen. Theorie natürlich ebenso in allen Bereichen. Bei mir ist das Stand für Note 6-
     
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  5. Alex_Usarov

    Alex_Usarov Ist fast schon zuhause hier

    Hallo @Spacecat,
    Ich hoffe, Du nimmst es mir nicht übel, dass ich es jetzt hier schreibe, zumal Deine Bescheidenheit Dir alle Ehren macht.
    Ich war ja bei Deinem Live-Auftritt dabei, habe gesehen, wie sicher Du zumindest 3 Baugrößen bedienst, gehört, wie wundervoll Du auf allen drei klingst.
    Ich glaube, jeder Musikverein würde sich glücklich schätzen, Dich mit am Bord zu haben.

    Ich beabsichtige morgen dem Bottnanger Musikverein einen Besuch abzustatten. Wenn Du Lust hast, kannst Du Dich gerne mir anschließen. Sie proben jeden Freitag ab 19.30.

    Liebe Grüße, Alex.

    https://www.mvbotnang.de/index.php/blasorchester
     
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  6. ppue

    ppue Mod Experte

    Abgesehen von meinem Credo, dass sich der individuelle Klang ganz von alleine herausbildet, noch eine andere Überlegung.

    Im Bereich Schauspiel/Film gibt es zwei Arten von Darstellern. Die Extreme sind einmal, diejenigen, die in alle Rollen schlüpfen können und auf der anderen Seite diejenigen, die einen ganz bestimmtem Typus besonders gut darstellen können, dafür aber selten in andere Rollen schlüpfen, Charakterdarsteller genannt.

    Der ganz individuelle Klang und was da noch so zugehört (ich schrieb das weiter oben) ist ein Ideal, dass wir von den ganz großen Saxophonisten übernommen haben. Ob Ben Webster, Stan Getz oder Sonny Rollins, man erkennt sie unweigerlich am "Ton" und so ist es auch der Wunsch des einen oder anderen Saxophonisten, solch ein Alleinstellungsmerkmal auszubilden.

    Die Welt der Musiker sieht aber in der Regel anders aus und gleicht eher der Rolle eines Darstellers, der die verschiedensten Genres bedienen kann. Die Welt der Musiker besteht aus einem Riesenheer von Musiklehrern, Orchester- und Studiomusikern, die sich alles andere erlauben können, als ausschließlich einen ganz individuellen Sound zu pflegen. Diese Musiker, die ihr Wissen weiter geben, in kleinere und größere Ensembles eingebunden sind oder im Studio Sätze und Soli einspielen, müssen sich sehr viel flexibler aufstellen, verschiedene Stile bedienen und sich dem Spiel im Satz zu 100% anpassen können.

    Die Charakterdarsteller, also diejenigen Musiker, die sich als Solisten mit einem eigenen, unverkennbaren Sound einen Namen machen konnten, machen nicht mal ein Promille derer aus, die sich Musiker nennen.

    Mir geht es bei der Überlegung gar nicht darum, was jetzt besser oder schlechter ist, nur eben darum, aufzuzeigen, dass man sich hier durchaus in diesem Spannungsgeld befindet.

    In deinem Fall, @Calymne, würde ich sagen, dass es dir gut zu Gesicht stünde, dich soundmäßig doch recht breit aufzustellen und dir die jeweiligen Eigenarten der Stile zu Gemüte zu führen.
     
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  7. Analysis Paralysis

    Analysis Paralysis Ist fast schon zuhause hier

    Es ist ein großer Unterschied, ob man eine Klassiker/eine Klassikerin als Lehrer hat oder einen Popularmusiklehrer hat.

    In meinem Umfeld gibt es einige gute klassische Lehrer.
    Ich habe das Gefühl, dass bei denen die Kinder früher brauchbar (Ensemble, Kapelle) spielen können.
    Vielleicht träume ich das auch nur, aber der Weg vom Anfang ist da sehr klar, was die Dos und Do Nots betrifft. Daran wird es wohl (auch) liegen.

    Bei mir ist der Dropout derer, die sich zwischen den Stunden nicht oder wenig mit dem Saxophon beschäftigen höher.
    Klar hab ich auch ein paar sehr gute, aber das dauert recht lang.

    Andererseits kenne ich auch im Semiprofibereich, in dem ich arbeite, einige Musiker, die sehr ,sehr lange gebraucht haben, um von der Klassik "wegzukommen", wenn sie was anderes zu spielen hatten.
    Da hilft auch kein anderes Horn oder anderes Mundstück.

    Insoferne sollte man wissen, mit wem man sich in's Bett legt, wenn man sich einen Lehrer nimmt.
    Ich wünsche mir manchmal, ich hätte am Anfang ein wenig richtig ordentlichen Klassikunterricht am Saxophon bekommen.
     
  8. ppue

    ppue Mod Experte

    Die Klassiker haben den Vorteil, dass sie viel, viel Wert auf einen reinen, sehr ausgebildeten Ton, legen. Sie setzen am meisten ihrer Luft in Ton um und schaffen es aus diesem Klangideal heraus, eine gute Basis für alle klanglichen Variationen zu legen.

    Hat der Tenoranfänger als Klangideal ein luftreiches Fuhfuh und strebt das auch direkt an, so vertut er sich die Chance, die Basis für eine optimale Tonerzeugung zu erlernen, von der er dann mehr oder weniger, aber sicher besser, fuhfuhen kann.

    Das nur als Beispiel.

    Aber du hast recht, Klassiker sind mitunter ungemein streng und lassen daneben wenig gelten. Mein Klarinettenmeister hat mir so z.B. verboten, Saxophon zu spielen, da ich so nie einen vernünftigen klassischen Klarinettenansatz erlernen könne. Davon ganz abgesehen besteht die Schwierigkeit der Klassiker natürlich in der großen Hemmschwelle gegenüber dem freien Spiel, die vielleicht umso größer wird, je tiefer man in die Klassik eintaucht.
     
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  9. Tobias Haecker

    Tobias Haecker Ist fast schon zuhause hier

    Hier möchte ich reingrätschen. Und zwar massiv. Um in deinem Bild zu bleiben, wir sind nicht nur Pizza essende, sondern Pizzabäcker! Wir produzieren die Pizza. Das ist neben Geschmack, auch Skill und Knowhow wichtig. Wenn die Pizza verbrannt und der Käse vergammelt ist, wird sie auch nicht mit Anchovis schmecken.

    Ja, ein Lehrer ist prägend, aber wen einem dessen Sound/Stil nicht gefällt/passe geht man zu einem nächsten, wo es besser passt.
    Klang ist nicht nur Geschmack, da braucht es Skill und Knowhow, qualitativ einen guten Sound zu erzeugen, ganz unabhängig vom Geschmack.

    Sound ist auch Frage der Stilistik. NOT anything goes! Über Ananas auf der Pizza kann man streiten. Aber heißt nicht, dass Gummibärchen auf Pizza gehören.

    Jemand, der viel musikalische Erfahrung hat, dem traue ich zu, dass Sax auch mit wenig Anleitung gut zu erlernen.
    Aber auch musikslische Refektionsfertigkeiten und Übmethodik müssen gelernt sein.

    Einem Bäcker traue ich zu, dass er auch nen guten Pizzateig hin bekommt. Aber ein YouTube Tutorial reicht eben nicht um Pizza wie beim guten Italiener machen zu können.
     
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  10. JTM

    JTM Ist fast schon zuhause hier

    Und falls sie von der
    und auch auf Notenlesen,da improvisieren nicht so viel vorkommt.
    Mein Lehrer (Bastian Fiebig) hat mich damals mit Deinen Seiten bedient,was mir sehr gut getan hat
     
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  11. tehjay

    tehjay Kann einfach nicht wegbleiben

    ...das kann man so sehen, muss es aber nicht -oder- nicht alles was hinkt ist ein Vergleich.

    Was ich mit diesem Vergleich sagen wollte ist, der KLANG eines Saxophons ist wie eine Zutat. Selbstverständlich gibt es die gleiche Zutat in verschiedenen Qualitäten, sie kann pur, in Öl eingelgt, mariniert, püriert, etc dargeboten werden. Der Arrangeur der Pizza, ist in diesem Bild jedoch nicht der Saxophonspieler sondern das harmonische Gesamtgefüge (Band, Kapelle,...). Allein ein Klang / Instrument bleibt eine Zutat. Da das Saxophon mit eines der flexibelsten / freiheitlichsten Instrumente ist, das ich kenne, kann man trotz der Festlegung auf ein Instrument, durch die Bandbreite, die das Instrument bietet, mehrere verschiedene Zutaten verkörpern. Zumindest mir geht es so, dass ich hier manche Ausprägung liebe und deswegen Sax spiele und andere mir absolut nicht schmecken wollen.
    Wäre mir das nicht bewusst und ich würde gedrängt werden (z.B. von einem Lehrer) gegen meinen Geschmack zu handeln, wäre das mit dem Sax eine kürzere liaison.

    Von daher kann meine Schlussfolgerung nur lauten: Bevor ich die Frage stelle, wohin es mit meinem Klang gehen soll, muss ich erstmal wissen was mein GESCHMACK ist und dabei hilft mir kein Lehrer.
     
    Zuletzt bearbeitet: 15.Januar.2026
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  12. tehjay

    tehjay Kann einfach nicht wegbleiben

    Dein ganzer post ist wohl wahr. Es kommt halt darauf an, was man will:
    + Will bzw. muss man mit der Musik Einkommen verdienen, dann trifft das zu was Du schreibst. Man verkauft dadurch halt zu einem gewissen Teil seinen künstlerischen Anspruch
    + Hat man die (finanzielle) Freiheit Musik als Kunst / Selbstverwirklichung zu sehen, geht es selbstverständlich mehr um die Verwirklichung des eigenen Geschmacks...
     
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  13. ppue

    ppue Mod Experte

    Man verkauft da eigentlich nichts, sondern hat einen Beruf, führt sein Handwerk aus, könnte man sagen. Und ein musikalischer Anspruch muss auch nicht damit aufgegeben werden, denn der besteht auch im Orchestergraben, in der Combo oder im Unterrichtszimmer. Ich wollte eher darauf hinweisen, dass gerade das den Beruf des Musikers ausmacht.
     
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  14. tehjay

    tehjay Kann einfach nicht wegbleiben

    ...ist doch fein, jedem das seine. Da der Köder immer dem Fisch und nicht dem Angler schmecken muss: Als Schreiner könnte ich mir gut vorstellen, Kommoden zu bauen, die nicht meinem Geschmack entsprechen, die sieht man nur kurz im fertigen Zustand und wird sie dann los. Als Berufsmusiker weiss ich nicht, ob mir auf Dauer gelänge gegen meinen Geschmack zu arbeiten, da ich sensitive Ohren habe;).
     
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  15. ppue

    ppue Mod Experte

    Du suchst dir auch als Schreiner aus (so du kannst), ob du in die Industrie gehst oder zu dem kleinen alternativen Schreiner, wo du vielleicht der Selbstverwirklichung näher kommst.

    Ich weiß ja, was du meinst. Dennoch ist es nicht einer von Tausend, der seinen Traum vom selbstbestimmten Künstlertum durchsetzen kann und insofern bitte ich zu verstehen, wenn ich den Beruf des Musikers erst einmal so sehe, wie er sich mir im Alltag darstellt.
     
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  16. Alex_Usarov

    Alex_Usarov Ist fast schon zuhause hier

    Ich verkaufe Weine und Spirituosen. Etwa 80 % davon würde ich selber nicht trinken. Ich empfinde sie aber trotzdem als gut oder hervorragend, sonst würde ich sie nicht empfehlen. Auch wenn sie meinem Geschmack nicht entsprechen, empfinde ich höchste Freude, wenn die Kunden sich für meine Empfehlungen bedanken.
    Ich habe eine Zeitlang Whiskys gefinisht. Ich habe dafür einen meiner absoluten bezahlbaren Lieblinge als Grundlage verwendet und das Endprodukt entsprach ausschließlich meinem Geschmack, meiner Vorstellung von gut.

    Ich vermute, bei Berufsmusiker ist es nicht anders: soweit die Zeit reicht und der Wunsch da ist, wird beides gelebt.

    L.G. Alex
     
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  17. altblase

    altblase Strebt nach Höherem

    Pahlgruber & Söhne - abgezapft und originalverkorkt?:cool:
     
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  18. hanssax

    hanssax Ist fast schon zuhause hier

    Eine superinteressante Unterhaltung ist das hier und das allermeiste ist ja auch schon angeklungen. Nur eines möchte ich noch hinzufügen den "eigenen Saxophonklang" betreffend: Dieser eine Klang, um den es hier geht, ist ein Phantom; es gibt ihn nicht.

    Das, was du hörst, wenn du spielst, ist etwas anderes, als das Publikum vor dir hört. -
    Spielst du auf einer großen Wiese, hörst du dich anders, als wenn du gegen eine Wand spielst. Jeder andere Raum macht deinen Klang anders.
    Wenn du in ein Mikrophon spielst, kommen Abstand und wieder Raum und viele andere Faktoren hinzu, die deinen Klang verändern.

    Ich persönlich hab es nie geschafft, mich von diesen Abhängigkeiten zu lösen und war entsprechend oft unzufrieden und verunsichert. Am besten ging es mir, mit Kopfhörern in ein Mikrophon zu spielen. Da hatte ich die volle Tonkontrolle. - Großer Nachteil, wenn du das zu oft machst, wirst du abhängig und magst nicht mehr gern anders spielen.

    Aber "Klang" ist ja nur eine Baustelle von vielen.
     
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  19. Woliko

    Woliko Strebt nach Höherem

    Seitdem ich meine Hörgeräte habe und programmieren musste, ist mir noch deutlicher bewusst geworden, dass viele Faktoren eine Rolle spielen, die zu sehr unterschiedlichen Höreindrücken führen können
     
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  20. Calymne

    Calymne Ist fast schon zuhause hier

    Ja. Danke.
    Das macht es halt noch mal komplizierter.
    Ich möchte gut klingen - aber ja nicht nur für mich sondern natürlich auch für die Zuhörer. Wenn sich das aber deutlich unterscheidet - ja verdammich was mach ich denn dann :wacky:
     
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