Üben auf einem anderen Level

Dieses Thema im Forum "Eigene (musikrelevante) Themen" wurde erstellt von Saxoryx, 29.Januar.2026.

  1. Saxoryx

    Saxoryx Strebt nach Höherem

    Heute bin ich bei einem Stück, das ich mir vor kurzem noch nicht einmal zugetraut habe, zum ersten Mal auf das Originaltempo gekommen. 168bpm! So schnell habe ich glaube ich in meinem ganzen Leben noch nie gespielt.
    Das heißt, diese paar Minuten Üben jeden Tag in den letzten Wochen – manchmal auch mehr, aber sehr selten – haben unheimlich viel gebracht. Ich war selbst total überrascht heute Morgen. Früher habe ich oft gedacht, 5 Minuten lohnen sich nicht, aber das stimmt nicht. Selbst mal schnell 5 Minuten setzen das Hirn in Gang, und es übt dann weiter. Was ich ohne Molly Gebrian aber nicht gewusst hätte.
    Im Januar war ich leider wieder viel krank. Zuerst eine Woche und als ich mich dann gerade erholt hatte, noch einmal eine Woche. Ich habe also nicht jeden Tag üben können, sondern habe jeden Tag geübt, dann von der Krankheit gezwungen eine Woche ausgesetzt, dann wieder ein paar Tage geübt, dann nochmal eine Woche ausgesetzt. Und nun nochmal ein paar Tage nacheinander geübt. Aber selbst, wenn ich gar keine Zeit hatte, habe ich mich an den Tagen, an denen ich nicht krank war, hingesetzt und eventuell tatsächlich nur 5 Minuten geübt.
    Ich glaube, das war für mich der entscheidende Unterschied zu früher. Wenn etwas anstand - ein Konzert oder eine Aufnahme - habe ich auch jeden Tag geübt, aber stundenlang. Dann bekam ich oft Rückenschmerzen, konnte dann wieder tagelang nicht üben, weil die Schmerzen es nicht zuließen. Das war wirklich Quatsch mit Soße. So habe ich mich selbst sabotiert. Zwar habe ich dann die Aufnahme oder das Konzert geschafft, aber es hätte viel besser sein können, wenn ich jeden Tag 5, 10 oder 15 Minuten geübt hätte statt gleich 2-3 Stunden.
    Also wer wie ich zu dieser Art von Selbstsabotage neigt, dem kann ich nur raten: Weniger ist mehr. :-D Aber die Regelmäßigkeit spielt eine größere Rolle, als man das als Nicht-Profi oft denkt. Und nicht denken: 5 Minuten lohnen sich nicht. 5 Minuten lohnen sich, weil es mehr sind als 0 Minuten.
    Und weil das Gehirn dann den Anstoß kriegt, in den Pausen oder über Nacht weiterzuüben. So hat man zum Schluss dann nicht nur 5 Minuten, sondern das Merhfache davon geübt. Molly Gebrian sagt, die Studien zeigen, dass das Gehirn in zwanzigfacher Geschwindigkeit übt. Im Grunde genommen kann man die 5 Minuten dann also mal 20 nehmen. Das ist die wahre Übezeit. Und das ist doch wirklich eine Menge.
    Das gilt allerdings offenbar nicht so ganz für totale Anfänger. Da funktioniert das zwar auch, aber nicht so gut. Für fortgeschrittene Spieler und Profis funktioniert es aber hervorragend. Und auch für Anfänger ist es sicher so, dass 5 Minuten nun einmal mehr sind als 0 Minuten.
    Ich bin nach so vielen Jahren jetzt wohl so auf dem Level Intermediate, wenn ich mir so anschaue, was man da können sollte. Ein Profi werde ich nicht mehr werden, aber Intermediate ist mehr als genug, damit ich das spielen kann, was ich spielen will. Was wir in der Band spielen. Und Intermediate ist anscheinend auch genug, um die Methode anzuwenden und damit Erfolg zu haben, die Molly Gebrian in dem Buch "Learn faster, perform better" zusammengefasst hat.
    Ich bin wirklich sehr froh, dass ich dieses Buch gefunden habe. Es hat mich von jahrelanger Frustration befreit. Weil ich dachte, mehr ist besser (und unbedingt notwendig, was ja auch sehr oft behauptet wird), kam ich nie richtig voran. Weil ich eben nie so viel Zeit hatte. Dass man mit so wenig Zeitaufwand so viel erreichen kann, weil das Gehirn einen mit dem selbständigen Weiterüben unterstützt, das wusste ich nicht. Hätte ich mir auch nie vorstellen können. Aber jetzt habe ich es ausprobiert und ich bin nicht frustriert, sondern richtig, richtig glücklich mit meinem Saxophon. Weil ich endlich schnell spielen kann, weil ich auswendig spielen kann, weil ich all das kann, was ich vor drei Monaten noch nicht konnte.
    Drei Monate. Unglaublich. Und teilweise war ich da sogar noch wochenweise krank.
     
    coolie, kindofblue und Rick gefällt das.
  2. JTM

    JTM Ist fast schon zuhause hier

    Wie schnell wärst du dann erst,wenn du jeden Tag eine Stunde üben würdest ? :sensatio:
     
    giuseppe und Viewquest gefällt das.
  3. Werner

    Werner Strebt nach Höherem

    Eine möglicherweise nocch interessantere Frage ist, wie schnell wäre sie bzw man, wen sie oder man 12 x 5 Min. übt?
     
    Sax-o-K gefällt das.
  4. JTM

    JTM Ist fast schon zuhause hier

    Nicht so schnell,weil da 4 Minuten fürs warmspielen wegfallen
     
  5. Badener

    Badener Strebt nach Höherem

    Hallo @Saxoryx ,

    gibt es das Buch auch auf Deutsch?
     
  6. antonio

    antonio Gehört zum Inventar

    Das wäre auch meine Frage- mein Englisch ist leider nicht sooo sooo toll.
    Aber warum gleich ein Buch zu diesem Thema?
    Im wesentlichen hat @Saxoryx doch schon die Essenz genannt: Kurze, häufige Übesequenzen. Oder ist da noch mehr?

    antonio
     
    Rick und Badener gefällt das.
  7. Livia

    Livia Ist fast schon zuhause hier

    Ich denke, die Essenz ist "Üben hilft". Oder etwas detaillierter: Auch kurz üben ist besser als gar nicht.
     
    T.M, Saxversuch, AltoBari und 13 anderen gefällt das.
  8. Badener

    Badener Strebt nach Höherem

    Ich denke auch so - aber manche Tipps kann man immer brauchen.
    Ich übe jedenfalls lieber täglich bis zu einer Stunde, als seltener und dafür länger.
     
    antonio gefällt das.
  9. Nemo

    Nemo Ist fast schon zuhause hier

  10. ppue

    ppue Mod Experte

    Na, es muss ja zum persönlichen Lebensstil passen. Ich denke, dass @Saxoryx aus Zeitmangel und krankheitsbedingt oft nicht zum Üben gekommen ist, weil sie sich z.B. sagte, die Stunde habe sie gerade nicht Zeit und deshalb gar nicht erst mit dem Üben angefangen hat. Mit der Aufgabe der Vorgabe, eine Stunde Zeit haben zu müssen, ist es möglich geworden, doch immer ein paar Minuten am Tag ins Horn zu tuten.

    Solch ein positiver Effekt ist für mich damit gegeben, dass meine Hauptinstrumente (Alt und Sopran) immer griff- und spielbereit im Ständer stehen. Muss ich erst mein Saxophon auspacken, das geeignete Blättchen finden, es womöglich noch eben wässern, dann anbringen, um das Instrument dann nach ein paar Minuten spielen zu reinigen, das Blatt abschrauben etc., dann macht das natürlich mit den 5-Minuten-Einheiten wenig Sinn.

    Wer es sauber haben möchte, kann das Sax ja am Abend gründlich reinigen. Das mache ich vielleicht einmal die Woche. Reicht auch.

    Das aber ist natürlich mein eigener Lebensstil, zu dem das passt. Kommt man um Fünf von der Arbeit, erholt sich ein wenig und geht dann in die Übungskabine, dann sieht der Zeitplan bis zum Abendessen sicherlich anders aus und die Übe-Zeit wird bestenfalls aus einer intensiven Stunde bestehen.

    Von daher ist der Tipp mit den kleinen Übe-Einheiten und des gedanklichen Weiterübens sicher hilfreich, ich würde den Tipp aber erweitern und anregen wollen, darauf zu achten, welche Zeiteinteilung für das Spielen am besten ins Leben passt.
     
  11. Alex_Usarov

    Alex_Usarov Ist fast schon zuhause hier

    Hm... ich gewinne langsam den Eindruck, dass das Üben etwas schreckliches und sauschweres ist - warum sollte man sonst 5 Minuten üben?
    Ich versaue mir jede Mittagspause und hole Unmengen von Minusstunden, weil ich nicht aufhören kann zu üben - auch nach einer Stunde. Und wenn ich am Wochenende daheim alleine bin, übe ich manchmal drei mal eine Stunde oder 3 Stunden am Stück - aus einem einfachen Grund: weil üben geil ist, weil es mir Riesenspaß bereitet. Ich kann das Sax nach 5 Minuten Übens einfach nicht weglegen, ich bringe es nicht über mich. Es gibt für mich keinen Grund, das Sax nach 5 - 15 - 30 Minuten wegzulegen.

    L.G. Alex
     
    Wanze, Blofeld, tango61 und 2 anderen gefällt das.
  12. JES

    JES Gehört zum Inventar

    Weil man aus gesundheitlichen Gründen nicht länger kann?
    Das hat u.U.nichts mit nicht-wollen zu tun.

    Wenn ich jetzt nur 5 Minuten habe finde ich zwei Aspekte gut:
    1. Überhaupt zu üben und die kurze Zeit nutzen
    2. Sich Gedanken zu machen und die wenige Zeit möglichst effizient zu nutzen

    Es gibt Leute, die üben 1-2 Stunden am Tag, allerdings unkonzentriert und ineffizient. Die könnten es auch sein lassen...
     
    Rick, Nemo, Iwivera* und 3 anderen gefällt das.
  13. Alex_Usarov

    Alex_Usarov Ist fast schon zuhause hier

    Aber ich werde in 5 Minuten nicht mal warm. Ich brauche etwa 15 Minuten nur um auf die Arbeitstemperatur zu kommen. Und ich weiß nicht, ob es ne gesunde Sache ist, jedes mal den Körper warm laufen zu lassen und abbrechen.
     
  14. ppue

    ppue Mod Experte

    Es hat halt ein jeder sein eigenes Zeitmanagement. Da ist das eine nicht besser als das andere. Und Spaß machen sollte es sowieso.
     
    Gerrie, Rick, Nemo und 3 anderen gefällt das.
  15. JTM

    JTM Ist fast schon zuhause hier

    Mal interesshalber,wie machst du das vor einem Gig ? Spielst du dich da 15 Minuten ein ? Ich bin froh manchmal wenn ich kurz vorher 30 Sekunden Zeit hab. Einer der Gründe warum ich Kunststoffblätter spiele,damit ist ein Kaltstart möglich.
     
    Iwivera* gefällt das.
  16. Alex_Usarov

    Alex_Usarov Ist fast schon zuhause hier

    Ich hatte noch nie einen). Ich vermute, diese Nervosität, die gewöhnlich vor einem Auftritt eintrit, die mach einen warm. Das kenne ich aus anderen Bereichen der Kunst. Das ist die positive Auswirkung vom Lampenfieber - wenn man sich nicht überhitzt).
    Ich meine auch, wenn Du Dein Leben lang spielst, brauchst Du vielleicht weniger Vorbereitung als ein Schüler, der sich doch für alles ordentlich anstrengend muss, da automatische Abläufe fehlen.

    L.G.
     
    Zuletzt bearbeitet: 29.Januar.2026
    ppue gefällt das.
  17. Livia

    Livia Ist fast schon zuhause hier

    Mir wären 30 Sekunden Einspielen zu wenig. Wie kommt es, dass du so wenig Zeit hast?
     
    Nemo und altblase gefällt das.
  18. Bb7

    Bb7 Ist fast schon zuhause hier

    In der Regel hat man doch bei einem Gig schon Zeit, um sich bisschen warm zu spielen.
    Ist doch äusserst selten, dass es sofort im 1. Takt Volldampf mit Sax losgeht.
    Und selbst wenn, die paar Minuten davor müssen einfach möglich sein.
    Ich spiele nicht mehr in bands, aber so kenne ich es von früher, das war nie ein Problem.
     
  19. JES

    JES Gehört zum Inventar

    Das würde ich mal etwas relativieren wollen.
    Zumindest der Ansatz braucht Muskeltraining. Das kann ich zwar auch optimieren einen stabilen Ansatz anzutrainieren bzw zu erhalten, nur da nutzt mir "Gehirnübezeit" eher wenig.
    Ähnlich sehe ich das mit den Flingern. Ja, einiges geht durch geistige "trockenübungen", die Eingewöhnung an die Haptik auch des gewohnten instruments findet m.E. am Instrument statt.
    Stücke, Problemstellen, licks, tonleitern etc kann man m.E. sehr gut ohne Instrument weiterüben....
     
    Livia gefällt das.
  20. JTM

    JTM Ist fast schon zuhause hier

    Na bei Festivals,Bandwechsel auf der Bühne. Die alles runter gleichzeitig wir alles drauf (inklusive Kontrabass und Schlagzeug) Stress pur. Nur mal kurz einen Linecheck und ab die Post. Und das alles vor dem Publikum was ja schon unten steht. Eigentlich der Normalzustand bei unseren Rocknrollkonzerten.
    Wenn wir alleine spielen ,dann ist mehr Zeit
     
  1. Diese Seite verwendet Cookies, um Inhalte zu personalisieren, diese deiner Erfahrung anzupassen und dich nach der Registrierung angemeldet zu halten.
    Wenn du dich weiterhin auf dieser Seite aufhältst, akzeptierst du unseren Einsatz von Cookies.
    Information ausblenden