Mindestlohn für Musiklehrer

Dieses Thema im Forum "Eigene (musikrelevante) Themen" wurde erstellt von ppue, 25.Februar.2026.

  1. Bereckis

    Bereckis Gehört zum Inventar

    Hast du eine volle Angestellten-Stelle (TVöD/TV‑L) an einer kommunalen Musikschule oder bist du Honorarkraft?
     
  2. Livia

    Livia Ist fast schon zuhause hier

    Ich bin Honorarkraft, habe eigene private Schüler und bin einen Nachmittag an einer Schule angestellt.
     
  3. _Eb

    _Eb Ist fast schon zuhause hier

    Jetzt ist die Frage ist diese Splittung selbst gewählt oder Konsequenz aus dem was der "Markt" so zulässt / bestimmt.
    Denn ich weis auch von meinem ersten ML das er eine ähnliche Sortierung der Jobs hatte...
    Ergänzt durch einige Auftritte / Studioarbeiten

    Wenn das nicht dem eigenem Wollen, sondern mehr dem "ich brauche diesen Flickenteppich von Jobs um klar zu kommen " geschuldet ist, finde ich das wirklich
    bedenklich....
     
    Rick gefällt das.
  4. JES

    JES Gehört zum Inventar

    Das ist, glaube ich, eher die Regel. Vorteil ist, wenn ein Standbein nicht funktioniert, bricht nicht die gesamte lebensfinanzierung zusammen. Und, man behält seine Vielseitigkeit, kompensiert für Tätigkeiten, die nicht ganz so viel Spaß machen...

    Allerdings ist dann die Frage nach einem angemessenen Honorar schwer. Was ist dann das Kriterium, was angemessen ist? Habe ich Kosten, die überproportional "weh tun"?
     
  5. _Eb

    _Eb Ist fast schon zuhause hier

    Ich glaube nicht das das beruhigend ist.... denn man ist ständig mehr oder weniger auf der Suche nach Jobs. Ist abhängiger denn man braqucht ja die Verlängerungen.
    Nein das ist keine Wahl Freiheit ....
     
    Rick gefällt das.
  6. ppue

    ppue Mod Experte

    Das eigene Wollen mag darin bestehen, ein halbwegs be- und anerkannter Künstler zu werden, sprich, von seinen Auftritten leben zu können. Der Musiker wird aber die verschiedenen Tätigkeiten nicht als "Flickenteppich von Jobs" sehen, sondern als diverse Tätigkeiten, die seiner Berufung entsprechen.

    Und er wird sich vielleicht freuen, einer kreativen Arbeit nachgehen und immer noch bis halb Zehn schlafen zu können.
     
    Rick und Bereckis gefällt das.
  7. _Eb

    _Eb Ist fast schon zuhause hier

    Ich glaube da ist dann genau der Scherpunkt.
    Die einen brauchen diesen Job flickenteppich um zu überleben, die anderen haben den Job flickenteppich aus Überzeugung oder weil sie es so arrangiert haben.

    Die zweite Gruppe dürfte die glücklichere sein.
     
    Rick gefällt das.
  8. ppue

    ppue Mod Experte

    Nö, das sind nicht zwei Gruppen, sondern eine.

    Und arrangieren tut sich das eher von selbst. Du kannst ja nicht planen, dass du nächstes Jahr 14 Schüler, 5 Auftritte und 2 Studiojobs pro Monat hast. Musst halt sehen, was du so zusammen bekommst.
     
    The Z, Rick und Livia gefällt das.
  9. tehjay

    tehjay Kann einfach nicht wegbleiben

    ...und genau dieser Zustand führt m.E. dazu, dass wenn Auftritte, Studiojobs und Tonträgereinnahmen nicht im auskömmlichen Fall eintreten, der Unterricht tendenziell unter Wert verkauft wird. Dieser Wettbewerb führt dazu, dass die Forderung nach einem Mindestlohn oder der Kalkulation von realen Kosten zur Ermittlung von notwendigen Honorarsätzen ins Leere läuft. Aus dieser marktbetrachtenden Perspektive finde ich den Wunsch nach Mindestlohn in diesem Sektor zwar aller Ehrenwert, aber komplett an der Realität vorbei....
     
    Rick und Alex_Usarov gefällt das.
  10. JES

    JES Gehört zum Inventar

    Was ist denn der Wert eines Unterrichts bzw einer Unterrichtsstunde? Wenn du das behauptest, dass Unterricht unter Wert angeboten wird, dann muss es ja eine Zahl geben.
     
  11. Silver

    Silver Gehört zum Inventar

    Was ist der Wert von persönlicher Freiheit, Spontaneität, Zufriedenheit?

    Nur Ingenieure und Betriebswirte wollen zwanghaft alles in Euro oder Millimeter messen können, vergessen dabei aber gerne, dass es Werte gibt, die größer werden, wenn man sie teilt und Werte, die man nicht in Geld ausdrücken kann.
    Erinnerst Du Dich noch an die MasterCard Werbung? „…priceless!“

    Im Gegenzug muss man halt mit den Konsequenzen aus „Flickenteppich“ und Unsicherheiten leben, ohne andere dafür in Haftung zu nehmen (z.B. durch Sozialtransfers). Musste ich als Freiberufler auch jahrzehntelang. „There‘s no free lunch“

    Das ist -meiner Ansicht nach- der Hintergrund, vor dem solche hehren Ziele wie Mindestlöhne und Grundeinkommen diskutiert werden sollten. Womit wir bei einem wesentlich größeren gesellschaftlichen und letztlich politischen Thema angelangt wären.
     
  12. Alex_Usarov

    Alex_Usarov Ist fast schon zuhause hier

    Wie ich finde, da droht eher die Gefahr, dass die Leistungen kurzfristig über dem Wert verkauft werden, bis der Gesamtwert steigt.
    Kein guter Lehrer wird es toll finden, für die Mindestgage zu arbeiten. Und meiner arbeitet gerade für das, was oben als Mindesthonorar aufgeführt wird. Im Abo sogar 30% weniger. Und ich meine, er ist ein überdurchschnittlich guter Lehrer und Musiker. Er wird es nicht wollen, für Mindestlohn zu arbeiten.
    Die Klavirlehrerin meiner Tochter arbeitet für die oben aufgeführte Mindestgage. Wenn jetzt beide je auf 200 € Euro für Abo oder 80€ pro Stunde aufstocken, weil sie überdurchschnittlich gut sind, werden 400€ im Monat für Musikunterricht nicht mehr unserem Budget angemessen sein.
    Also muss ich entweder selber oder woanders hin.
     
    Rick gefällt das.
  13. Gerrie

    Gerrie Strebt nach Höherem

    @Alex_Usarov

    Das mit den unterschiedlichen Sätzen hast Du doch heute auch nicht.

    An der Musikschule zahle ich einen Betrag X.

    Beim guten und beim sehr guten Lehrer gleich viel.

    Ob die unterschiedlich entlohnt werden weiß ich nicht. Ich gehe davon aus.

    Wenn Du für alle den Level anhebst passt es doch.

    Oder bin ich irgendwo anders?

    Grüsse Gerrie
     
  14. ppue

    ppue Mod Experte

    Ich habe jetzt keine Angst vor der Gefahr, dass die Leistungen kurzfristig über dem Wert verkauft werden (((-:

    Der Deutsche Musikrat setzt sich, das ist seine Aufgabe, für Musiker ein und es ist eine natürliche Sache, wenn er da ein wenig höher pokert.

    "Ziel der aktualisierten Empfehlung für Honoraruntergrenzen ist es, die Anschlussfähigkeit an tarifliche Entwicklungen zu sichern und ein klares Signal für die Wertschätzung musikpädagogischer Arbeit zu setzen."

    Die Empfehlung richtet sich "an öffentliche Fördergeber auf kommunaler und Landesebene, freie Auftraggeber, Musikschulen und Hochschulen".

    Es geht also nicht direkt um den Privatunterricht, wiewohl der natürlich auch von einer allgemeinen Wertediskussion profitieren kann.
    Wie man hier lesen kann, ist der Wert einer Unterrichtsstunde schwerlich zu beziffern, sowie auch deren Qualität grottig oder auch überragend sein kann. Man wird also darauf angewiesen sein, hier Mittelwerte zu finden und den Rest dem Markt zu überlassen.
    Solche Empfehlungen können allerdings den Musiklehrern bei den Honorarverhandlungen helfen und Diskussionen wie diese schärfen einfach das allgemeine Bewusstsein.

    In der Gesellschaft scheint mir immer noch die Haltung zu herrschen: Der hat doch Freude an seinem Job, da kann man den Stundenlohn nicht mit dem eines Meisters vergleichen. Und das eine Stunde Musikunterricht eine anstrengende Sache sein kann, ist fern jeder Vorstellungskraft der Mitbürger.

    Dass ein Beruf Spaß macht, trägt nicht unbedingt dazu bei, dass er gut entlohnt wird, im Gegenteil. Arbeit, die nicht mit einer gehörigen Portion Mühsal verbunden ist, ist keine Arbeit.

    Fragt man dann aber die Leute, ob sie tauschen wollten, heißt es: Nein, das wäre mir viel zu unsicher.

    Ein Anliegen eines allgemeines Grundeinkommens ist genau das, dass der Mensch einfacher die Arbeit findet, für die er sich berufen fühlt und die ihm Spaß bereitet.
     
    giuseppe, Livia und Rick gefällt das.
  15. Silver

    Silver Gehört zum Inventar

    Diesen Gedanken finde ich eigentlich sehr charmant.
    Leider scheinen sich Studien und Feldversuche dahingehend zu verdichten, dass der Mensch dann doch ein kleiner, mieser Nutzenmaximierer ist (und seine gesicherte Existenz eher unproduktiv genießt) oder das Grundeinkommen einfach die allgemeinen (lokalen) Preise in genau der Höhe dieses Grundeinkommens anhebt.
    Unter dem Strich muss jeglicher noch so kleine Wohlstand und sogar die Sicherung der Grundbedürfnisse Nahrung und Wohnung von einer Gesellschaft erst einmal erwirtschaftet werden…

    Wenn man jetzt sagt, „lasst uns die Künstler alimentieren, weil Kunst wichtig für eine Gesellschaft ist!“ entsteht sofort die Gegenfrage, ob das nicht auch für Landwirte, Bäcker, Malermeister und Investmentbanker gilt.
    Abgesehen davon wird die Kunst recht großzügig alimentiert. Das Geld landet nur eben nicht in allen Genres und gelegentlich scheint es von der politischen Gemengelage abhängig, wie uns die Berlinale-Skandalisierung gerade zeigt.
    (Ein Gaza Protest ist eine Sache, eine Beschimpfung eines ganzen Landes eine andere - deshalb gleich die Intendantin in Frage zu stellen, weil diese Einzeläusserung eines Künstlers dem Herrn Weimer nicht passt, finde ich höchst fragwürdig).

    Aber auch hier wird’s gerade wieder politisch.
     
    Florentin, giuseppe, Onkel D und 2 anderen gefällt das.
  16. Alex_Usarov

    Alex_Usarov Ist fast schon zuhause hier

    Rein theoretisch sollten eigentlich in der Marktwirtschaft Angebot und Nachfrage die Preise bestimmen. Da aber der Arbeitgeber dazu neigt, die Personalkosten soweit es geht zu dämpfen, gibt es Gewerkschaften, die den Gegendruck erzeugen. Nur sie verlangen in der Regel einmalige Zahlungen und prozentualen Anstieg. Auch das hat oft gravierende Konsequenzen für einzelne Betriebe und letztendlich für Mitarbeiter, die dann den Job verlieren, weil der Betrieb Konkurs anmeldet oder Personalkosten noch mehr auf andere Weise dämpfen muss. Ist aber ein anderes Thema.
    In diesem speziellen Fall, wenn ich es richtig verstanden habe, findet erstmal der Verbraucher auf dem Markt einen globalen Preisanstieg, wenn ich die Empfehlung, nicht preislich unter Mindesthonorargrenze zu fallen, richtig verstehe. Und das, insbesondere in Anbetracht der wirtschaftlichen Lage, könnte unterschiedlichste Konsequenzen haben.
    Ich zum Beispiel, verdiene etwa 25 % mehr als der Kollege, der benachbarten Bereich verwaltet. Sollte mein Gehalt zum Mindestlohn erklärt werden, werde ich meine 25% Aufschlag zurückverlangen wollen, weil ich meine, um diese 25% Prozent besser zu sein. Wenndieser Gehaltsanstiegskreis geschlossen ist, werden Personalkosten so dermaßen steigen, dass das Unternehmen Preise anheben müssen wird, was wiederum zum Umsatzrückgang führen wird. Oder aber die gekündigten, in Ruhestand getrettnen und von sich aus das Unternehmen verlassene Mitarbeiter möglichst lange nicht zu ersetzen.

    Im Selbständigkeitsbereich vermute ich, ohne großes Wissen zu besitzen, einen globalen Anstieg der Preise. Die die drunter waren, werden sich zunächst mal freuen, bis ihr Klientel sich nach und nach verabschiedet. Die, die drüber waren, werden sich auch freuen, die Preise legitim und begründet noch mehr anheben zu wollen. Bis manche fleißige und angagierte Schüler es nicht mehr finanziell mittragen können werden.
    Und dieses Naturwunder wird für mich nicht mehr bezahlbar sein. Und das beunruhigt mich gerade am Meisten.

     
    Rick gefällt das.
  17. ppue

    ppue Mod Experte

    Na, ich denke, die Wirtschaft funktioniert dann doch etwas komplexer.

    Wenn die Leute mehr Geld verdienen, geben sie auch mehr aus und die Umsätze steigen.

    Aber diese deine Ebene ist viel zu grob, als dass sie Aussagen darüber zuließe, was passierte, wenn die Einkommen in der doch sehr kleinen Branche von ein paar Musiklehrern steigen würden.

    Geht doch nur um eine Angleichung an das allgemeine Gehaltsniveau in Deutschland und schon gar nicht um globale Mechanismen.
     
    Rick und Livia gefällt das.
  18. Silver

    Silver Gehört zum Inventar

    Das nennt man Inflation. Ein völlig normaler - und in gewissen Grenzen sehr erwünschter - Regelkreislauf, in dem aber noch ein paar mehr Faktoren eine Rolle spielen, darunter zwei bis drei, über die eine Zentralbank dann auch eingreifen kann.

    Und wehe, so eine Zentralbank ist gegenüber der Regierung weisungsgebunden…
     
    Rick, Gerrie und ppue gefällt das.
  19. Alex_Usarov

    Alex_Usarov Ist fast schon zuhause hier

    Nun, wenn die Mitarbeiter eines Unternehmens oder einer Branche mehr verdienen, heißt es nicht, dass auch die Kunden dieser Branche/dieses Unternehmens mehr verdienen. Und genau diese bringen das Geld in die Kasse.
    Wenn es bei einer kleinen Branche bleibt. Erfahrungsgemäß: sobald IG Metall die Forderungen durchsetzt, geht Verdi auf die Barrikaden, sonst muss sie ja ihren Misserfolg rechtfertigen. Und einer ihrer Argumente ist: warum Metall Branche ja, und Dienstleister nicht.
    Auch im künstlischeren und anderen Bereichen gibt es Institutionen, die das Ganze genau beobachten, und beim Nichtreagieren wird womöglich ihre Existenz bzw Nützlichkeit infrage gestellt.
    Ich kenne einige Vertreter unterschiedlicher Branchen, deren Satzniveau noch mehr angleichbedürftig ist, als es bei Musikern der Fall ist. Ich habe ein Gewerbe, mein Stundensatz ist maximal 30 Euro. Wenn Musiker es durchkriegen, werde ich als purer Neid das gleiche wollen. Und wenn die für mich zuständige Instanz es durchgekommt, wird sie mir empfehlen, nie weniger zu verlangen. Und ja, 60 Euro sind besser als 30, aber kein Schwein wird es mir zahlen wollen.

    Aber es ist alles nur Polemik, bin mir meiner nicht sicher).

    Ich habe 5 Jahre im Norden Russlands verbracht. Da kommt der erste Schnee im Oktober und taut nicht mehr auf, sondern wird schichtweise angehäuft. Und wenn der Frühling kommt, kommt überall schichtweise Hundekacke zum Vorschen. Daher gibt es ein Volksmund: "Der Frühling zeigt, wer wo geschissen hat".

    Warten wir mal ab.
     
  20. ppue

    ppue Mod Experte

    Auf jeden Fall. Sollte auch nur ein Beispiel sein.
     
  1. Diese Seite verwendet Cookies, um Inhalte zu personalisieren, diese deiner Erfahrung anzupassen und dich nach der Registrierung angemeldet zu halten.
    Wenn du dich weiterhin auf dieser Seite aufhältst, akzeptierst du unseren Einsatz von Cookies.
    Information ausblenden