Vergleiche verschiedener Saxophone und Mundstücke per Audioaufnahme

Dieses Thema im Forum "Eigene (musikrelevante) Themen" wurde erstellt von ppue, 11.März.2026 um 12:35 Uhr.

  1. ppue

    ppue Mod Experte

    Großes Lob verdienen all diejenigen, die keine Mühen scheuen und immer wieder spannende Vergleiche zwischen verschiedenen Saxophonen oder Mundstücken per Audiodatei einstellen. Allen voran @Analysis Paralysis, der einen großen Teil dieser Gegenüberstellungen hier einbringt.

    Ich finde solche Aufnahmen immer höchst interessant, habe aber selber die Schwierigkeit bei solchen Aufnahmen, dass ich erst die eine aufrufe, dann auf die nächste Datei klicke und versuche, in zwei/drei Aufnahmen immer die gleiche, vergleichbare Stelle zu finden.

    Oft sind die Unterschiede im Klang so gering, dass ich kaum Unterschiede entdecken kann. Dazu kommt, dass die Melodie, der Rhythmus, Artikulation, Phrasierung, all diese Parameter, mich im Grunde nur vom eigentlichen Klang eines Tones ablenken.

    Auch wenn es nur Nuancen sind, die sich klanglich unterscheiden, ist es für den Spieler doch wichtig, das optimale Instrument oder die optimale Kombination herauszufinden. Deshalb habe ich einen Vorschlag:

    Nehmt doch von jedem Saxophon bzw. Setup nur drei lange Töne auf, meinetwegen auf D in allen drei Oktaven, und schneidet die gleichen Töne nahtlos aneinander. So wird ein direkter Vergleich viel besser wahrzunehmen sein.

    Mir geht es darum, nur den reinen Sound in direkter Folge vergleichen zu können. Ich bin sicher, das wird spannend.

    Ich weiß auch, dass dadurch andere Faktoren eliminiert werden. Man kann die Intonation oder den Wohlfühlmoment auf einem Instrument nicht mehr vergleichen. Aber so ist es oft in der Wissenschaft, schaut man hier zu genau hin, verliert man irgendwo anders wieder Einsichten.

    Soll also nur eine Anregung sein.
     
  2. Silver

    Silver Gehört zum Inventar

    Bei drei Longtones D geht mehr Information verloren, als man wissenschaftliche Klarheit gewinnt.

    99% der Information steckt für mich in den Transienten, in der Dynamik, der ausgeglichen oder verschiedenen Klangfarbe entlang der Tessitur und wie ein mir bekannter Spieler mit der Artikulation, Intonation usw. zurecht kommt.

    Das pure „Tröööt“ sagt mir zumindest rein gar nichts. Es müssten schon extreme Unterschiede zwischen den Instrumenten sein…
     
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  3. JTM

    JTM Ist fast schon zuhause hier

    Ich finde diese Tests (für mich) vollkommen unaussagekräftig. Als top Spieler wie @Analysis Paralysis klingst du erstens auf jedem Horn gut,und zweitens entwickelst du auf jedem Horn eh wieder deinen Sound,das heisst du klingst immer nach dir.

    Was doch viel wichtiger als Kriterium ist,wie fühlt sich das Horn an,wie sitzen die Finger,wie ist die Federspannung,das Gewicht,der Blaswiderstand,wie hängt es am Gurt und mehr. All das kann ich in einem nur gehörtem Test überhaupt nicht erfassen. All das ist aber doch extrem wichtig um zu wissen,will ich das (wie erklär ichs nur meiner Frau) oder eben nicht (Glück gehabt bis zum nächsten Mal).
    Ja es ist toll,das sich Foristen so viel Mühe machen und das aufnehmen und einstellen,nur mir nutzt das garnix,falls ich ein Horn suche
     
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  4. Spacecat

    Spacecat Ist fast schon zuhause hier

    Für die Suche nach einem Saxophon nutzt es mir ebenso nichts.
    Für mich sind die Einstellungen insgesamt trotzdem ein sehr wertvoller Teil zum Saxophon. Hier sind die Vergleiche für mich extrem wertvoll, unabhängig davon dass diese jetzt nicht für mein Sax oder Saxauswahl ein Weg sind. Ebenso all die guten Recordings die nicht im Vergleich verschiedener Instrumente eingestellt sind, für mich wertvoll.

    Den Vorschlag von @ppue kann ich nicht voreilig werten, aber hier sehe ich es eher wie @Silver
    Mein erster Gedanke zu ppue war, spannende Idee, aber vielleicht Teil A wie er vorschlägt, Teil B etwas mehr. Z.B. immer kleine Tonfolge und Melodie.
     
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  5. ppue

    ppue Mod Experte

    @Silver: Na, dann sollte man wohl erst gar nicht von einem Soundvergleich reden. Mir persönlich käme es aber genau darauf an.

    Um herauszufinden, wie sich ein Horn anfühlt, brauche ich es nicht aufzunehmen. Ich konnte bisher auf allen Saxophonen spielen. Gut, es gab ein paar schwerer zu greifende. Hat mich aber nie gestört.

    Und wenn einer immer nach sich selber klingt, dann finde ich es gerade interessant, diese Parameter mal wegzulassen und auf das reine "Tröööt" horchen zu können. Zudem hindert es ja auch nicht, Melodien dazu einzustellen.
     
  6. giuseppe

    giuseppe Gehört zum Inventar

    Das ist schon was dran, @ppue , Longtones vergleichen kommt einem echten Sound-Vergleich näher. Ich mache das zum Beispiel seit Jahren und ohne Erfolg mit Cis und D, auf dass sie Freunde werden. Dafür muss ich nicht mal zwischen zwei Hörnern wechseln. ;)

    Aber im Ernst, wer soll sich das anhören? :cool: 3x3 Longtones? Und dann nochmal? Dann stream ich in der U-Bahn doch lieber Dolphy oder so was (denn wie @JTM richtig anmerkt, ist der Erkenntnisgewinn für einen selber zumindest in Bezug aufs eigene Material natürlich limitiert).

    Ich höre mir die Vergleiche wahnsinnig gerne an, Gerade weil sie vom gleichen, sehr guten Spieler kommen, weil ich hören will, was das Equipment etwas mit dem Spieler macht, und ob man da überhaupt was hört. Und manchmal hört man das ganz gut. Man hört, ob Gas gegeben wird beim Sound oder gedrosselt wird, ob die Inflections wilder oder vorsichtiger angegangen werden. Ja, und Soundunterschiede im engeren Sinne höre ich auch immer wieder, mal mehr und mal weniger. Ich kann aus den Stücken meist ziemlich gut sagen, welches Mundstück oder Horn mich interessieren würde und welche eher überhaupt nicht.

    Natürlich kann ich mich da täuschen. Da ich aber eh kein Horn kaufe, ist es egal! :)
     
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  7. ppue

    ppue Mod Experte

    Es geht nicht um Longtones, sondern und gleiche Töne, die unmittelbar aneinander geschnitten sind, meinetwegen mehrmals hintereinander wechselnd.
    So käme man den immer wieder vielzitierten Klangunterschieden, Z.B. zwischen Selmer Mark IV und einem New Wonder mal spürbar näher.

    Na, ich muss wohl mal selber ran, wie ich lese. Wenns nicht interessiert, mach ichs halt für mich (-;
     
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  8. giuseppe

    giuseppe Gehört zum Inventar

    Mir fällt dazu die Anekdote von Sonny Rollins ein, der angeblich in den 60ern in einem Musikinstrumentenladen sich zig Tenöre geben ließ und stundenlang auf allen im Wechsel nur ein tiefes Bb geblasen haben soll. Und irgendwann hat er eins gekauft und ist gegangen. Er wusste sicher warum. :)
     
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  9. giuseppe

    giuseppe Gehört zum Inventar

    Haha, bitte teilen! Ich nehme mir aus Gründen der Fairness vor, es bei Gelegenheit für 10M und Serie III zu machen.
     
  10. giuseppe

    giuseppe Gehört zum Inventar

    Na gut, ich mache mal nen Anfang. Ich habe es in kurzen Zeit gewissermaßen verbockt, weil die Palmkeys bei beiden Hörnern ziemlich unterschiedlich intonieren und ich am kalten Horn ohne groß zu stimmen einfach schnell reingehupt habe. Und eins spiel ich häufiger als das andere. Jetzt ist der erste Ton gewaltig unterschiedlich in der Stimmung, was den Vergleich unangenehm färbt. Das müsst ihr euch bitte wegdenken.
    Ich stelle es aber trotzdem rein, weil ich überrascht bin, wie deutlich der reine Soundunterschied ist. Vielleicht schaffe ich es bei Gelegenheit noch besser.

    Also, D3-D2-D1 im Vergleich.

    Conn 10M von 1941 vs. Selmer Serie III von 1998

    Mundstück ist ein Philtone Sapphire .105, Blatt ein nicht mehr ganz frisches Rigotti Gold 3, das drauf war.
    Reihenfolge müsst ihr erraten höhö (räusper)... :)
     

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  11. JES

    JES Gehört zum Inventar

    Für mich sind Klangbeispiele interessant, aber eigentlich wertlos.
    Den Klang macht der Spieler, das Setup, der Bogen... Die paar Prozent, die da für das Sax übrig bleiben, selbst wenn man den Bogen mal zum Sax zählt, sind eher unerheblich. Viel wichtiger ist für mich die Interaktion zwische Instrument und Spieler, ev noch die Verarbeitungsqualität. Beides hört man eher weniger und wenn, ist das eine recht subjektive Angelegenheit. Ich weiß, warum ich am liebsten meine NewWonder spiele, dicht gefolgt von BC. Die empfehle ich aber möglichst nicht pauschal, das muss jeder selbst probieren. Ich habe Hörner, die sind in der Hand bequemer, schneller, vielleicht sogar stimmiger (ein kohlert 57 ist so mit das schnellste horn, dass ich habe), trotzdem.... Da werden auch Soundfiles mit Longtones oder sonstigen standardisierten Verfahren nichts ändern. Wenn die Kanne nicht mit mir "spricht" wird das nix.
    @Analysis Paralysis hat da zuletzt 3 Tenöre verglichen. Vielen Dank dafür. Das takeaway ist aber, ja, sie klingen etwas verschieden... bei ihm. Ja, bei ihm gefällt mir eines besser im Sinne von "wenn ich klingen dürfte, wie ich will, dann eher...". Trotzdem würde ich von den Dreien ein anderes kaufen, wenn ich nur nach den soundfiles geht. Ich würde gar keines kaufen, wenn er bzw auch andere hier, sich nicht über Verarbeitung, Ergonomie, ihre subjektiven Eindrücke etc geäußert hätten. Und ich würde trotzdem versuchen alle drei zu einem shootout in einen Laden zum test zu bekommen, und vermutlich doch bei meinem Conn/BC bleiben.
     
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  12. cwegy

    cwegy Ist fast schon zuhause hier

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  13. JES

    JES Gehört zum Inventar

    Stelle ich mir schwierig vor. Hier reicht das Spektrum ja von soft bis rock/pop, mit unterschiedlichen Vorstellungen, was wie klingen soll. Dann noch mit entsprechenden setups... Und schon ist der Vergleich für die Tonne
     
  14. bthebob

    bthebob Strebt nach Höherem

    Die Geschichte hat noch eine lustige Ergänzung.

    Sonny gab in dieser Stadt (Chicago ?) ein Konzert.

    Im Vorfeld hatte sich bei Fans und Musikalienhändler herumgesprochen,
    dass er ein neues Sax sucht.

    Wie von Geisterhand waren in diesen Tagen die Fachgeschäfte
    so gut besucht mit Kundschaft, wie nie zuvor.

    Alle hofften im Rahmen des Anspielens auf ein kleines, spontanes Konzert vom Meister.

    Aber Fehlanzeige, es gab nur sehr viele, tiefe Bb's

    Ich meine gelesen zu haben, dass er der Überzeugung war, wenn tief Bb technisch perfekt "kommt"
    und für ihn super klingt, dann -passen- auch die restlichen Töne.

    Wobei Sonny Rollins sowieso ein großer Freund der "Philosophie" war:
    "Play one note, only one note"

    VG
     
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  15. Blofeld

    Blofeld Ist fast schon zuhause hier

    @giuseppe danke für's Einstellen, der Vergleich ist interessant - und gleichzeitig auch nicht.
    Interessant ist, das man bei allen drei Tönen deutlich den Unterschied hört. 1 fetter und breiter, 2 dünner und obertonreicher. Ich nehme mal an, 1 ist Conn und 2 Selmer. Die Vertreter der These "nur der Spieler macht den Unterschied" geraten jetzt auf dünnes Eis (waren sie eh vorher auch schon).
    Uninteressant ist der Vergleich in Hinsicht darauf, was man mit dem Sax musikalisch machen kann. Unteressant deshalb auch für die Auswahl eines Instruments.
     
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  16. Analysis Paralysis

    Analysis Paralysis Ist fast schon zuhause hier


    ?
    :sorry2:
     
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  17. Blofeld

    Blofeld Ist fast schon zuhause hier

    Alles, nur das nicht!
     
  18. Alex_Usarov

    Alex_Usarov Ist fast schon zuhause hier

    Ich habe jetzt alles ein paar Mal angehört, als musikalische Werke, ohne irgendwas zu suchen. Wundervoll. Und gleich merke Unterschiede. Weil Genußknospen wach sind.

    Und dann habe ich Sax ausgepackt und habe versucht, einige Passagen nachzuspielen. Und es gelang mir zum ersten Mal in meinem Leben.
    Abermals Riesendank, @Analysis Paralysis .
    Und als ich phrasenweise anhörte und abspielte, wusste ich doch ganz genau, was ich in meinem Setup vermisse und was überhaupt nicht.

    Und ein Sax nach einem Hörbeispiel zu bewerten ist eine ziemlich heikle Sache. Aber ein Sax in einem Hörbeispiel zu genießen ist eine doch sehr geile Sache.
    :)
     
  19. giuseppe

    giuseppe Gehört zum Inventar

    Ich denke es ist den meisten schon irgendwie klar, dass die Instrumente unterschiedlich klingen. Es geht da ja meistens um etwas anderes - hat auch mit Wasser und Wein zu tun (bzw. manchmal auch Limo vs. Limo verschiedener Hersteller). Allerdings war ich selber überrascht, wie deutlich der Unterschied ist. Es ist das ja der gleiche Mund, der gleiche Link-Klon mit exakt dem gleichen alten Blatt und keine 10 Sekunden dazwischen. Und das war nur Mezzoforte. Von Subtone bis Brüllen gibt es vermutlich noch ein paar Nuancen. Insofern muss ich @ppue wohl recht geben, dass das entgegen meiner Vermutung doch interessant sein kann. :)

    Sonst keine Vermutungen?
     
  20. Onkel D

    Onkel D Ist fast schon zuhause hier

    Es traut sich keiner, seine Reputation als Experte auf's Spiel zu setzen. ;)

    Ich empfinde 1 als breiter und 2 als fokussierter. Daher wäre ich ebenfalls bei 1 Conn und 2 Selmer.

    Was es für mich schwierig macht:
    1. Die unterschiedliche Tonhöhe beim hohen D. Das bekommt man beim Hören schlecht aus dem Kopf. Außerdem finde ich die Klangunterschiede bei den Palm Key Tönen oft nicht so groß. Ist ja auch nicht verwunderlich, da die Einwirkung des Saxes da oben geringer sein dürfte.
    2. Die unterschiedliche Lautstärke beim mittleren D. 2 ist da etwas lauter und wirkt dadurch automatisch fetter und präsenter. Das musste ich mir öfter anhören um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie es wohl bei gleicher Lautstärke wäre.
    3. Am klarsten finde ich es beim tiefen D. Die sind gleich laut und in der gleichen Stimmung. Da ist 1 definitiv breiter, dafür ist bei 2 mehr "Sprotzeln" drin. Da ich das "Sprotzeln" eher dem Mundstück zuordnen würde, habe ich es nicht groß gewertet.
    So bin ich zu meiner Vermutung gekommen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 12.März.2026 um 06:18 Uhr
    giuseppe gefällt das.
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