Selmer entlässt 60 Mitarbeiter

Dieses Thema im Forum "Eigene (musikrelevante) Themen" wurde erstellt von Silver, 17.Oktober.2026 um 19:25 Uhr.

  1. Silver

    Silver Gehört zum Inventar

    Ich finde es amüsant, einen Hersteller mit eigener Entwicklung und mehreren hundert Instrumenten monatlich mit einer Manufaktur mit einigen Dutzend Instrumenten jährlich zu vergleichen.

    Wobei selbst der relativ großen Anzahl der Instrumente nicht effektiv mit industriellen Instrumenten wie Economies of Scale beizukommen ist - das ist ein eher handwerklich auf Kleinserien ausgeprägter Betrieb (wie übrigens Yanagisawa auch!), da machen es die üblichen Maßnahmen für Industriebetriebe im Zweifel nur schlimmer - was nicht heißen soll, dass Unternehmen dieser Größe nicht auch industriell produzieren könnten und ebenfalls nicht, dass Effizienzmaßnahmen generell sinnlos wären.

    Die Probleme von Selmer dürften aus meiner Sicht nur sehr am Rande mit einer (zugegeben etwas unglücklichen weil unübersichtlichen) Modellpolitik bei Saxophonen zu tun haben.
    Die machen das lange genug und wissen schon, wie man erstklassige Instrumente baut, die lange halten und einen ganz eigenen Klang mitbringen, der bislang noch nicht erfolgreich (im nennenswerten Umfang) kopiert wurde.
     
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  2. Shorty

    Shorty Ist fast schon zuhause hier

    HD fertigt die Mechanik selbst? Die Behauptung glaube ich erst wenn ich da Bilder gesehen habe. Bitte nicht falsch verstehen, aber eine Sax-Mechanik selber herzustellen........ mit allen möglichen
    Vorrichtungen beim Löten etc.

    Schau dir mal Videos von den Herstellern (Factory Tours Better Sax) an - wie extrem Anspruchsvoll die Fertigung der Teile ist - ich kann mir nicht vorstellen das HD sowas rausgehauen hat.
     
  3. Tafkah

    Tafkah Ist fast schon zuhause hier

    Über das reine Kamera-Segment hinaus hat Leica aber auch die Zeichen der Zeit erkannt mit dem "Leica Leitzphone" darauf reagiert, einem Smartphone, dass die Funktion der "smarten Fotografie" konsequent bedient.
     
  4. JTM

    JTM Strebt nach Höherem

    Ums genau zu verifizieren,hatte ihn letzte Woche gefragt,er baut etwa 40 Hörner im Jahr.
     
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  5. Analysis Paralysis

    Analysis Paralysis Ist fast schon zuhause hier

    Er lässt sie fertigen. Genauso wie die Korpora oder Korpusse oder wie immer.
    Zumindestens hat er das zu mir so gesagt.
     
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  6. SomethingFrantic

    SomethingFrantic Ist fast schon zuhause hier

    Er meinte zumindest, dass die ganz Mechanik von ihm stammt. Wies im Detail letztlich aussieht, weiß ich nicht. Er kann dir jedenfalls alles exakt so anpassen an der Mechanik, wie du das haben willst. Vielleicht kann da jemand, der tatsächlich ein Horn von ihm spielt und gekauft hat, mehr Licht ins Dunkel bringen.
     
  7. Silver

    Silver Gehört zum Inventar

    Das dürfte in durchschnittlichen Jahren etwa der Tagesproduktion bei Selmer entsprechen.

    (Vgl. https://www.selmer.fr/en/blogs/infos/numeros-de-serie-saxophones-selmer)
    Gesamtproduktion 2012 ca. 10.000 Instrumente. Maximum 1990 mit 17.800 Instrumenten SA80 Serie II.
    Neuere Daten sind nicht ohne weiteres öffentlich zugänglich.
     
  8. Peterchen

    Peterchen Nicht zu schüchtern zum Reden

    Wenn ich auf der Suche nach einem Tenor oder Alt im Profisegment wäre, würde ich zuallererst versuchen, etwas
    im Vintagebereich zu finden, statt ca. 10000 € für ein Selmer Tenor ala Supreme, Reference o.ä. hinzublättern.
    Für so viel Geld lässt sich immer ein gutes MK VI finden, das ich jedem Instrument von der Stange vorziehen würde.

    Die alten, noch überwiegend in Handarbeit gefertigten Serien MK VI, SBA, BA etc sind meiner Meinung nach die größte Konkurrenz für die Firma Selmer im Hochpreissegement.
    Im mittleren Preisegment sind wiederum die Asiatischen Instrumente eine attraktive (und billigere) Alternative.
     
  9. Shorty

    Shorty Ist fast schon zuhause hier

    Das ist mir vollkommen klar. Alles andere ist natürlich unrealistisch.
     
  10. Silver

    Silver Gehört zum Inventar

    Und wer keinen Androiden mag, kann sich Hülle und Griff fürs iPhone holen:

    https://leica-camera.com/fr-FR/mobile/lux-grip

    Ich bin mir noch nicht ganz einig, ob das gute Markenführung ist oder wieder in die Sondermodell- und Zubehörwelle der 1990/2000er abdriftet, mit der sich Leica schon einmal über Wasser gehalten hatte. Ist aber auch im Moment nicht das Thema.
     
  11. SomethingFrantic

    SomethingFrantic Ist fast schon zuhause hier

    Ich bin mir da ehrlich gesagt gar nicht so sicher, ob heute so viel weniger Handarbeit drin steckt. Wenn man sich Videos zur Fertigung von Selmer oder Yanagisawa ansieht, steckt da schon noch sehr viel Handarbeit drin.
     
  12. Silver

    Silver Gehört zum Inventar

    Auch die aktuellen Serien werden bei Selmer überwiegend in Handarbeit gefertigt.

    Von industrieller, d.h. automatisierter Produktion sind Saxophone meilenweit entfernt. Das lohnt sich einfach nicht.
    Überschlägig müsste eine Fabrik etwa 1000 Instrumente einer Baugrösse am Tag ausspucken, um die Investition in nennenswerte Automatisierung zu rechtfertigen.
    Natürlich können Einzelteile automatisiert in großen Stückzahlen hergestellt werden - z.B. Stanzteile für die Mechanik oder tiefgezogene Klappendeckel usw. Sobald es ans Fügen geht, ist es günstiger die läppischen Stückzahlen von Hand zu machen.
     
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  13. ppue

    ppue Mod Experte


    Die Videos, die ich aus vielen Manufakturen von den 1920er bis 2020er Jahren sehe, fangen alle! damit an, dass ein Arbeiter auf einem merkwürdig zugeschnittenen Blech anfängt gerumzudebgeln. Ich Vertrauen in solche Videos ist nicht sehr groß.
     
  14. Silver

    Silver Gehört zum Inventar

    So wird eben ein Trichter gemacht…
    Eine Maschine, die das kann, kostet so viel, wie ein gut ausgebildeter Franzose in fünf Jahren verdient (nicht: kostet), das Werkzeug für eine Baugrösse/Modell nochmal so viel wie er in einem Jahr verdient - und dann muss immer noch einer den ganzen Tag daneben stehen und Bleche für 200-400 Trichter einlegen.

    Wenn es die Maschine komplett unbeaufsichtigt automatisch machen soll, kostet sie das Sechs- bis Zehnfache… und schafft dann in den 24 Stunden, die sie laufen kann, locker 500-1000 Tenor-Trichter.

    Wer soll sich das teure Biest bitte in die Fabrik stellen, damit es bestenfalls 20 Tage im Jahr läuft?


    Jedes Metier hat seine optische Folklore.
    Seit Henry Ford fangen .alle. Filme über Autoproduktion mit einer Rohkarosse auf dem Fließband an.
    Das war noch nie der Beginn einer Autoherstellung, ist also genauso richtig oder falsch.
     
  15. Shorty

    Shorty Ist fast schon zuhause hier



    es hat sich schon einiges getan, bei der Herstellung der Trichter, da dengelt sich nix mehr. Außer bei Bariton und Bass - da wird gedengelt.

    Die Gravur erledigt auch ein Roboter, sonst wäre ja auch die hässliche (Geschmackssache, geb ich zu) aufwändige Supreme-Gravur gar nicht möglich.

    Und dann halt eben wieder Handarbeit beim Tonlochzug und Lötarbeiten. Da kommt wohl kein Hersteller drumrum.
    Mit Denglerei Korpus + Trichter wären die Preise vermutlich noch deutlich höher.

    Jetzt lässt sich darüber streiten, ob der frühere Mehraufwand beim Dengeln einen Einfluss auf die Kanne hat. Yamaha wirbt ja damit, das der
    Schallbecher in Handarbeit gedengelt ist.
     
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  16. ppue

    ppue Mod Experte

  17. giuseppe

    giuseppe Gehört zum Inventar

    Ich denke es ist offensichtlich, dass die Selmer-Investoren das gleiche versuchten, wie bei Leica.

    Das heißt den Transfer der Produkte aus einer althergebrachten, soliden, Präzisionhandwerks-Kategorie für Spezialisten, professionelle Nutzer und Liebhaber in die etwas neuere Luxus-Kategorie, die es in dieser Form erst seit der Fusion oder dem massenhaften Aufkauf von hochwertigen Manufakturen durch AGs oder PE-Konstrukte gibt, und die zu den oben genannten Zielgruppen mittels gezieltem Marketing die zahlungskräftige Population hinzufügt, die alles hat, sich alles kaufen kann und zu allem Überfluss eigentlich kein richtiges Hobby hat, aber ernst genommen werden will und schnelle Erfolgserlebnisse mit den Spielzeugen oder alternativ staunende Blicke haben will (oder wahlweise für so jemanden ein Geschenk zu Weihnachten oder zum Zuckerfest braucht).

    Wenn man mich fragt, kann der Schritt vom echten Kunsthandwerk zum Luxusprodukt eigentlich nicht von Erfolg gekrönt sein, weil die Leute doch nicht bereit sind, für den Schein zu zahlen. Aber wie man sieht, kenne ich mich nicht aus und mache zum Glück was anderes.

    Bei Selmer hat vielleicht gefehlt, dass sie das Supreme im Louis Vuitton Gigbag ausliefern. ;)
     
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