Mundtrockenheit beim Auftritt

Dieses Thema im Forum "Spielen im Alter" wurde erstellt von Saxobear, 27.Januar.2026.

  1. Saxobear

    Saxobear Nicht zu schüchtern zum Reden

    Hallo
    mich würden Eure Tipps zur Vermeidung oder wenigstens Eindämmung des Phänomens "Mundtrockenheit vor Auftrittsnervosität" interessieren.
    Ich leide darunter. Und zwar nur beim Auftritt im großen Blasorchester. Wenn ich Solopassagen zu spielen habe und es erwartungsvoll gut machen will!
    (Wer möchte das nicht.)
    Ich verbrauche dann während des Konzerts bis zu drei Flaschen Wasser. Spüle den Mund und trinke viel zwischen den Musikstücken in den Pausen. Aber die Mundtrockenheit ist bei mir in den Spielphasen so extrem, dass ich schon am überlegen bin, mir einen Trinkschlauch über die Schulter zu legen um während des Stücks in den Taktpausen am Wasser zu nuckeln....
     
  2. Tobias Haecker

    Tobias Haecker Ist fast schon zuhause hier

    Man könnte den Aspekt der Auftritts Nervosität angehe. Da gibt's Ressourcen zu und auch Profis, die sich damit beschäftigen.
    Im Prinzip ist es dann solide Vorbereitung, mentale Entspannungstechniken (zB Atemübungen vor dem Auftritt) und solche Situationen gezielt trainieren.

    Eine nicht ganz ernst gemeinte Idee wäre, mit mehr Hunger auf die Bühne und sich neben den Noten ein Bild von lecker Essen anheften.
    Vielleicht mal die Flavoureeds probieren.

    Wiederum etwas ernster, vielleicht ist dann so Wasser gar nicht die Lösung.
    Vielleicht könnte man sogar sowas wie Zuckerfreie Bonbon/Kaugummi probieren (mit etwas Übung kann man auch damit Sax spielen, wenn man sich das in die Backe klemmt)
     
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  3. ppue

    ppue Mod Experte

    Ich kenne das Phänomen; man bleibt regelrecht am Blatt kleben und die Artikulation ist nur noch schwer möglich. Hatte es des Öfteren, wenn wir mit neuem Programm Premiere hatten. Und leider weiß ich da gar keinen Trick, der einem helfen könnte. Vielleicht haben die Mediziner hier ja noch eine Idee.

    Im Grunde hilft nur, möglichst viele Soli zu spielen und sich daran zu gewöhnen. Oder aber, nur halb im Scherz gemeint: Es nicht perfekt machen zu wollen und die Soli einfacher angehen, keine Angst vor Fehlern haben. Durch die arge Fokussierung auf die Soli werden sie nicht besser.

    Witzigerweise kenne ich auch das Gegenteil. Ich hatte eine Sprecherrolle in einem Kriminalhörspiel zusammen mit doch recht bekannten Schauspielern. Da war ich ziemlich aufgeregt davor und merkte, dass sich immer mehr Spucke im Mund gesammelt hat, die ich dann runterschlucken musste, was häufigeres Aufstoßen zur Folge hatte. Genauso blöd (-:

    Der Speichelapparat wird wohl völlig unterbewusst gesteuert, so haben Saxophonanfänger oft vermehrten Speichelfluss, sobald sie das Mundstück in den Mund nehmen. Aber an das Unterbewusste kommt man nicht so schnell dran, denke ich.

    Entspannungsübungen würden bei mir nicht funktionieren, weil mich das dann geistig nur noch mehr auf die Sache fokussieren würde. Da täte ich mich schon eher ablenken wollen.
     
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  4. Guido1980

    Guido1980 Ist fast schon zuhause hier

    Alle die zuhören spielen meist wesentlich schlechter als du.
    Dieser Gedanke hat mich immer sehr entspannt.

    Auch bei Vorträgen: Nur ich weiß was gleich kommt.
    Lg, Guido
     
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  5. Lagoona

    Lagoona Ist fast schon zuhause hier

    Von der medizinischen Seite sehe ich 3 Ansätze.
    Es gibt Medikamente, die die Speichelproduktion anregen.
    Allerdings mit Nebenwirkungen. Cevimelin ist hier das mit den geringsten Nebenwirkungen und natürlich nur mit entsprechendem Rezept und nach Rücksprache mit dem Hausarzt.

    Es gibt so etwas wie künstlichen Speichel,
    Glandosane als Spray z.B.

    ‘Man kann das Problem auch von der anderen Seite angehen und die Angst und Nervosität medikamentös behandeln.
    Aber auch hier: Die Medikamente haben natürlich Nebenwirkungen und sind für den Amateurbereich sicher nicht zu empfehlen.
    Batablocker können zwar Aufregung lindern, jedoch auch die Xerostomie(Mundtrockenheit) fördern.
    So wie auch andere Medikamente.
    Hier auch mal mit dem Arzt sprechen. Blutdruckmittel z.B. falls man so etwas einnimmt.

    Xylitolhaltige Kaugummis wurde ja schon angesprochen.

    Ich überprufe auch immer ob die Patienten gut Luft durch die Nase bekommen, vor allem Nachts.
    Und das führt dann oft zu ernährungsmedizischen Aspekten, aber das führt hier zu weit.
    Beste Grüße
     
    Zuletzt bearbeitet: 27.Januar.2026
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  6. JES

    JES Gehört zum Inventar

    Vielleicht machst du dir mal bewußt: du bist der kritischste Zuhörer von dir selbst im ganzen Saal. Kein anderer.
    Ein bischen Nervosität gehört dazu, der Rest ist/wird Routine.
     
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  7. quax

    quax Gehört zum Inventar

    Kaugummi ist sicher eine Option.
    Regt den Speichelfluss an, ist nebenwirkungsarm und gibt frischen Atem.
    ( Und Abkauen löst Verspannungen und beugt ihnen vor.)
     
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  8. Tobias Haecker

    Tobias Haecker Ist fast schon zuhause hier

    @Saxobear : spielst du Holz oder Synthetik? Vielleicht hilft der Wechsel auf Plastik. Vielleicht nicht direkt mit dem trockenen Mund, aber dem Blatt ist es egal, ob es trocken oder feucht ist....

    Ich empfehle natürlich Forestone :p
     
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  9. Saxobear

    Saxobear Nicht zu schüchtern zum Reden

    Ich danke Euch für die zahlreichen Tipps!

    Klar, es ist eine Sache des vegetativen Nervensystems, die man nur bedingt steuern kann.
    Aber ja, es leuchtet ein, je mehr Spielroutine und je öfter auf der Bühne vorm Publikum, umso lockerer wird man mit der Zeit.
    Und ja, je schneller man vorkommende Falschtöne akzeptiert und drüber weg sieht...umso besser. ;)
    Ich muss ja oft selber darüber lachen....dass ich plötzlich vor Erreg...äh. Aufregung fast die Kontrolle über meine Lippen und Mundmuskeln verliere...und dann plötzlich ein ungewolltes Vibrato heraus kommt! :D

    Der Tipp mit Xylitol Kaugummi scheint mir interessant. Das werde ich beim nächsten Mal ausprobieren.

    Ansonsten spiele ich hauptsächlich Holzblätter.
    Habe aber auch Legere und Rico Plasticover im Gebrauch. Die ich aber bisher für einen Auftritt nicht verwendet habe.
    Forestone Blätter habe ich noch nicht getestet. Werde ich bei Gelegenheit sicherlich auch mal antesten.

    Beim Sax-Lehrer in der Übungsstunde, einem überzeugten Jazzer, nutze ich ein OL 7* Mundstück mit Rico 3er oder auch 4er Blätter, welche er mit Abziehklinge etwas bearbeitet hat. ;)
    Beim konzertanten Blasorchester spiele ich ein Meyer 7 in Kombination mit Vandoren 2,5 classic Blättern.
     
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  10. Ladida

    Ladida Ist fast schon zuhause hier

    Ich habe keine Mundtrockenheit, bin aber die Lampenfieberqueen schlechthin.

    Das einzige, was mir geholfen hat, ist – die Situation möglichst oft erleben. So bin ich bei Vorträgen und mit der Bigband über die Jahre einigermaßen entspannt geworden bzw. kann mit dem Restlampenfieber umgehen. Das nutzt sich einfach ab.

    Nicht steuerbar ist es bisher bei meinem neuen Instrument Querflöte, wo mir vor Lampenfieber der Ansatz flöten geht (Lippen zittern, Schnappatmung). Da kann ich sogar manchmal die ersten acht Takte noch kontrolliert spielen, und das entspannt mich trotzdem kein bisschen, sondern die Adrenalinwelle kommt einfach etwas später, aber weiterhin mit voller Wucht.

    Alle wohlmeinenden Tips wie Entspannen, Fokussieren, nicht Fokussieren, die spielen alle gar nicht besser usw. bringen mir genau nichts, weil es nicht um eine realistische "Angst" vor irgendetwas geht, sondern eine rein vegatative Reaktion ist auf eine aus irrationalen Gründen als stressig empfundene Situation. Aber das mag anderen (hoffentlich) anders gehen.

    Ich drück die Daumen!
    Ladida
     
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  11. JTM

    JTM Ist fast schon zuhause hier

    Stell dir dein Publikum nackt vor,dann ist jedes Lampenfieber weg :duck:wobei,dann kann man Bilder in den Kopf bekommen,die man ein Leben lang nicht mehr los wird
     
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  12. quax

    quax Gehört zum Inventar

    Gelegentlich wurde auch der Genuss eines kleinen Proseccos empfohlen. Alkohol kann entspannen, aber....
    (Erfahrungsbericht im Witze-Fred)
     
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  13. mato

    mato Strebt nach Höherem

    Ich denke schon, dass Du mit solchen Übungen etwas erreichen kannst. Du hast vielleicht noch nicht die passende gefunden, oder bisher noch nicht ernsthaft genug ausprobiert.
    Der Atem ist zum Beispiel gut geeignet, um das Nervensystem zu regulieren.
     
  14. Frau Buescher

    Frau Buescher Ist fast schon zuhause hier

    Leg dir eine zitrone aufs notenpult
     
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  15. Saxobear

    Saxobear Nicht zu schüchtern zum Reden

    Ouha...!! Das ist ja mal ein cooler Tipp!! :p
    Das werde ich sicherlich bei Gelegenheit testen!
    Danke. ;)
     
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  16. Analysis Paralysis

    Analysis Paralysis Ist fast schon zuhause hier

    Bei der Flöte hat mir geholfen, alles mit doppeltem Nachdruck - und Vibrato - zu spielen :)
    Da geb ich dann wahrscheinlich mehr Luft.
    Das Sauteil reagiert tatsächlich sehr stark auf jegliche Befindlichkeit.
     
    Ladida gefällt das.
  17. JES

    JES Gehört zum Inventar

    Es gibt keine realistische Angst. Angst ist immer irreal, basiert auf "was könnte sein". Damit ist Angst immer irreal. Hier, die Angst sich blamieren.
     
  18. JES

    JES Gehört zum Inventar

    Sorry, muss das doch präzisieren. Ist etwas unsauber formuliert.
    Angst ist natürlich real, wenn auch nicht immer berechtigt. Angst ist die Reaktion auf eine Bedrohung, im Ursprung basierend auf realen eigenen Erfahrungen, aber auch auf Erfahrungen anderer.
    Nun ist der Mensch aber sehr gut ev bedrohliche Szenarien zu entwickeln, recht schlecht aber darin, deren Auftretenswahrscheinlichkeit einfließen zu lassen bzw die Folgen.

    Wenn ich jetzt auf der Bühne vor Publikum ein solo spielen soll, habe ich Angst. Ich frage mich dann, muss ich Angst haben und wovor.
    Ok, ich kann mich verspielen, so richtig tief ins Klo greifen. Nur, wie wahrscheinlich ist das? Gering, ich habe das Stück ja drauf. Wer auch immer mich auf das Publikum losgelassen hat ist überzeugt, dass ich das kann.
    Ok, aber trotzdem könnte es passier, ich mache Fehler. Was ist denn die Konsequenz? Zumindest werde ich nicht umgebracht, kein Arm abgehackt oder mir sonst existenzbedrohenden Schaden zugefügt. Schon mal gut. Noch besser, wenn ich eine Ausstiegsstrategie habe. Heißt cool bleiben und weiterspielen, nicht einfach aufhören. Ich habe da immer im Kopf, dass im Publikum keiner sitzt, der es besser kann als ich.
    Schlimmstenfalls bekomme ich Kritik von Zuhörern, meinem Lehrer, Dirigenten, meinem Team und meinem schlimmsten Kritiker, von mir selbst (das ist eigentlich die Stimme, die immer unzufrieden ist). Unangenehm, ja und nein. Ja, wer wird gerne auf Fehler hingewiesen, nein, wenn ich daraus lerne und es als konstruktives Feedback mitnehme.
    Mit diesem Denkschema bekomme ich meine Angst so weit runter, dass nur eine gewisse Anspannung bleibt. Die ist gut, hilft mir konzentriert zu bleiben und nicht leichtsinnig zu werden. Meine Erfahrungen zeigen, es funktioniert.
    Gutes Buch zu dem Thema “Die Formel für Glück” von Mo Gawdat.
     
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  19. quax

    quax Gehört zum Inventar

    Im Februar jährt sich der Krebstod meiner Nichte.
    Aus eigener Ansicht und Erfahrung kann ich sagen, dass solche Ausführungen über Nichtexistenz realer Ängste, die Deklaration von Ängsten als immer irreal eigentlich
    ein ziemlicher Schmarrn sind.
    Außerdem vermute ich, dass hier Begriffe wie real, irreal, realistisch durcheinander geworfen werden.
    Angst ist immer real. Die Gründe dafür mögen real (nahender Tod), irreal (Die Ankunft des großen weißen Taschentuchs) oder realistisch sein (Vom Fensterbrett fallen)
    Die Sache mit rational und irrational erspare ich mir ob der fortgeschrittendn Stunde.
     
  20. Alex_Usarov

    Alex_Usarov Ist fast schon zuhause hier

    Ich würde gerne zum Ausgleich ein paar gute Wörtchen für das wundervolle Gefühl namens Angst hinzufügen.
    In der wilden Natur gibt es zwei Gründe, den Körper in die letztmögliche Bereitschaft zu bringen: Hunger und Angst. Wenn beide schlafen, schläft auch das Tier. Die Frage ist: Ist die Angst mein Werkzeug, oder andersherum.
    Ich habe in meinen ersten Monaten öfters mal im Wald gespielt. Die Etüden aus vier bis fünf Noten. Habe sogar hin und wieder Mitleidsapplaus genossen. Man hatte ich Schiss).
    So etwas hilft auf Dauer: die Angst wird erträglicher, man konzentriert sich auf das Wesentliche und entscheidet selbst, ob man den Kontakt zum Publikum gerade möchte, oder nicht. Würde ich mal behaupten, ohne je ein Konzert abgehalten zu haben( aber viele Lesungen und Theaterstücke)).
    Manchmal verursacht der Wunsch, sich von der Angst zu befreien noch größere Angst. Sie soll da sein und ihre Dienste leisten, alte treue Freundin.
    Wen wir schon das Philosophische angeschnitten haben...).
    Und zum Wesentlichen:
    Ich finde die Idee mit einer Zitrone auf dem Pult genial. Ich würde da eine reife duftige Zitrone anschneiden und kurz vom Auftritt daran lecken. Wenn ich ein Glas nicht rauchigen Whisky vor der Nase habe, kann ich mich vor Speichel kaum retten. Ist aber eher Berufsbedingt. Aber mit einer Zitrone könnte es tatsächlich was werden.

    L.G. Alex

    Sorry, bin etwas in Rage gekommen).
     
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