Adolphe Sax & Cie, Brügge

Dieses Thema im Forum "Saxophone" wurde erstellt von altoSaxo, 31.Januar.2021.

  1. giuseppe

    giuseppe Gehört zum Inventar

    Wenn sie am Ende gute Hörner bauen, gönne ich ihnen Erfolg.

    Ich war dem Unterfangen sehr skeptisch gegenüber. Der Namenskauf, die Ansiedlung des Gewerbes in Dinant und die Produktion in Taiwan wirken erstmal wie ein reiner Marketing-Stunt.

    Angesichts der Spendenaktion zu Sax‘ Grab habe ich aber einige historische Quellen gelesen und war schockiert, wie bösartig und teilweise rechtswidrig und kriminell das Pariser Instrumentenbauer-Establishment gegen Sax vorgegangen ist. Vor diesem Hintergrund wirkt es fast wie Hohn, dass eine der Pariser Traditionswerkstätten dann den Namen erwerben konnte, auch wenn ich nicht weiß, ob der Henri nicht zu jung war, um selber Teil der bösen Kampagne gewesen zu sein.

    Aber der Marketing-Coup, den Namen nach hundert Jahren aus Paris zu stehlen, bekommt einen Touch von Guerilla. Ich beobachte deshalb jetzt ganz wertfrei.
     
  2. Rai57

    Rai57 Schaut öfter mal vorbei

    Ich bin der Meinung, dass man Yanagisawa und Selmer nicht mit Adolphe Sax & Cie vergleichen kann. Außer Karel sind noch 3 oder 4 weitere Männer nebenberuflich am Saxbau beschäftigt. Er verkauft eine übersichtliche Anzahl, und passt sie auf Wunsch auch individuell an. Er ist von seiner Idee überzeugt, und solange seine Käufer zufrieden sind, ist es für mich okay. Ich finde den Klang vom Dinant 2 faszinierend, und selbst wenn Teile aus Taiwan eingesetzt werden, die sind bei Weitem besser als die meisten in China produzierten Saxe.
     
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  3. giuseppe

    giuseppe Gehört zum Inventar

    Historisch gesehen ist es auch ein Ding, Selmer und Yanagisawa in die gleiche Schublade zu stecken, aber ich verstehe was du damit meinst! :)
    Vielleicht wäre es historische Gerechtigkeit, wenn der Markenname nach China verkauft worden wäre. Nur ganz so ironisch ist das Universum dann doch selten…
     
  4. ppue

    ppue Mod Experte

    Mich ermüdet das einfach, wenn ich höre, dass hier noch jede Menge Handarbeit gemacht wird.

    Wird es nicht.

    Aber das ist jetzt nicht allein diesem belgischen Betrieb anzulasten. In jedem Filmchen, egal aus dem Conn-Werk in den Zwanzigern, von Selmer in den Sechzigern, oder Green Hill in Taiwan, hämmert ein einzelner Hämmerer aus diesem merkwürdig geschnittenen Blech einen krummen und schiefen Schallbecher. Seit über hundert Jahren in absolut gleicher Technik.

    Ich kenne nur einen einzigen Film, wo der Becher, klong, jeweils zur Hälfte und im Sekundentakt mit der großen Presse aus dem Metall gestanzt wird.

    Ich verstehe, dass das Handwerk hochgehalten wird, aber es ermüdet, dass die Herstellung immer in solch mystifizierter Form dargeboten wird. Deshalb nur habe ich gefragt, was daran denn Handarbeit ist? Lötet da jemand, lackiert oder bepolstert da? Möchte ich schon wissen, was da in Belgien passiert.

    Wenn das gute Hörner sind, ist ja wunderbar. Aber dann braucht es nicht dieses Marketing, was mich (liege ich richtig) einfach nervt.
     
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  5. Bereckis

    Bereckis Gehört zum Inventar

    Was bauen sie denn konkret selber?

    Wahrscheinlich stimmt eher: „in Brügge entwickelt, montiert und eingerichtet“. (Taiwan‑Rohteile + Brügge‑Werkstatt).


    Dies tue ich nicht! Ich widerspreche nur der Aussage auf ihrer Homepage.

    Mich erinnert die Vorgehensweise eher an Dallhammer (HD-Saxofone) oder Inderbinen, wobei ich die Vermutung habe, dass die beiden wesentlich tiefer in der Produktion des Instrumentes stecken.
     
  6. giuseppe

    giuseppe Gehört zum Inventar

    Ich kenne weder die einen Filme noch die anderen (nur die alten von Conn) und ich habe tatsächlich keine Ahnung, wie manuell der Korpus heutzutage gemacht wird - und auch nicht ob eine Methode vom Ergebnis her betrachtet einen qualitativen Vorteil bringt.
    Ich bevorzuge das „Vintagesax“ zwar dem neuen, aber das mittelmäßige Küchenmesser dem Faustkeil. Es geht ja nichts ums Prinzip.

    Ich verstehe aber was du meinst. Diese Behauptung der belgischen Handarbeit ist erst mal fragwürdig. Dieses Konzept des verschleierten Imports kennen wir jetzt schon zu lange, es ist abgegriffen. Da ist z.B. Eastman weiter. Das meinte ich damit, als ich (im Scherz) sagte, der Name sollte jetzt eigentlich in China oder Taiwan sein.
     
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  7. altoSaxo

    altoSaxo Strebt nach Höherem

    Da möchte ich Yamaha als Beispiel nennen. Beim YAS 875 schreiben die, dass der Becher von Handwerkern mit dem Hammer geformt wird. Die Firma macht auf mich einen seriösen Eindruck und darum nehme ich es ihr ab. Das heißt im Umkehrschluss auch, dass der Becher beim 280er maschinell geformt wird.
     
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  8. Rai57

    Rai57 Schaut öfter mal vorbei

    Mir ist das so ziemlich egal, was wo gebaut wird. Klappern gehört zum Handwerk, und so eine kleine Saxschmiede hat wahrscheinlich ohne Werbung keine Überlebenschance. Mir gefällt einfach das Horn rundum. Ich denke, ich werde eins kaufen, obwohl ich eher aus der Rock- und Popecke komme.
     
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  9. giuseppe

    giuseppe Gehört zum Inventar

    Naja, das ist halt nicht irgendeine „kleine Saxschmiede“, die ums Überleben kämpft. Es ist ein findiger Namensrechtekauf dem knappe zehn Jahre später dann ein im Outsourcing entstandenes Produkt gefolgt ist. Das darf man für mein dafürhalten schon erwähnen, aus welcher Idee das geboren ist.
    Es heißt nicht, dass sie das nicht gut machen, und ich habe oben ausgeführt, warum ich ihnen das gönnen würde bzw. mich sogar freuen würde, wenn der Name mit was gutem befüllt wird.
     
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  10. Silver

    Silver Gehört zum Inventar

    Diese Erzählung von der vielen Handarbeit und ach wie sind wir traditionell, individuell und haben das Saxophon neu erfunden, weil es die anderen nicht konnten, kennen wir doch schon von allerlei anderen illustren Marken. Das mit dem Überarbeiten in Europa oder USA auch.

    Erinnert sich noch jemand an Amsterdam Winds? Riesenaufschlag mit Candy Dulfer als Werbeperson.
    Wenn ich das Foto auf ihrer Homepage richtig sehe, spielt sie inzwischen wieder ihr Mark VI mit einem Heidinga-Bogen.

    Tenor Madness?

    Hatten alle die gleiche große Klappe und haben doch nur minimal gepimpte Taiwanware verkauft. Der einzige mögliche Vorteil hier dürfte der Coup mit dem Markennamen sein.

    Der Marketinggag mit den bizarren Saxen, die angeblich aus Weltkriegskartuschen gebaut werden (und Holz-Pearls aus dem Schaft eines Browning Gewehrs und den Bb-bis Taster aus einer Patronenhülse) ist offensichtlich eher ein Rohrkrepierer:
    Der Einführungspreis für die ersten 120 der maximal 193 Exemplare aus 2020 gilt unverändert… und dann:

    Heute, April 2026, ist von dieser Bekanntgabe immer noch nichts zu sehen.
     
  11. Analysis Paralysis

    Analysis Paralysis Ist fast schon zuhause hier

    Und schaffen es nach wie vor nicht, ordentlichen Korken zu verwenden, der sich nicht nach ein paar Spielstunden so eindrückt, sodass Totgang entsteht.
    Dafür verwendet man halt den gleichen Kautschuk der Daumenauflage, der schon bei den 5-Digit-Hörnern verwendet wurde. Alles kann man halt nicht haben.
     
  12. elgitano

    elgitano Ist fast schon zuhause hier

    Mir scheint, nach Suchen im web über Handarbeit, gibt es keine generelle Definition. In der Metall- und Musikinstrumentenherstellung in Deutschland schon. Die Qualitätsentscheidenen Arbeiten müssen per Hand ausgeführt werden. Was sind diese nun?
    So wie er an "Sax" gekommen ist, dürfte er auch Handarbeit definieren.
    Claus
     
  13. JES

    JES Gehört zum Inventar

    Blechblasinstrument werden auch von Hand gebogen, justiert und verlötet. Warum nur?
    Ich meine inderbinen hat mal irgendwie erklärt, dass hämmern das Material lokal unter Spannung setzt, was wiederum Einfluß auf die Eigenresonanz und das Schwingungsverhalten hat (habe ich nicht nur von inderbinen, sondern in anderen Bereichen von anderen Leuten mit jahrzehntelanger Erfahrung auch schon gehört). Als erfolgreicher Instrumentenbauer mit Material Blech.....

    Was mich hier gerade wundert, die größten Kritiker hier sind gerade die, die weder in Belgien waren und mal ein Instrument der Firma adolphe sax cie angespielt haben, noch sich mit dem Hersteller über die Details der Herstellung oder des Eigenanteils in Belgien unterhalten haben. Die wissen aber schon...es kommt aus Taiwan, alles Marketinggequatsche und so was kann nix sein. Mmhh, klar.
     
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