Bitrate für Liveaufnahmen

Dieses Thema im Forum "Home- und Live-Recording, Tontechnik" wurde erstellt von Wanze, 2.Dezember.2019.

  1. Wanze

    Wanze Ist fast schon zuhause hier

    Hallo miteinander,

    Ich weiss, ein ähnliches Thema gab es schon mal hier - aber der Thread hat sich explizit auf H1 bezogen.

    Welche Bitrate verwendet ihr bei euren Aufnahmen (von Live Konzerten)?
    In dem H1 Thread gibt es ein Begriffs-Wirrwarr mit Bitrate und Auflösung. Also ich interessiere mich explizit für die Bitrate (bei Live-mp3 Aufnahmen).
    Ja, ich weiss, PCM ist sowieso viel besser...
    Wenn ich Liveaufnahmen mache, lass ich den Recorder einfach die ganze Zeit mitlaufen. da ist mir der kleinere Platzbedarf (= längere Aufnahmezeit) durch mp3 schon recht.
    Konkret: Mein Olympus LS5 bietet an
    320kbps
    256kbps
    128kbps

    Ich habe immer gedacht, dass man da keinen wesentlichen Unterschied zwischen 256kbps und 320kbps hören sollte - bis gestern. Da habe ich Aufnahmen mit 320kbps gemacht, und die sind richtig gut geworden.
    Liegt das jetzt an der guten Aufnahmeposition? Oder an der höheren Bitrate?
    (und: ja, Aussteuerung war nicht automatisch, sogar Limiter war aus - allerdings ein Low Cut Filter an)

    Würde mich freuen, wenn ihr hier von euren Erfahrungen mit den Einstellungen berichten könntet.

    Grüße,

    Wanze
     
  2. bloomooroom

    bloomooroom Ist fast schon zuhause hier

    Mit einem komprimierenden Format aufzunehmen, kann Dir wirklich niemand empfehlen.
    Daher ist mp3 nur der Notnagel, wenn es nicht anders geht (Gerät kann nur dieses Format oder das Speichermedium ist limitiert und keine Möglichkeit zu wechseln).
    Wenn mp3, dann größtmögliche Bitrate.
     
    Wanze gefällt das.
  3. Huuuup

    Huuuup Ist fast schon zuhause hier

    Ganz klar,je höher die Bitrate,desto besser die Aufnahme
     
    Wanze gefällt das.
  4. rbur

    rbur Moderator

    Die maximale, die es gibt. Und alles, was an automatischer digitaler Bearbeitung drin ist ausmachen, bis auf den Limiter vielleicht. Das kann man hinterher am PC besser und kontrollierter machen als die Automatik.

    Du wirst wahrscheinlich keinen Unterschied hören zwischen 256 und 320. Aber bei intensiver Nachbearbeitung merkt man das doch irgendwann.

    Der Olympus kann auch WAV. Kauf dir ne ordentliche Speicherkarte. Mit 32 GB kannst du in höchster Qualität bis zu 15 Stunden aufnehmen. Wenn du dann noch bei Puste bist, wechselst du die Karte.

    upload_2019-12-3_8-17-17.png
     
    Wanze, slowjoe und Saxfreundin gefällt das.
  5. scenarnick

    scenarnick Schaut öfter mal vorbei

    Die grundsätzliche Frage ist, was mit den Aufnahmen passieren soll. Wenn sie einfach so bleiben sollen ist der Tipp mit der "höchsten Bitrate" genau richtig. Wenn allerdings nachbearbeitet wird, stellt sich die Sache anders dar.

    Eine komprimierte Aufnahme zu dekomprimieren und erneut zu komprimieren ist stark Verlust-behaftet. Das ist leider systembedingt so. Es gibt Tools, die ein "Trimmen" von MP3 ermöglichen, ohne die komprimierte Ebene zu verlassen. Wenn also nur vorne und hinten was weggeschnitten werden soll, kann man das so machen ohne den Rest erneut zu komprimieren. Sobald man allerdings mehr bearbeitet, wie z.B. in Audacity oder ner DAW, verlässt man die komprimierte Ebene, geht auf PCM und wandelt dann wieder in die Ziel-Bitrate um. Hier gibt es Verluste. Daher wäre hier die Variante mit PCM Aufnahme und einer großen Karte die bessere.
     
    Wanze und saxhornet gefällt das.
  6. Frau Buescher

    Frau Buescher Ist fast schon zuhause hier

    Was ist PCM?
     
  7. scenarnick

    scenarnick Schaut öfter mal vorbei

    Unkomprimierte Signale
     
    Wanze gefällt das.
  8. Frau Buescher

    Frau Buescher Ist fast schon zuhause hier

  9. 47tmb

    47tmb Gehört zum Inventar

  10. pth

    pth Ist fast schon zuhause hier

    Ich habe immer Probleme wenn PCM als nicht komprimiertes Signal bezeichnet wird. Auch das PCM (Puls-Code-Modulation) Verfahren, bei dem das analoge Audiosignal abgetastet wird fallen mehr oder weniger, je nach Quatisierung, Informationen weg. Dieses "Weglassen" wird mMn fälschlicherweise als Kompression bezeichnet. Beim Mp3 Verfahren z.B. werden Frequenzen die das menschliche Ohr nicht hören bzw. verarbeiten kann weggelassen bzw. reduziert je nach Bitrate. Dadurch ist ein nachträgliches Wandeln, wie @scenarnick richtig schreibt, nicht zufriedenstellend durchzuführen weil ja viele Informationen fehlen die ich auch nicht Interpolieren kann. Bei einer gerechneten Reduktion (Kompression) wäre dies vielleicht möglich.

    Manche Recorder (z.B.Zoom) nehmen im WAVE Datei-Format auf. In diesem "Container" stecken PCM Daten.
     
  11. Frau Buescher

    Frau Buescher Ist fast schon zuhause hier

    Befasse mich seit ein paar Tagen erst mit Aufnahmetechnik. Bislang habe ich mit Smartphone aufgenommen. Das wird sich jetzt ändern
     
  12. scenarnick

    scenarnick Schaut öfter mal vorbei

    Technisch betrachtet hast Du nicht ganz unrecht, denn jede Wandlung, egal ob nun rein auf analoger Ebene oder erst recht von Analog auf digital geht mit einem Sampling, einem Abtasten einher, bei dem unweigerlich Information verlorengeht. Trotzdem ist PCM in der digitalen Hierarchie die unkomprimierte Stufe, denn es findet keine Datenreduktion nach der Abtastung statt.

    Hier ging es mir zunächst um eine sehr einfache Antwort auf eine grundlegende Frage.

    Im übrigen hilft uns hier die Englische Sprache: Sie bezeichnet das was wir "Abtasten" nennen als "sampling", was wörtlich soviel heißt, wie eine Probe zu nehmen (statt das ganze Signal). Gerade bei Audio ist dieses Sampling sehr störend, denn bei Audio handelt es sich um ein zeitkontinuierliches Signal, das durch Sampling beeinträchtigt wird. Bei Video ist allein schon die Abtastung in der Kamera (egal ob analoge Röhre oder noch schlimmer ein CCD Chip) eben genau ein Sampling, das Informationen wegnimmt.
     
  13. Wanze

    Wanze Ist fast schon zuhause hier

    Schon mal Danke an alle!

    Ja, Sampling ist keine Kompression. Wenn man mit hoher Abtastrate abtastet (Nyquist Theorem) kann der ursprüngliche Verlauf doch verlustfrei hergestellt werden.
    Da erscheint mir das alles einfach und logisch, aus Abtastrate und Auflösung (und ggf. Anzahl der Kanäle) ergibt sich eine Filegröße. Unter 96kHz Abtastrate kann ich mir etwas vorstellen... Ich könnte also noch Töne bis 48kHz korrekt hören, wenn ich das könnte :cool: Also PCM ist gesampled, aber nicht komprimiert.
    Anders bei der "Kompression" wo z.B. bei mp3 Frequenzbänder weggeschnitten werden, die das menschliche 'Durchschnittsohr' sowieso nicht hört. Und irgendwie ist eine "Bitrate 320 kbps" nicht so einfach vorstellbar vie eine Abtastrate oder Auflösung.

    Was ich jetzt gelernt habe (besser spät als nie) : Mein Haupt-Tool sind meine Ohren. Egal, was in der Literatur steht, ich hätte gleich von Anfang an systematisch Probeaufnahmen mit unterschiedlichen Einstellungen machen sollen.
    Ok, das hole ich noch nach.

    Grüße,

    Wanze
     
  14. scenarnick

    scenarnick Schaut öfter mal vorbei

    Ohoh - das ist schon fast Philosophie. Ich treibe mich beruflich im Bereich der Video-Kompression herum. Was es da nicht alles an Messverfahren gibt, die sich alle nicht "grün" sind. Angefangen bei PSNR (klassisch aus dem analogen Signal to Noise Ratio) über SSIM (Structural Similarity) zu neueren Verfahren wie VMAF, das auch die Psycho-visuelle Komponente berücksichtigt, so wie Dolby Digital (AC-3) und MP3 die psycho-akustische Wahrnehmung versuchen darzustellen...

    Ich denke, sich auf die Ohren und den gewünschten Anwendungszweck zu konzentrieren ist die richtige Herangehensweise. Viel Spaß dabei!
     
  15. 47tmb

    47tmb Gehört zum Inventar

    Ich vergleiche das mal mit nem Kreis.
    ein Quadrat ist ein Kreis mit seeeehr niedriger Abtastrate, nämlich 4 „Bit“
    Mit 8 Bit (also ein 8-Eck) wird es schon runder.
    Weiter mit 16, 32, 64 „Bit“ (also Ecken) kommen wir dem Kreis immer näher.

    Irgendwann kommen wir zu so vielen Ecken (einer seeeehr hohen Abtastrate), dass das Auge einen Kreis sieht, obwohl es „nur“ ein Vieleck ist.
     
    Wanze, Frau Buescher und scenarnick gefällt das.
  16. Wanze

    Wanze Ist fast schon zuhause hier

    Schönes Beispiel für die Abtastrate. Ok, und die Auflösung kann man analog sehen, ob der Kreis sehr pixelig ist oder hohe Auflösung hat.
    Aber kannst Du das jetzt auch noch auf die Bitrate erweitern?

    Grüße,

    Wanze
     
  17. Roland

    Roland Strebt nach Höherem

    Moin!

    1)
    Das Nyquist-Theorem impliziert: für ein Signal mit begrenzter Bandbreite.

    2)
    Du wirst Quantisierungsrauschen haben, bei 16 Bit 98dB bei voller Nutzung der Dynamik. Bei leisen Stellen rauscht es relativ mehr.

    AFAIK macht man deswegen gerne Sampling mit höherer Auflösung, um dann via Ditherung das Quantisierungsrauschen mahr dahinzurechnen, wo das Ohr weniger empfindlicher ist.

    Grüße
    Roland
     
    scenarnick gefällt das.
  18. philipp_b

    philipp_b Ist fast schon zuhause hier

    Hier spricht Andrew Sheps, ein großer Meister, zum Thema:

    Das ist zugegeben etwas lang und technisch, der Aha Moment zur Ausgangsfrage ist zwischen 14:15 und 15:30
     
    Wanze gefällt das.
  19. bloomooroom

    bloomooroom Ist fast schon zuhause hier

    Der Kreis soll einen regenbogenfarbenen Farbverlauf haben.
    Wenig Wortbreite: plötzlicher Farbwechsel, wenig definierte Farben.
    Grosse Wortbreite: smoother Übergang.
     
    Wanze gefällt das.
  1. Diese Seite verwendet Cookies, um Inhalte zu personalisieren, diese deiner Erfahrung anzupassen und dich nach der Registrierung angemeldet zu halten.
    Wenn du dich weiterhin auf dieser Seite aufhältst, akzeptierst du unseren Einsatz von Cookies.
    Information ausblenden