Blätter mit geringer Streuung

Dieses Thema im Forum "Mundstücke / Blätter" wurde erstellt von Dan, 25.Januar.2009.

  1. volkerkaufmann

    volkerkaufmann Ist fast schon zuhause hier

    Also schlechte Intonation liegt nicht an Blättern.
    Das liegt eigentlich immer am Spieler oder am Saxophon selber.
    Wenn die Blätter zu dünn geworden sind, dann ist es schwieriger richtig zu Intonieren, was immer an schlechter Stütze liegt.
    Ich habe eine Zeitlang mal Kunststoffblätter ausprobiert und spiele wieder Holz, weil die für mich besser klingen.
    Da ich ziemlich harte Blätter brauche um so zu klingen wie ich das gut finde, komme ich mit den Plastikteilen nicht zurecht. Die sind dann nur noch laut. Wenn ich dünnere nehme klingts wie eine Kreissäge.
    Aber zu dem Thema Plastikblätter kann Peter Wespi was sagen, da der nur sowas spielt.
    Die Rico Select Jazz scheinen im Moment wieder besseres Holz zu haben.
    Die letzten paar Packungen hatte ich wenig Ausschuß.

    Einspiele tu ich die Blätter auch nicht. Was nicht gleich so funzt und klingt wie ich das will nehme ich nur zum Üben oder im Unterricht. Da ist es wurscht wie ich klinge.
    Ansonsten schmeiß ich den Schrott gleich weg.
     
  2. TenSax

    TenSax Ist fast schon zuhause hier

    Meine Rede!

    Gruß
    Ten.
     
  3. schluesselpapst

    schluesselpapst Ist fast schon zuhause hier

    Es sind ja meistens nur minimale Dinge, die mich stören oder nicht gänzlich meinen Vorstellungen entsprechen. Nach dem Schleifen freue ich mich über meinen Erfolg.

    Kann Volker Kaufmann nicht ganz verstehen mit seiner Aussage, dass es ihm egal ist, wie er bim Üben klingt. Auch beim Üben mag gut klingen.

    Grüße Schlüsselpapst
     
  4. Bloozer

    Bloozer Strebt nach Höherem

    ich versuche auch schlechte Blätter mit Schleifen zu verbessern. Leider mit mäßigem Erfolg. Obwohl ich theoretisch weiß, wo man schleifen darf und wo nicht, ist es mir noch nicht gelungen ein brauchbares Resultat zu erzielen. :-(

    @Schlüsselpapst Kannst du nicht mal ein bisschen mehr zum erfolgreichen Schleifen sagen?
     
  5. schluesselpapst

    schluesselpapst Ist fast schon zuhause hier

    Blattbearbeitung ist Übungssache sonst nichts.
    Ich greife meist zu Blättern, die eine halbe Nummer zu schwer sind. Erstens laschen sie sehr schnell ab (1/4 Nummer) zweitens habe ich genug Fleisch um zu schleifen
    Erster Schritt: Blatt Einspielen. Einige Stunden wässern - dann einige leise chromatische Tonleitern spielen, so erwische ich alle Töne - ein Tag wässern - chrom. Tonleitern...
    Das mache ich drei Tage.

    Nächster Schritt: Mit einem Schleifstein schleife ich die Unterseite des Blattes glatt wie einen Spiegel. Ich habe entdeckt, dass die Unterseite äußerst wichtig ist, denn dort entstehen Luftwirbel, die scheppern.
    Glatte Unterseite macht den Ton klarer.
    Die Töne sind auf dem ganzen Blatt verteilt. Vorne hoch und nach hinten werdend immer tiefer. Jedes Schleifen hat seine Auswirkungen.
    Nächster Schritt sind die mittleren Töne obwohl die fast immer gut ansprechen. (links und rechts vom Herz von vorn nach hinten schön der Reihe nach)
    Wenn die Tiefen Töne schwer kommen nehme ich am Anfang des Ausstich Holz weg. (An der dicksten Stelle des Blattes) In der Mitte und auch am Rand. Manchmal verflache ich sogar regelrecht den Anfang der Schräge.
    Das Blatt spricht nun unten wesentlich leichter an.
    Die hohen Töne sind schwerer zu bearbeiten, finde ich. An der Blattspitze ist sowieso alles sehr dünn und empfindlich. Hier schleife ich allerhöchstens so ~10mm hinter der Spitze etwas kreisförmig zum Rand hin.
    Am Herz selbst nehme ich so gut wie kein Material ab, ausser das ganze Blatt klingt stumpf.
    Die Oberseite des Blattes glätte ich ebenfalls, jedoch nicht mit dem Stein, was ja schwer geht, sondern mit einem 400 Papier. Ich mache das, bis alles schön glatt ist. Das nimmt das muffige weiter aus dem Ton.
    Ist das Blatt noch immer zu schwer, schleife ich die Kanten des Blattes. Ich mache das Blatt schmäler (aber nicht an der Spitze!) Nach hinten verjüngen, natürlich nur minimal.
    Wichtig: Die ganze Arbeit spielt sich im Hundertselbereich ab, und ist keineswegs eine Schreinerarbeit. Es fliegen also keine Hobelspäne.
    Das Blatt muss auch symetrisch bearbeitet werden, das bedeutet links und rechts gleichmäßig. Da muss ich zugeben, da tue ich mir am schwersten. Hier fehlt mir immer noch das nötige Feingefühle um die Symetrik beurteilen zu können.

    Forumsmitglied daskli hat seine Schritte äußerst präzise beschrieben, hier ein Danke!
    Ich benutze für die ganze Arbeit
    einen Schleifstein
    Nagelfeile
    400 Papier
    selbstgemachte Schleifstifte (Papier um einen Kugelsschreiber wickeln)
    Selbstgemachte Schleifwippe (doppelt gebogenes falches Holz, der länge nach und konvex, mit 400 Papier beklebt und an den Kanten abgeschnitten) Ich verwende wasserfestes Schleifpapier, so kann ich auswaschen
    JA! Das ist alles viel Arbeit, aber ich mach das gerne. Somit ist das wiederum nicht viel Arbeit.

    Hören - Schleifen - Probieren - Hören ....bis man zufrieden ist.

    Grüße Schlüsselpapst
     
  6. Toffi

    Toffi Strebt nach Höherem

    Hallo alle,

    ich bin auch bekennender Blattbearbeiter, ich finde es immer wieder sehr befriedigend, wenn ich die Erfahrung mache, dass ich mittlerweile jedes meiner Blätter so behandeln kann, dass ich es nicht wegschmeißen muss, sondern dass es grundsätzlich auch in Konzerten einsetzbar ist - Grundmaterial bei mir sind Vandoren Classic, zum Bearbeiten benutze ich den Vandoren Reed Resurfacer bzw. Blattschneider, um ggf. die Spitze etwas zu kürzen.
    Bei den Bari-Blättern war es mir einfach zu teuer, wegen unzureichendem Ausgangsmaterial jedes Mal 6 Euro zu verbrennen - und bei Sopran und Alt habe ich nun auch die Ausschussquote auf 0 % gesenkt, find ich gut :)
    Abgesehen davon, dass ich auf diese Weise tatsächlich so etwas Ähnliches wie eine Beziehung zu meinen Blättchen aufbaue (indem ich mich mit ihnen beschäftige und sie sanft streiche und schabe LOL) ist es auf die Jahre hin betrachtet sparsamer und weniger frustrierend als beim Üben schlecht zu klingen, weil ich minderwertiges Material habe.

    Alles Liebe

    Toffi
     
  7. volkerkaufmann

    volkerkaufmann Ist fast schon zuhause hier

    Das ist ja alles schön und gut, aber für sowas hätte ich gar keine Zeit.
    Wenn ich mal hochrechne komme ich pro Saxophon bestimmt auf 100 Blätter pro Jahr, wenns reicht.
    Wenn ich jedes so behandeln würde, dann hätte ich ja keine Zeit mehr zum Üben.
     
  8. Toffi

    Toffi Strebt nach Höherem

    oha...
    nun, bei mir halten die Blättchen ziemlich lange, mehr als 10 pro Instrument und Jahr verbrauche ich nicht (bei täglichem Üben und professionellem Einsatz wohlgemerkt) - und mehr als 5-8 Minuten investiere ich sicher auch nicht pro Blatt in die evtl. Bearbeitung, meistens extrem weniger...für mich gehört das zur Auseinandersetzung mit dem Instrument irgendwie dazu, aber das ist eben - wie so vieles - eine Frage des individuellen Gefühls.

    Alles Liebe

    Toffi
     
  9. TenSax

    TenSax Ist fast schon zuhause hier

    Wow, was für ein Aufwand! Handwerkliche Arbeit in allen Ehren, aber diese Aktion für ein labberiges Blättchen....
    In dieser Zeit übe ich lieber und arbeite an meine Ansatz um die Töne schöner und besser zu spielen.

    Gruß
    Ten.
     
  10. Florentin

    Florentin Strebt nach Höherem

    Detailfrage an Schlüsselpabst oder andere Spezialisten:

    Glattschleifen der Blattunterseite finde ich auch sehr hilfreich. Ziehst Du den Stein übers Blatt oder das Blatt über den Stein ? Wie hältst / befestigst Du das Blatt ?


    Danke !
     
  11. schluesselpapst

    schluesselpapst Ist fast schon zuhause hier

    100 Blätter im Jahr ist enorm! Das kann ich mir gar nicht vorstellen. Wenn Du (Volker) mehr als ein Instrument spielst bedeutet das ja, dass du ein Blättchen nur einen Tag (so ungefähr) benutzt.
    Ich sehe es wie Toffi. Es gehört einfach zum Üben und zur Tonbildung dazu. Ich setzte mich mit dem allen Komponenten auseinander insbesondere der Klangbildung. Brauche im übrigen auch nicht mehr als 10 bis 15 Minuten pro Blatt, wenn überüberhaupt. 15 Minuten ist aber schon die max. Größe. Meist 5 Minuten. Die paar Minuten fehlen mir sicher nicht beim Üben. Wenn das Blättchen einen Tag im Wasser ruht, ist mir das ja egal.

    Florentin:
    Das Blatt soll ganz naß sein. Ich ziehe das Blatt mit leichten kreisenden Bewegungen über den Stein. Wenn der Schleifstein ebenfalls waschelnaß ist stört es nicht, im Gegenteil. Das Wasser hat zwei Funktionen: Es kühlt und trägt die Schleifabfälle fort. Wenn du total präzise arbeiten willst, solltest du unter Fließwasser schleifen. Dann entstehen keine Kratzer. Das ist aber selbst mir zuviel Aufwand. Meist halte ich den Stein in der einen Hand und drücke das Blättchen mit zwei Fingern auf den Stein. Du darfst nicht zu fest drücken sonst blockiert es. So glätten sich die Fasern und es wird wie eine Feinpolitur. Ganz leicht drücken und langsam kreisen.
    Kritiker: Klingt wiederum sehr kompliziert und aufwändig, aber das dauert doch nur eine Minute! Eine einzige Minute, die sich im Klang echt lohnt.

    Kann natürlich sein bei Berufsmusiker wie Volker, dass er durch Professionalität die winzigen Unregelmäßigkeiten locker ausgleichen kann und es gar nicht so merkt, wie ich.


    Grüße Schlüsselpapst
     
  12. ChristophBM

    ChristophBM Kann einfach nicht wegbleiben

    In Gesprächen mit Profis habe ich vor allem gelernt, daß es auch unter ihnen keine einheitlichen Verfahrensweisen gibt; ein Profi berichtete, daß er -zig Packungen Blätter kauft und erstmal zwei Jahre ungeöffnet lagert, um sie dann nach ganz persönlichen, optisch wahrnehmbaren Kriterien zunächst auszuwählen, dann anzuspielen, zu hobeln, zu schleifen etc.

    Von jemand anderem erfahre ich, daß bei ihm überhaupt nur die Marke xyz funtionert, und der Ausschuß bei 50% liegt, wieder jemand anderer hat aus lauter rust über die Wechselhaftigkeit seiner "Lieblngsblätter" ganz auf synthetisches Material umgestellt.

    Dann wieder berichten einige, daß sie diese ganze Blattbearbeitung sowieo für einen zeitfressenden hype halten und die Blätter einfach nehmen wie sie kommen, und lieber daran arbeiten in jedem Fall so klingen und spielen zu können wie sie es wollen. Nach dem Motto: Sch*** aufs Blatt, der Saxophonist ist der Boß, nicht das Blatt.

    Was ich bisher von JEDEM Profi als persönliches Fazit kennenlernte war sinngemäß: gegenüber dem Einfluß der eigenen Klangvorstellung, des eigenen körperlichen Habitus und der aktuellen "Fitness" ist der Einfluß sämtlicher externer Sax/Blatt/Mundstück/etc.-"hardware" [wenn sie grundsätzlich "paßt" und technisch einwandfrei funktioniert] marginal.

    Jeder Profi, den ich bisher dazu etwas sagen hörte, hatte auch intensive Erfahrungen der Blattbearbeitung gemacht, aber eben mit ganz unterschiedlicher Konsequenz zu ob überhaupt und wie.

    Und so erlebe ich es ebenfalls.

    Blattbearbeitung kann natürlich Eigenschaften von Blättern verändern - sowohl zum "Guten" wie zum "Bösen" ;) - und die handwerkliche Betätigung kann Freude bereiten, das finde ich sehr schön.



    Gruß, Christoph
     
  13. hanjo

    hanjo Strebt nach Höherem

    hallo zusammen,

    mich würde interessieren ob eine langjährige lagerung der blätter eher qualitätsfördernd ist?

    gruß
    hanjo
     
  14. Topshit

    Topshit Ist fast schon zuhause hier

    Entscheidend ist eigentlich das lange Lagern vor der Verarbeitung. Fertige Blätter lange zu lagern macht für mich als Tischler eher weniger Sinn.

    Gruß, Mischa
     
  15. Gelöschtes Mitglied 1142

    Gelöschtes Mitglied 1142 Guest

    Hallöle,

    Topic ist: Blätter mit geringer Streuung.

    Meine Erfahrung: AW-Reeds und Gonzales haben so gut wie keine Streuung. Habe mich früher bei Rico und LaVoz oft geärgert, dass die Blätter einer Packung so unterschiedlich waren.
    Statt aufwändige Blattbearbeitung zu betreiben greife ich lieber zu den Marken, bei denen das nicht notwendig ist.

    Die AW-Reeds entsprechen in ihren Stärken etwa den üblichen Angaben. Die Gonzales erscheinen mir etwa 1/4 bis 1/2 Nummer stärker zu sein.

    Ein Gonzales 2 1/4 empfinde ich minimal stärker als ein AW 2 1/2.

    Gruß aus dem Schwarzwald
    Bernd
     
  16. TenSax

    TenSax Ist fast schon zuhause hier

    Bernd, ein bisschen muss ich (leider) widersprechen!
    Bei meiner letzte Packung, 2 1/2 für Tenor und den 2 3/4 für Klarinetten waren doch nicht unerherbliche Unterschide dabei. Die einen waren merklich stärker aber auch schwächere waren dabei. Normalerweise kenne ich das so nicht von Gonzales. Daher schrieb ich oben auch leider!

    Hoffe die nächsten Packungen werden wieder besser......

    Gruß
    Ten.
     
  17. Gelöschtes Mitglied 1142

    Gelöschtes Mitglied 1142 Guest

    Hi Ten,
    schade, dass Du diese Erfahrung machen musstest. Dann scheint Gonzales jetzt auch "nachgelassen" zu haben?

    ich hoffe, die kriegen das wieder in den Griff. M.E. gehör(t)en die Blätter zur obersten Liga.

    Gruß aus dem Schwarzwald
    Bernd
     
  18. michale

    michale Ist fast schon zuhause hier

    Hallöle zusammen,

    hat jemand von Euch in letzter Zeit "Esser Solo" probiert?
    Ich habe mir da neulich einige zugelegt (für Altsax) und war echt zufrieden...

    Viele Grüße
    Michale
     
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