Drogen und Jazz

Dieses Thema im Forum "Improvisation - Harmonielehre" wurde erstellt von Rabikali, 4.Januar.2021.

  1. Rabikali

    Rabikali Nicht zu schüchtern zum Reden

    Liebe Sax Gemeinde,

    wenn man sich die Lebensläufe der ganz Großen durchliest, so taucht bei fast jedem das Thema Drogen auf. Sei es Dexter, Coltrane, Getz, Evans, Miles, Parker ... alle waren sie dabei. Von Soft bis Hard.

    Unglaublich: da standen die damals in Anzug und Krawatte auf der Bühne und hingen an der Nadel...

    Weshalb war das so? War der Druck so groß? Konnte man sich damit in neue kreative Dimensionen bewegen? War das Zeugs überall verfügbar und einfach nur cool dabei zu sein?
     
  2. visir

    visir Strebt nach Höherem

    Druck, Verfügbarkeit, cool... die neuen kreativen Dimensionen würde ich weniger in Betracht ziehen, außer vielleicht bei Halluzinogenen (Lucy in the Sky with Diamonds...)

    Ein Auftritt, insbesondere wenn man "ganz vorne" steht und auch was rüberbringt, zehrt vermutlich schon ziemlich. Eine ganze Tournee oder sonst wie regelmäßige Auftritte muss man dann auch erst einmal verkraften.
     
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  3. Dreas

    Dreas Gehört zum Inventar

    Der Drogenkonsum ist doch nicht nur ein Phänomen des Jazz der 40er/50er, sondern ist in allen Kunstrichtungen ein Thema, ob Musik (Pop, Rock), Film, bildende Kunst.

    Immer auch Alkohol, heute statt Heroin Designer Drogen und Kokain.

    Und im übrigen nicht nur in der Kunstszene.

    Auch in der Wirtschaft, im Management, ist das ein Problem, nur nicht so plakativ und medienwirksam wie in der Kultur.

    CzG

    Dreas
     
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  4. gaga

    gaga Strebt nach Höherem

    Kann man alles bejahen. Bei unseren amerikanischen Helden spielt aber zusätzlich die Rassentrennung und die damit verbundene permanente Geringschätzung und Demütigung eine große Rolle.
     
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  5. bthebob

    bthebob Ist fast schon zuhause hier

    @Rabikali
    auch bei diesem Thema lohnt sich das Buch "Bird lebt!" von Ross Russell.

    Es gab sogar Phasen, noch zu Lebzeiten Parkers, wo junge Musiker ernsthaft dachten
    sie müssten Drogen nehmen, um so exzessiv spielen zu können wie C.P.
    Ich meine, auch gelesen zu haben, dass das "Unterdrücken kontrollierender Gedanken"
    sich durchaus förderlich auf den "musikalischen Vortrag" erwiesen habe. :)
    Nun ja, die Einen sagen so, die Anderen so.
    VG
     
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  6. scenarnick

    scenarnick Ist fast schon zuhause hier

    Nun, das wird heute noch empfohlen und manchmal mit Recht. Aber halt nach Möglichkeit ohne die Nutzung von Drogen :)
    Bei vielen ja, bei z.B. Chet Baker trifft das nicht zu. Trotzdem gibt's da eine Drogen-Historie, die zu seinem Tod geführt hat.

    Ich glaube, dass es vielmehr im Erfolgsdruck (den man sich zum guten Teil auch selbst macht) und in vermeintlich eigener Geringschätzung der Grund zu suchen ist. Im Jazz, in anderen Künsten, in der Wirtschaft...
     
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  7. Dreas

    Dreas Gehört zum Inventar

    Ich denke auch, dass auf die Rassendiskriminierung zurückzuführen ist zu kurz gesprungen.

    Chet Baker, Jenis Joplin, Jimmy Hendrix, Amie Winehouse?

    CzG

    Dreas
     
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  8. scenarnick

    scenarnick Ist fast schon zuhause hier

    Das ist nicht von der Hand zu weisen, aber wohl nur ein Teil der Erklärung, die nicht auf alle zutrifft. Andererseits ergab sich bestimmt für "weiße" Musiker damals auch ein Spannungsfeld, weil sie mit "schwarzen" Musikern gemeinsam gearbeitet haben. Diese Erklärung hält allerdings nicht für die zitierte Amy Winehouse oder auch für Janis Joplin. Also muss ein weiterer Teil des Grundes woanders, jenseits der Hautfarbe, liegen.
     
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  9. altblase

    altblase Ist fast schon zuhause hier

    Ich würde es nicht automatisch mit dem Rassismus in Verbindung bringen wollen. Chet Baker wurde benannt, auch Stan Getz und andere weiße Musiker des Jazz waren nicht drogenfrei.
    Der Perfektionismusdruck, unbarmherziger Konkurrenzkampf und Existenznöte werden mit dazu beigetragen haben.
    Das Drogenproblem gibt es auch in Sinfonieorchestern, meistens als Alkoholproblem. Da denke ich, dass hier lebenslange Zwang zum Perfektionismus mit den Menschen etwas macht. Offiziell wird natürlich über so etwas nicht gerne geredet.
    Und dann das Drogenproblem vieler weißer Rockmusiker...:cool:
     
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  10. monaco

    monaco Ist fast schon zuhause hier

    Ich denke dabei spielt es möglicherweise eine Rolle, dass verschiedene Drogen zu verschiedenen Zeiten mal legal und später illegal waren. Als z.B. die Beatles mit LSD experimentiert haben, war es noch nicht verboten.

    Mal in die Runde gefragt, wer hat im Leben schon geraucht, und warum? Ich vermute, dass da Coolness und Herdentrieb auch eine Rolle spielen.
     
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  11. Rabikali

    Rabikali Nicht zu schüchtern zum Reden

    Ich meine dass diverse amerikanische Größen zu einer gewissen Zeit in Kopenhagen aufgetaucht und länger geblieben sind, da die Drogenpolitik dort liberaler war und sie in US im Knast gelandet waren ...
     
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  12. mato

    mato Strebt nach Höherem

    Wenn es um Heroin geht, kann ich mir gut vorstellen, dass es in den 40ern noch nicht dieses scheußliche Gesicht hatte, welches es heute hat. Bis 1930 konnte man in Deutschland Heroin noch ganz legal in der Apotheke kaufen und das Bild vom Heroinabhängigen war vielleicht noch ein anderes als heute. In der hier schon erwähnten Parker-Biografie von Russell wird das Thema ziemlich ausführlich beschrieben, wie sich die Droge seuchenartig unter den Musikern ausbreitet. Immerhin handelt es sich um eine der suchterregendsten Drogen überhaupt und vom neugierigen Ausprobieren zum Junkie sind es nur ein paar Schritte.
    Wer weiß, was uns Parker noch alles für tolle Musik geschenkt hätte, wenn er nicht in diesem Alter an Drogen und Alkohol zugrunde gegangen wäre.
     
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  13. hoschi

    hoschi Ist fast schon zuhause hier

    die akzeptanz allgemein bzgl. drogen war viel geringer als heutzutage.
    kokain wurde z.b. lange beim zahnarzt genutzt.
    dann war es auch schick, quasi en vouge...damals...
     
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  14. tango61

    tango61 Ist fast schon zuhause hier

    Es gibt ja wohl auch eine Reihe europäischer Künstler die jenseits der diskriminierung in Drogensumpf steckten Siege Harald Junkhe
     
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  15. Kohlertfan

    Kohlertfan Ist fast schon zuhause hier

    @ppue hat das ja schon mehrfach beschrieben, wenn einem nach dem Konzert die Leere und Einsamkeit ergreift und man nur noch heulen könnte.
    Alkohol oder Betäubungsmittel können da helfen und zur Gewohnheit werden.
    Viele der Musiker waren ja auch noch sehr jung, als sie anfingen als Profis zu arbeiten.
     
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  16. ppue

    ppue Experte

    Das lässt sich sicherlich auf einige Ursachen zurückführen. Einige wurden schon genannt.

    So muss man auch die die Arbeitszeit bedenken. Die Musiker haben dann Feierabend, wenn andere schon ordentlich dem Alkohol oder härteren Drogen zugesprochen haben. In dieser Athmosphäre bleibt man nicht lange nüchtern, macht dann so bis 4 Uhr morgens und schläft dann bis Mittags. Zu Zeiten des Bebops ging es dann Nachmittags zur Bigbandprobe, abends Auftritt mit dieser und danach zur Session.
    Das ist ein völlig überdrehtes Leben und ohne Drogen genau so wie mit Drogen nicht durchzustehen.

    Parker hat gesagt, wenn er unter Drogen gespielt hat, fühlte er sich besser. Nüchtern musste er aber dann doch einsehen, dass die Aufnahmen ohne Drogen die Besseren waren.
     
  17. bthebob

    bthebob Ist fast schon zuhause hier

    "Ach kiek mal an" .... hab' ich gedacht,
    als ich las, das das Wort "Kokolores machen" aus der Drogenecke kommt.

    In Berlin, 20er Jahre, in speziellen, aber allg. bekannten Kneipen.
    Wurde wohl als hippes Codewort erfunden und benutzt.
    Im Sinne von: "Lasst uns mal'ne Linie ziehen"
     
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  18. SaxPistol

    SaxPistol Ist fast schon zuhause hier

    Du meinst vielleicht höher?
    Die Hemmschwelle war vielleicht geringer, welche zu nehmen.
    Gut möglich. Aufklärungsarbeit über die gesundheitlichen und sozialen Folgen gab es da ja noch nicht. Das kam erst in den 70er/80er Jahren, Christiane F und so.
     
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  19. hoschi

    hoschi Ist fast schon zuhause hier

    gerne auch höher...wir meinen das selbe.
    im 2ten weltkrieg war methamphetamin die universalmedizin schlechthin...
     
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  20. SaxPistol

    SaxPistol Ist fast schon zuhause hier

    Drogen wurden in Kriegen schon immer gern eingesetzt, damit die Generäle ihre Soldaten enthemmter und mutiger bekamen.
    Aus dem Vietnamkrieg kamen etliche GIs süchtig zurück.
     
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