EMEO "Übesax" - erste Erfahrungen

Dieses Thema im Forum "Sonstige Instrumente" wurde erstellt von Silver, 2.Dezember.2021.

  1. Silver

    Silver Ist fast schon zuhause hier

    Anknüpfend an die Freds um die digitalen Übesaxe und Windcontroller der letzten Wochen wollte ich mit der interessierten Gemeinde meine ersten Erfahrungen mit dem EMEO teilen.

    Die Idee, einen Apparat zu haben, mit dem man üben kann, ohne seine Umwelt mit Geräusch zu belästigen (nicht jeder findet Skalenübungen attraktiv) ist wohl der Ausgangspunkt für die meisten Produkte auf dem Markt.
    Am einen Ende des Spektrums gibt es die Wind Controller z.B. von AKAI und Roland, die mit dem Saxophon eigentlich nur die weitgehend ähnliche Griffweise gemeinsam haben und die ich als eigenständige Instrumente mit entsprechender Lernkurve ansehen würde.
    Am anderen Ende habe ich mit dem Travel Sax und dem Yamaha YDS (und ggf. dem @ocsi , wenn das Produkt auf den Markt kommt) die Vertreter der "fühlt sich ungefähr wie ein Sax an" Richtung.

    Nach einigen Besuchen in verschiedenen Musikgeschäften und dem mehr oder weniger ausgiebigen Begrapschen der Kandidaten war ich insgesamt wenig beeindruckt: Kein Produkt fühlt sich wirklich wie ein Sax an.
    Das Travel Sax ist mir (mit meinen großen Pfoten) viel zu klein und fühlt sich noch viel mehr nach Plastik an als das ohnehin schon schlimme Yamaha, bei dem bei allen(!), die ich in der Hand hatte schon dieser etwas alberne Trötenkelch gewackelt hat.

    Blieb also eigentlich nur dieses exotische EMEO aus Israel, das ich weder in freier Wildbahn noch bei einem Händler auftreiben konnte. Die etwas schrägen bis schrillen Youtube Videos (check out Felicity!) waren nicht übermäßig hilfreich bis ich auf ein Video mit Chris Potter gestoßen bin, der mit Freude und Inbrunst auf dem Ding gespielt hat und gar nicht mehr aufhören wollte.

    Um meine verbleibende Skepsis zu überwinden hatte ich dann meine noch offenen Fragen in ein Mail getippt und an EMEO geschickt. Eine halbe Stunde später war ich mit Oleg Raskin, einem der Gründer, in einer Zoom-Schalte und konnte nicht nur alle Unklarheiten beseitigen sondern auch gleich auch noch einen sehr netten Plausch führen. Natürlich will (und muss) Oleg sein Produkt anpreisen und letztlich verkaufen - das darf man halt nie aus den Augen verlieren - aber die Antworten auf meine Fragen waren durchdacht und sehr plausibel.

    Geht gleich weiter...
     
  2. Silver

    Silver Ist fast schon zuhause hier

    Die wesentlichen Fragen, die ich hatte drehten sich um drei Bereiche:

    1) Tonerzeugung und Sax-Sounds
    2) Technische Aspekte
    3) Import aus Israel

    Zum Thema Tonerzeugung geht das EMEO den gleichen Weg wie die meisten anderen: Es ist im wesentlichen ein MIDI-Controller ohne eigene Tonerzeugung wird aber mit einer Software geliefert, die auch ohne eine DAW auf Computer oder Tablet oder Smartphone Töne erzeugt. (Zum Vergleich: Das Yamaha und zukünftig das Travel Sax 2 haben eigene Tonerzeugung an Bord und an das Yamaha kann man sogar einen Kopfhörer direkt anschließen)
    Das EMEO hat - im Gegensatz zu Roland und AKAI aber genau wie YDS und TravelSax - kein Pitch Bend über einen Mundstücksensor.
    Das ist auch gar nicht so wünschenswert weil die Sensoren z.B. dem Roland (das ich ausprobieren durfte) ziemlich wenig mit dem zu tun haben, was wir auf einem echten Sax an Tonerzeugungsarbeit im Körper leisten.
    Wer den Ansatz trainieren will ist also ohnehin mit einem Silencer besser bedient.
    Oleg zeigte mir dann noch kurz ein Mundstück, das sogar Voicings "verstehen" soll und irgendwann als Zusatz zum EMEO erhältlich sein soll - sie arbeiten gerade an der Anbindung.
    Das EMEO hat - im Auslieferungszustand - keine "Sax-Sounds" in der Software... mit voller Absicht!
    Wir alle arbeiten Jahrelang an "unserem eigenen unverwechselbaren Sound" - und beschweren uns dann, dass so ein Übegerät nicht genauso klingt.
    Sinnvoller ist die Idee, eine akustische Rückmeldung zu Tonhöhe und Lautstärke (über Blasdruck) zu bekommen um die Verbindung zwischen Fingern und Ohr zu trainieren.

    Der nächste Bereich betrifft die Technik, insbesondere die Sax-Mechanik.
    Das ist tatsächlich ein Saxophonkorpus aus Messing und darauf sitzt eine gar nicht mal so schlechte Applikatur, die sich für mich sogar besser anfühlt als die meisten Mauriat und System54, die ich in den Händen hatte. Nicht zu vergleichen mit einem optimal eingestellten Mark VI aber wirklich aller Ehren wert:
    Das EMEO fühlt sich an wie ein echtes (Alto-)Sax und sogar die Tasten des Kleinfingertischs geben sehr realistische Rückmeldung.
    Nach Auskunft von Oleg kann die Mechanik genau wie bei einem echten Sax von einem Saxdoc gewartet und sogar (in gewissen Grenzen) auf persönliche Vorlieben eingestellt werden.
    Der Lackmustest wird natürlich ein Besuch bei @Toko - sobald das bei mir terminlich mal wieder reinpasst.
    Im Inneren des Sax-Korpus sitzt die Elektronik, die auf Arduino-Modulen aufgebaut ist und bis dato klaglos ihren Dienst tut.

    Der letzte Punkt betrifft den Import aus Israel und die Bezahlung.
    Hier ist der einzige Wermutstropfen die Bezahlung über PayPal in US Dollar. Bei aller Sicherheit, die PayPal für so eine Transaktion bietet (und vom Verkäufer dafür Gebühren nimmt) ist der Umrechnungskurs Euro zu Dollar eine echte Herausforderung - man verliert gute vier Euro-Cent auf den Dollar im Vergleich zu einer Fremdwährungsüberweisung bei der Hausbank. Bei 1550 USD sind das 62 Euro!
    Ansonsten ist die Abwicklung sehr transparent und professionell.
    Man legt eine Anzahlung vor, bekommt dann per Email Bescheid, sobald das EMEO versandfertig ist, bezahlt den Rest und darf sich auf sehr baldige Lieferung durch FedEx freuen.
    FedEx kümmert sich auch um die Verzollung (ca. 3%) und die Einfuhrumsatzsteuer (19%) die auf den Kaufpreis inklusive Versandkosten erhoben werden. Der genaue Betrag hängt vom amtlichen Mittelkurs des US Dollar am Tag der Einfuhr ab. Die Zollabrechnung kommt dann von FedEx zuzüglich einer durchaus fairen Bearbeitungsgebühr von 15Euro als Rechnung in Haus und sollte dann auch umgehend überwiesen werden.

    Später mehr zu den Eindrücken.
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  3. Silver

    Silver Ist fast schon zuhause hier

    So, jetzt geht's los - FedEx hat das Paket geliefert und natürlich bin ich extrem neugierig.

    Das EMEO ist extrem gut verpackt: Ein dicker Umkarton darin mit Polsterecken ein stabiler Produktkarton darin in einer Schaumstoffform eine recht ordentliche Tasche darin das in Lupo eingeschlagene EMEO mit Klemmblöcken aus Kunststoff über jeder offenen Klappe. Mehr geht nicht.

    In der Hand fühlt sich das EMEO sehr gut an. Das Finish entspricht in etwa dem, was heutzutage als "vintage" verkauft wird. Es erscheint alles präzise montiert und justiert, die Mechanik läuft leise und gibt ordentliche Rückmeldung und Klappen schließen mit einem Geräusch, das dem originalen Klappengeräusch nur um die fehlende Resonanz des Korpus nachsteht. Alle Klappen sind ordentlich gepolstert und zumindest vordergründig sauber auf die Tonlochkamine ausgerichtet (ausleuchten geht nicht - da sitzen Sensoren hinter jedem Tonloch) und alles ist spielfrei.
    Insgesamt nicht das Erlebnis wie bei einem optimal eingestellten Mark VI aber auf jeden Fall leichtfingeriger als bei den Mauriat und System54, die ich in den Händen hatte. Haptisch in etwa vergleichbar - aus der Erinnerung - zu einem neuen Expression, das ich vor der Pandemie mal anspielen durfte.

    Im Lieferumfang ist, neben der erwähnten Tasche, ein Halsgurt, ein USB Ladekabel, zwei Steckadapter (gerade und gebogen) ein Alto-Mundstück mit Blattschraube und Kappe (und einem Reed) sowie ein antibakterielles Kunststoffteil, mit dem man spielen soll, wenn Gefahr besteht, sich die Zähne auszuschlagen - also in in Bus, Bahn, Auto, Flugzeug ... Das Reed habe ich gegen ein Hartmann Fiberreed getauscht, das noch herumlag. Das Alto Mundstück funktioniert übrigens tatsächlich.

    Am Anfang ist natürlich viel auszuprobieren, speziell, was die Mund- und Adapterstücke angeht und wie man sich am wohlsten fühlt.
    Für mich funktioniert das Alto-MPC mit dem gebogenen Adapter am besten - man kann aber auch ganz ohne MPC und sogar ganz ohne Adapter spielen. Das ist Geschmacksache.

    Ein Kritikpunkt ist die Steckpassung zwischen den Adaptern und dem EMEO die mit zwei labbrigen O-Ringen als Dichtung konstruiert ist.
    Das wackelt wie der sprichwörtliche Kuhschwanz, obwohl es durchaus sicher stecken bleibt.
    Nur bei schnelleren Passagen z.B. in die Palmkeys verliert die ganze Mimik ihre Stabilität weil der Stützpunkt Mundstück einfach fehlt.
    Ich habe versuchsweise die O-Ringe durch ein Stück S-Bogen Kork ersetzt - damit wird es deutlich besser und ich bin zuversichtlich, dass das alles kein Problem mehr ist, sobald ich den Kork auch ordentlich zugeschnitten und verklebt habe, wie man das eben bei S-Bogen Kork so macht...

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  4. Silver

    Silver Ist fast schon zuhause hier

    Bis jetzt ist noch kein Ton aus dem EMEO gekommen.

    Als das EMEO in Israel losgeschickt wurde, erreichte mich eine Mail von IMOXPLUS, dem Hersteller von Respiro. Respiro ist ein Software Synthesizer speziell für Blaswandler und zum EMEO gehört eine "Lite" Version.
    In besagtem Mail fand ich also eine nette Begrüßung und Informationen, wie man Respiro für Mac oder Windows laden und aktivieren kann, gleich mit Downloadlinks und allem pipapo.
    Respiro ist eine persönliche Lizenz, darf also auf allen Geräten des Lizenznehmers parallel installiert aber nur von einer Person genutzt werden. Dazu ist für jeden Mac/PC ein separater Schlüssel nötig, der unter Angabe der EMEO Seriennummer einfach und blitzschnell per Email angefordert werden kann.

    Also flink Respiro installiert und freigeschaltet, das EMEO per Kabel an den Mac und nach Anleitung als MIDI-Controller verbunden - und schon geht die Post ab!

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    Die Möglichkeiten sind schier endlos und ich habe geschlagene VIER Stunden ohne Unterbrechung herumprobiert und letztlich mit großer Begeisterung EMEO gespielt.
    Das war alles noch nichts mit großem Übewert aber es hat mir doch erstmal einige extrem interessante Punkte gezeigt.

    Die Sounds, die aus Respiro herauskommen haben ihre ganz eigene Ästhetik, die mit einem Sax-Sound nicht viel zu tun hat.
    Wie weiter oben beschrieben, ist das Absicht. Ich persönlich finde viele der Sounds sehr ansprechend (es gibt aber auch sowas wie "BBQ on Mars" das ist nur noch super-schräg) und das Ende der Fahnenstange ist noch lange nicht erreicht weil sich Zillionen Parameter einstellen lassen.

    Respiro klinkt sich bei Bedarf auch problemlos als VST in jede beliebige DAW ein und eröffnet dann nochmal zusätzliche Möglichkeiten.
    Und natürlich kann man mit dem EMEO als MIDI-Controller auch alles in einer DAW steuern, was man gemappt kriegt.
     
  5. Silver

    Silver Ist fast schon zuhause hier

    Das EMEO selbst hat ein paar (eher wenige) Einstellmöglichkeiten, mit denen man sich die Sache persönlich zurecht legen kann:

    Blaswiderstand - eigentlich die Empfindlichkeit des Sensors weil sich physisch nichts verändert - leicht / mittel / schwer
    Stimmung - C / Bb / Eb
    Lage - mittel / hoch / tief

    Dann noch ein Knöppsche zum Einschalten und einen Affengriff zum Abschalten sowie eine Einstellung, in der der Atemsensor abgeschaltet ist und die Klapparatur wie bei einem Piano also ohne reinblasen funktioniert.

    Nach dem Einschalten startet das EMEO jedesmal in der Einstellung "mittel / C / mittel" - ich bin noch nicht entschieden, ob ich das doof finde und mir wünsche, dass entweder meine letzte Einstellung beibehalten wird bzw. ich eine Standardeinstellung - bei mir z.B. "mittel / Bb / schwer" - festlegen kann, in die das EMEO immer startet.
    Andererseits: es sind maximal drei Einstellungen, das ist schnell gemacht und ich weiss dann "aktiv" wo ich bin.

    Das EMEO startet beim Einschalten immer auch Bluetooth worüber eine Verbindung zu einem Tablet oder dem Computer hergestellt werden kann.
    Ich habe das nur beim iPad probiert und bin mit GarageBand sofort und mit anderen Apps über midimittr bzw. BLE-MIDI relativ problemlos in Kontakt gekommen.
    Ich war nur mit der Latenz nicht so ganz glücklich und fahre das EMEO am iPad inzwischen über einen USB-Hub, an dem ich auch meinen Kabel-Kopfhörer anstöpseln kann.
    BT EMEO und BT Kopfhörer würde wahrscheinlich technisch gehen - nur dann ist vermutlich die Latenz jenseits von gut und böse.

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    Die abgebildete App ist übrigens die (preislich mit knapp 20€ noch überschaubare) SWAM Tenor Sax für iOS weil ich unbedingt auch noch "echte" Sax-Sounds ausprobieren wollte.
    Es gibt ein Preset für das EMEO und auch hier wieder 1000 Einstellmöglichkeiten, die ich noch nicht in der Tiefe erforscht habe.
    Vom Grundprinzip ist diese App aber die Lösung, wenn man digital nach Sax klingen möchte - ziemlich beeindruckend, auch im Vergleich zu der im YDS eingebauten Yamaha Soundengine, aber immer noch weit entfernt von einem echten Sax-Sound.
    Die App gibt's übrigens auch als Sopran, Alt und Bariton - Version für die Freunde anderer Sax-Größen. Und dann noch im Bundle billiger: Alle vier für 65€.

    Standardmäßig ist von Respiro ein iOS-Player verfügbar, der ab App-Store mit sechs Sounds ausgestattet ist, die auch schon ganz nett sind:

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    Wenn man sich dann in Respiro auf dem Computer "seine" Sounds zurechtgelegt hat (d.h. auch mit allen Einstellungen und Parametern) kann man die über einen Cloudspeicher exportieren und in den iOS Player importieren aber nicht mehr ändern.
    Ausser Lautstärke und Reverb an/aus (der Reverb-Charakter wird am Computer festgelegt) kann man dann nur noch die Sounds auswählen.

    Alles, was aus Respiro und auch SWAM herauskommt lässt sich direkt in eine DAW wie GarageBand oder Cubasis einbinden (beide Apps verhalten sich wie virtuelle Instrumente) oder über AudioBus in alle möglichen anderen Apps routen. Zusätzliches Aftertouch, zum Beispiel über ein Pedal oder sogar über "Gestensteuerung" ist denkbar (ich erinnere mich nur gerade nicht, bei welcher Hard oder Software ich das gelesen habe...)

    Damit öffnen sich auch noch ganz interessante andere Anwendungen als "nur üben".
     
  6. Silver

    Silver Ist fast schon zuhause hier

    Aber bleiben wir mal beim "Üben" ...

    Nach den ersten Tagen an denen ich vor allem meinen Spieltrieb und meine Neugier ausgelebt (und darüber Zeit und Raum vergessen) habe, habe ich ein paar ganz interessante Beobachtungen bei meinem eigentlichen, also echten Sax-Spiel gemacht:

    Wegen der nahezu mühelosen Tonerzeugung am EMEO konnte ich andere Aspekte viel weniger angestrengt bearbeiten und dann 1:1 auf das Tenor übertragen.
    Für mich sonst durchaus arbeitsintensive Passagen wie zum Beispiel Ausschnitte aus einem Parker Solo erst langsam in die Finger und dann auf Speed zu kriegen (wenn auch nie auf 308 Sachen wie bei Ko Ko) gingen über das EMEO viel geschmeidiger - erst die Finger, dann die Time, dann Phrasierung (ja, auch das geht bis zu einem gewissen Grad am EMEO/Respiro) und dann alles zusammen aufs Tenor und schwupp, da war das Lick!

    Durch den Alto-ähnlichen Formfaktor des EMEO spielt man dort natürlich auch viel Alto-ähnlicher.
    Auch das überträgt sich in gewisser Weise auf das echte Sax und ich bemerke, dass ich viel "leichtfingeriger" bin (wobei ich beim Tenor aber dann aufpassen muss ... ein Tenor ist kein tiefes Alt)

    Völlig losgelöst von Herausforderungen der Intonation am EMEO ist mein Ohr inzwischen schon ein bisschen geschärfter am echten Sax - ich bin in Sachen Intonation kritischer mit mir selbst. Das nervt, wenn ich mal wieder daneben liege ... aber eigentlich ist es gut so. Früher habe ich einfach mit einem "passt schon" drüberweggespielt.

    Insgesamt gewinne ich durch das EMEO einen leichteren Zugang zum Üben - "niedrigschwellig" sozusagen.
    Ich schnappe mir einfach das Teil zu jeder Tages und Nachtzeit und düdel was vor mich hin, probiere etwas aus, fahre mit einem wilden Synth irgendwelche Changes nach.
    Wenn ich es jetzt noch schaffe, auch gezielt zu üben - also Skalen, Arpeggios usw. - bin ich sehr zuversichtlich, dass ich damit für das echte Sax profitiere.

    FAZIT:

    Das Ding ist schon böse teuer - je nach Dollarkurs sind halt mindestens 1600€, eher 1700€ weg.
    Die Alternativen sind - für meine Wünsche - leider keine. Da hilft es mir nix, dass YDS oder Travelsax nur die Hälfte kosten (falls überhaupt lieferbar).
    Ich habe jetzt aber nicht nur ein digitales Instrument, das ich auf Reisen mitnehmen und zu jeder beliebigen Zeit spielen kann sondern vor allem eins, das mir offensichtlich bei der Entwicklung meines Spiels auf dem Tenor deutlich weiterhilft. Zumindest empfinde ich das so. Your Mileage May Vary.
     
  7. Altermann

    Altermann Ist fast schon zuhause hier

    Hallo LJS,
    vielen Dank für deinen ausführlichen und sehr informativen Bericht! Ich habe das Gerät auch schon länger auf dem Schirm ,deshalb habe ich sehr interessiert gelesen. Ich betrachte das EMEO Allerdings ausschließlich als Übe-Instrument, mit dem man theoretisch zu jeder Tages- und Nachtzeit Skalen, Arpeggio, Akkordfolgen etc. spielen könnte. Mir ist klar, dass man mit solchen Instrumenten niemals den Ansatz trainieren kann. Mich würde interessieren, ob man die "Finger-Übungen" beim trainieren von Skalen Arpeggios etc. tatsächlich auch auf das analoge Instrument - in meinem Fall ein Tenor - übertragen kann. Also profitiert man tatsächlich von den zusätzlichen Übe-Einheiten mit dem EMEO?
    Ich denke, Du wirfst diese Frage noch nicht beantworten können aber wenn Du mal ein wenig Zeit investiert und erste Erfahrungen gemacht hast, würde ich mich freuen, wenn Du über den "Impact" auf dein Spiel mit dem "richtigen" Saxophon berichten könntest.
    Grüße
    André
     
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  8. Altermann

    Altermann Ist fast schon zuhause hier

    ..... Oh, das war ich wohl zu langsam mit dem Tippen. Habe garnicht gesehen, dass Du schon weiter geschrieben hattest. Danke für deine Schilderungen zum Üben.
     
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  9. Ralph

    Ralph Ist fast schon zuhause hier

    Moin und herzlichen Dank für den Bericht.
    Die Grundidee ist ja bei den von Dir genannten (fast-) Alternativen ähnlich ...
    Ich habe mir vor gut einem Jahr das AE10 von Roland zugelegt, funktioniert klasse zum Skalen- und Arpeggien- und sonstwas üben, ein "richtiges" Sax ist keins von den Geräten, ein schönes Spielzeug für Zwischendurch allemal (das AE10 hat übrigens durchaus einen Sensor für Bending / Lippenkraft).
    Aber ... die Bauausführung sieht natürlich erstklassig aus, das wäre mir den Differenzpreis damals wohl allemal wert gewesen.
    Wenn die Haptik und die Optik so nah am richtigen Sax dran ist, wie Du das beschreibst und wie die Photos das nahelegen... vielleicht muss ich nochmal tauschen.
    Da fällt mein Handstaubsauger mit dem Plaste-Feeling natürlich dramatsch ab.

    PS. die SWAM-SW f. IOS scheint ja recht neu zu sein. Ich sehe die aber für 30 € (nicht 20)
     
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  10. Silver

    Silver Ist fast schon zuhause hier

    Yepp - mein (Tipp-)Fehler: es sind 30€ für die SWAM App. Die 65€ für alle vier waren wohl ein Black Friday Angebot. Glück gehabt.

    Das über den Pitchbend-Sensor beim Roland (und AKAI) schrub ich oben irgendwie schon aber irgendwie nicht deutlich genug: Ich habe das Ae10 probieren dürfen und fand es diesbezüglich nicht mit einem Sax-Mundstück vergleichbar.
     
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  11. giuseppe

    giuseppe Strebt nach Höherem

    Danke auch von mir. Hab auch mal aus gleichem Grund (Technik, wenn die Kinder schlafen, um die sonst möglichen 1-2h pro Woche etwas zu erweitern) mal mit dem Gedanken gespielt und auch sehr freundlichen und professionellen E-Mail-Kontakt gehabt. Mir war es letztlich zu teuer und habe dann weniger als die Hälfte in das Crowd-Funding des Travel-Sax2 gesteckt.
    Wenn das irgendwann mal kommt, kann ich versuchen mich in Form eines Beitrags zu revanchieren...
     
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  12. albsax

    albsax Ist fast schon zuhause hier

    @Long John Silver
    vielen Dank für Deinen ausführlichen Erfahrungsbericht! Infos zum Emeo aus erster Hand hatten wir bislang ja noch nicht.

    Ich kann mir gut vorstellen, dass sich da zusammen mit der Haptik des Emeo und der Expressivität der SWAM-Technologie sicherlich ein sehr direktes Spielgefühl und Spielfreude einstellt, wenn mir auch nach wie vor der Lippendrucksensor beim emeo fehlen würde. Interessant könnte hier das PhotonMundstück von Imoxplus werden, das wohl noch deutlich mehr Parameter erfasst als der aktuelle Blaswandler von Roland (AE-30) und das mit dem Emeo kombinierbar ist.

    Da Du die SWAM Saxophone genannt hast: hier als klangliche Ergänzung ein Beispiel, wie das SWAM-Saxophon im realen Amateur-Gebrauch (bei mir) klingt. Ich hoffe, das kapert nicht Deinen thread - wäre nicht meine Absicht ;)
    Bin allerdings auch noch dabei, die vielen Anpassungsmöglichkeiten auszuloten. Klanglich & spielerisch gefallen mir aber die SWAM Trumpets deutlich besser.

    LG & weiterhin viel Freude mit Deinem Emeo
    Albrecht

     
  13. Silver

    Silver Ist fast schon zuhause hier

    Ich bin mir fast sicher, dass es das ist, was gerade für das EMEO adaptiert wird (Oleg hatte mir das in der Zoom Schalte nur kurz gezeigt und nur einmal namentlich erwähnt).
    Wer die dadurch entstehenden Möglichkeiten braucht bzw. sich erschließen möchte, hat dann natürlich wesentlich mehr zur Verfügung.
    Ich bin mir (noch) nicht vollständig sicher, ob ich diese Ebene der Komplexität für mich hinzufügen möchte, wenn das Mundstück verfügbar wird. Als vorwiegendes Übesax betrachtet ist es ja gerade die Abwesenheit dieser Ebene, die für mich den Erfolg steigert.

    Als eigenes Instrument sieht die Sache anders aus.
    Da würde ich es dann gegen z.B. ein AE30 vergleichen weil die Sax-Haptik in den Hintergrund tritt.

    Ja, das ist so der Soundeindruck, den ich auch mit der iPad-App hinbekomme.
    Die PC/Mac Version kann aber wohl noch etwas mehr (nur Sounds?) als die App, ist aber mit 250€ schon recht teuer…
    Hast Du das mit einem Blaswandler eingespielt oder mit dem Keyboard?

    Im Gegenteil - das ist total spannend. SWAM ist eigentlich ein Themenbereich für sich, passt aber als Ausdrucksmöglichkeit perfekt in den EMEO-Faden
     
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  14. albsax

    albsax Ist fast schon zuhause hier

    mit dem Synthophone - ist quasi das Ur-Emeo ;)
    http://www.softwind.com/synthophone.html

    Das ist die PC-Version. Du kannst dort sämtliche Parameter einstellen und den verschiedenen Parametern wie z.B. "Growl" eigene Midi ccs zuweisen.
    Das macht z.B. bei den Trompeten richtig Spaß, da du bei denen verschiedene Dämpfer setzen kannst und diese dann z.B. über ein Pedal oder beim AE-30 über die BEwegung(motion sensor) näher oder weiter weg vom Schalltrichter bewegen kannst, so dass sehr realistische Wah-wah Effekte beim Spielen entstehen.

    ICh schau mal, ob ich dazu in den nächsten Tagen auch was aufnehmen kann - Demo ist immer weinfacher als beschreiben :)

    LG
    Albrecht
     
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  15. Silver

    Silver Ist fast schon zuhause hier

    Krass! Gibt es das aktuell noch? Die Webseite sagt (c) 2008 …
     
  16. albsax

    albsax Ist fast schon zuhause hier

    Tja, ich glaube Webseitenpflege ist nicht so seins ;) Das Synthophone gibt es aber tatsächlich immer noch.
    Da es aber in Handarbeit umgebaut wird bei wahrscheinlich sehr geringen Stückzahlen, ist es entsprechend teuer. Ich schätze mal aktuell neu so um die 4.000€
    Ich hatte das Glück meines gebraucht zu bekommen, sonst wäre ich damals nicht vom WX5 auf das Synthophone umgestiegen.
    Das emeo fand ich damals sehr spannend als es aufkam, da es das erste Mal seit der Entwicklung des Synthophone war, dass ein "normaler" Saxkorpus" als Basis für ein MIdisax verwendet wurde. Leider wie schon geschrieben ohne Lippendrucksensor, aber das kommt ja vielleicht noch :)

    LG
    Albrecht
     
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  17. ocsi

    ocsi Kann einfach nicht wegbleiben

    @Long John Silver :
    Das war eine richtig richtig interessante Beschreibung, vielen Dank!
    Es is halt tatsächlich das einzige fast richtige digitaler Sax auf dem Markt. Und die bieten kein Sax Ton an, weil sie es nicht können. Keine kann das leider, ich weiss, wovon ich spreche ;)
    Das einzige, was mich gewundert hat un Deinem Bericht, dass Du den Lippendrucksensor nicht vermisst hast. Ist es wirklich so egal?
     
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  18. Silver

    Silver Ist fast schon zuhause hier

    Der Saxophon-Sound (und das gilt für alle Rohrblattinstrumente, wahrscheinlich auch für Blechblasinstrumente) entsteht im Körper des Bläsers und wird über die Schwingung des Blattes quasi in den Instrumentenkorpus/-konus “gespiegelt”.

    Deshalb habe ich zum Üben den Lippendrucksensor nicht vermisst: Lippendruck ist maximal 10% dessen, was bei der Tonerzeugung in meinem Körper passiert. Pressure und Velocity vielleicht nochmal 20%.
    70% der Tonerzeugung kann ich also sowieso nur mit einem echten Sax üben (eventuell noch ein paar Aspekte davon mit einem Mundstück mit Silencer).

    Zum Üben: ja!

    Da brauche ich auch keine guten Saxsounds (und schon gar keine schlechten) sondern vor allem die absolute Tonhöhe meines Instruments mit ein bisschen Timbre und eine sehr gute Umsetzung im Breath Controller sonst geht die Artikulation daneben. Das kann Respiro m.E. deutlich besser als SWAM.


    Wenn ich das EMEO als eigenständiges Instrument z.B. für einen Gig oder eine Produktion sehe, können Pitchbend und andere Aftertouch Controls interessant werden.
    Aber dann würde ich keine Sax-Sounds spielen wollen - die sind nämlich wirklich alle ziemlich mäßig.
    SWAM klingt für mich noch mit am ehesten nach Sax ist aber eigentlich für Keyboarder bei Produktionen gedacht, die sich keinen Bläsersatz für ein paar Täteräs im Hintergrund leisten wollen oder können. Die Umsetzung des Breath Controller finde ich hier eher „B“
     
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  19. Silver

    Silver Ist fast schon zuhause hier

    Noch ein Nachtrag zu der bemängelten Passung der Adapterstücke (vgl. Post #3):

    Ich habe jetzt ein Stück S-Bogenkork ordentlich verklebt, sauber verschliffen und mit ein bisschen Korkfett eingestrichen - et voilá - passt, sitzt, wackelt nicht und hat auch keine (Neben-)Luft.

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    Die ersten paar mal rein und raus habe ich sehr vorsichtig gedreht aber die Sache scheint mir ausreichend robust für umsichtigen täglichen Gebrauch.

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    Es ist auch keine schlechte Idee, die Adapter, das Mundstück und das Blatt nach dem Spielen auseinander zu bauen und im Idealfall, das EMEO aufrecht zum Trocknen zu lagern.
    Ich habe das in meiner anfänglichen Begeisterung nicht gemacht und hatte - natürlich - dann die Atemfeuchte von der letzten Benutzung noch im Gerät.

    Bis mir etwas besseres einfällt, stelle ich das EMEO in einer Tasche aufrecht bzw. schräg angelehnt und lege ein Stück Küchenpapier zum aufsaugen unter das Ablaufloch.
    Auf dem Foto sieht man auch die sehr ordentliche Tasche, die EMEO mitliefert.

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  20. Silver

    Silver Ist fast schon zuhause hier

    Nach knapp vier Monaten EMEO "in da house" wollte ich eine Wasserstandsmeldung teilen, weil gerade Langzeiterfahrungen den Unterschied machen.
    Frisch ausgepackt ist ja jedes neue Spielzeug "toll"...

    Das EMEO hat in meiner musikalischen Routine einen festen Platz gefunden, soweit ich trotz verschiedenster Störeinflüsse eine Routine aufrecht erhalten kann.
    Immer, wenn ich konzentriert an Skalen, Licks, Lines (auch "raushören") usw. arbeiten will, greife ich zuerst zum EMEO.
    Das kann dann nämlich auch mal spät Abends sein oder wenn ich im Büro eine halbe Stunde Leerlauf habe (oder einen Themenwechsel brauche, so wie gerade).

    Damit geht das Geübte tatsächlich "in die Finger" und zumindest ich komme damit auch vom langsamen Drücken auch bei (für mich) komplexeren Licks gut "auf Speed".
    Sobald Finger und Artikulation (ja, das geht!) "drin" sind, nehme ich das Geübte mit auf das analoge Instrument und ergänze die Phrasierung um Voicing und andere "ansatzpflichtige" Aspekte.
    Das geht sehr gut und führt dazu, dass ich nicht nur mehr Zeit habe, das analoge Instrument zu "spielen" sondern auch, dass ich insgesamt mehr technische Übungen mache - hauptsächlich auf dem EMEO - die sich im Spiel auf dem analogen Sax in vielfältiger Weise auszahlen.

    Bei der Software habe ich mich komplett auf das mitgelieferte Respiro eingeschossen. Das hat für mich die beste Umsetzung von Artikulation und Dynamik und einen "echten" Saxofonsound (geschweige denn "meinen" Saxofonsound) kriege ich sowieso aus keiner Software. Eine Verbindung aus Griff und Tonhöhe ist zum Üben völlig ausreichend. Die 65 Euro für die SWAM-Apps hätte ich mir sparen können. Lehrgeld.
    Respiro kann ich über ein kleines Softwaretool mit der Ausgabe von iReal oder einem Playalong-mp3 verheiraten und in eine beliebige Aufnahmesoftware routen um mich aufzunehmen, so wie bei Moonglow im Januar TOTM.

    Mit der mechanischen Seite des EMEO bin ich sehr zufrieden. Kein Klappern oder Wackeln, alles bestens.
    Klappenaufgänge und Federrate der Klappen ist anders als bei meinen analogen Instrumenten - aber die Unterschiede von Instrument zu Instrument sind vergleichbar groß oder klein. Das EMEO fühlt sich uneingeschränkt wie ein echtes Saxofon unter den Fingern an.
    Nur wenn man länger übt, sammelt sich irgendwann so viel Atemfeuchte, dass der Blassensor nicht so arbeitet wie im trockenen Zustand. Da hilft nur abtrocknen lassen...

    Bei der Softwareseite könnte man sich ein paar Verbesserungen vorstellen, die aber nicht zwingend sind.
    Was die Firmware angeht - also die Einstellungen des EMEO selbst - soll es in absehbarer Zeit ein Upgrade geben, das einige dieser Verbesserungen beinhalten soll. Zum Beispiel, dass das EMEO immer mit einer bestimmten Einstellung von Blasempfindlichkeit, Stimmung und Registerhöhe startet.
    Im Moment muss ich immer nach dem Einschalten "niedrig / Bb" einstellen. Das geht aber so leicht, dass es mich nicht stört (im Gegenteil: inzwischen ist es ein Ritual geworden, das mich aus der vorherigen Tätigkeit herauslöst und aufs EMEO einstimmt...)

    Respiro hat in der Bedienung seine Tücken - oder ich meine Verständnisprobleme - die aber inzwischen nur noch sehr selten zu echten Problemen führen. Ich habe meine vier, fünf Sounds die ich auswähle und nicht weiter dran herumspiele. Läuft.

    Bisheriges Fazit: Der Kaufpreis ist zwar ein Haufen Geld aber für mich jeden Cent wert.

    Als digitales Übesax, tags, nachts, im Büro etc. ist das EMEO perfekt und für Reisen mit PKW, Bahn, Flug ist es gerade noch klein genug (als ich noch fotografiert habe, war die Fototasche immer schwerer und meist sogar größer). In die EMEO-Tasche stecke ich noch mein "echtes" Mundstück, Blätter und einen Silencer, dann bleibt auch mein Ansatz fit. Ein iPad habe ich ohnehin immer dabei.

    Als Reisesax hat das - der Name sagt's - Odisei Travelsax natürlich größenmäßig die Nase vorn, wenn man leicht reisen möchte oder muss.
     
    pt_xvi, Rick, Bruno Maserati und 4 anderen gefällt das.
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