Interessanter Artikel zum Thema Jazz

Dieses Thema im Forum "Musiker / Bands" wurde erstellt von RomBl, 27.November.2017.

  1. RomBl

    RomBl Ist fast schon zuhause hier

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  2. 47tmb

    47tmb Ist fast schon zuhause hier

    Zitat aus dem verlinkten Artikel:
    "Wer populäre Klänge anbietet, der kann eigentlich kein ernst zu nehmender Musiker sein. Diesen Satz hörte Klaus Doldinger, Saxofonist, Gründer von Passport und Komponist der „Tatort“-Titelmelodie, im Laufe seiner langen Laufbahn oft. Denn kommerzieller Erfolg, wie ihn der heute 81-Jährige immer noch hat, und Qualität, das passt normalerweise nicht zusammen. „Der Jazzmusiker gilt als unangepasst, liberal und freier als andere. Er spielt, was er will, und das auch noch jedes Mal anders. Der Gesellschaft ist so etwas suspekt.“ "

    Also haben wir es wieder:
    "Richtiger" Jazz darf
    1) nicht gefällig anzuhören sein
    2) nicht kommerziell erfolgreich sein

    Na denn :)

    Cheerio
    tmb
     
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  3. Claus

    Claus Moderator

    Na ja, für die meisten Menschen trifft es zu, dass sie vieles im Jazz nicht als "gefällig" empfinden (1.) und dann ergibt sich (2.) fast von alleine....
     
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  4. Roland

    Roland Ist fast schon zuhause hier

    Moin!

    Gefälligkeit ist nicht das, was ich in der Musik suche. Und leider ist 'gefällig' auch oft nur ein Synonym zu 'niedrigschwellig'. Bitte, bitte, lasst Jazz nicht in Konkurrenz zu Helene Fischer stehen ...

    Und:
    Lieber Elfenbeinturm als Kirmestechno.

    Aber:
    Die ganze Bandbreite von Jazz kann man sich bei Youtube anhören, dafür muss man noch nicht einmal seinen Arsch erheben. machen die Leute trotzdem nicht. Die Schwelle von 'ich habe keine Ahnung von Jazz' zu 'ich starte mal mit dem Wikipedia-Eintrag' ist bereits zu hoch.

    Garniert mit:
    "Die meisten Menschen erkennen gute Musik nicht mal, wenn sie rauskommt und ihnen in den Arsch beisst"
    -- Frank Zappa

    Grüße
    Roland
     
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  5. 47tmb

    47tmb Ist fast schon zuhause hier

    Also von Jazz, den man sich gut anhören kann (auch als nicht ausgemachter Jazz-Fan und -Kenner) bis zu Helene Fischer ist schon noch ein weiter Weg :)
     
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  6. Stevie

    Stevie Ist fast schon zuhause hier

    Das mit der überbetonten Virtuosität ist allerdings nicht ganz von der Hand zu weisen. Ich war kürzlich noch in einem der Konzert in sehr guter Besetzung ( ich sage jetzt bewusst nicht, wen ich gehört habe). Die Soli waren durchweg virtuos, technisch geradezu verblüffend. Aber bei jeder Nummer? Und ganz ehrlich: irgendwann hat man dann auch kapiert, was da wie passiert und dann fängt es an sich zu wiederholen und wird auch bei der tollsten Technik ein bisschen langweilig.

    Nur so meine Idee dazu...

    So long

    Stevie
     
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  7. gaga

    gaga Ist fast schon zuhause hier

    Wir haben in unserem Städtchen einen Verein mit Namen "Jazz-Freunde", da muss man als Unternehmer rein oder wenn man sonstwie Geltung und Einfluss hat oder haben will. Die veranstalten dann jedes Jahr ein Festival, wo hin und wieder auch mal eine Dixietruppe spielt (teuer, mit Renommee und von weit her) - ansonsten gibts Blues, Country, Rockabilly, Boogie und Seichtjazz - immer mit Sängerin - mit hohem Unterhaltungswert. Alles Jazz... Von den Jazzern aus der Region wurde noch nie jemand eingeladen.
     
  8. Claus

    Claus Moderator

    Einen "Jazz-Club" gibt es bei uns auch.

    Die Eigendarstellung:

    "Der Zweck des Vereins ist unter anderem das Bemühen, die Jazzmusik einem breiten Publikum zu vermitteln."

    Die Realität:

    In immer der gleichen Gaststätte spielt (fast) immer die gleiche Band (fast) immer das gleiche Dixieland-Repertoire.
     
  9. john

    john Kann einfach nicht wegbleiben

    Saxfreundin gefällt das.
  10. 47tmb

    47tmb Ist fast schon zuhause hier

    Womit wir - Schwupps - bei der Frage sind: Was ist Jazz? Oder wird als solcher empfunden? Oder wird als solche konsumiert? Oder wird als solcher angeboten?
    Wir haben auch einige "Jazz"-Angebote. Jazz-Frühstück, Jazz-Lounge, AfterWork Jazz.......

    In der Regel kommen da denn Combos, die "jolly old" oder "City stompers" oder ähnliches im Namen tragen.......
    Ok. Auch bei der Jazz-Rally finde ich mich gerne vorm Uerigen ein und trinke mein Bierchen mit Dixie-Untermalung --- und die (i.d.R.)Herren, die da spielen haben auch echt was drauf!
     
  11. Long John Silver

    Long John Silver Ist fast schon zuhause hier

    Na, wollen wir mal wieder ein Fass aufmachen?
    "Was ist Jazz und warum ist die Fischer Leni doof und der Brecker ein Gott?"

    Egal, was individuell unter "Jazz" verstanden wird - immerhin haben wir 100 Jahre vorwiegend US-amerikanische Kulturgeschichte in vier Buchstaben zu packen - haben die meisten Menschen bei diesem Begriff die Vorstellung, es mit Geräuschkaskaden zu tun zu bekommen, die für sie unstrukturiert und nicht immer wohlklingend sind. Die einskommairgendwas Prozent Marktanteil sprechen da eine deutliche Sprache.

    Wer missionieren will, verschenkt zu Weihnachten eine bis drei CDs mit dem gefälligsten, was das Genre zu bieten hat (was es deswegen nicht anspruchslos macht - einige von uns tun sich schwer "Blue Moon" vor einem labbrigen PA so einzuhupen, dass der Ausdruck mehr hergibt als die korrekte Abfolge der Töne).

    Was bleibt, ist die Feststellung, dass man über Geschmack nicht streiten sollte. Wer auf Dixie steht, soll Dixie spielen oder hören - oder Free oder Hardtop oder Smooth oder wasweißich. Man muss sich nur darüber klar sein, dass das alles genauso historisch ist wie ein Mozart-Streichquartett zu spielen.
    Und: man muss sich darüber klar sein, dass Musik als Kommunikation etwas mit Sender und Empfänger zu tun hat. Brötzen im Seniorenstift ist schlicht und einfach "Thema verfehlt".

    Interessanter finde ich den Ansatz der Niederländer - die haben mit ihrem Bimhuis in Amsterdam ein Zentrum für improvisierte Musik das über 300 Konzerte pro Jahr anbietet, gut bis sehr gut besucht ist und sich einen Schmutz um irgendwelche Genres schert.
    Ähnliches gilt für einige deutsche Spielstätten (z.B. Birdland in Hamburg, A-Trane in Berlin) die regelmäßig auch etwas "zeitgenössischer" unterwegs sind.
    Und ja, natürlich gibt es dort auch alles vom klassischen Jazz bis zu Kopfgeburten á la "Hurz".

    Nur so meine zwei Pfennig ... äääh Cent, natürlich
    LJS
     
  12. flar

    flar Guest

    Moin, moin

    Und weil er das wußte wußte er auch wie er seine Musik richtig verkauft und trotzdem ein Publikum dafür findet!

    Als er Anfang der 70er mit Duke Ellington in einer Fernsehsendung auftrat bekam er mit wie dieser den Manager um 10 Dollar anpumpte.
    Kassensturz gemacht, 10.000 Dollar Miese, damit waren die "Mothers" entgültig Geschichte, das Marketingkonzept aber nicht.
    Von der "Untergrundzeitung" L.A. Free Press in den Anfangszeiten der Mothers, über alberne Unterhaltungssendungen bis hin zu Talkshows hat er nie etwas ausgelassen, das gehörte für in zu seinem "Job" dazu!

    Insgesamt konnte er seine Musik glaube ich ganz gut machen und auch an den eher "gefälligen" Sachen, die die etwas "eckigeren" Dinger finanzierten, wird er seinen Spaß gehabt haben.
    Man sammelt schließlich nicht sein Leben lang alte Doo Wop und R&B Platten wenn man sie nicht mag!
    Mal ganz abgesehen davon das selbst diese "einfachen" Sachen auch ihre Ecken hatten, ob nun musikalischer oder textlicher Natur.

    Eine Tatsache ist jedenfalls das er immer auch Sachen gemacht hat die "radiotauglich" waren, von den er hoffte damit einen Hit zu landen, einige Titel auf Singles die nie auf Studio LPs erschienen zeugen davon.
    "Bobby Brown" wird wohl nicht dazu gehört haben. Das diese Doo Wop Parodie von Skandinavien aus in vielen europäischen Ländern ein (Dauer) Hit wurde, der auch heute noch regelmäßig im NDR Schlagersender NDR1 Niedersachsen läuft(!), war auf Grund des Textes wahrscheinlich eher ein Versehen! ;)
    "Valley Girl" war aber z.B. etwas in der Richtung was mit entsprechendem Video ausgestattet von vorherein in diese Richtung zielte und in den USA ein Treffer wurde.

    Aber ob nun unterhaltend oder ernst, Herr Zappa wußte sehr, sehr gut wie er sein Zeug unter die Leute bringt: Auch zu denen die die Qualitäten vielleicht gar nicht richtig einschätzen und beurteilen können,
    das ist nicht wichtig. Wichtig ist das sie die Platte kaufen, das Gefühl haben etwas tolles gekauft zu haben und möglichst auch noch die Konzerte besuchen und die nächste Platte am besten schon vorbestellen! Davon gab, und gibt es interessanterweise, nicht wenige, die "Firma Zappa" läuft immer noch.

    In dem Punkt hatte Zappa den aller meisten damaligen und heutigen Jazzern glaube ich eine ganze Menge vorraus!

    Viele Grüße Ralf
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 27.November.2017
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  13. macpom

    macpom Ist fast schon zuhause hier

    Musik, die es jedem Recht macht, wird es nie geben. Aber jeder sollte und wird sich das anhören, was ihm gefällt. Jazz ist da auch nur ein Angebot von vielen. Die Frage, ob es genug Jazzmusiker oder Zuhörer gibt, ist ja ganz nett aber wohl auch nur für die Jazzpolizei von Bedeutung. Und Jazz kann von Helene Fischer Niveau bis wer weis was auch immer, ja eh alles sein. Ich empfinde das verkopfte Herrangehen bei dem Thema zunehmend eher als Belastung. Wenn sich der Musiker oder der Zuhörer, besser noch beide, bei der Darbietung wohl fühlen, ist der Sinn von Musik erreicht.

    Andreas
     
  14. KUS

    KUS Ist fast schon zuhause hier

    Richtig und genau da finde ich, liegt des Pudels Kern. Ist Dixi (noch/auch) Jazz?

    Oder muss es mindestens soetwas
    www.kuu-music.com
    www.worldserviceproject.co.uk
    sein (Teil des Programms des Jazzfestivals Essen 2017)?

    Ich persönlich finde, dass Jazz durchaus auch kommerziell erfolgreich sein darf (z.B. Till Brönner). Ich finde, es gibt nicht den Jazz sondern nur ganz viele Stilrichtungen/Stile. Ich finde, dass Jazz sich auch der breiten Masse und dem bloßen Urteil "gefällt mir" / "gefällt mir nicht" zu stellen hat. Ich finde, Dixi ist in gewisser Weise die Wurzel des Jazz.

    Ich hoffe, dass insgesamt wieder mehr Toleranz in der Musik für alle ihre unterschiedlichen Ausprägungen aufkommen möge. Man kann aber muss nicht hinhören, wenn einem etwas nicht gefällt.

    Ich, wohnhaft in Essen, weiß, dass ich im Jazz-Schlaraffenland lebe. Ein schier nicht bewältigbares Angebot und Bochum, Krefeld, Mülheim und Düsseldorf sind auch nur einen Katzensprung entfernt.

    LG Kai
     
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  15. RomBl

    RomBl Ist fast schon zuhause hier

    Das ist das, was viele Zuhörer abschreckt.

    In unserer Band spielen wir frei von der Leber weg und das, worauf wir gerade Bock haben. Diese Spielfreude bekommen wir auch zu den Zuhörern transportiert. Um es platt zu sagen: bei uns gibt es Spaß, keine komplizierten Dinge. Die Jazzpolizei würde sich aber vermutlich die Haare raufen :D - ist uns aber sch...egal.
    Bei mehreren Auftritten schon kamen danach Leute auf uns zu und sagten, dass sie es klasse finde, dass wir so einen Spaß an der Musik haben und keine so verkopften Sachen machen, wir man sie in den Berliner Jazzclubs hört.

    Ich für meinen Teil mag aber auch gerne komplexere Dinge hören und will dort ehrlich gesagt auch ein bisschen hin. Mich fasziniert das schon, die Möglichkeiten der Changes und die Klangfarben eines Stückes so weit wie möglich auszuschöpfen. Ich bin da natürlich noch ein stückweit entfernt von und ein Coltrane werde ich auch mit viel Fleiß nicht mehr, aber die Richtung gefällt mir.

    Aber Sonntags in der Probe und sonst bei Auftritten mit den Bandjungs rumbolzen macht zugegebenermaßen auch einen riesen Spaß ... :D
     
  16. Roland

    Roland Ist fast schon zuhause hier

    Für mich ist das nicht das Problem. Für mich ist Jahrzehnte lang immer das gleiche spielen das Problem. Ich kenne Dixi (oder Trad) nicht wirklich, aber, was man so mitbekommt, ist im--mer das glei-che. Ist dann auch nicht anders, als 40 Jahre 'Satisfaction' spielen.

    Grüße
    Roland
     
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  17. Dreas

    Dreas Gehört zum Inventar

    Genau! So praktizieren wir das in unserer Band auch (kennst Du ja), mit viel Freude und entsprechendem Feedback von unserem Publikum.
    (wir haben sogar schon eine kleine Fangemeinde, die immer da sind, wenn wir spielen).

    CzG

    Dreas
     
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  18. Bereckis

    Bereckis Ist fast schon zuhause hier

    Meines Erachtens hat jede Musik ihr Publikum und ihre Nischen.

    Auch „moderne“ Klassik wird eher selten gehört.

    In jeder Musik gibt es auch kommerziell Erfolgreiche, die zumindest Konzerthäuser füllen können. Wobei sich mir die Frage stellt, ob der kommerzielle Erfolg Maß aller Dinge ist.

    Massentauglich sind eher wenige Musikstile.

    Aber auch die meisten Schlagermusiker, Popmusiker oder Rockmusiker werden nicht berühmt.

    Musik ist häufig nur Konsum und keine Kunst mehr.

    Aber war dies nicht schon immer so?
     
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  19. KUS

    KUS Ist fast schon zuhause hier

    Und was ist daran schlecht? Wenn 40 Jahre immer das gleiche gespielt wird, aber 40 Jahre immer andere sich dies anhören, ergibt das 40 Jahre immer wieder neue und lebendige Kommunikation.

    Ich verstehe Dich schon. Dir fehlt das Neue, die Abwechslung, das Überraschtsein, ... aber es gibt es. Ich war vor eineinhalb Wochen auf einem Konzert des Ellington Trios. Die Spielen ausschließlich Stücke von Duke Ellington aber komplett neu arrangiert. Aus dem Big Band Arrangement wird das auf eineTrio-Besetzung umgeschrieben, bestehend aus einem Pianisten und einem Bassisten begleitet von der Sängerin Barbara Barth. Das war der Hammer. Oder vor gut einem Jahr in Bochum Langendreer. Ein super Abend, ein super Programm - ich meine mit dem Gitarristen Jens Filser - mit dem Namen "Von New Orleans nach irgendwo" oder so ähnlich. Angefangen bei dem Sound der Brass Bands bis zu modernen Eigenkompositionen. Es gibt so unendlich viel ...

    LG Kai
     
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  20. Roland

    Roland Ist fast schon zuhause hier

    OK, ich korrigiere: Für mich ist das schlecht. Ich mag nicht 40 Jahre lang dasselbe hören. :)

    Grüße
    Roland
     
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