Kunststoffblätter für Anfänger....eine Option? Was sagen die Lehrer hier...

Dieses Thema im Forum "Mundstücke / Blätter" wurde erstellt von Dreas, 30.Januar.2018.

  1. bebob99

    bebob99 Ist fast schon zuhause hier

    Die Lösung dieses Problems kann unterschiedlich aussehen. Als ich an der Uni "die biologischen Regelkreise zur thermischen Regulation" gelernt habe, haben wir viel darüber gehört wie eine Anpassung der Durchblutung, das Absondern von Schweiß, die Reduktion des Grundumsatzes usw. helfen kann, die Körpertemperatur bei Hitzeeinwirkung zu regulieren. Das weitaus wirksamste dieser Instrumente ist "wir suchen einen kühleren Ort auf".

    Für manche Spieler ist die Lösung auf die Frage "wie lerne ich, mit ständig wechselnden Blatteigenschaften klarzukommen" eben nicht "muss man üben", sondern "ich suche mir ein Blatt, das nicht dauernd anders reagiert".

    Man kann's nach meiner Meinung mit dem "man muss sich jederzeit mir Real-World Situationen auseinandersetzen" durchaus übertreiben. Ich vermute mal, es kommen wenige Läufer auf die Idee, sich zum Lauftraining spitze Steine in die Laufschuhe zu geben - weil man sich im Wettkampf ja auch nicht drauf verlassen kann, dass der Schuh immer richtig sitzt.

    Aber bestimmt kann man so auch trainieren. Man muss nur lernen wie man richtig humpelt. Wichtig ist in jeder Situation "der Sound!" (hier wollte ich gern ein heiliges Strahlen einbauen, aber ich hab nichts gefunden).

    Immer mit vollem Handicap zu üben und zu spielen muss auch nicht für jeden der Königsweg sein. Wichtig ist doch, ob am Ende was vernünftiges heraus kommt. Ich kenne Leute die spielen mit Plaste Blättern einfach nur traumhaft und andere die spielen mit den edelsten Holzblättern nur .. dürftig. Trotz aller Diskussionen um "den Sound!" (es strahlt immer noch nicht, aber vielleicht kann man sich hier ein Feenglöckchen vorstellen).

    Ich bin mehr so der bottom-up Typ. Erst einmal die Basics lernen. Wenn man entspannt spielen und sich darauf verlassen kann, dass das Werkzeug sauber läuft, hat man viel mehr Genuss daran auszuloten, wie man am Blatt und dem Sound arbeiten kann. Aus dem sicheren Hafen das "ich weiß genau wie es sauber geht" raus ins unruhige Wasser der Holzblätter. Kann spannend sein. Ob man am Ende Einhand Sturmsegler wird oder doch lieber eine Luxuskreuzfahrt macht, ist dann individuell verschieden.

    Echte Vollblut Saxophonisten schnitzen ihre Blätter sowieso selber. Nur Weicheier kaufen vorkonfektionierte Blätter und jammern dann, dass keins passen will. Das wird im Unterricht kaum erwähnt. Ich finde schon, dass Anfänger gleich zu Beginn lernen sollten, ihre Blätter selber zu schnitzen. Wie soll man sonst ein Gefühl für das Blatt entwickeln?
     
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  2. Ton Scott

    Ton Scott Freak

    Auch ein Plastikblatt tut das, halt auf eine andere Art wie ein Holzblatt. Für mich wäre außerdem die Streuung bei den Plastikblättern, die ich als höher als bei Holz empfinde, ein Problem.
    Das stellt wohl niemand in Frage. War aber auch nicht der Ausgangspunkt der Diskussion.
    Ich empfinde das halt nicht so. Und ich hätte kein Problem, wenn ein Schüler mit Plastik spielen will. Ich glaub halt nicht, dass das in irgendeiner Weise hilft. Allenfalls kann man leichter spieltechnische Defizite überdecken. Aber zugegeben hat ein Klassiker und wahrscheinlich auch ein klassischer Schüler andere Vorstellungen.
    Mir ist ein kleines Kratzerchen und Rauschen egal, wenn ich mit dem Blatt gut spielen kann, für mich fühlt es sich ein Plastikblatt in seiner "Perfektion" tot an.
    Es ist für meine Ohren auch genau das, was ich an den Klassikern, die mir gefallen schätze: Dass man noch immer hört, dass ein Blasinstrument gespielt wird, und nicht ein Blaswandler, der Luft 1:1 in Ton umsetzt.

    Cheers
     
  3. Dabird

    Dabird Ist fast schon zuhause hier

    Keine Einwände gegen Plastikblätter, kann jeder wie er mag handhaben. Aber Holz generell als Handicap- oh die armen Bläser vor Erfindung des neuen Materials :-(
     
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  4. peterwespi

    peterwespi Ist fast schon zuhause hier

    Dieses Forum hat einen extrem guten Unterhaltungswert! :) Ich animiere meine Kundschaft, immer wieder hier reinzuschauen, denn man findet zu 100% immer jemand, der genau das Gegenteil behauptet, was ich im Unterricht vermittle... :D
    Aber das ist auch gut so, denn es führen viele verschiedene Wege zum Erfolg. Ein guter Pädagoge zeichnet sich vor allem auch dadurch aus, zu realisieren, wenn ein Rat / eine Technik / ein Lernweg für einen Kunden halt einfach nicht passt und pro-aktiv jederzeit alternative Möglichkeiten anbieten kann. Als Schüler/Schülerin kann man Pädagogen diesbezüglich ziemlich gut beurteilen, ob sie mehrheitlich Phrasen wie "...aus meiner Sicht..." oder "...ich habe die Erfahrung gemacht, dass..." verwenden... ;)
     
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  5. mato

    mato Ist fast schon zuhause hier

    Ist es möglich, dass leichte (Holz)Blätter weniger streuen, als stärkere?
    Ich kann mich gar nicht so recht erinnern, beim Anfangen überhaupt Probleme mit Blättern gehabt zu haben. Aber vielleicht lernt man mit Holzblättern, sensibler auf das Material zu reagieren, und damit letztendlich auch gezielter den Ton zu formen.
    Meine Ausflüge ins Kunststoffland waren für mich bisher sehr ernüchternd. Weniger des Klanges wegen (der mir trotzdem nicht gefiel), sondern eher wegen der Art, wie die Blätter auf Dynamik reagierten.
     
  6. Ton Scott

    Ton Scott Freak

    Und was wäre das? Also das Gegenteil vom Gegenteil?
     
  7. Bernd

    Bernd Gehört zum Inventar

    Alle sagten immer: "das geht nicht!"
    Und dann kam einer, der wusste das nicht und hat's einfach gemacht. :)

    Mir ist es viel lieber, wenn jemand mit Phrasen wie: "nach meiner Erfahrung " o.ä. kommuniziert, als wenn er seine Meinung als ultimative Wahrheit darstellt.
     
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  8. bebob99

    bebob99 Ist fast schon zuhause hier

    Ja, mir auch. Und ich sollte auch häufiger dazu schreiben, dass MEINE Erfahrung sich auf die Menge 1 bezieht und außer für mich selbst natürlich keinerlei Aussagekraft über die Nöte und Bedürfnisse anderer hat. Nicht dass jemand glaubt, ich würde hier mich wirklich auskennen. Ich kann das eben nur aus meiner eigenen Erfahrung beschreiben und auch wortreich begründen. ;)

    Ich liebe es aber, wenn jemand eine genau gegenteilige Meinung vertritt und das ebenso gut begründen kann. Das schärft die Aufmerksamkeit und zeigt neue Perspektiven auf. Zumindest zeigt es auf, dass manche sicheren Gewissheiten vielleicht gar kein so stabiles Fundament haben, wie man manchmal meint.

    Diese Diskussionskultur ist hier zu finden und deshalb bin ich so gerne da. :)
     
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  9. Bernd

    Bernd Gehört zum Inventar

    Sehr schön beschrieben! Danke!
     
  10. hiroaki

    hiroaki Ist fast schon zuhause hier

    Da, per Definition, jeder nur seine eigene, bescheidene Meinung vertreten kann, sollte es doch möglich sein zu kommunizieren ohne jedesmal auf diese Selbstverständlichkeit hinzuweisen.

    PS.:
    Das ist übrigens lediglich meine eigene Meinung :D
     
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  11. bebob99

    bebob99 Ist fast schon zuhause hier

    Da muss ich jetzt aus formalen Gründen widersprechen. Es gibt schon Dinge wo man eben eine persönliche Meinung und eine persönliche Erfahrung haben kann. Dinge, wo es kein "beweisbar richtig oder falsch" gibt. Es gibt aber Dinge über die man schon eine mehr oder weniger absolute Behauptung aufstellen kann. Wenn ich schreibe:
    Dann ist das nicht nur meine persönliche Meinung wobei wir diskutieren können, ob jemand anderer Meinung ist. Das ist eine Tatsachenbehauptung und jeder der hier widerspricht sollte nicht nur "eine persönliche Meinung" vorweisen können, sondern das auch entsprechend beweiskräftig argumentieren können.

    Heute wird in den sozialen Medien und ganz allgemein in der Gesellschaft ja gerne die Position vertreten, dass "Wissenschaft ja auch nur irgend eine Meinung ist, gleichberechtigt mit jeder anderen denkbaren Erklärung der Welt". Und auch hier werden persönliche Meinungen gleich formuliert wie "anerkannte Wahrheiten". Der Spruch mit den "alternative facts" hat ja leider traurige Berühmtheit erlangt. Da hatte George Orwell sehr gut beobachtet. Wer seine Meinung am weitesten verbreiten (und gegenteilige Behauptungen erfolgreich unterdrücken) kann hat Recht, egal wie falsch das objektiv auch sein mag.

    Ich finde es daher für sehr wichtig, wenn jeder beim Argumentieren klar stellt, ob hier eine allgemein gültige Tatsachenbehauptung kund getan wird, oder eine persönliche Ansicht. Je nachdem muss man sich eventuell auf unterschiedliche Gegenargumente einstellen.

    Nicht dass ich jetzt behaupten will, dass "anerkannte Wahrheiten" sich nicht nachträglich auch als falsch oder ungenau heraus stellen können - das haben sie oft getan - aber die "neuen Wahrheiten" müssen stets in allen Punkten die beobachtbare Wirklichkeit besser und genauer abbilden als die alten um sie erfolgreich ersetzen zu können.

    Und das ist jetzt nicht nur meine persönliche Meinung, sondern die Grundlage wissenschaftlichen Arbeitens.
     
  12. abraxasbabu

    abraxasbabu Ist fast schon zuhause hier

    Also heute spiele ich mit jedem Holzblatt gleich gut oder schlecht. Stärke 1,5 - 3 kann ich ausgleichen. Aber wie vile Blätter habe ich die ersten Jahre aussortiert. Zum Glück nie wegeworfen. Klar hab ich welche die besonders gut sind und welche die weniger gut sind. Ich hätte mir am Anfang so gewünscht ein Blatt zu haben das gleichbleibend gut klingt. Ich jedenfals würde Anfängern dazu raten mit Kunstoff anzufangen vorausgesetzt das Blatt passt. Ich hatte welche gekauft aber leider zu schwach. Die liegen jetzt in der Schublade weil sie nicht umzutauschen waren.
     
  13. hiroaki

    hiroaki Ist fast schon zuhause hier

    Dem stimme ich unbedingt zu. Wenn dies im Kontext nicht deutlich ist, sollte es klar herausgestellt werden. Wenn aber klar erkennbar ist, das über Meinungen diskutiert wird, halte ich es für unnötig, dies immer wieder zu betonen.
     
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  14. Nilu

    Nilu Ist fast schon zuhause hier

    Holzblätter haben meistens noch ein Potential nach oben, mit zunehmender Spieldauer,
    Das finde ich eigentlich eine schöne Aussicht!
     
  15. grosskopf

    grosskopf Ist fast schon zuhause hier

    Ich hatte diese Woche mit einem Schüler über Holz vs. Plastik gesprochen. Er selbst hatte einige Monate Plastik gespielt, war damit auch zufrieden. Nun hat er einfach mal aus reiner Lust und Laune wieder Holz "aufgezogen" und meint, dass das Feeling, Holz zu spielen unvergleichlich sei. Mein Fazit: wenn du dich gut fühlst mit dem, was du spielst, wird's auch gut klingen.
    *dies war ein rein subjektiver Post* ;-)
     
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  16. ppue

    ppue Experte

    Ich denke, das wird die beste Methode sein, @grosskopf: Der Schüler wird zweifellos auf allen Blättern lernen können und kann das schnell selbst entscheiden. Wenn man dann ab und zu noch mal wechselt, wird man die meisten Erfahrungen sammeln.

    Meiner ganz bescheidenden und mir ureigensten Meinung nach sind die Schüler wahrscheinlich genau so zu Holz- und Plastikblättern eingestellt, wie die Forumsmitglieder hier. Die eine so, der andere so.
     
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  17. Ton Scott

    Ton Scott Freak

    Die paar Hundert, die ich in den letzten Jahrzehnten unterrichtet hab - sofern der Stichprobe aussagekräftig ist - hatten ganz selten eines der Forumsprobleme :)
     
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  18. ppue

    ppue Experte

    Wo ist ein Problem?
     
  19. Ton Scott

    Ton Scott Freak

    Taiwan oder China oder Japan oder Selmer. Plastik oder Holz. Jazz lernen oder Klassik lernen etc. Wo lagere ich meine Blätter am besten. Etc.
    Aber Du liest doch auch fast täglich oder?

    Oder hast Du ein Problem mit dem Wort "Problem?" Das könnte ich verstehen, so wichtig ist das Ganze eigentlich eh nicht. Und genau das wollte ich damit sagen.
     
  20. ReneSax

    ReneSax Ist fast schon zuhause hier

    Das ganze Forum steckt voller "Probleme", dazu ist es ja da.
    Ich zitiere mal kurz von Frau Wiki: "Ein Problem (griechisch πρόβλημα próblema, deutsch ‚das Vorgeworfene, das Vorgelegte‘, „das, was [zur Lösung] vorgelegt wurde“), nennt man eine Aufgabe oder Streitfrage, deren Lösung mit Schwierigkeiten verbunden ist. Probleme stellen Hindernisse dar, die überwunden oder umgangen werden müssen, um von einer unbefriedigenden Ausgangssituation in eine befriedigendere Zielsituation zu gelangen..."

    Ich persönlich finde die vielen verschiedenen Meinungen zu einem Thema sogar zielführender als ein "in Beton gegossener Lehrsatz".
    Man darf als Beantworter einer Frage aber nie die eigentliche Frage aus den Augen verlieren. Schließlich hat jeder User, der ein neues Thema eröffnet, ein für ihn selber wichtiges Problem das auf eine baldige Lösung drängt.
    Er erwartet nun sachkundige Hinweise und Hilfestellungen. Formuliert jemand nur "nach meiner Meinung", dann muss es nicht zwangsläufig auf einer konkreten Erfahrung beruhen. Er ist sozusagen der Auffassung das... Und der Anfragende kann sich hieraus sein eigenes Bild machen und Schlüsse ziehen. Das finde ich ebenso ergebnisorientiert als die Phrase "nach/aus meiner Erfahrung...". Hier hat der Antwortende seine eigene Erfahrung widergespiegelt. Welchen Schluss letzten endes der Fragesteller daraus zieht bleibt ihm überlassen.
    Für mich haben beide Phrasen das gleiche Gewicht.
    Viel "schlimmer" ist das sofortige Abdriften in andere Theman ohne den Kern der Frage zu erreichen.
    So, nun aber wieder :topic:

    Das ist eine eindeutige Aussage welche auf einer Erfahrung beruht und wird einem späterem ratsuchenden Leser des Forums helfen.


    Ein ruhiges Wochenende!

    René
     
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