Saxophon in der Bandprobe verstärken

Dieses Thema im Forum "Home- und Live-Recording, Tontechnik" wurde erstellt von Schepperer, 19.Februar.2022.

  1. Kohlertfan

    Kohlertfan Ist fast schon zuhause hier

    Auch ist es ein Unterschied zwischen Musik machen und Musik hören. Sollte man nicht ausser acht lassen.
     
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  2. giuseppe

    giuseppe Strebt nach Höherem

    Es gibt neben den körperlichen Drummern einfach noch eine historisch technische Komponente, die die Rocker noch nicht in den Griff bekommen haben:
    Bevor es P.A.s gab, hatte die Band bei Live-Auftritten die Boxentürme zur Beschallung des Publikums im Rücken. Deshalb wurden die Dinger entsprechend dimensioniert. Wenn man sich jetzt mit einer E-Gitarre vor einen alten (vom Design) großen Röhren-Amp mit 100+x Watt und voll aufgerissenem Gain stellt, bekommt man nicht nur eine schöne warme Zerre, sondern die Gitarre fängt sprichwörtlich an zu leben und zu beben. Die Saiten summen spontan im Schall der 12er Boxen und koppeln permanent rück, wenn man sie nicht festhält, und nur ein Streicheln lässt sie singen und schreien. Das muss man mal probiert haben.

    Ich wette, jeder der hier schon mal mit einem high-baffle piece geliebäugelt hat, würde da drauf angehen und schnell nicht mehr Wasser predigen.

    Mit so einem Equipment lässt sich leise nicht der gleiche Sound erzeugen, anders als bei der Jazz-Gitarre. Es gibt mittlerweile Amps, die das modelieren oder mit 1 oder 5 W schon leiser in die Sättigung gehen.

    Aber mangels singender Rückkopplung ist es nicht dasselbe. Aus meiner Sicht wird das durch Neuentwicklungen immer besser, ist aber technisch nicht komplett lösbar. Für die Puristen an der Gitarre kann das schon ein Dilemma sein.
     
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  3. JES

    JES Gehört zum Inventar

    Stimmt das? Wenn ich mir alte verstärkerschaltungen ansehe war bei den röhren die ausbeute eher mager. 100Watt ist da viel.
    Ob du einen verstärker mit box in Sättigung bekommst, hat eher nichts mit der Leistung zu tun (ausser, du willst den Lautsprecher selbst in anschlag bringen). Gain regelt die vorverstärkerung, also wie stark das eingangssignal aufbereitet wird, bevor es in die endstufe geht. Zerre bekommst du aber schon, wenn du im VV übersteuerst. Das kann, muss also nicht, über die endstufe gehen und hat damit dann wenig mit dem gesamtpegel zu tun. Man kann auch beide stufen übersteuern, oder eine zwischenstufe einmischen.
    Feedback bekommst du auch bei weniger Pegel, wenn du dichter an die box gehst.
    Es muss also nicht laut sein.
     
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  4. scenarnick

    scenarnick Ist fast schon zuhause hier

    Endstufensättigung klingt ganz anders bei Röhren. Mit Power-Soak bekommt man die aber auch leise. Jetzt sind wir aber endgültig vom Thema weg. Ich spiele hier eine 15W Röhrenkombo Britischer Bauart, selbst die kann Dich Fö(h)nen wenn nötig. Allerdings wird Jazz-Gitarre meist "clean" gespielt und hat dadurch wesentlich weniger Lautheit (empfundener Schall) und auch Lautstärke (messbarer Schall) als ein verzerrter Sound.

    Ich mag beides ;) Aber vielleicht wieder weg von der Gitte und :topic:
     
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  5. Silver

    Silver Strebt nach Höherem

    Die besten Stücke von Deep Purple sind gerade NICHT einfach nur laut.

    „Live in Japan“ in der Japanpressung (die US und Europapressungen sind anders gemastert) ist ein Musterbeispiel, dass z.B. „Space Truckin‘“ sogar live fast stille Momente hat - und deshalb um so wuchtiger wirkt.
     
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  6. Silver

    Silver Strebt nach Höherem

    Das, zum Prinzip erhoben, nennt sich dann Punk.
     
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  7. giuseppe

    giuseppe Strebt nach Höherem

    @JES, technisch hast du recht. Mir ging’s um die historische Notwendigkeit dieser Bühnenlautstärke und dass daraus Sound und Stil und auch Spielweise geformt wurden. Ohne die spontan im Wind der Marshall-Box singende Gitarre wären Hendrix oder Page woanders abgebogen.

    Wollte nur erklären, warum „laut“ zwar nicht zwingend erforderlich, aber trotzdem fest in der Tradition des Equipments verankert ist. Und es vielleicht mit „da würde ich gehen“, nicht ganz getan ist.

    Aber @scenarnick hat natürlich recht, führt zu weit weg vom Thema.
     
  8. JES

    JES Gehört zum Inventar

    @giuseppe
    Mir ging es nur darum, dass laut nicht sein muss, speziell nicht in der probesituation. Bühne ist ein anderes Thema. Mit heutiger Technik kann ich leise alle Effekte erzeugen, was früher ev. (und da bin ich nicht überzeugt, weiß es aber nicht genau) nicht so einfach war. Wenn ein Saitenartist oder Drummer unbedingt gehörschädigende Lautstärke braucht ist auch das möglich, ohne dass alle anderen das mitbekommen müssen.
    Frage ist bei so einer rockeinstellung aber, ob da ein Saxophonist sinn macht oder ob da die Lärmbolzen nicht besser unter sich bleiben.
    Mein übeverstarker hat nur 9 Watt. Den drehe ich nicht mehr bis zum Anschlag auf, zumindest nicht, wenn ich in kleiner Besetzung übe. Bühne, anderes Thema.
     
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  9. scenarnick

    scenarnick Ist fast schon zuhause hier

    Wenn Du ordentlich Altissimo ablieferst kannst Du Dich durchsetzen (ob das muss ist eine andere Frage). In tiefen Lagen hast Du als Sänger oder Tenor-Sax eh kaum eine Chance, es sei denn Du machst den Verstärkungs-Wahnsinn mit.

    Wir sind inzwischen weit von der ursprünglichen Fragestellung entfernt, trotzdem find ich die Diskussion im Sinne des Band-Sound gut. Bläsersätze bereichern auch Rock- und verwandte Fraktionen und die Frage nach der Lautstärke-Disziplin stellt sich auch schon in einem Sax-Quartett. Daher super, dass wir hier in dem Thread Facetten beleuchten und sensibilisieren.
     
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  10. Texteditor

    Texteditor Ist fast schon zuhause hier

    Hier mal ein schönes Beispiel für fette Bläsersätze in der Rockmusik……… und das muß laut :peace:
     
  11. giuseppe

    giuseppe Strebt nach Höherem

    Es muss heute natürlich nicht laut. Mein kleiner Marshall-Kombo kann bei 0,5 oder 1 Watt (Vorwahldrücker) soundmäßig relativ glaubhaft so tun, als wär er ein großer. Er heißt nicht mal Kemper, ist nicht teuer und klingt ohne Bodentreter besser als 80% der Hobby-Schrammler mit fetten Verstärkern (gibt nur keiner gern zu).
    Früher - keine Ahnung ob es gemusst hätte, es gab halt eine Zeit, wo das Equipment so ausgelegt war und dieses Equipment erfreut sich teils immer noch großer Beliebtheit.

    Ich glaube, das ist der springende Punkt, was du ansprichst: Ganz vorne stehen im Probenraum Positionierung und Monitoring neben Gehörschutz und Dämmung.

    Wenn der Gitarreamp im Proberaum von gegenüber dem Gitarristen ins Ohr bläst und nicht an die Hose sinkt der Schalldruck binnen Minuten um 20 dB.
     
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  12. Texteditor

    Texteditor Ist fast schon zuhause hier

    Ihhhhh,es gibt nichts schlimmeres wie diesen Amp,vollkommen überschätzt,vollkommen überteuert,kackt gegen jeden richtigen Röhrenamp sowas von ab
     
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  13. Kohlertfan

    Kohlertfan Ist fast schon zuhause hier

    Nun ja, es gibt auch Punks, die ihre Instrumente beherrschen.
    Aber insofern stimmt es schon. In meiner Zeit in Berlin-Kreuzberg mitte der 80iger Jahre saß ich dann an meinem Drumset zwischen 2 400 Watt Marshall Türmen und habe meine Bassdrum vor lauter Krach nicht mehr gehört.
    Sicher mit ein Grund, warum ich heute Hörgeräte trage.:eek:
     
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  14. JES

    JES Gehört zum Inventar

    Kenne die nicht und habe bei thomann tatsächlich mal nachgesehen: welcher normale Gitarrist braucht einen Verstärker mit 600Watt? Mache ich was falsch? Also ich nutze meinen mit 9Watt (leider keine röhre), auch zum Monitoring, und sonst wird da ein mikro vorgestellt und das geht in die Bühnen-pa.
    Wer etwas mehr braucht nimmt ne 25Watt Röhre und eine vernünftige Box (also nicht den 12" Schuhkarton, sondern..). Wer da auf der Bühne mehr braucht macht was falsch.
    Mit dem richtigen verstärker und guten Boxen bekommt man mit 2 mal 50 Watt (pa) schon mittelgroße Räume richtig laut. Betonung:gute Boxen. Taugen die nicht sind 600 Watt zu wenig.
     
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  15. scenarnick

    scenarnick Ist fast schon zuhause hier

    Äh - seit wann geht es bei Gitarristen um "brauchen"? :) Wie war das? "Die richtige Anzahl Gitarren ist die aktuelle Anzahl plus 1". Ok - es gibt Ausnahmen :)
    Ich bin mal hochgradig gespannt, ich habe gerade bei einem Gewinnspiel einen "Dauertest" (2 Jahre) PA Boxen gewonnen. Je Box 1600W Endstufe - braucht kein Mensch und wird wahrscheinlich NIE oberhalb von Lautstärkestellung 1 laufen. Wenn ich die hier in meinem Übezimmer von 25 qm testen soll kann ich den Master Fader wohl nicht über -45dB aufdrehen... Bei Open Air Gigs mit der Band dann -20 dB... die reichen auch für 200 Gäste im Garten
     
  16. giuseppe

    giuseppe Strebt nach Höherem

    Naja, das kommt auch auf den Wirkungsgrad an. In jedem Fall kannst du damit im Proberaum Gas sparen.
     
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  17. scenarnick

    scenarnick Ist fast schon zuhause hier

    upload_2022-9-21_20-6-16.png
    ich glaube nicht, dass die neuen Boxen da noch gebraucht werden…

    aber zum Thema: auch mit dem Zeug im Proberaum sind wir so aufgestellt, dass ich das Tenorsax nicht verstärken muss. Sieht martialisch aus, kann aber auch nett und lieb
     
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  18. JES

    JES Gehört zum Inventar

    Bei nem schlechten wirkungsgrad werden 1600watt gerade reichen... ansonsten würde ich eher auf 2000 Gäste tippen.
     
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