Warum gibt es keine amerikanischen Saxophone mehr?

Dieses Thema im Forum "Saxophone" wurde erstellt von Saxoryx, 14.November.2025.

  1. Otfried

    Otfried Gehört zum Inventar

    Ein Spitzensaxophon zu dem Neupreis, egal welcher Charakteristik scheint mir eh schon völlig unrealistisch.

    Gruß,
    Otfried
     
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  2. JES

    JES Gehört zum Inventar

    Wer spricht von Spitzensaxophon?
    Muss es denn ein Spitzensaxophon sein, wenn man eine andere Charakteristik will?
    Ich lege noch 500€ drauf, dann bist du beim Neupreis eines Yamaha 62 tenor.
     
  3. Bereckis

    Bereckis Gehört zum Inventar

    Wir beide spielen ja schon etwas länger.

    Meine Erfahrung ist, dass ich die mechanischen Qualitätsmängel selten merke, solange sie mein Spiel nicht wesentlich beeinflusst haben.

    Das R@C-Tenor von @Sandsax war eins meiner großen Favoriten lange BEVOR es @Toko in die Hand bekommen hatte.

    Hinsichtlich meines Kompensationsvermögen lerne ich gerade, dass dies nicht unbedingt vorteilhaft ist.
     
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  4. Otfried

    Otfried Gehört zum Inventar

    Oder bei den diversen Teilen wie Cannonball, die versprechen, aber eben dann doch nicht halten, oder vielleicht doch?

    Gruß,
    Otfried
     
  5. Paco_de_Lucia

    Paco_de_Lucia Ist fast schon zuhause hier

    Dem kann ich mich nur anschließen,
    ich konnte letztes Jahre das Two Voices Alto spielen - was soll ich sagen, Top di Gamma.
    Das hätte ich gern sofort mitgenommen.
    Der Preis ist dann aber eine andere Geschichte.
    Paoc
     
  6. Silver

    Silver Gehört zum Inventar

    Nich vor etwa zehn Jahren habe ich fest zugepackt und über das eine oder andere Leck einfach hinweggeblasen.

    Spätestens seit meiner Ganglion-OP 2022 ist es mit dem festen Zupacken vorbei und ich bin jetzt eher in der Fraktion, die gerade mal die Federkraft überwinden will, dann muss die Klappe schon zu sein.
    Ähnliches gilt für Lecks - wenn es nicht dicht ist, merke ich es und ich bin nicht mehr bereit, den damit verbundenen Verlust an Ausdrucksmöglichkeiten einfach wegzublasen (was ich natürlich immer noch könnte und im „Ernstfall“ auch mache).

    Man wird natürlich auch durch exzellente Saxdoc-Qualität á la @Toko verwöhnt und sensibilisiert.

    Bei den Rampone & Cazzani kann ich nur sagen, dass ich mich für diese Hörner sehr interessiert habe - nicht zuletzt wegen der erhofften ergonomischen Verbesserung bei Conn-ähnlichem Klang - und meine Hoffnungen bei diversen Exemplaren, gebraucht wie neu, enttäuscht wurden.
    Mein R1 Semicurvo hat einen wunderbaren Klang aber es war eine Steissgeburt, es mechanisch in einen guten Zustand zu versetzen: Bei der GÜ mussten alle (!) Achsen ersetzt werden - und der Vorbesitzer war keinesfalls ein Powerplayer.

    Verschiedene gebrauchte R1 und R1 Jazz Tenöre, die ich mir angesehen habe, waren nicht viel besser und der Zustand des neuen R1 Jazz von Thomann war verheerend.

    Ich kann nur berichten, was ich selbst erlebt habe und mache das inzwischen nur noch, wenn das Thema von anderer Seite aufkommt.

    Natürlich kenne ich auch Berichte, die bei den R&C ins Schwärmen kommen und kann das gut nachvollziehen, wenn man ein mechanisch wirklich Gutes hätte (das wäre ein Traum!).
    Vielleicht haben die einfach Glück gehabt, sind weniger pingelig oder müssen/wollen sich bei der doch stattlichen Ausgabe keine Mängel eingestehen.
    Oder, andersrum: Ich hatte fünf Mal Pech, bin zu pingelig und konnte mich nicht entschließen, ins kalte Wasser zu springen und die Konsequenzen meines Kaufs zu tragen.
     
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  7. mato

    mato Strebt nach Höherem

    Was genau war da verheerend? Es ist nicht unwahrscheinlich, dass es das Exemplar war, das ich dort angespielt habe. (Anfang dieses Jahres.) Ich habe es mir ziemlich genau angeschaut, gerade wegen der ganzen negativen Erfahrungsberichte hier, und konnte nichts feststellen, was irgendwie schlimm aussah oder sich schlimm anfühlte.
     
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  8. Gerrie

    Gerrie Strebt nach Höherem

    Wir müssen doch nicht aneinander vorbei reden.

    Ich habe nicht behauptet dass die Instrumente keiner kauft. Es könnten aber zu wenige sein die Entwicklung und Vermarktung amortisieren.

    Bei VK 3.000 € wäre es sicher möglich Käufer von modernen Saxophonen abzugreifen.
    Ob das realistisch ist kann ich nicht sagen. Habe aber laienhafte Zweifel.

    Grüsse Gerrie
     
  9. Silver

    Silver Gehört zum Inventar

    Ich vermute, dass das ein anderes Exemplar gewesen ist.
    Mein Erlebnis ist aus 2022 mit einem R1 Jazz Modell 2008/AU (vergoldet) Baujahr 2021:

    Problemfeld 1, das Setup (nach drei Tagen in der Thomann-Werkstatt bevor es endlich in den Versand ging):
    Rechte Hand: undicht, Bindungen/Kopplungen zum F# und G# mit Totgang. Eb und C Taster nicht genau auf einer Ebene, Tief C undicht.
    Linke Hand: undicht, Kopplungen auf hoch C mit Totgang, G# Taster mit Totgang, tief C#, B, Bb schwammig, Oktavmechanik mit Totgang und nicht leichtgängig.

    Problemfeld 2, Konstruktion und Verarbeitung (die Ursache für Problemfeld 1):
    Rechte Hand: Längs- und Querspiel der Klappen auf der langen Achse, Achspfosten/-führungen nicht fluchtend, dadurch kam nach 15 Minuten Spiel die komplette Achse aus ihrem Gewinde und stand knapp 1,5cm nach oben heraus.
    Linke Hand: Längs- und Querspiel der Klappen auf der Achse, Achsführungen augenscheinlich unrund und viel zu weit, massives Längs- und Querspiel aller langen Stangen zwischen den Spitzschraubenpfosten; den oberen Pfosten zum hohen E konnte man mit der Fingerspitze zwei Millimeter seitlich bewegen, obwohl die Lötung in Ordnung schien.

    Problemfeld 2 hat mir der Saxdoc meines Vertrauens am Objekt meiner Begierde nach einem 30-Sekunden-Blick darauf gezeigt, nachdem ich mich über das schlampige Händlersetup bei ihm beklagt hatte. Man kann zur Werkstatt von Thomann stehen, wie man will, in diesem Fall hatten sie einfach keine Chance.
    Wir haben das dann nicht weiter in die Tiefe verfolgt und uns über den sehr schönen Marco Magi-Koffer unterhalten, in dem ich das Horn zu Thomann zurückgeschickt habe. Natürlich ordentlich verkorkt und eingetütet.
    Es dauerte dann auch über eine Woche nach Eingang des Pakets, bis ich meine Erstattung bekam.

    Auf dem Jazzworkshop Erlangen 2023 hatten gleich zwei Leute ein R&C Tenor dabei. Beide waren recht zufrieden aber das eine, das ich in die Hand nehmen konnte, hatte auch ordentlich Spiel an den langen Stangen und beide hatten reichlich Wasserflecke (die für mich ein Zeichen von Undichtigkeit sind).
    Selbstverständlich habe ich nicht an anderer Leute Kanne herumgefummelt, ob sich die Pfosten genauso leicht bewegen lassen, wie bei dem oben beschriebenen. Und ich habe ihnen auch nicht die Hupe schlecht geredet.
     
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  10. mato

    mato Strebt nach Höherem

    Okay, das klingt natürlich nicht so toll und war dann sicherlich auch ein anderes Instrument. Ich frag mich, ob es dort an einzelnen Personen liegt, dass da anscheinend doch recht häufig sehr mangelhaft gefertigt wird, oder es einen Zeitraum gab, in dem es nicht gut lief. Mit meinem Sopran bin ich jedenfalls sehr zufrieden und könnte mir für mich (nach etlichen anderen Sopranos) kaum etwas besseres vorstellen.
     
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  11. JES

    JES Gehört zum Inventar

    Wie groß siehst du den Markt denn überhaupt für Saxophone der gängigen Baugrößen Alto und Tenor jenseits der 8000€?

    Wir waren bei 3500€, dem VK für ein YTS62. Das WO1 des Mitbewerbers kostet ähnlich.
     
  12. Gerrie

    Gerrie Strebt nach Höherem

    zumindest ist das YTS entwickelt, wird in großen Stückzahlen gebaut und hat eine gute Position im Markt.
    Es gibt nicht viele gebrauchte. Vermute mal da wird man nicht viele Käufer gewinnen.

    Für mich sind die potentiellen Kunden bei den Vintage Fans zu suchen.

    Ich kann Dir keine belastbaren Daten liefern.
    Mein Eindruck, die meisten sind z. T. mehrfach versorgt.
    Ein paar Fans die noch keins haben können sich für weniger als 3.000 ein Tenor oder Alt kaufen incl. Top GÜ.
    Je nach Modell unter 2.000 €.

    Die Produktion moderner Saxophone kann aus betrieblichswirtschaftlicher Perspektive meiner Meinung nach nicht ganz falsch sein.

    Der Absatz steigt weltweit. Warum sollte man es dann ändern?

    Für 8.000 gibt es Manufakturen die bereits liefern und auf individuelle Wünsche eingehen.


    Es ist nur meine persönliche Einschätzung. Ich denke der Markt ist für einen großen Hersteller nicht lukrativ.

    Grüsse Gerrie
     
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  13. Sandsax

    Sandsax Gehört zum Inventar

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  14. giuseppe

    giuseppe Gehört zum Inventar

    So nennt man in der interventionellen Kardiologie die cholesterinhaltigen Plaques an bestimmten Stellen in Herzkranzarterien augenscheinlich gesunder Männer in der schönsten Midlifecrisis, die unvermittelt ihrem Namen alle Ehre machen.

    Im Kontext des Horns verstehe ich den Namen nicht ganz, es sei denn, die Oberfläche wurde mit giftigen Chemikalien geätzt. :)
     
  15. ppue

    ppue Mod Experte

    Heißt aber auch Witwenmacher. Warum, kann sich denken, bei der Schönheit.
     
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  16. giuseppe

    giuseppe Gehört zum Inventar

    Für mich kommt bei der Vintage-Liebe bei Instrumenten noch ein anderer Aspekt dazu, den ich schwer in Worte fassen kann. Und die mich als Kunde für die aktuellen Hersteller noch unberechenbarer macht: Es hat etwas mit Perfektionismus und Handwerkskunst zu tun.

    Wir sind im Zeitalter der ewigen Charade von Speicherplatz, Leistung und verschwenderischer Programmierung in elektronischen Gadgets so gewohnt, dass „neuer immer besser“ ist. Dabei scheinen wir zu vergessen, dass ein 286er Rechner ausreichend war, ein Space-Shuttle zu steuern. Ein moderner Informatiker könnte damit vermutlich keine Textmessage mehr in Echtzeit übertragen.

    Die verschiedenen Conns, die ich habe, kommen aus einer Zeit davor. Sie sind nicht am Computer simuliert worden und die Herstellungsschritte waren nicht digital gesteuert automatisiert. Ich glaube viele, die so ein Ding sehen, denken sich insgeheim, dass das doch Schrott aus der Zeit vor dem Computer und moderner Fertigung ist. Und vergessen vollkommen, dass das 6M vermutlich das modernste und ergonomischste Horn war, dass Charlie Parker gespielt hat oder dass Dexter seine besten Sachen mit dem 10M gemacht hat, dass ein großer Teil der alten Virtuosen ihre geschmeidigen Linien auf so Zeug spielen konnten.

    Denn die Hörner sind - entgegen mancher Annahme - für ihren Zweck und im Wissen der Zeit komplett ausgereift. Und in diesem Punkt stehen sie meinen neueren Instrumenten um nichts nach. Jedes Teil an ihnen ist von Menschenhand so optimiert, dass man sie gut spielen kann, dass sie gut klingen, dass sie stabil und trotzdem leicht sind.

    Selbst bei meinen ganz alten Klarinetten ist eigentlich alles extrem effizient, selbst ihre „Intonationsschwächen“ sind „sinnvoll gewählt“, wenn man die Akustik versteht (so wurde vor invers getaperten Birnen und polyzylindrischen Bohrungen die verzerrte Duodezime so gesetzt, dass man über den Break nicht zu wild intonieren muss). Und jedes dieser in sich ausgereiften Instrumente hat dadurch eine eigene Note, einen Charakter. Dazu kommt, dass die handwerkliche Qualität derer, die heute noch geschätzt werden, im Schnitt sehr hoch ist.

    Alles in allem kann das sehr viel Freude machen, weil es eben Dinge sind, die man einerseits ins Museum stellen könnte, die man aber trotzdem lieber benutzt, weil sie immer noch so gut funktionieren!

    Im Rahmen eines Hobbys ist das schwer, hier zu konkurrieren. Für den Profi und für den jungen Schüler ist es aber möglicherweise was anderes.

    Die „Ausgereiftheit“ des Produkts als Gesamtkunstwerk wie bei Conn sehe ich heute weniger in Imitationen von altem, sondern am ehesten in der Arbeit von Yanagisawa (und ich wünschte auch in R&C).
     
    Zuletzt bearbeitet: 22.November.2025
  17. giuseppe

    giuseppe Gehört zum Inventar

    Aber eine vernachlässigte oder verlassene Liebste ist keine Witwe. Muss man denn gleich sterben?
     
    ppue gefällt das.
  18. Witte

    Witte Ist fast schon zuhause hier

    Meines Erachtens nach müssen die definitiv auch Topp Instrumente bauen..., da denk Ick Jan Garbarek immer noch nen curved Rampone & Cazzani Sopran spielt..., und der klingt damit phantastisch, letztes Jahr noch in der Elbphilharmonie gehört...

    Kann allerdings auch sein, dass Sie extra eins für Ihn mit ggf. noch irgendwelchen Sonderwünschen gebaut haben, und dann äußerst penibel gearbeitet haben...;)
     
  19. Silver

    Silver Gehört zum Inventar

    Hör jetzt sofort damit auf! SOFORT!!!
    Meine Frau lyncht mich, wenn ich mir wieder ein 6M / 10M hole und mein Handchirurg schneidet mir dieselbe glatt ab. :mad:

    Mal ganz abgesehen vom Platz und der ohnehin schon schuldhaften Vielhörnerei… :(
     
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  20. Gerrie

    Gerrie Strebt nach Höherem

    Den Begriff Witwenmacher kenne ich aus den 70er.

    Die 750er 3 Zylinder Kawasaki mit einer für damalige Verhältnisse enormen Motorleistung und Höchstgeschwindigkeit von deutlich über 200 km/h wurde so genannt. Während Reifen, Fahrwerk und Bremsen total überlastet waren.


    Das Bari hebt sich optisch von der Masse ab.

    Hat was. Für mein Geschmack dürfte die Mechanik das gleiche Finish wie der Korpus erhalten.

    Grüsse Gerrie
     
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