Wie klingt ein Alt Sax so wunderschön?

Dieses Thema im Forum "Kaufberatung" wurde erstellt von Steffen Reinke, 8.April.2022.

  1. Jacqueline

    Jacqueline Strebt nach Höherem

    Ein Ü-50 Algenbauer, der auf einmal Klavier spielen wollte, Stücke von Liszt und große mediale Aufmerksamkeit erfuhr.

    https://mainichi.jp/english/articles/20210501/p2a/00m/0na/026000c

    Soviel zum Thema, dass ab einem gewissen Alter nichts mehr geht.

    In der Zeit-Ausgabe dieser Woche ist ein sehr spannender Artikel zu Begabung, Hochbegabung, Probleme, 10000h-Regel von Malcom Gladwell.

    Schade, dass man das hier nicht verlinken kann. Sehr spannend.
     
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  2. Jacqueline

    Jacqueline Strebt nach Höherem

    Für manche Menschen ist der Weg das Ziel.

    Wenn dir Berufsaussichten so wichtig sind, warum bist du dann Lehrer geworden? o_O
    Ich mein, Work Life Balance geht wahrscheinlich nirgends besser als im Lehrerberuf (wenn man ihn nicht ernst nimmt). Aber es ist doch voll öde: Schule, Uni, Schule...
    Man kommt ja nie "raus"
     
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  3. Matthias Wendt

    Matthias Wendt Kann einfach nicht wegbleiben

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  4. Wanze

    Wanze Strebt nach Höherem

    Wenn es mit der Saxophon-Profi-Karriere nix wird, kann ich ja vielleicht noch Algenbauer werden.
    Japan geht zur Zeit schlecht... also Algenbauer am Bodensee :rolleyes:

    Grüße,

    Wanze
     
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  5. ilikestitt

    ilikestitt Ist fast schon zuhause hier

    Jeder ist halt anders. Als ich mit dem Studium anfing waren die Verdienstmöglichkeiten deutlich höher als jetzt. Aber ich würde nicht tauschen wollen. Und wer sich nicht intensiv mit Musik auseinandersetzen will und keinen Gefallen an stundenlangem Üben hat, der sollte den Weg auch nicht gehen. Ich würde nicht als Schullehrer arbeiten wollen, wo man vor einer Klasse mit 30 Kindern sitzt, die null am Unterricht interessiert sind, käme mir dann wie eine Verschwendung meiner Lebenszeit vor........
     
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  6. JES

    JES Gehört zum Inventar

    Ich finde das auch sehr schwer nachvollziehbar.
    Zum einen ist ein Studium eine akademische Ausbildung. Da geht es um Wissensvermittlung im Gegensatz zum Handwerk, wo es eher um praktische Fähigkeiten geht.
    Und wenn ich mir die Anforderungen dann ansehe muss ich quasi als studienvoraussetzung schon alles können. Als Ingenieur musste ich nich schweißen, fräsen, cnc-prgrammieren, cad und fem können. Ein Mediziner kennt die anatomie auch erst im studium und nicht schon vorher... wird da nicht etwas übertrieben?
     
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  7. jabosax

    jabosax Ist fast schon zuhause hier

    Aber lesen, schreiben, nacherzählen, interpretieren von Texten, rechnen usw. musstest Du schon recht ordentlich können, oder?
     
  8. JES

    JES Gehört zum Inventar

    Braucht das ein musikstudent nicht? Dann könnte man argumentieren, dass er andere grundlegende Fähigkeiten braucht als ein technikstudent.
    M.W. kommen die musikalischen Kenntnisse ja noch dazu, und lt liste von @ilikestitt ja nicht gerade auf einem Niveau, welches du auf dem Gymnasium selbst mit musik-leistungskurs erreichst.
    Wenn also ein Abitur (das Wissen) der Eintritt für ein studium ist (meines Wissens bei allen Studiengängen ausser musik), dann kann ich eigentlich auch nur dieses Wissen erwarten und ggf durch einen test bestätigen.
    Letztlich würde anders ein musikstudium nur für jemanden erreichbar, dessen Elternhaus die finanziellen Mittel aufbringt neben der Schule noch eine musikausbildung zu finanzieren.
     
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  9. jabosax

    jabosax Ist fast schon zuhause hier

    Oder analog musikalische Grundlagen. Da mag man sicher noch bei Details über die Notwendigkeit diskutieren können. Je nach technischem Studiengang, wird der eine oder andere mathematisch auch noch einiges aufholen müssen, um das Studium zu verstehen/bestehen. Und nur Abitur reicht auch bei vielen Studienfächern nicht. Da wird ein besonderes Niveau über NC (ich möchte jetzt nicht über die Aussagekraft eines NC diskutieren, ist ein anderes Thema) oder separate Eignungstests abgefordert, z. B. bei Medizin.
     
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  10. JES

    JES Gehört zum Inventar

    Wenn ich ein technisches Studium studieren möchte, dann kann ich entsprechend in der Schule Schwerpunkte setzen, damit ich entsprechend vorbereitet bin. Sonst bietet die Hochschule angleichungskurse. Ich muss aber nicht über einen zweiten Schulweg etwas zusätzlich lernen, und dann noch dafür bezahlen. Kann ich auf einer normalen Schule Saxophon und Klavier lernen bis auf ein Niveau, dass es für ein Studium reicht? Ich wüsste nicht.
    NC bzw Aufnahmetests fragen i.d.R. das ab, was auf dem Gymnasium gelehrt wurde. Da geht es mehr darum, wie gut du das gelernt hast, ob deine guten Noten gerechtfertigt sind, und ob du ev in der Schule die richtigen Schwerpunkte gesetzt hast.
    Hier wird aber erwartet, dass ich eine Qualifikation mitbringe, die ich auf dem normalen Schulweg gar nicht erreichen KANN, grundsätzlich nicht und auf dem geforderten Niveau schon gar nicht. Das halte ich für unfair.
    Ich weiß, dass es in der Praxis so ist, aber richtig kann das nicht sein. Bildung soll für jeden zugänglich sein, was nicht mehr der Fall ist, wenn ich neben der Schule noch eine Zusatzausbildung brauche, die ich/meine Eltern bezahlen muss.
     
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  11. gaga

    gaga Gehört zum Inventar

    Ist aber so. Schon immer. Hat mich vor 60 Jahren als Kind und Jugendlichen betroffen - das Gefühl, Pech gehabt zu haben, habe ich noch heute. Musikausübung auf hohem Niveau ist immer noch für bürgerliche gutsituierte Schichten oder eben für "Musikanten", die keine nennenswerte Ausbildung brauchen.
     
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  12. JES

    JES Gehört zum Inventar

    Mal dumm gefragt, was macht eine Familie mit einem talentierten Kind, welche sich keine musikausbildung leisten kann? Vereinsniveau wird ja nicht reichen, sofern da überhaupt an mehreren Instrumenten ausgebildet wird (muss man ja mw haben, ein harmonieinstrument und ein "Einzelton" - Instrument.
    Von meinem Sohn kenne ich das aus den USA, dass es dort instrumentalausbildung an Schulen gibt, und Förderkurse für begabte Schüler. Hier... zu meiner Zeit nicht mal ansatzweise.
     
  13. gaga

    gaga Gehört zum Inventar

    Nichts macht sie. Es wissen ja weder das Kind noch die Eltern oder Lehrer von diesem förderungswürdigen Talent. Es wird seinen Weg anders gehen, einen "anständigen" Beruf lernen und nebenher soviel wie möglich Musik lernen und praktizieren oder "Gebrauchsmusiker" werden - ohne standardisierte Ausbildung - irgendwie halt.
     
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  14. giuseppe

    giuseppe Strebt nach Höherem

    Ich sehe es eher so, dass für die Künste in vielerlei Hinsicht andere Regeln gelten, als insbesondere für technische, wissenschaftliche oder medizinische Berufe. Und das betrifft eben auch die Ausbildung.

    Auch heute gibt es zahlreiche große Künstler, die nicht das Kind einer Hochschule sind. Dafür hat Kunst zuviele kreative, ästhetische und emotionale Aspekte, die man nicht unmittelbar unterrichten kann. Klar kann man Strategien unterrichten, aber aus einem Langweiler wird durch eine Masterclass kein kreativer Kopf. Und so ist es natürlich auch logisch, dass das Hochschulstudium kein Garant für einen genialen Künstler ist. Allerdings sind die Chancen, dort einen zu finden, deutlich höher als in der Durchschnittsbevölkerung. Allein durch die Motivation, die jemand hat, eine Kunst zum Beruf zu machen. In dieser Hinsicht ist die Wahl eines künstlerischen Studiengangs sicherlich eine sehr ehrliche. Geldverdienen wollen kann jeder.

    Dafür herrscht in der Kunst eine Anarchie im positivsten Sinn. Jeder darf letztlich alles machen, was er will. In Technik und Medizin ist das zum Glück nicht so, weshalb da die Studien zwingende Voraussetzung für eine Berufsausübung sind und damit auch eine Regulierung umsetzen. In den Künsten ist der Abschluss in vielen Bereichen vielleicht gewünscht, aber keine essentielle Voraussetzung, wenn man wirklich gut ist (Thomas Zoller auf dem Barisax fällt mir ein als Beispiel dafür, dass es auch auf höchstem Niveau anders gehen kann).

    Andererseits gibt es in den Künsten nicht den gleichen staatlich verordneten "Bedarf" an fest engagierten Berufsausübenden, wie z.B. in Berufen, die die Grundversorgung sichern. Deshalb ist die Zahl gutdotierter Stellen sehr viel kleiner und das Berufsrisiko viel höher. Aus gesellschaftlicher Sicht macht das daher Sinn, nicht zuviele Profi-Künstler auszubilden, die dann gar nicht von diesem Beruf leben werden. Und bei limitierten Ausbildungsplätzen wird der Zugang oft über Leistung definiert, auch in anderen Fächern. Leistungsprinzip eben.
    Ob dort das richtige gemessen wird, ob einem das ganze gefällt und ob man es besser machen könnte, sind freilich legitime Fragen. Aber den Status quo kann man schon verstehen.
     
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  15. JES

    JES Gehört zum Inventar

    Ich finde das schlimm, genau, weil es so ist.
    Ein Musiker wird nicht gut, weil er studiert. Er wird auch nicht gut, obwohl er studiert hat. Entweder er ist gut, dann sollte es im Sinne der kunst egal sein, ob er studiert und ein diplom hat oder nicht, oder er ist nicht gut, dann sollte er trotz eines diploms trotzdem nicht weiterkommen.
    Und jemand, der das Talent hat, sollte auch, unabhängig vom finanziellen Hintergrund, die Möglichkeit bekommen aus seinem Talent etwas zu machen. Warum muss ich an der schule Informatik lernen, wenn ich dafür total unbegabt bin, ein Instrument kann ich nicht lernen, obwohl ich dafür ev hochbegabt bin.
    Egal, anderes Thema, nicht hier.
     
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  16. Ton Scott

    Ton Scott Freak

    Von unserem Landstrich kann ich sagen, dass durch Bläserklassen, Musikkapellen (Scouting!) und Musikschulen, die jedes Jahr durch die Pflichtschulklassen gehen kaum ein Talent unentdeckt bleibt.
    Die paar Supertalente, die ich in den gut 30 Jahren des Unterrichtens hatte, waren schon im Volksschulalter als solche erkennbar.
     
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  17. ilikestitt

    ilikestitt Ist fast schon zuhause hier

    Es ist ja nicht alles was man lernen kann, sondern die notwendige Basis für das was dann kommt. In 8 Semestern kann nicht alles Künstlerische gefördert werden und gleichzeitig die Basics vermittelt werden. Wenn Du Mathe studieren willst, wird auch erwartet daß du bestimmte Rechenarten beherrschst und nicht erst im Studium die Grundrechenarten lernen willst. Das ist halt die technische Basis, die notwendig ist für das was dann kommt. Würde das erst an der Uni gelernt werden, müsste das Studium mehr als doppelt so lange dauern (bestimmte technische Spielfertigkeiten lernt man nicht eben mal in ein paar Monaten). Und bei einigen anderen Studiengängen ausser halb von Musik weiss ich daß Dozenten über die grossen Wissenslücken bei ihren neuen Studenten regelmässig entsetzt sind und die Uni oft Nachhilfekurse gibt, damit die Studenten überhaupt auf den notwendigen Level kommen, was das Wissen angeht.
     
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  18. Rick

    Rick Experte

    Das entspricht meiner Erfahrung.
    Viele meiner Bekannten, die Musik studiert haben, taten das, weil sie nur durch eine erfolgreiche Aufnahmeprüfung ihre Eltern davon überzeugen konnten, dass sie es mit der Musik ernst meinen und gewillt sind, alles dafür zu tun.
    Ja klar, aus vermögenden Familien mit gutbürgerlichem Hintergrund und genügend Geld für Musikunterricht und Instrument.

    Es gibt lokale Zuschüsse und bei uns auch private Stiftungen für Kinder, die sich keinen Unterricht leisten können. Meine Frau hat seit vielen Jahren einen Klavierschüler aus sozial schwachem Umfeld, dem so der Unterricht ermöglicht wurde.
     
  19. Rick

    Rick Experte

    Meiner Ansicht nach birgt die Bezeichnung "Studium" viel Potenzial für Missverständnisse.
    Im Endeffekt ist es handwerkliche Weiterbildung zum "Meister", künstlerische Ausbildung (KA) ist nicht Teil des "Grundstudiums", sondern muss extra belegt werden.

    Die Anforderungen der Aufnahmeprüfung variieren übrigens je nach Bedarf der Hochschule und nach Bewerberzahl. Eine eher provinzielle Musikhochschule, von denen es inzwischen immer mehr auch mit Jazz-Angebot gibt, bietet generell eine leichtere Aufnahme als eine international renommierte, wie etwa die von @ilikestitt in Berlin.

    Als ich in dem typischen Alter war, gab es in der BRD vor allem Köln, dann auch Hannover. Aber die waren ungemein überlaufen von Bewerbern, man hatte kaum eine Chance, deshalb ging ich ja nach Heidelberg, um mich dort durch die vitale Jazzszene mit damals sehr vielen guten US-Musikern für eine spätere Aufnahmeprüfung vorzubereiten.
    Man konnte auch in der Schweiz und in den Niederlanden studieren, musste aber Gebühren zahlen, das konnten sich meine Mutter und ich direkt nach dem Tod meines Vaters finanziell nicht leisten.
    Wären es andere Bedingungen gewesen, dann hätte ich selbstverständlich einen Weg gefunden, Jazz-Saxophon zu studieren, denn mein Vater bestand eigentlich auf einem abgeschlossenen Studium, das war ihm (als Akademiker) enorm wichtig - kurz vor seinem Tod, also noch während meines Zivildienstes, musste ich mich bereits durch Broschüren über die Studienangebote informieren.
    Doch dann kam alles anders...

    Habe ich es jemals bereut, Musiker ohne Studium (laut @gaga "Musikant") zu sein?
    Nein, denn alles verlief ganz natürlich: Ich machte mir in kürzester Zeit in Heidelberg einen guten Namen in der Szene, knüpfte Kontakte, die teilweise bis heute stabil sind, bekam immer mehr Schüler, hatte immer mehr Auftritte, Studio-Produktionen, Touren durch halb Europa, kam eigentlich ganz gut über die Runden.
    Die "Vergleichsgruppe" meines Alters MIT Studium war da nicht signifikant besser gestellt, im Alltag war der Unterschied irrelevant, da ich meine berufliche Unabhängigkeit, Freiheit liebe und es daher nie auf eine Festanstellung irgendwo abgesehen hatte.
     
    Zuletzt bearbeitet: 25.April.2022
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  20. gaga

    gaga Gehört zum Inventar

    Sorry, falsch zitiert - so war das nicht gemeint. Das Begriffspaar Musiker und Musikant hat nichts mit einem Studium zu tun, sondern mit Qualifikation allgemein und meistens mit dem Unterschied von Amateur und Profi.

    "Ein Musikant ist ein Musizierender, der zu bestimmten Gelegenheiten, besonders zum Tanz und zu Umzügen aufspielt. Dieser Begriff ist seit etwa 1600 belegt und deutlich älter als der um 1800 entstandene Begriff des Musikers, der ausgebildet und beruflich Musik ausübt." (Aus einem anderen Forum)
     
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