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Saxhornets Anfängerguide

Artikel in 'Guides', hinzugefügt von saxhornet, 11.Februar.2013. Current view count: 9633.

3. Wichtige Kriterien für den Kauf


Hier ein paar Dinge, die es z.B. zu berücksichtigen gibt beim Hornkauf und wo schnell Fehler passieren. Die Liste soll nicht als Abschreckung, sondern als Hilfe verstanden werden. Bestimmte Dinge der Liste lassen sich nur von einem Fachmann oder erfahrenem Spieler erkennen oder manchmal sogar nur mit Zusatzequipment. Sie hat nicht den Anspruch vollständig zu sein, kann aber auch eine Hilfe sein, um über Saxophone und auf welche Unterschiede man achten kann, mehr zu lernen. Kein Anfänger oder Autodidakt sollte bitte glauben, dass er mit Hilfe dieser Liste allein für sich das optimale Horn findet.:

Finger und Ergonomie:
• Erreichbarkeit aller Klappen, speziell der Palm Keys und der Klappen die mit den kleinen Fingern angesteuert werden. Komme ich überall ran oder sind einige Abstände für meine Hände zu groß?
• Fingerspreizung zu groß, zu klein?a) Bei einigen Hörnern ist der Abstand zwischen den Fingerauflagen der einzelnen Klappen größer als bei anderen, bei zu großer Spreizung müssen die Finger mehr auseinander gezogen werden. Es kann zu ungewollten Verspannungen in den Fingern kommen, welche zu langsameren Fingerbewegungen führen. Allerdings ist auch dies stark von der Handgröße und Fingerlänge abhängig.
b) Nicht bei allen Saxophonen öffnen sich die Klappen gleich weit. Bei einigen Hörnern, wo sich die Klappen sehr weit öffnen, hat man das Gefühl die Hand muss sehr weit geöffnet werden, was für kleine Hände unangenehm sein kann. Wie weit sich die Klappen öffnen lässt sich meist vom Fachmann justieren, dies kann aber auch Einfluss auf Intonation und Blaswiderstand haben.
• Anordnung der Klappen oben und unten „inline“ (in einer Reihe) oder „offline“ (leicht gegeneinander versetzt)? Hier sollte man darauf achten, was sich für die Handgelenke gut anfühlt, damit Sehnenscheidentzündungen vermieden werden.
• Allgemein: Ist eine ergonomische Hand- und Körperhaltung ohne Verspannungen möglich?
• Ist die Stelle sinnvoll, wo der Haltering für den Gurt am Sax sitzt? Der kann manchmal sehr ungünstig sitzen, wodurch das Saxophon ungünstig hängt, wodurch eine schlechte Handhaltung und Verspannungen verursacht werden, die wiederum zu Problemen führen können. Allerdings kann man den meist auch vom Fachmann versetzen lassen. Ist der Haltering beschädigt oder halb durchgescheuert, könnte das Saxophon beim Spielen plötzlich runterfallen und Schaden nehmen.
• Daumenauflage linke Hand ok? Guter Halt? Gute Wippmöglichkeit? Zu gross oder zu klein? Scharfe Kanten, die in den Finger schneiden? Erreicht man gut die Oktavklappe um diese locker zu bedienen?
• Ist der Daumenhaken für die rechte Hand zu tief oder allgemein gut oder schlecht sitzend, ist er verstellbar? Sitzt er zu tief kann es zu starken Verspannungen und Schmerzen in der Hand führen. Bei einigen Hörnern kann man ihn anpassen, bei einigen nicht. Bei manchen Hörnern ist es auch leichter möglich ihn zu versetzen oder zu verbiegen, falls noch genug Platz zur darüber befindlichen Klappe ist. Auch dies hängt von der individuellen Handgröße ab.

Spielgefühl, Sound und Intonation:

• Blaswiderstand ok? Manche Hörner lassen sich leichter, andere mit höherem Blaswiderstand spielen, hier hat jeder seine Vorlieben. Das hängt auch davon ab wie stark Jemand bläst und was sich für ihn besser anfühlt.
• Kann ich mit dem Horn die Lautstärken umsetzen, die ich benötige?
• Stimmt die Grundstimmung des Horns (440 Hz - 442 Hz)? unbedingt mit Stimmgerät kontrollieren, wenn ihr grundsätzlich wegen eurem Horn zu tief oder zu hoch seid, lässt es sich später nur schwer mit anderen Spielern zusammenspielen. Möglich wäre auch, dass ihr das Mundstück nicht weit genug auf den Kork bekommt wenn es zu tief ist oder das Mundstück fast vom Kork fällt wenn das Horn zu hoch ist. Nicht jedes Saxophon erreicht mit jedem Mundstück die optimale Grundstimmung.
• Gefällt der Sound und kommt der Sound wirklich vom Horn oder doch eher vom Mundstück?
• Wie ist die Intonation? Sind einige Töne so zu hoch oder zu tief, dass man diese nicht mehr als Spieler akzeptabel korrigieren kann mit Ansatz und Voicen (Manipulationen des Mundinnenraums und des Halses um Tonhöhe, Klangfarbe und Ansprache der Töne zu beeinflussen)? Das lässt sich von einem Anfänger leider kaum beurteilen. Nicht zu jedem Saxophon passt jedes Mundstück und dieses kann einen sehr starken Einfluss auf die Intonation haben.
• Bin ich mit dem Horn flexibel in punkto Klang und Dynamik? Kann ich damit die Musik spielen, die ich spielen will?

Polster, Klappen, Federn und Mechanik:
• Sind alle Polster dicht oder überhaupt alle vorhanden? Ich habe schon häufiger bei gebrauchten Instrumenten erlebt und seltener auch bei Neuprodukten, dass Polster rausgefallen sind, was die Spielbarkeit natürlich dramatisch einschränkt oder unmöglich macht. Ob alle Polster dicht sind, ist selbst für einen erfahrenen Spieler nicht immer leicht zu kontrollieren. Hinzu kommt, dass es nicht immer nur am Polster, sondern auch an einer verbogenen Mechanik oder an Problemen mit den Tonlöchern liegen kann, wenn ein Polster mal nicht dicht ist. Manche Spieler versuchen es festzustellen, indem sie mehr Druck auf die Finger geben und dabei darauf achten, ob sich dadurch in der Ansprache bestimmter Töne etwas ändert. Allerdings lässt sich so nicht wirklich einwandfrei feststellen, ob die Polster dicht sind oder ob die Probleme woanders liegen. Wenn überhaupt kann die Prozedur nur einen Hinweis auf ein vorhandenes Problem liefern aber nicht auf die eigentliche Ursache. Zusätzlich problematisch bei dieser Methode ist, dass häufiger bei dem erhöhten Fingerdruck dann auch gerne mal unbemerkt etwas beim Ansatz oder dem Halten des Saxophons verändert wird, was wiederum Einfluss auf den Klang hat und somit die Ursache für die Änderung der Spieler und nicht ein undichtes Polster ist. Das System ist also weder fehlerfrei, noch unproblematisch. Manche sehr großen Undichtigkeiten kann man auch mit dem bloßen Auge sehen. Das geht dann auch noch besser wenn man mit einem Licht von außen gegen die Polster strahlt und ins Horn dabei guckt aber auch das ist nicht die sicherste und sinnvollste Methode. Wer ein spezielles Licht zur Überprüfung der Dichtigkeit hat, das auch von Saxophon-Doktoren gerne benutzt wird, welches in das Horn gesteckt wird, während alle Klappen geschlossen sind wird wohl noch die besten Ergebnisse zur Kontrolle erzielen. Aber auch mit dieser Methode wird nicht immer jedes sehr kleine Leck entdeckt. Undichte Polster lassen sich vom Fachmann austauschen.
• Sind die Polster sehr steif/hart oder dreckig? Sehr dreckige Polster können mitunter schlecht decken. Alte Polster können hart werden und decken dann unter Umständen nicht mehr gleichmässig.
• Sind alle Resonatoren da und sind an allen Stellen die gleichen verbaut worden? Das kann man visuell kontrollieren. Resonatoren können Einfluss auf den Klang nehmen. Was für Resonatoren man bevorzugt, hängt vom eigenen Geschmack ab. Diese lassen sich aber leicht vom Fachmann austauschen.
• Sind die Tonlöcher plan oder uneben? Sind die Tonlöcher nicht plan, decken mitunter die Polster nicht. Dies kann ein ernsthaftes Problem sein, wenn es sich nicht irgendwie ausgleichen lässt.
• Ist die Mechanik ok oder abgenutzt (schwergängig, verbogen, schleift, hat Spiel)? Abgenutzte Mechaniken können ein ernsthaftes Problem sein und sind manchmal auch nicht mehr zu reparieren. Dies kann nur ein Fachmann beurteilen ob das noch Sinn macht. Ob eine Mechanik leicht oder schwer geht kann mehrere Gründe haben, wenn es an der Federstellung liegt, lässt sich diese meist noch einstellen und für den Spieler bis zu einem gewissen Grad optimieren. Ist die Mechanik schwergängig weil sich eventuell Bereiche der Mechanik festgesetzt haben kann das ein ernstes Problem werden, da sich dies nicht immer optimal beheben lässt. Gelegentlich fehlt auch nur eine vorsichtig durchgeführte Ölung (vom Fachmann zeigen lassen). Mechaniken sollte man vom Fachmann beurteilen lassen oder ausreichend Erfahrung mit ihnen besitzen.
• Sitzen alle Federn und ist die Einstellung gut? Manchmal springt eine Feder raus oder eine einzelne ist zu weich oder zu hart eingestellt, wodurch das Spielgefühl dann beeinträchtigt wird. Bei einer rausgesprungenen Feder öffnen oder schließen sich Klappen nicht so wie sie es sollten.
• Sind Federn gebrochen?
• Sind Klappen zugelötet (kein Witz, kommt bei Vintagesaxophonen manchmal vor!)?
• Schließen die Oktavklappen sauber? Sonst funktioniert der Oktavwechsel nicht richtig und manche Töne und Tonwechsel gehen nicht mehr richtig.
• Fehlen Kork- oder Filzbeläge bei der Mechanik? Dies kann zu nicht ordentlich deckenden Klappen führen und auch der Grund für nervige Klappengeräusche sein.
• Sitzen die Klappenschutze richtig fest oder ist da z.B. eine Lötstelle oder Schraube lose?
• Sind Klappenschutze eingedellt? Dadurch könnten sich Klappen nicht ausreichend öffnen.
• Klappern Klappen? Kann ein Hinweis auf schlecht eingestellte Federn oder Probleme bei Mechaniken sein.
• Sind alle Kopplungen ok und lassen sich Stellschrauben noch bewegen? Hierfür muss man erst mal alle Kopplungen kennen. Ist eine nicht optimal eingestellt, schliesst eventuell ein Klappe nicht richtig und Ton und Ansprache sind nicht optimal.
• Darauf achten, daß die Tonlöcher keine Lötstellen von Reparaturen aufweisen, sie rund sind, es dort keine Dellen und allgemein keine Anzeichen von Bearbeitungen gibt.
• Sind bei den Fingerauflagen alle Einlagen da, sind welche rausgefallen oder locker? Sind überhaupt alle Fingerauflagen bei den Klappen da?
• Die Polster sollten auf Kaminen, also Erhöhungen der Tonlöcher aufliegen und nicht direkt auf dem Korpus. Liegen die Polster direkt auf dem Korpus deckt es wahrscheinlich bei diesem Polster dann nicht.
• Verstellen sich die Kopplungen zwischen den Klappengruppen (Ein sehr lästiges Problem, das allerdings mit Sachverstand lösbar ist)?

Korpus und S-Bogen:
• Sitzt der S-Bogen fest genug oder wackelt er auch, wenn die entsprechende Schraube fest sitzt? Wenn der S-Bogen locker sitzt kann er unter Umständen Luft ziehen und es gibt Probleme mit Tönen und Ansprache.
• Gibt es Dellen, Beulen oder ist etwas verbogen? Manche Beulen an der falschen Stelle können zu Problemen bei der Mechanik aber auch allgemein führen.
• Beulen am S-Bogen sollte man grundsätzlich meiden und man sollte auch darauf achten, dass der S-Bogen allgemein nicht verbogen ist.
• Ist der Kork am S-Bogen ok? Ist er zu sehr abgenutzt, kann es Probleme mit Tönen und Ansprache geben, weil entweder das Mundstück nicht richtig positioniert werden kann oder der Kork Luft zieht.
• Originallack, neulackiert oder unlackiert? Das hat eher einen Einfluss auf das Aussehen, den Wert und Pflegebedarf des Instruments.
• Sind alle Lötstellen fest und sauber? Gibt es Stellen wo nachgelötet wurde? Im Normalfall sieht man kaum Lötstellen (Ausnahme bei Hörnern wo die Tonlöcher aufgelötet wurden), viele Lötstellen sind meist ein Hinweis auf viele Reparaturen.
• Ist der Korpus und der Schallbecher fest verbunden oder ist die Verbindung etwas lose? Sollte fest sein.
• Ist es der Original S-Bogen? Hier muss man gerade bei gebrauchten Hörnern darauf achten. Manche Hörner klingen mit einem anderen S-Bogen besser als mit dem Original, allerdings halte ich es für sinnvoll immer auch den Original S-Bogen zur Verfügung zu haben, denn manchmal ist er die beste Wahl und es ist immer besser das dann selber entscheiden zu können welchen man nutzen möchte.

Allgemein:
• Ist das Horn in einem guten, akzeptablen oder überholgungsbedürftigen Zustand? Eine notwendige Generalüberholung kostet viel Geld (je nach Horngröße, Zustand und Fachmann sind 400 bis 600 Euro und sogar mehr durchaus üblich) und nicht immer lohnt sich das noch.
• Nicht alle Parameter verändern: Niemals sollte man beim Ausprobieren von neuen Hörnern auch gleich neue Mundstücke und neue Blattsorten ausprobieren, da man sonst nicht mehr weiß was nun für die Veränderung verantwortlich ist.
• Es ist sehr ratsam das Mundstück und die Blätter zu verwenden, die man gut kennt, sich mit wohlfühlt und wo man klar erkennen kann, inwieweit das Saxophon, das man ausprobiert, anders klingt und sich anders spielt im Vergleich zum eigenen.
• Sein eigenes Instrument sollte man zum Vergleich mitnehmen und dann zwischen beiden öfters wechseln.
• Man kann nicht 100%ig von einem Saxophon eines Modells auf jedes weitere Saxophon der gleichen Serie schließen. Man kann immer nur das Horn beurteilen, das man gerade in den Händen hat. Nur weil ein Saxophon von Modell abx von Firma xyz, welches man irgendwann mal irgendwo angespielt hat besonders gut war oder ein anderer Spieler es mal gelobt hat, muss nicht auch das nächste Saxophon (gleiches Modell, gleiche Firma) genauso gut klingen und sich genauso angenehm spielen lassen. Es gibt immer eine Qualitätsstreuung. Auch verändern Firmen gerne an Saxophonen einer Modellreihe die verschiedensten Dinge über die Jahre.
• Ferndiagnosen und –beurteilungen eines Saxophons sind schlecht möglich, auch nicht per Foto oder Beschreibung.
• Niemals ein Saxophon kaufen ohne es vorher ausgiebig getestet und kontrolliert zu haben, denn sonst kauft man die "Katze im Sack".
• Ein Verkäufer will verkaufen, nicht immer kennt sich ein Verkäufer wirklich aus und ist vertrauenswürdig.
• Extrem niedrige Preise, die deutlich unter dem üblichen Preis für das Instrument liegen, sollten zur Vorsicht mahnen. Gerade bei gebrauchten Instrumenten muss man manchmal aufpassen nicht Diebesgut zu erwerben.
• Ein Sax möglichst in mehr als nur einem Raum ausprobieren.

Als weiterführende Lektüre empfiehlt sich der Guide 'Richtig Saxophone kaufen'

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