Wie sinnvoll sind Licks beim Improvisieren?

Dieses Thema im Forum "Saxophon spielen" wurde erstellt von ufosax, 25.September.2025.

  1. saxer66

    saxer66 Ist fast schon zuhause hier

    Meiner Meinung nach bringen sog. Licks nichts bei der Improvisation! Viel wichtiger ist es, durch sehr viel (zu) Hören sich eine Art musikalisches Vokabular aufzubauen !
     
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  2. quax

    quax Gehört zum Inventar

    Der Unterschied ist genau welcher?
     
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  3. bthebob

    bthebob Strebt nach Höherem

    @saxer66
    Ist nicht böse gemeint.

    Nur, .... was wär ich froh, wenn viel (zu) Hören reichen würde
     
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  4. Silver

    Silver Gehört zum Inventar

    Wenn man schon Vokabeln hat, muss man sie auch deklinieren und konjugieren können. Sonst wird es mit der Sprache nix…;)

    Man kann beliebige 4 Takte Charlie Parker als Lick im Bebop-Idiom bezeichnen.

    Die „Vokabel“ hat man aber erst, wenn man das Grundmuster verstanden hat (Infinitiv Singular Präsens, wenn man so will) und sie rhythmisch variiert, auf verschiedenen Zählzeiten beginnend, in Dur/Moll/Dominant und in sinnvollen Tonarten bei beliebiger Geschwindigkeit abrufen kann.

    Bis dahin sind es einfach „Licks“ - wie etwas, das man in einer Fremdsprache nachplappert.

    „Jjjjäh wudräh ühn Biäärr, sieh wouh plääh!“ ist ein Lick.
    « Nous voudrions deux demie de la bière ambrée pression, s’il vous plaît » wäre eine mögliche Anwendung der Vokabel im Plural.
     
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  5. giuseppe

    giuseppe Gehört zum Inventar

    Ich würd sagen, mit dem Lick, 5-6 mal in Folge angewandt, kommt man soweit, dass man den Rest des Abends improvisieren kann. :)
     
  6. Viper

    Viper Ist fast schon zuhause hier

    "musikalisches Vokabular" ...also Licks!?:rolleyes:
     
  7. gaga

    gaga Gehört zum Inventar

    Dass offenbar Finger und Mund beim "Aufbau" nicht beteiligt sind.
     
  8. peterwespi

    peterwespi Ist fast schon zuhause hier

    Licks mal nachspielen ist spannend um zu entdecken, was die Cracks da genau so tun. Dann aber ist mein Tipp an die Kundschaft wie beim Spielen mit ausschliesslich Akkordtönen: Es ist dann cool, wenn man nicht mehr hört, dass es ausschliesslich Akkordtöne sind. Oder dann eben nachgespielte Licks.
     
  9. cwegy

    cwegy Ist fast schon zuhause hier

    Jepp, letztes Jahr auf einem online Workshop genau so erlebt. Wir haben mit dem Dozenten das Akkordmaterial durch genommen ("nur" Dreiklänge), mit allen Umkehrungen. Boah, denkt man da beim Lesen, dass ist ja laaangweilig, dann hat der dozent nur mit dem Material improvisiert und allen Teilnehmern klappte der Unterkiefer herunter, was daraus für tolle Musik entstand.

    Ich hab auch gerne Licks aus z.B Hip Licks geübt und mich dann bei der Impro gewundert, dass es überhapt nicht im Kontext unterzubringen war. Aber da begegnen sich Musikhören, Licks nach Noten und Licks heraushören wieder, denn wenn ich es regelmäßig in dieser Kombi mache, erkenne ich in mancher Impro, dass da doch jetzt ein Schnipsel, den ich gerade gespielt hab, mir irgendwie bekannt vorkommt. Und lustig und spannend wird es, wenn ich dann Licks und Phrasen bei anderen Musikern erkennen kann.
     
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  10. Tom.66

    Tom.66 Ist fast schon zuhause hier

    Genau das, was du beschreibst mit „nur Dreiklänge“ erlebe ich bei jeder Unterrichtsstunde mit meinem Lehrer. Was der aus dem Tonmaterial macht ist faszinierend. Man muss das erst in die Finger bekommen, um es dann in verschiedensten Beugungen/Brechungen/Intervallsprüngen interessant und selbstverständlich anwenden zu können.
    Für den Hobbymusiker eine Aufgabe.
     
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  11. Onkel D

    Onkel D Ist fast schon zuhause hier

    Ich sehe es aus meiner eigenen Erfahrung so:

    1. Viel Musik hören und selber spielen sind die Grundlage, damit es überhaupt musikalisch klingt. Dazu muss man zunächst gar nicht bewusst auf Licks oder Patterns achten. Viel wichtiger ist, dass man mit der eigenen Melodie den Harmonien folgen und mit diesen spielen kann. Spannungsbogen und Reiztöne finde ich da wichtige Stichworte. Variation des Themas des Stückes auch. Zieltöne für Läufe, die man spielt, ebenfalls.

    Damit alleine kommt man ziemlich weit und kann auch schon sehr schön klingen. Man entwickelt dabei völlig unterbewusst auch eigene Patterns und Licks, die man immer mal wieder einbaut und abruft. Manche sind völlige Eigenkreationen, manche hat man aus Gehörtem übernommen.

    2. Irgendwann dreht man sich damit vermutlich ein Bisschen im Kreis. Die Rate, mit der man auf diese Weise sein musikalisches Repertoire erweitert, ist eher gering. Dann kann es helfen, Licks zu üben, Pattern zu üben, Akkorde und Akkordfolgen in allen Varianten zu üben, Soli zu transkribieren, etc. Da geht es einfach darum, die eigenen Ausdrucksfähigkeit zu erweitern.

    Alles, was man unter 2. lernt, kann dann wieder in das eigene Spiel einfließen. Wichtig finde ich dabei die Reihenfolge. Musikalität first, Licks second. Ich finde nichts schöner, als eine Melodie, die einen emotional berührt und nichts langweiliger als unmusikalische, aber harmonisch passende Phrasen in höllischem Tempo.

    Mein Gefühl ist, dass viele "Jazzamateure" sich ausschließlich auf 2. konzentrieren und das klingt dann eben auch so.
     
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  12. bthebob

    bthebob Strebt nach Höherem

    Völlig richtig.

    Möchte nur ergänzen.
    Egal was man übt, es sollte einem selbst Freude machen.

    Ich komme drauf, weil ich gestern im Proberaum einen alten Übezettel
    wiederfand und gespielt hatte.

    Tucker Antell: "Tetrachord 1256"

    Hat mir nicht mehr den Spaß bereitet, wie früher.
    Zu monoton, weil's sich ja doch "nur" wiederholt ?
    Keine Ahnung.

    Jedenfalls macht mir das Übematerial von Dave O' Higgins
    seit längerem wesentlich mehr Freude.

    BTW
    Frage: Gibt's Foristen, die auch mit Dave seinen "Sachen" üben ?

    VG
     
  13. Bb7

    Bb7 Ist fast schon zuhause hier


    Moin bthebob, vom Namen her ist mir der Dave Higgins schon bekannt, mit lessons habe ich ihn bislang gar nicht gehört.
    Habe aber bei YT mal reingehört und ja: Scheint ein symphatischer Kerl zu sein und die Übungen sind, soweit ich das kurz gesehen habe, auch ganz gut.
    Werde mich vielleicht mal näher damit beschäftigen, wenn ich wieder bisschen mehr spiele. Bin gerade in einer "Schaffenspause" :)
    Andererseits habe ich soviel Bücher und Hefte, dass ich damit vollkommen ausgesorgt bin, nein, überversorgt!
     
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  14. Silver

    Silver Gehört zum Inventar

    Sofern Du das kostenlos auf YT bzw. seiner Website eingestellte Material meinst: Ja das finde ich für mich sehr nützlich als das, was es ist.

    Pocket Practice Ideas sind Ideen, was man Üben könnte, wenn man gerade kein übergeordnetes Konzept verfolgt und deshalb nicht einfach irgendwas dudeln* will. Aber es ist kein in sich geschlossener Kurs oder sogar ein individuell abgestimmtes Übekonzept.

    Inhaltlich bin ich mir nicht so sicher, ob man z.B. das Serpent‘s Tooth Lick (da isses wieder, das Lick) wirklich in 12 Tonarten braucht und sinnvoll anwenden kann und zum Thema Doodn-Tongueing als einzig wahre Swing-Phrasierung gibt es durchaus andere Sichtweisen sehr prominenter Lehrender.
    Mein Kopf funktioniert auch anders beim Lernen von Melodien und Changes aber das ist individuell.
    Dagegen finde ich die Pattern-Thematik und das Üben in vier Richtungen viel nützlicher - sowas bricht in freier Wildbahn viel eher aus mir heraus, als ein viertaktiges Lick in D-Flat.

    Stilistisch angenehmer, als die ganzen anderen Marktschreier auf YT ist es allemal. Als alleiniges Übematerial würde es mir nicht reichen bzw. geht stellenweise zu weit über meine Bedürfnisse als Amateur hinaus.

    * Irgendwas dudeln —zu einem Backing Track oder einer Platte— kann durchaus auch mal eine erfolgreiche Übestrategie sein, wenn man sich selbst zuhört, was gut klingt, und was nicht.
     
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  15. giuseppe

    giuseppe Gehört zum Inventar

    Dave O-Higgins finde ich gut, ich mag sein Soundkonzept und seine Musik, mir gefallen seine Übeideen und sein britisches englisch. Allerdings bin ich kein Bildschirmüber, das liegt mir nicht. Ich übe am effektivsten zu Audio oder Papier, weshalb ich bezüglich der YT-Marktschreier so gut Bescheid weiß, wie ein Höhlenmensch.
    Ich habe einige Lick-Sammlungen, von Patterns for Jazz über Evan Tates 250
    jazz patterns bis zu eineigen kleineren Publikationen mit Bebop oder Funk licks oder patterns.

    Ich kann das nur in kleinen Mengen verdauen, es liegt aber immer eins von denen im Nachtkästchen mit dem Travelsax, falls es mich überkommt. Meines Erachtens trainiert das überwiegend das Spielen nach Gehör und das Intervallverständnis auf dem Instrument.

    Ob man wirklich viel davon assimiliert, da bin ich nicht so sicher. Da ist das Material in der Regel auch viel zu viel. Deswegen ist eines meiner liebsten Lickheftchen auch das kleinste: 21 Bebop-Licks. Das ist sehr überschaubar, aber mir gefallen die Patterns sehr gut und es ist genug Komplexität in den Grifffolgen, dass ich mich ziemlich lange mit so einem Pattern beschäftigen kann. Ich habe das Gefühl, dass bei mir da bei einem viel mehr hängen bleibt als bei 20 Seiten der großen Sammlungen.

    Ob das Patternüben sinnvoll ist stelle ich nicht mehr in Frage, auch wenn ich nur einen kleineren Teil meiner Übezeit reinstecken möchte. Es ist für mich analog dem Üben von Tonleitern und technischen Etüden in der Klassik. Es hilft, auf dem Instrument versierter zu werden. Und natürlich ist es sinnvoll, diese technische Flexibilität in der “Sprache” zu üben, die man überwiegend sprechen will.
     
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  16. Juju

    Juju Strebt nach Höherem

    Wie gut dass er das nie behauptet hat. Aber interessant, wie es bei manchen ankommt. Aus genau dem Grund ist Dave die Lust am Unterrichten oder Material kostenlos zur Verfügung zu stellen, inzwischen so ziemlich vergangen, da die Ereignisse, wie oft man letztendlich falsch verstanden wird und dann Leute behaupten "DOH hat aber XY gesagt", so häufig vorkommen. Er ist da auch längst nicht der Einzige....
    LG Juju
     
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  17. Silver

    Silver Gehört zum Inventar

    Was jetzt von den beiden Beispielen?

    Wenn ich mich —ohne das Video nochmal komplett anzuschauen— richtig entsinne, geht es schon „around the circle“…

    Und die Sache mit dem Doodn-Tongueing ist vielleicht nicht so unmittelbar als der „Stand des Swing“ von Deinem Mann (obwohl man es aus den Videos trotz der Referenz zu Sonny Stitt schon so verstehen könnte) aber mittelbar aus diversen Diskussionen hier im Forum, an die ich mich lebhaft erinnere.
    Daß Leute von Alan Barnes bis Tony Lakatos das nicht uneingeschränkt genauso sehen, kann ich nicht ändern, nur wiedergeben.

    Es ging mir auch überhaupt nicht darum, die Leistungen Deines Mannes zu schmälern. Eigentlich im Gegenteil.
    Ich wollte darauf hinweisen, das eine lockere Reihe von „Pocket Practice Ideas“ für umsonst (!) kein strukturiertes Übekonzept, geschweige denn ein individuell entwickeltes Programm ersetzen können. Und, dass in so einem Format keine „absoluten“ Weisheiten vermittelt werden.

    Adressat, in diesem Zusammenhang, war @bthebob (der nicht zum ersten Mal das Material preist, als gäbe es nichts anderes).
     
  18. cwegy

    cwegy Ist fast schon zuhause hier

    Jepp, aber ich hab es immer als freundliche Empfehlung und mit Augenzwinkern verstanden. Schade, aber verständlich, wenn man so ( ich meine nicht durch @Silver) den Spaß am Lehrvideo machen verliert.
     
    Zuletzt bearbeitet: 22.Oktober.2025
  19. Blofeld

    Blofeld Ist fast schon zuhause hier

    Ach, das wäre aber schade, wenn er das nicht weitermachen würde! Ich finde seine Pocket Exercises sehr gut, und honorig ist gerade auch die Tatsache, dass er das kostenlos zur Verfügung stellt. Ich hatte das Vergnügen, am Rande eures letzten Konzerts im Hamburger Birdland ein wenig mit ihm über Monk und anderes zu plaudern. Ein ungeheuer sympathischer Mensch, frei von jeder Arroganz und mit dem unschlagbaren englischen Humor gesegnet. Richte ihm bitte schöne Grüße aus und sag ihm, dass es Leute gibt, die sein Engagement sehr wohl zu schätzen wissen!
     
    Zuletzt bearbeitet: 22.Oktober.2025
  20. Blofeld

    Blofeld Ist fast schon zuhause hier

    Und was das Doodn Tongueing betrifft, so ist auch das ja nur die „Essenz eines bestimmten Stils“. Wenn man wie Charlie Parker klingen will, braucht man es wohl, wenn man wie Tony Lakatos spielen will, vielleicht nicht. Ich mache es mal so, mal so. Das Schöne an der Musik ist doch gerade, dass sie keine exakte Wissenschaft darstellt. Man muss die Dinge nicht immer so apodiktisch betrachten.
     
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