Saxophon lernen - Saxophon lehren

Dieses Thema im Forum "Saxophon spielen" wurde erstellt von ppue, 8.Februar.2026.

  1. ppue

    ppue Mod Experte

    Immer wieder und sicherlich aus gutem Grund werden oft die Methoden diskutiert, mit denen wir Saxophon lernen wollen. Im Mittelpunkt dabei stehen meist die Lehrer, mal als geniale Vermittler, mal als grausige Pädagogen, denen man eher entfliehen möchte.

    Und natürlich gibt es beide Typen und alle Nuancierungen dazwischen. Bei allen aber kommt noch entscheidend dazu, inwieweit die Chemie zwischen Lehrer und Schüler stimmt, inwieweit die Lehrmethoden gefallen, inwieweit Anspruch und Wirklichkeit bei Lehrer und Schüler auseinanderklaffen und sicher noch viele andere Parameter, bis zum Preis der Unterrichtsstunden.

    Die Beurteilung eines Lehrer-Schüler-Verhältnisses ist aufgrund dieser oft völlig unterschiedlichen Umstände ungemein schwierig und lässt sich meist nicht auf einen oder zwei davon herunterbrechen. Ein Grund, warum ich Diskussionen um der Lehrer Qualitäten hier im Forum recht langweilig bis sinnlos finde.

    Auch der Kreis der Autodidakten lässt sich in vielerlei Gruppen einordnen, die auf völlig unterschiedliche Art und Weise ihrem Hobby frönen, völlig verschieden motiviert sind und alle möglichen Methoden ausprobieren.
    Manche stürzen sich auf die mannigfachen Filmchen im Internet, andere haben ein ausgereiftes Übungskonzept mit Longtones, Etüden, Stücken bis hin zur Harmonielehre und wieder andere haben einfach Freude am Spiel und Zusammenspiel.

    Das Zusammenspiel mit anderen Musikern ist dazu noch einmal ein gewichtiger Faktor für Motivation und Fortkommen, der sicherlich für alle Lernenden äußerst hilfreich ist.

    Ich finde diese Vielfalt an Methoden toll, nicht zuletzt deshalb, weil die Wege des Erlernens immer auch den Menschen widerspiegeln, der mit seinem Spiel bestenfalls seinen ganz eigenen Ausdruck und seinen Platz in der Welt der Musik findet.

    Allen Lernenden scheint mir gemeinsam, dass der Unterricht oder das Lernen für sie möglichst effektiv sein sollte. Zumindest lese ich das so aus vielen Beiträgen hier im Forum heraus. Mag sein, dass diejenigen, die sich gerade darüber keinen Kopf machen und einfach nur Spaß an der Sache haben, sich in solche Diskussionen weniger einbringen. Ja, bestimmt ist es sogar so.

    Bei dem Thema Effektivität beim Lernen werde ich immer hellhörig, denn meine eigene Einstellung dazu geht in eine andere Richtung. Für mich sind Effektivität und Kreativität zwei Sachen, die einfach schlecht zusammenpassen, wenn sie sich nicht sogar im Wege stehen.

    Effektivität setzt ein Ziel voraus. Wenn ich nicht weiß, wohin ich will, also kein Ziel habe, kann ich auch nicht den kürzesten Weg dahin finden. Stellt sich mir allerdings die Frage, ob der kürzeste Weg überhaupt derjenige ist, der mir am besten gefällt oder mich am meisten abholt.

    Auf der anderen Seite sollte das, was ich momentan tue, befriedigen und nicht erst das, wo ich mich mit meinem Können in zwei Jahren befinden will. Ja, ist halt so ein Ding mit dem Weg und dem Ziel.

    Nochmal zur Kreativität. Die ist ja nicht einfach plötzlich da. Ich kann sie nicht an- oder abstellen, sie nicht erzwingen. Ich kann sie noch nicht einmal als Ziel dingfest machen.

    Kreativität, so sehe ich das, passiert. Sie passiert, wenn ich mich in irgendetwas hineinziehen lasse, wenn ich Neugier verspüre und vor allem, wenn ich offen bin. Offen für Nebenwege, Umwege, für Erlebnisse, von denen ich vorher gar nichts geahnt habe, für Sachen, die mich verblüffen, reizen, mich plötzlich Dinge tun lassen, die ich mir bis dato gar nicht habe vorstellen können.

    Nochmal zurück zum Lehrenden, der ja in gewisser Weise Erzieher ist. Bestenfalls schafft er es also tatsächlich, seinen Schüler in die Sache hineinzuziehen. Wobei mir das Wort "ziehen" nicht wirklich gefällt.

    Meine Vorstellung eines guten Lehrers wäre die eines Mentors, der dem Schüler all das aus dem Weg räumt, was diesen daran hindert, seinen eigenen Weg zu finden (bei jungen Schülern sind das z.B. ganz oft die Eltern, die man aus dem Weg räumen muss). Die Wege, schon oben beschrieben, sind so unterschiedlich, dass dieses Ebnen des Weges nicht funktionieren wird, geht der Lehrer mit der immer gleichen, schablonenhaften 0815-Methode vor.

    Kurzer Exkurs zu den Preisen für den Unterricht: Ein auf den individuellen Schüler abgestimmter Unterricht besteht nicht aus den 50 Minuten Präsens, sondern braucht Vor- und Nachbereitung, eine Dokumentation der gelehrten Stunden und die Beschäftigung mit eben den Wegen, die die Schüler selber vorgeben.
    Vielleicht muss ich ein paar Noten rausschreiben, spezielle Übung ausdenken, eine Klavierbegleitung üben etc., all das schaffe ich nicht in 50 Minuten.

    Ja, so wäre es ideal. In der Realität wird das schwierig, einerseits eben finanziell wie andererseits auch nervlich. Mir reichten schon vier Schüler am Tag, aber vielleicht bin ich da auch komisch.

    Was mir, neben dem Ensemblespiel, viel gebracht hat, war, selber Unterricht zu geben. Sich der Sache des Lernens von einer ganz anderen Seite anzunähern. Ich bin der Meinung, dass auch fortgeschrittene Spieler Anfängern durchaus Unterricht geben sollten (in den Blasorchestern ist das, glaube ich, auch so). Das Hirnen darüber, was einem Schüler gerade am besten hilft, hilft einem selber. Mit dem Schüler ein Stück zu analysieren, bringt dir selber ungemein viel. Schon alleine, das, was dem ungeschliffenen Ton des Anfängers fehlt, Hören und Bestimmen zu lernen, lässt dich selber ganz anders ansetzen (-:

    Der ungemein liebevoll gemachte Film zum Thema:

    Zugvögel … Einmal nach Inari


     
    Zuletzt bearbeitet: 8.Februar.2026
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  2. saxfax

    saxfax Strebt nach Höherem

    Ja, für mich ist es so. Ich habe aber auch einen sehr guten Lehrer, dem ich voll vertraue, Leute, mit denen ich zusammenspielen kann und die Möglichkeit, mir ab und zu einen Workshop zu gönnen (bei denen der gesellige Aspekt fast am wichtigsten ist).

    Trotzdem schaue ich ab und zu in Fäden zu den Themen Üben und Unterricht rein, aber nur kurz zur Unterhaltung.

    @ppue Danke für den Filmtip
     
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  3. bthebob

    bthebob Strebt nach Höherem

    @indieRunde
    Nur als allgemeiner Input-Beitrag.

    Eine Freundin bat mich vor kurzem, ihr das Fotografieren mit einer
    "richtigen" Kamera beizubringen.

    Sie will weg von -Telefonbildern-

    Mir fiel dabei auf:

    #1 Es ist gar nicht so einfach, Dinge, die einem selbst seit langem zur Routine geworden sind,
    einem Einsteiger zu erklären.
    Dinge wie:
    Sich wiederholende Handgriffe, fotografische Theorie
    oder bestimmte Überlegungen beim Fotografieren,

    #2 Wann erklärt man was.
    Trockene Zusammenhänge lieber später besprechen oder gleich ?

    #3 Zeigen, wie und wo man was einstellt
    oder lieber selber "rumprobieren" lassen ?

    Mein kleines Fazit bisher:

    Praktisch machen lassen und dann an Hand der Fotos auswerten.

    Meine Freundin -jammert- schon von ganz allein und will wissen:
    "Wieso und weshalb ihr Foto nicht so aussieht, wie sie es sich vorgestellt hat."

    Oder, was sie gestalterisch besser machen könnte.

    VG
     
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  4. Gerrie

    Gerrie Strebt nach Höherem

    Zum Thema Ausbildung in der Blaskapelle kann ich nur für meine Region sprechen.
    Früher haben Musiker denen man es zutraute den Nachwuchs ausgebildet.
    Ist heute nicht mehr so. Meist in der Musikschule.
    Ich habe das vor gut 40 Jahren gemacht.
    Parallel zur Meisterausbildung.
    Da lernt man gewisse Grundlagen.
    Insgesamt hat mir das sehr viel gebracht.
    Zwei Klarinettistinnen wurden um Welten besser als ich selbst spielen konnte.
    Mit den Anderen war ich auch sehr zufrieden.
    Eine Ausnahme gab es auch. Den konnte ich nicht erreichen. Übte nicht und hat sich entsprechend entwickelt.
    Wäre das der Einzige und der erste Schüler gewesen wäre ich verzweifelt.

    Zum Thema Lehrer.
    Wenn man einen Individuellen Unterricht will , sollte man wie @ppue gerechnet hat auch die Bereitschaft besitzen es zu entlohnen.
    Da wird es schon Diskussionen geben.

    Entscheidend ist für mich die Chemie muss stimmen. Dann kommt der Musikstil, fast genauso wichtig.
    Preis ist für das was ich kenne sowieso okay.
    Entfernung Max 25 km mit dem Auto oder 50 mit der Bahn.

    Grüsse Gerrie
     
  5. JES

    JES Gehört zum Inventar

    Vor 45 Jahren in meiner Blaskapelle gab es keine Ausbildung. Es hat auch keiner nebenher unterrichtet.
    Wenn du ein Stück/eine Technik nicht konntest war das dann halt dein Problem. Wenn du grundsätzlich Unterricht hattest an musikschule oder privatlehrer war es vielleicht eine Option an den Schwächen zu arbeiten.

    Unterricht ist in meinen Augen immer individuell. Jeder hat eine andere Basis, jeder lernt anders und jeder hat Ziele. Ein guter Lehrer bzw ein gutes Lernkonzept geht auf diese Aspekte ein (mich stört etwas das ganze nur auf ein menschliches Problem runterzubrechen).
     
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  6. Gerrie

    Gerrie Strebt nach Höherem



    Deswegen mein Hinweis, dass ich nur für meine Region sprechen kann.

    Das ist schon ein spezieller Weg. Alle autodidaktisch unterwegs?

    Du hast ja auch geschrieben dass Du keine Noten lesen kannst.
    Notenlesen und Theorie war bei uns Vorraussetzung um überhaupt mit dem Instrument anzufangen.

    Grüße Gerrie
     
  7. gaga

    gaga Gehört zum Inventar

    1960 in Varel (Nordsee) gab es nur einen Spielmannszug. Ich war 12 und "musste" Klarinette spielen lernen wegen Monty Sunshine, Mister Acker Bilk und Sidney Bechet. 80 DM für ne olle C-Klarinette verdient und gelernt, was das Zeug hielt. Eine klassische Schule gab mir den Rahmen, die Aufnahmen meiner Helden waren Motivation genug. Zur Konfirmation endlich eine "richtige" Klarinette, meinen Freund zu nem Banjo überredet, der Rest war Üben, Proben, Platten hören (mein Freund war nicht ganz so knapp wie ich).

    Ich wusste früh, dass es ohne Unterricht bzw Geld dafür mit einem Studium nix wird, noch ein Grund war der Jazz als Leidenschaft und null Zugang zur bürgerlichen Musik. Wegen Sidney Bechet musste noch ein Sopran her, mit 14 am Hafen, am Bau oder in der Ziegelei die großen Ferien durchzuarbeiten war für uns damals normal und die Herbstferien hießen ja nicht umsonst Kartoffelferien.

    Kurz: ich bin mein Leben lang immer Autodidakt geblieben, erst aus der Not heraus, aber irgendwann wird es - auch in vielen anderen Bereichen - zur Methode.
     
  8. JTM

    JTM Ist fast schon zuhause hier

    Ich persönlich finde,das mit Abstand am wichtigsten beim Lehren ist,den Schüler motivieren zu können,und zwar jede Stunde aufs Neue
     
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  9. Tobias Haecker

    Tobias Haecker Ist fast schon zuhause hier

    Hmm,

    in meiner Wahrnehmung, gibt's hier nur sehr wenige, die sich skeptisch zu Unterricht äußern. Und da bin ich bei denen auch überzeugt, dass es nicht daran lag, dass die so schlechte Erfahrungen mit Unterricht hatten sondern eher, dass das Menschen sind, die kein Feedback abkönnen...

    Im Gegenteil, nehme ich es eher so wahr, dass die Einstellung zu Unterricht deutlich positiver ist als noch vor 10/20 Jahren, als ich ich das erste mal in den Foren aktiv war. Ich meine, dass auch weniger Autodidakten noch unterwegs sind.
    Kann natürlich sein, dass sich die Autodidakten jetzt weniger als solche präsentieren. Vielleicht gab es einen Culture Shift da Coaching und Mentoring für Erwachsene deutlich trendiger geworden sind. Vielleicht lieg ich mit meiner Wahrnehmung auch falsch.

    ... Absatz vom mod gelöscht ...

    Kurz meine persönliche Meinung zum Saxophon Unterricht. Ich habe von meinen Schülern wahrscheinlich ähnlich viel gelernt wie sie von mir und ich lerne da immer noch.

    Und ja, Chemie muss stimmen und Lehrer gibt's auch in unterschiedlicher Kompetenz. Vor 10 Jahren war ich auch noch nicht so weit wie heute. In 10 Jahren werde ich wahrscheinlich (hoffentlich) auch ein besserer Lehrer als jetzt sein.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 8.Februar.2026
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  10. khayman

    khayman Ist fast schon zuhause hier

    Ich habe diesen Satz rausgepickt, weil Du hier die Kreativität einbringst.
    Ich denke, dass nur ein recht überschaubarer Anteil an Hobbymusikern wirklich kreativ musiziert, sondern eher die Noten runterspielt, die einem vorgelegt werden.

    Meine Kindern haben und hatten in den letzten 15 Jahren ca. 8 Instrumentallehrer an zwei verschiedenen städtischen Musikschulen. Da wurde leider nur sehr wenig Wert auf Kreativität und (spielerisch) Neues entdecken Wert gelegt. Was Du @ppue zur Vor-/Nacharbeit schreibst klingt super, machen aber nicht viele Musiklehrer.

    Instrumentalschule Band 1, dann Band 2, dann kommen Etüden dazu..... aus beiden Kindern sind gute Musiker geworden, aber (noch) keine kreativen Künstler.
    Natürlich gibt es ein paar Schüler, die von selber auf die Idee kommen und ausprobieren und mal über den Tellerrand schauen, aber das sind nur ganz wenige. Und wenn diese wenigen Schüler auch noch das Glück haben und auf einen Instrumentallehrer treffen.... herzlichen Glückwunsch!
     
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  11. JES

    JES Gehört zum Inventar

    Entweder Autodidakten, oder eben Privatlehrer bzw städt. Musikschule. Nur, so Kooperationen wie heute üblich gab es nicht.
    Die Realität war aber wie heute an den Schulen. Man übt nicht, man kann es nicht und damit es nicht zu übel wird, senkt man das Niveau der Stücke... Deshalb bin ich da weg.

    Ich kann Noten lesen, nur nicht gut danach spielen. Stell dir vor du kannst das Alphabet, du kannst einfache Worte lesen, aber keine komplizierten Sätze. Ich habe mal im Netz die Stücke für D1(bronze) angeschaut, die spiele ich so vom Blatt, inkl aller Artikulationszeichen etc. . Bei D2(silber) sind da schon Stücke dabei, da sind Stellen drin, da müsste ich dran arbeiten (so ein take five bspw. Wenn ich das nicht kennen würde, nie gehört hätte, würde das vom Blatt ohne vorübung eher nicht laufen oder nur langsam). D3 weiß ich nicht... Da will ich nicht hin (was hier ja einige nicht verstehen, dass es Richtungen gibt, die man nicht gehen will).
    Theorie weiß ich nicht, was da verlangt wird. Da ich mit der Trompete ev doch mal irgendwo mitspielen will, wird mir mein Lehrer schon sagen, was da nötig ist. Das lerne ich dann aber einmalig, und nicht mit dem Saxlehrer noch mal (oder doch, der erklärt praxisnah...). Mit dem Sax habe ich diese Ambitionen eher nicht, mit der Klarinette gar nicht.
     
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  12. ppue

    ppue Mod Experte

    Ja, das ist ein wenig schade.

    Ich glaube aber auch, dass man nicht kreativ wird. Man ist kreativ oder nicht. Oder besser gesagt: Ich kenne kein Kind, das nicht kreativ ist. Es ist dann eher die Frage, wann und wo es diese Kreativität verloren hat. Und warum?
     
  13. Silver

    Silver Gehört zum Inventar

    Jeder Mensch ist kreativ.
    Es ist aber wie ein Muskel, den man bewegt - oder nicht.

    Techniken zur Kreativität kann man lernen und anwenden - und damit den „Muskel“ trainieren - sogar, wenn der von Jahrzehnten auf der Couch verkümmert ist. Geht halt dann langsamer.
     
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  14. Otfried

    Otfried Gehört zum Inventar

    Ich bin, erst notgedrungen, später aus Überzeugung völliger Autodidakt, Saxophon, Querflöte und Klarinette, sowie Perkussionsinstrumente betreffend.

    Was nicht heißt, dass ich keine Lehrer hatte, denn erstens hatte ich schon als Kind Blockflöten-, Klavier- und Geigenunterricht.

    Und zweitens hatte ich das große Glück, kaum, dass ich die Querflöte halten konnte, auch schon in einer Band mitspielen zu dürfen, und seitdem, immerhin mehr als 45 Jahre, habe ich immer in musikalischen Zusammenhängen, Bands und Ensembles musiziert.

    Nicht immer, aber ganz oft waren meine Mitmusiker mir in mancher Hinsicht sehr überlegen, so dass es für mich immer viel zu lernen gab, und Ensemblespiel schult ohnehin sehr.

    Zudem habe ich die Rückmeldungen über mein Spiel, auch wenn sie mir zunächst sauer aufstießen meist dann doch auch mal ernsthaft bedacht, und daran gearbeitet.

    Seit der Zeit des Internets, Youtube und Konsorten kann man sich zudem beliebig viel Material anschauen, und anhören und alles mögliche ausprobieren. Ein unendlicher und sicher auch oft verwirrender Fundus.

    Was ich mir immer behalten habe, ist die Neugierde, Neues zu erfahren und zu entdecken, klanglich, musikalisch, technisch.

    Das war auch von Anfang an meine größte Antriebsfeder.

    Gruß,
    Otfried
     
  15. AltoBari

    AltoBari Ist fast schon zuhause hier

    In meiner Region gibt es ein Jugendblasorchester, welches mittlerweile umbenannt wurde, aber immer noch nach demselben Prinzip vorzugehen scheint.
    Ich bin ja noch in einer Zeit aufgewachsen, welcher Erwachsene mit Respekt und gewisser Ehrfurcht betrachtet wurden,
    was nachträglich gesehen für mich persönlich sehr hilfreich war.
    Habe im Grundschulalter bereits selbst erlebt, wie ein Mädchen vor mir Ihr Instrument angesetzt hat und nach, lassen wir es 2 Minuten gewesen sein,
    vom Lehrer vor die Tür gebeten wurde mit den Worten: "ungeübt brauchst Du erst gar nicht zu kommen"...
    Der Mensch war top und ist bis heute in der Region mit eigener Bigband tätig und unterrichtet meines Wissens neben zahlreichen anderen Projekten am Konservatorium;
    studierter Musiker mit Schwerpunkt Klarinette und Saxophon.

    Hatte dann noch im Rahmen des Vereins den ein oder anderen Lehrer; war super, aus zig Perspektiven zu lernen. Nur einer war nicht der Hit...bei uns würde man sagen "Fauler Hund".

    Mit 18 hatte ich den letzten Lehrer. Super älterer Herr (Gott hab ihn seelig),
    mit dem ich mich zuletzt immer privat getroffen habe und wir teils 3 Stunden an einem Tag gespielt haben und uns insbesondere auf Duette konzentriert haben. Das hat mir persönlich sehr sehr viel gebracht. Möchte diese Zeit meiner Jugend nicht missen!

    Das Orchester bildet dual aus. Bevor man mitspielen darf,
    erst einmal wochenlanger Theorieunterricht, in welchem man erst mal lernt, Musiknoten überhaupt zu lesen...also von Grund auf bis zur Bläserprüfung.
    Sobald der Instrumentalunterricht fruchtet, dann Vororchester...hier Erfahrung sammeln, mit anderen zu Spielen und das Wissen,
    dass der Dirigent nicht nur Verzierung ist ;-)

    Damals hiess es noch; der Weg zum Sax führe über die Klarinette.
    War damals völlig i.O. für mich, da man auch später (Zeitalter Stadtkapelle) immer beide Instrumente benötigte.

    Mein Vorteil damals war, binnen 4 Wochen Altsaxophon grundlegend, also Griffweise und ohne Quietschtöne zu beherrschen.
    Jahre / Jahrzente später Klarinette verkauft, Tenorsax verkauft. Das ehem. Altsax, ein Yamaha YAS62 spiele ich noch heute.
    Einzig hinzugekommen sind ein Sopransax und Irish Whistles, welche ich mir autodidaktisch und mit ausschl. Anleitung diverser YouTube-Videos selbst beigebracht habe.
    Ein paar andere Insturmente habe ich auch ausprobiert und auch heute noch ab und zu im Einsatz...würde aber den Rahmen hier unnötig pushen.

    Gedankengang: damals war es noch was Besonderes, in einer Kapelle bzw. Orchester mitspielen zu dürfen.
    Heutzutage habe ich sehr oft das Gefühl, dass es besonders für die Eltern wichtig zu sein scheint, dass Ihre Kinder "selbstverständlich" neben zahlreichen sportlichen Aktivitäten zumindest ein Musikinstrument beherrschen "müssen".
    Gehört wohl sprichwörtlich zum "guten Ton" ;-)
     
    Zuletzt bearbeitet: 9.Februar.2026
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  16. Gerrie

    Gerrie Strebt nach Höherem

    Bin auch der Überzeugung, dass Ensemble viel bringt. Ich habe auch das Glück mit guten Musiker unterwegs zu sein.
    Für das letzte Konzert haben die Bassistin und ich mit dem Bari eine Registerprobe gemacht bei der es zu 80% um die Optimierung der Intonation ging.
    Dem Band Leader ist es in der nächsten Probe gleich aufgefallen.
    Das lernt man im stillen Kämmerlein nicht.

    Kritik ist ebenso hilfreich. Ich versuche umzusetzen was machbar ist.
    Ein Freund ist Dirigent, wir haben aber noch nie zusammen musiziert, sagte mir mal
    „Wenn Du vom Band Leader oder dem Dirigenten kritisiert wirst solltest Du Dich freuen. Keinesfalls ungerecht behandelt fühlen weil er es bei Anderen die mehr Fehler machen nicht tut. Bei Dir hat er die Hoffnung dass Du es besser hinbekommst.“

    Im Ensemble muss man auch mal was spielen was man sonst meidet. Da waren Stücke dabei die ich nie ausgesucht hätte und dachte, ob das was wird.
    Plötzlich gefällt es und mit etwas Fleiß kriegt man es hin. Erweitert den Horizont auf jeden Fall.

    Grüsse Gerrie
     
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  17. Calymne

    Calymne Ist fast schon zuhause hier

    Wenn das Niveau des Orchesters das hergibt, finde ich das völlig in Ordnung. Bevor ne Person kommt, die meint sie wäre ganz toll und bringt dann alles durcheinander, weil sie Einsätze verpennt, schief spielt oder den Rhythmus nicht halten kann.

    Letztens habe ich ein Orchester in einem Nachbarort angeschrieben, da kam dann zurück: "Danke fürs Interesse, aber wir haben genug Saxophone. Außerdem haben wir ein Vorchester (mit B1-Schein Voraussetzung) aus dem die Leute erstmal Vorrang haben. Und für das Hauptorchester braucht man bei uns sowieso ein B2-Schein."

    Wenn die so viel Andrang haben, dass sie so aussieben können, dann ist das eben so.
    Ich kann damit (noch) nicht dienen, ich hatte nicht vor fürs Hobbyspielen eine Prüfung abzulegen.

    Aber, wie viele Hobbyorchester auf dem Niveau gibt's denn?
    Hier in der Nähe nicht sooo viele.

    Hier sind die ganzen Kleingruppen-Blasorchester, die auf Schützenfeste gehen und für Dorffeste spielen.

    Da kann man einfach einsteigen und wenn man nicht mitkommt, macht man das was geht, übt, geht zu den Proben und halt noch nicht zu den Auftritten. Oder spielt eben die 3-4 Titel einfach nicht mit
    Diese - ich nenn sie mal "Spielgruppen" haben alle Nachwuchsmangel.
    Die sind froh, wenn da überhaupt mal jemand Neues kommt, mit Glück dann auch noch wer Jüngeres.

    Manche sind dann noch so locker organisiert, dass da teilweise nicht mal regelmäßig zu den Proben gegangen wird. Gut, dann kann man halt auch nicht wirklich neue Stücke üben, wenn immer nur die Hälfte da ist, bringt das nicht so viel. Und das Spielniveau bleibt halt gleich.

    Für mich wars immer die größte Motivation mit anderen zu spielen. Die 4 Solotakte, die ich 24 auf den Weihnachtsmärkten noch nicht ansatzweise konnte, liefen 25 fast perfekt.

    Schön, dass das heute anders ist. Wenn ich hätte Klarinette lernen wollen, dann hätte ich Klarinette gelernt. Ich finde das völlig sinnfrei, erst ein anderes Instrument spielen zu sollen, wenn man das gar nicht möchte. Ich wüsste auch nicht, wie ich das meinem Kind hätte vermitteln sollen.

    Keine Ahnung, ob es zum guten Ton gehört. Ich habe mir auch gewünscht, dass unsere Tochter ein Instrument spielt, weil ich es für die persönliche und die Gehirnentwicklung wichtig finde.
    Grad Musik tut so viel. Es hätte aber auch ein anderes künstlerisches Hobby sein können.

    Sie spielt jetzt seit drei (?) Jahren - auch wenn es "nur" Schlagzeug ist und sie, wie viele Kinder, leider kaum übt. Aber es macht ihr Spaß und sie kommt im Unterricht ohne viel Üben tatsächlich noch weiter.
    Was mir nur zeigt, wieviel besser sie sein könnte mit üben...
    Ich weiß aber nicht, was sie für einen Antrieb hat, spielen zu wollen. Das hat sie mir noch nicht gesagt. Aber das ist dann ein anderes Thema.

    Seh ich auch so. Ist nur schwierig, weil halt nicht jeder Mensch die gleiche Motivation benötigt :)

    Ich hatte mal eine Weile Lateinnachhilfe vom Vater eines Mitschülers. In den ich total verknallt war (den Schüler, nicht den Vater!)
    Die beste Motivation war für mich also, wenn ich wusste, dass er seinen Sohn mitbringt. Da wollte ich mich natürlich so wenig wie möglich blamieren und habe mir von den zu übersetzenden Stücken schon immer die fiesesten Vokabeln vorher rausgesucht und versucht zu lernen... :D

    Ich weiß nur nicht, ob und wie ich das jetzt gute 30 Jahre später auf Saxunterricht ummünzen könnte :cool:
     
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  18. JTM

    JTM Ist fast schon zuhause hier

    Das ist die Hauptaufgabe eines Lehrers, das rauszufinden. Als Lehrer bist du auch Psychologe, Motivatir und Antreiber gleichzeitig.
    Ich habe das lange genug gemacht
     
  19. khayman

    khayman Ist fast schon zuhause hier

    Mein erster Saxophonlehrer hatte mir mal erzählt, dass er es schwierig fand, mit den verschiedensten Schülern umzugehen, Motivation und Talent in den unterschiedlichsten Kombinationen. Nach einer Weile hat er es sich aber zur Aufgabe gemacht, jeden einzelnen Schüler so anzunehmen wie er/sie/es ist und rauszufinden, wie die Zusammenarbeit am besten klappt. Das fand ich eine tolle Motivation. Hier ging es allerdings um Kinder/Jugendliche.
    Bei Erwachsenen arbeitet er anders, da wird mit dem Instrumentalschüler gemeinsam das mittelfristige Ziel besprochen und dann bietet er einen Weg dorthin an.
     
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  20. gaga

    gaga Gehört zum Inventar

    Der Hintergrund ist der, dass das Saxophon lange nicht als vollwertiges Instrument gesehen wurde - und in ganz verstockten Klassikfankreisen noch wird. Ein bischen Nazieinfluss (Jazz= entartete Musik, "Negermusik" hielt sich noch lange), mangelnde Tradition des Saxophons und die Arroganz der Etablierten.
     
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