Saxophon lernen - Saxophon lehren

Dieses Thema im Forum "Saxophon spielen" wurde erstellt von ppue, 8.Februar.2026.

  1. Florentin

    Florentin Strebt nach Höherem

    Das war zu meiner Zeit auch so (Mitte 70er).

    Dafür gab es mehrere Gründe, und ich finde es immer noch nicht verwerflich.

    Der Umstieg von der Klarinette zum Sax ist relativ einfach (jedenfalls deutlich einfacher als anders rum).

    Und damals hatten praktisch alle Leute, die Saxophon spielten und unterrichteten, selbst erst Klarinette gelernt. Ein offizielles Saxophonstudium gab es ja davor (Krieg) nicht. Auch Max Greger z.B. war ursprünglich Klarinettist.

    Mich hat hauptsächlich Saxophon angezogen. Dann habe ich aber ganz rational überlegt, dass man mit Klarinette viel mehr Möglichkeiten hat. Und das habe ich nie bereut. Mein Klarinettenlehrer allerdings durfte nie erfahren, dass ich nebenbei auch noch etwas Saxophon ausprobierte (mit einem geliehenen Instrument eines Bekannten). Die Klarinettenlehrer waren überzeugt davon, dass Saxophonspielen schlecht ist für einen schönen klassischen Ton auf der Klarinette. Da ist sicher was dran.
     
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  2. gaga

    gaga Gehört zum Inventar

    " Da ist sicher was dran". Damit transportiert du diese Vermutung mit vielleicht nur ideologischem Hintergrund ungeprüft weiter in die Zukunft.
     
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  3. JES

    JES Gehört zum Inventar

    Du hast aber auch keinen Beweis für das Gegenteil.
    Da ich nun beides gelernt habe erlaube ich mir mal diese "Vermutung" mit eigenen Erfahrungen zu relativieren, weil sooo falsch finde ich sie nicht.
    Zumindest zu meiner Zeit war die Ausbildung auf der Klarinette zumindest anfänglich sehr klassisch ausgerichtet. Man musste sauber spielen, genau zählen, den ton stabil halten... Präzision. Erst später ging es weg von der klassik über Volksmusik zum Dixie und Swing, wo man sich im Ton gewisse unsauberkeiten erlauben durfte, dafür wurden dann die Finger durch schnelle Linien gefordert.
    Zumindest die saxophonausbildung, die ich bisher bei verschiedenen musikschulen und einzellehrern erleben durfte, war da viel weniger diszipliniert, viel weniger stilübergreifend, letztlich weniger anspruchsvoll.
    All das ist ein subjektiver Eindruck, hat nur bedingt was mit den Instrumenten selbst zu tun, sondern eher mit den schulungskonzepten dahinter. Ich halte es daher tatsächlich für den besseren Weg mit Klarinette zu beginnen und dann zu wechseln, müssen muss man nicht.
     
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  4. Bereckis

    Bereckis Gehört zum Inventar

    Es gibt keinen Grund erst Klarinette zu lernen, wenn man Saxofon spielen möchte.

    Ich kenne heute auch keine Musikschule, die diese veraltete und vermutlich auch historisch bedingte Vorstellung noch vertritt.

    Als ich 1983 mit dem Saxofon begann, unterrichteten die meisten Lehrer der großen städtischen Musikschule nur Saxofon. An kleineren Musikschulen müssen die Lehrer häufig Saxofon und Klarinette unterrichten.

    Ich hatte immer darauf geachtet, dass meine Lehrer als Erstinstrument mein gewünschtes Instrument spielten.

    Mich würde sehr interessieren, wie der Altersdurchschnitt hier im Forum ist. Manchmal glaube ich, dass ich mit 65 Jahren noch zu den jüngeren Foristen gehöre.
     
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  5. ppue

    ppue Mod Experte

    Zur umfassenden Ausbildung eines Schnabelinstrumentalisten gehören Klarinette und Saxophon. Das hat nicht nur historische Gründe. In Sinfonieorchestern spielen die Klarinettisten, so es mal sein muss, auch Saxophon. Und in Big Bands spielen die Saxophonisten, wenn es sein muss, auch mal Klarinette. Da sollte man sogar noch Querflöte spielen können.

    Als Meisterschüler an der Klarinette war es, zumindest in den 70ern, nicht gern gesehen, wenn man noch Saxophon spielte. Das verdirbt den Ansatz. Wie das heutzutage gehandhabt wird, weiß ich nicht.
     
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  6. Calymne

    Calymne Ist fast schon zuhause hier

    hm also ehrlich:
    - ja, es ist toll wenn man viele verschiedene Instrumente gut (!) spielen kann.
    - ja, auch Klarinette ist ein schönes Instrument und klingt in meinen Ohren auch zumindest untenrum sehr schön. Tief mag ich ja generell lieber. Ne Bassklarinette hat schon einen richtig geilen Sound...
    - ja, die Erläuterung mit der klassischen Ausbildung und der Klarinette ist schlüssig. Für Musikstudenten und Berufsmusiker.

    Aber: zum Glück sind wir ja weiter. Wenn ich Berufsmusikerin wäre, dann wäre es völlig in Ordnung noch ein 2. oder 3. Instrument zu haben. Oder noch mehr, egal.
    Es gibt viele Instrumente, die ich toll finde. Ganz realistisch muss ich aber sagen: ich habe nicht nur Musik als Hobby und ich habe keine Kapazitäten, ein weiteres Instrument _ordentlich_ zu lernen. Ich muss schon aufpassen, dass ich noch regelmäßig in die Tasten haue, damit ich das nicht verlerne was ich mir in 4 mühseligen Jahren als Erwachsene angeeignet habe.
    Das höchste der Gefühle ist absehbar ein Barisax, oder gleich Bass? Da hab ich auch tief, muss aber keine Griffe oder einen völlig anderen Ansatz neu lernen.

    Vielleicht sieht das zur Rente dann anders aus wenn ich mehr Zeit habe, wer weiß das jetzt schon, hab ja noch mindestens 20 Jahre zu arbeiten...
     
    Zuletzt bearbeitet: 9.Februar.2026
  7. khayman

    khayman Ist fast schon zuhause hier

    Altherrenforum und ein paar jüngere Damen :duck:

    Schnell noch bearbeiten:
    Das ist ein Scherz und niemand sollte beleidigt sein!!! Wenn doch, tut es mir ein bisschen leid.
     
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  8. gaga

    gaga Gehört zum Inventar

    Smetana. Das wars dann schon, oder?

    Kannze ausrechnen...:cool: Addieren, durch zwei, dann haste den Altersdurchschnitt...:applaus:
     
  9. Bereckis

    Bereckis Gehört zum Inventar

    Wenn du heute Saxofon studieren willst (egal Klassik, Jazz oder sonstiges), dann ist Saxofon dein Hauptinstrument und in der Regel Klavier bzw. Gitarre als Harmonieinstrument pflichtig.

    Dies gilt für Bachelor und Master.

    Für Saxofon gibt es in klassischen sinfonischen Orchestern in der Regel keine Saxofonstellen. In Berufsblasorchestern sucht man eher Klarinetten mit Verpflichtung zu Saxofon. Dann ist das Saxofon eindeutig das Zweitinstrument.

    In professionellen Bigbands ist das Doublen auf Klarinette und/oder Flöte praktisch Standardanforderung für Saxofonisten. Das Saxofon ist dann eindeutig das Hauptinstrument.

    In kleinen Musikschulen wirst du als studierter Saxofonist häufig auch Klarinette unterrichten müssen, wenn du die Stelle bekommen möchtest.

    Dies sind Anforderungen des Marktes, aber keine pädagogischen Anforderungen.

    @ppue Ich hatte es bei dir in Erinnerung, dass du "nur" Klarinette studiert hast und Saxofon von dir selber dazu gekommen ist?

    Laut Aussage meines studierten Saxofonlehrers würde heute im professionellen Klarinettenstudium ein modernerer Ansatz propagiert. Er kennt sehr viele Berufsklarinettisten seines Alters (44 Jahre), die den moderneren Ansatz spielen und lehren. Allerdings gibt es gerade im deutschsprachigen Raum noch sehr viele konservative Schulen.
     
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  10. AltoBari

    AltoBari Ist fast schon zuhause hier

    Bei uns in Bayern gehört Klarinette im Grunde zum Standard, wenn im Bierzelt oder Volksfesten spielen möchtest.
    Mir hat es nicht geschadet...ganz im Gegenteil...nach sämtlichen 16tel-Passagen und relativ großem Tonumfang bist zum einen mit den Fingern rasend schnell und Staccato brauchst auf dem Sax nicht mehr zu üben ;-)
    P.S.: ausserdem hat es zu seiner Zeit Spaß gemacht, da auch die Mädls im Register nicht ganz ohne (sprichwörtlich "hübsch") waren ;-)
     
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  11. ppue

    ppue Mod Experte

    Ja, alles richtig, Aber auch alles so, wie es vor 50 Jahren auch war und alles auch schon so beschrieben. Außer, dass ich weder Jazz noch Saxophon studieren konnte.

    Der moderne Ansatz, na ja, ist eher eine Modeerscheinung. Wenn du professionell Musik machst, spielst du so viel, dass du mit der Unterlippe, ohne Zuhilfenahme der Zähne, den Ansatz halten kannst.
    Als Anfänger kannst du gar nichts anderes tun, als deine Unterlippe als Kissen zwischen Blatt und Zähne legen. Der Druck wird dann mit dem Unterkiefer aufgebaut und schnell ist die Lippe durch. Der Lehrer sagt dann: du beißt. Hat er ja recht, nur kann der arme Schüler gar nicht anders. Hat ja noch nicht einmal 'ne kleine Hornhaut auf der Lippe, geschweige denn Muskeln aufgebaut.

    Irgendein findiger Lehrer hat dann festgestellt, dass er so viel Kraft in der Unterlippe hat, auf dass er sie nicht mehr über die Zähne legen muss, sondern dass sie mit eigener Kraft den Ansatz halten kann. Hat er dann "modernen Ansatz" genannt. In aller Regel spielt jeder Profi einen mehr oder weniger modernen Ansatz, kann ihn alleine mit seiner Lippe halten und lehnt die Unterlippe nur noch mehr oder weniger an die Zähne an.
    Der Übergang vom "alten" zum "modernen" Ansatz ist fließend.

    Der Begriff "moderner" Ansatz ist bezeichnenderweise so ziemlich genauso alt, wie das Angebot des Saxophonstudiums. Vorher hat das überhaupt keinen interessiert, wie du die Töne aus dem Horn bringst. Klingen musste es und dann war gut. Erst ab den 1980ern gab es dann den akademischen Ansatz (-;
     
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  12. JES

    JES Gehört zum Inventar

    Das ist nicht nur in Bayern so, obwohl dort Volksmusik einen anderen Standard hat.
    M.E. ist aber auch die Volks-bzw Hausmusik durchaus auch ein Grund: es war einfach eine Klarinette zu bekommen bzw im Haushalt war bereits eine vorhanden (so wie bei meinen Eltern). Bei meinen Großeltern war es noch extremer. Da stand selbstverständlich ein Klavier, es gab ne Geige und ein Cello, besagte Klarinette.. und die obligatorische Blockflöte. Erst mal mit Klarinette anfangen hieß zum einen, man konnte auf der Blockflöte aufbauen, zum anderen blieben den Eltern Investitionen erspart (Saxophone waren gemessen am Einkommen mal richtig teuer), besonders, wenn der Nachwuchs sich als untalentiert oder unmotiviert zeigte.
    Heute ist das viel einfacher. Saxophone kosten nix, bekommst du quasi überall, es sind modernere Musikstile populär, zu denen Saxophon gut passt, und das Internet erleichert Kauf und Verkauf, Ausbildung,.... Hausmusik ist nur noch wenig verbreitet (regional unterschiedlich).
    Ob es aus pädagogischer Sicht sinnvoll ist erst klarinette zu lernen hängt m.E. davon ab, was du mal machen willst. Möchtest du Musik als Hobby kannst spielen, was du willst, womit du willst und kannst anfangen womit du willst. Möchtest du Musik als Beruf, hängt die Entscheidung davon ab, gehst du klassisch, volksmusikalisch oder frühjazzig (Ragtime, Dixie), dann kommst du um Klarinette kaum herum. Willst du eher in die moderne Musik brauchst du die Klarinette nicht.
     
  13. Roland

    Roland Strebt nach Höherem

    Strauss, Sinfonmia Dometica
    Gershwin, American in Paris, Rhapsody in Blue
    Rachmaninoff, Sinfonische Tänze
    Vaughan Williams, Sinfonie 6 und 9,
    Alban Berg, Lulu.
    Bartok, Der holzgeschnitzte Prinz
    Prokofjew, Romeo und Julia
    Ravel, Bilder einer einer UAsstaellung (original für Klavier) und Bolero
    Britten, Sinfonia da Requiem
    ...

    Grüße
    Roland
     
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  14. Roland

    Roland Strebt nach Höherem

    ... und noch gefunden:
    Massenet, Werther
    Puccini, Turandot

    Der 'Londeix Guide To The Saxophone Repertoire' hat immerhin 29k Werke. Ja, natürlich, draunter auch viele Transkriptionen und Arrangements. Wollte nur darauf hinweisen: Bei Beschränkung auf klassisches Saxophon und Erlernen von einem Stück pro Tag ist man erst einmal ca. 80 Jahre ausgelastet.

    Grüße
    Roland
     
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  15. Otfried

    Otfried Gehört zum Inventar

    Ich finde schon, dass da ein Unterschied ist zwischen früher und heute. Zumindest, wenn ich mir vor Augen führe, was ein befreundeter klassischer Klarinettist mir erzählt hat, wie er Klarinette gelernt hat und auch heute (mit 80) noch spielt.

    Von Voicing, Überblasübungen u.ä, die heute auch im Klarinettenansatz anzutreffen sind, war damals überhaupt keine Rede. Stattdessen wurde auf hammerharten Blättern tatsächlich wie irre rumgebissen.

    Gruß,
    Otfried
     
  16. Sohn der Alpen

    Sohn der Alpen Ist fast schon zuhause hier

    ... was Dir heute wahrscheinlich eine Abmahnung, im schlimmsten Fall eine fristlose Kündigung einbringen würde.
     
  17. Florentin

    Florentin Strebt nach Höherem

    Nein. Nicht ungeprüft. Es geht nur um das Tonideal, um keine Ideologie.
     
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  18. Sohn der Alpen

    Sohn der Alpen Ist fast schon zuhause hier

    Das höre ich von verschiedenen Seiten immer wieder, kann es aber nicht nachvollziehen. Sollte beim Instrumentalunterricht die Motivation nicht vom Schüler ausgehen?
     
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  19. ppue

    ppue Mod Experte

    Das mag dir so vorgekommen sein.

    Wenn du an der Hochschule angenommen wirst, beißt du bestimmt nicht mehr irre auf den hammerharten Blättern rum. Natürlich spielt man Esser Solo 3 1/2. Das gehört zum guten Ton. Dafür sind die Mundstücke keine Scheunentore. Macht man das heutzutage anders?

    Was ansonsten die Inhalte des Unterrichts betrifft, hat sich sicherlich etwas verändert. Darüber schrub ich nicht. Ich denke aber, dass sich am Tonideal der klassischen Klarinette nicht gerade viel geändert hat.


    Ja, vor allem bei Erwachsenen, die sich aber leider immer oft noch ähnlich positionieren, als säßen sie auf der Schulbank.
     
    giuseppe gefällt das.
  20. Calymne

    Calymne Ist fast schon zuhause hier

    Doch klar. Vielleicht sollte man es eher "begeistern" statt motivieren nennen. Also ich will ein gewisses Feuer für das Instrument rausspüren, das motiviert dann wieder, wenn es mal nicht so gut läuft.
    Ich kriegs grad nicht richtig formuliert.
     
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