Was genau ist eine Generalüberholung

Dieses Thema im Forum "Reparatur und Instandhaltung" wurde erstellt von JTM, 27.März.2026.

  1. Spacecat

    Spacecat Ist fast schon zuhause hier


    ich widerspreche gleich.....:ironie:

    Nein, das ist ein Spaß!

    Trotzdem kurz meine Erfahrung mit einem "Risiko-Eingriff" an Oberfläche kurz erwähnt. Es ist aber kein wertvolles Vintage Instrument. Mein Wunsch war Entlackung im Zuge einer Überholung. Mit Toko abgesprochen, Risiko lag bei mir, denn Ergebnis kann im Voraus nicht sicher als Verbesserung vorausgesetzt werden. Ergebnis für mich sehr gut. Hier wird der Grund die absolute Top-Generalüberholung durch Toko sein. Eine grundsätzliche Verschlechterung hätten wir aber sicher bemerkt. Das Saxophon ist für mich extrem gut geworden, und steht für mich noch immer vor den anderen neueren Modellen des Herstellers.
     
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  2. JES

    JES Gehört zum Inventar

    Ich nicht....
     
  3. Shorty

    Shorty Ist fast schon zuhause hier

    Hallo Toko,

    mich interessiert das technisch. Was läuft mit der Originallagerung und Finetuning da schief?
    Bleibt die Lagerung nicht wie gewünscht in der Spur und es verschiebt sich radial immer wieder?

    Gruß
    Shorty
     
  4. Toko

    Toko Ist fast schon zuhause hier

    Hi,

    im Rörchenemde ist eine Messinghülse die auf einer Feder gelagert ist. Der Sinn soll sein, dass dieses Röhrchen von der Feder gegen die Spitzsvhraibe gedrückt wird. Dadurch soll vermieden werden, dass radiales Spiel entsteht.
    Damit das funktionieren kann muss aber so viel Beweglichkeit da sein, dass die Hülse im Röhrchen auch Bewegungsfreiheit hat.
    Das ist dann aber manchmal schon zu viel. Du merkst es dann gerade bei der Feinjustage von tief H zu tief Cis, dass dies dort wenn überhaupt nur sehr selten Perfekt machbar ist. Gibt aber auch noch Bereiche in der linken Hand etc. mit gleicher Problematik.

    Ohne Umbau lässt sich das nicht perfekt lösen.

    Gruß ToKo
     
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  5. Shorty

    Shorty Ist fast schon zuhause hier

    das heißt, der Mechanismus "Feder drückt gegen Röhrchen drückt gegen Spitzschraube" funktioniert nicht richtig, da die Abstimmung
    mit der Feder nicht passt? Rein theoretisch müsste ja das Spiel raus sein, sofern das Röhrchen genügend gegen die Spitzschraube
    drückt. Aber wie so öfters, Theorie und Praxis.......
     
  6. scientist

    scientist Kann einfach nicht wegbleiben

    Interessantes Thema... Ich hab tatsächlich nie eine Generalüberholung machen lassen. Mein altsax hab ich seit 22 Jahren, beim Service lass ich nur machen was nötig ist (wozu auch etwas austauschen, was funktioniert) und Kleinigkeiten mach ich selber. Allerdings wirklich nur Kleinigkeiten, aber mit ein bisschen Pflege spart man sich vielleicht das eine oder andere Service.

    Ich dachte zunächst (in dem anderen Thread) es wäre ein größeres Service gemeint, wo nicht nur das Nötigste sondern deutlich mehr gemacht wird. Aber genau Definition wüsste ich ehrlich gesagt keine.
    Komplett zerlegen und neu lackieren sowie alles an Polstern und Federn ersetzen würde für mich schon unter Restaurieren fallen, aber nur eine Meinung/Vermutung.

    Aber ich hatte im anderen Thread zuletzt auch den Eindruck, dass mir Generalüberholung jeder was anderes meint.
     
  7. Toko

    Toko Ist fast schon zuhause hier

    So ungefähr meine ich das. Damit sich die Hülse im Röhrchen bewegen kann, darf diese ja nicht zu stramm sitzen. Ich glaub ich muss das bei Gelegemheit mal im Video zeigen.
    Auf jedenfall führt es dazu, dass Klappeneinstellungen bei leichtestem Druck nur über- oder unterreguliert möglich sind, und das ist es was wir nicht anstreben.

    Gruß ToKo
     
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  8. Shorty

    Shorty Ist fast schon zuhause hier

    ja - gerne Video wenn möglich bzw. wenn du mal Zeit dafür hast. Mechanik interessiert mich.

    Danke vorab und Gruß
    Shorty
     
  9. Spacecat

    Spacecat Ist fast schon zuhause hier

    danke für die sehr interessanten Informationen @Toko und @Shorty
    Ein Saxophon asiatischer Herkunft hatte das mal, und ich dachte noch, dass dies ganz gut ist.

    Wäre das auf dem Bild gezeigte Teil dann so ein Mechanismus?

    BlueRose_Achsen_Federlager02.jpg
     
  10. bluemike

    bluemike Ist fast schon zuhause hier

    Hi,

    nicht eher axiales? Die Feder soll das eventuelle Spiel längs der Achse ausgleichen. Und ja, das ist ein :poop:-Mechanismus.
     
  11. Shorty

    Shorty Ist fast schon zuhause hier

    das axiale Spiel müsste für mein Verstländnis durch die Böckchen begrenzt werden, der Röhrchen-Federmechanismus zentriert die Mechanik radial. Das theoretische Problem Spitzschraube und Achsaufnahme ist ja folgendes, du drehst die Spitzschraube rein…. und wird ja nicht begrenzt in axialer Richtung. Hier kann das Röhrchen + Feder nachgeben. Wird aber trotzdem radial zentriert. So die Theorie, Toko berichtet aber hier von Problemen. Und das interessiert mich, was die Probleme sind. Typisch Theorie und Praxis.
     
  12. Toko

    Toko Ist fast schon zuhause hier

    Hi, genauso ist es Shorty. Das achsiale Spiel wird durch die Säulchen und das äußere Röhrchen der Klappe begrenzt. Im inneren der Röhrchen sitzt eine Messinghülse auf einer Feder. Die Feder drückt die Hülse dann nach außen und somit die Hülse an die Spitzschraube. Wie geschrieben, diese Lagerung ist außschließlich bei Spitzschrauben so gebaut.
    Nun soll die Hülse mit der Bohrung für die Spitzschraube gegen jene gedrückt werden, so dass kein radiales Spiel besteht. Hier ist aber das Problem. Die meisten Klappen dieser Spitzschraubenlagerung lassen sich an den Enden radial bewegen, da die Hülse, damit sie sich in der Bohrung bewegen kann einen hauch Toleranz benötigt und die Feder nur eine geringe Kraft hat die Hülse zu bewegen.
    Daher gibt es beim Feintuning dann gerne Probleme. Ist in dieser Lagerung Spiel drückt sich beim gleichzeitigen Schließen zweier Klappen eine oder beide in der Verbindung Hülse-Spitzschraube weg. Willst Du hier also ein gleichzeitiges Decken zweier Klappen bei leichtem Drücken erreichen ist es nur mit Über- oder Unterregulierung möglich und somit nicht perfekt lösbar. Willst du also auch am letzten Cent ein perfektes Ergebnis erreichen ist es so nicht möglich.
    Daher bauen wir dieses um, indem wir die vorhandenen Bauteile umändern, die Feder fliegt ganz weg. Am Ende ist es wie rinr „normale“ Klappe mit einem festen Röhrchen und entsprechender Bohrung.

    Hoffe, dass ist halbwegs verständlich.

    Gruß, ToKo
     
  13. Earl Jay

    Earl Jay Ist fast schon zuhause hier

    Moin Toko,
    rein interessehalber, weil ich mittlerweile ebenso dazu tendiere, solche Mechanik umzubauen: Wie setzt du die inneren Hülsen fest? Löten, Kleben, Schraubenfest?

    VG,
    Jens
     
  14. Toko

    Toko Ist fast schon zuhause hier

    Hi, der Umbau besteht aus vielen Schritten und es ist DEFINITIV zu raten, dies von einer Fachwerkstatt durchführen zu lassen:

    1. Hülse und Federn entnehmen
    2. Feder entfernen
    3. Hülsen und Klappenröhrchen reinigen, entfetten/abölen
    4. Röhrchen innen noch einmal mit einer Reibahle nachreiben, damit das Lot auf der blanken Oberfläche später gut laufen kann
    5. Hülse noch einmal anschleifen (1000er Schmirgel)
    6. Röhrchenende mit 1000er Schmirgel einmal leicht anschmirgeln, damit Lot schnell reinziehen kann
    7. Hülse mit Weichlöt anlöten (Achtung, Selmer Lacke sind extrem Hitze empfindlich, daher ist die Reiningung vorab so wichtig, damit minimale Hitze reicht und kein Lack verbrennt)
    8. Hülse einlöten und mit Röhrchenende bündig abschließen lassen
    9. Die Böhrung der Hülse zylindrisch auf 1,8mm aufbohren
    10. Die Bohrung mit einem speziellen (selbst angerftigen) Dreikantfräser an die Spitzschraube anpassen
    Der letzte Schritt ist mit sehr viel Geduld und Feingefühl durchzuführen, damit nicht durch zu viel Abtrag wieder Spiel entsteht. Am Ende passt Du die Klappen so an wie man es gewöhnlich macht. Merkst Du beim aufarbeiten der Bohrung mit dem Freikantfräser am Ende, dass die Klappe schon nahezu perfekt läuft, reicht es oft aus mit einer Diamantschleifpaste (6µ Körnung) einzuschleifen.

    Gruß, ToKo
     
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  15. Earl Jay

    Earl Jay Ist fast schon zuhause hier

    Hi Toko,
    danke für die ausführliche Erklärung. Bei um die 26 Spitzschrauben definitiv die ausführliche und gründliche Variante. :)
    Und ich bin ja die Fachwerkstatt, also in meinem Fall alles im grünen Bereich. :thumbsup:

    Viele Grüße
    Jens
     
  16. Sax a`la carte

    Sax a`la carte Ist fast schon zuhause hier

    Verstehe ich das falsch, oder ist das wirklich bei allen Selmer ab SA80II der Fall ?
     
  17. Toko

    Toko Ist fast schon zuhause hier

    Ich will jetzt keine falsche Behauptung aufstellen, meine mich aber zu erinnern, dass die ersten SA80II Modelle dies noch nicht hatten, sondern erst im Verlauf der Serie geändert wurden. Aber dafür mag ich partout nicht meine Hand ins Feuer legen, wohl aber, dass es dann recht zeitnah geändert wurde.
    Dieses Manko wurde schon sehr früh auch von anderen Fachwerkstätten moniert. Vor allem, als es zu einem Fachhändler Meeting vor Ort im Selmer Werk kam. Das ist schon um die 25 Jahre her. Es wurde aber nicht geändert. Es wird auch bei dem aktuellen Surpreme so gebaut. Das Signature hatte ich noch nciht zum bearbeiten hier.
    Ich hatte durchaus auch schon Modelle in der Hand, bei denen es, gerade im Neuzustand, sehr gut war. Aber häufiger findest Du Klappen, bei denen es eben nicht passgenau sitzt.

    Gruß, ToKo
     
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  18. Toko

    Toko Ist fast schon zuhause hier

    Wenn man es gut plant und mit System angeht kostet der Aufwand für alle Spitzschrauben Klappen ca. 2-2,5 Stunden Zeit.

    Gruß, ToKo
     
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  19. Earl Jay

    Earl Jay Ist fast schon zuhause hier

    Die beschriebene Methode habe ich ungefähr so schon öfter bei Taiwanhörnern (die ja alle Pseudospitzschrauben verbaut haben) angewendet, nur dass man da eben die ursprüngliche Bohrung aufbohrt und neu gebaute Hülsen einlötet. In dem Fall aber etwas verminderter Aufwand beim Einpassen durch Tausch gegen justierbare Spitzschrauben von Yamaha (die zwar auch nicht das optimalste sind da man sie nie festziehen kann, aber Kostenfrage).
    Sorgt für deutlich leisere und bessere Action bei den Rattelkannen, ist aber ein ordentlicher Aufpreis bei der GR.

    Übrigens hatte ich schon späte Mark VII Altos zu machen, wo die Spitzschraubenpassung ab Werk eine Katastrophe, quasi nicht vorhanden war. Endloses Spiel fast überall.
    Wahrscheinlich hat man bei Selmer irgendwann das Handtuch geworfen und sich für die Federlagerung entschieden, weil man es eh nicht mehr drauf hatte.

    VG
    Jens
     
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  20. Toko

    Toko Ist fast schon zuhause hier

    Hm, dass würde ich nicht zwingend behauten wollen. Ich glaube sogar, dass die alten Hörner generell früher original teils besser auf den Markt kamen, als dass bei den heutigen modernen ist. Was dann über die Jahre damit passiert ist lässt sich so meist nicht sagen. Da haben wir schon die erstaunlichsten Dinge gesehen … Du bestimmt auch.
    Um das wirklich genau bewerten zu können, müsste man diese alten Modelle original ab Werk in der Hand gehabt haben. Oder bist Du mir alters technisch voraus? :-D

    Gruß, ToKo
     
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