Zahnrestauration und Saxophon

Dieses Thema im Forum "Saxophon spielen" wurde erstellt von sax42, 18.Oktober.2025.

  1. sax42

    sax42 Nicht zu schüchtern zum Reden

    Ich habe eine etwas speziellere, aber für mich und meinen weiteren Saxgenuss relevante Frage - vielleicht hat jemand von Euch damit Erfahrung:

    Nach einer sehr länglichen CMD Kieferbehandlung mit einer 24h zu tragenden Schiene (und Saxabstinenz) scheint zumindest im Kiefer nun Ruhe zu sein und eine stabile neue Position gefunden zu sein. Um diese neue Position zu stabilisieren schlägt mein Zahnarzt nun vor, auf quasi alle Zähne Keramikteilkronen und/oder Veneers aufzubringen - dazu muss ein Teil des jeweiligen Zahns abgeschliffen werden und dann wird die Krone aufgeklebt ("dentinadhäsive Vollkeramikrestauration").

    Er meinte, Saxophonspielen könnte ich damit dann aber leider vergessen, denn sonst würden die CMD Beschwerden wieder auftreten und die Veneers könnten das nicht aushalten. Das ist - neben den faszinierenden Kosten - keine gute Perspektive für mich.

    Hat jemand von Euch damit vielleicht Erfahrung und kann zu der Empfehlung "nie mehr Sax" was sagen?

    BG sax42
     
    Al Bundy gefällt das.
  2. Al Bundy

    Al Bundy Kann einfach nicht wegbleiben

    Moin....ich würde mir da unbedingt eine zweite oder dritte Meinung holen. Es gibt nämlich Osteopathen, welche das auch ganz ohne OP behandeln....
     
    dikoki und altoSaxo gefällt das.
  3. quax

    quax Gehört zum Inventar

    Zahnarzt allgemein oder Kieferorthopäde?
     
  4. altoSaxo

    altoSaxo Strebt nach Höherem

    Wenn der Biss stimmt und Stress kein wesentlicher Faktor ist, sollte das Sax alleine doch eigentlich keine CMD verursachen, oder? Evtl. mit der 24h-Schiene testen?

    Das Sax belastet doch bloß die Schneidezähne, ist für die keine andere Lösung denkbar? Die angedachten Veneers für die übrigen Zähne können ja durch das Sax keinen Schaden nehmen.
     
  5. gaga

    gaga Gehört zum Inventar

    Das Saxophonverbot entstammt sicher recht laienhaften Vorstellungen.
    Bevor ich eine Reihe gesunder Zähne überkronen ließe, würde ich mich sicher ganz ganz genau über Alternativen informieren.
     
    giuseppe, Calymne und quax gefällt das.
  6. giuseppe

    giuseppe Gehört zum Inventar

    Schließe mich an. Ich hab keine Ahnung davon, es riecht aber nach Zweiteilung, wenn jemand an all den gesunden Zähnen, an deren letztem mit 95 das Gebiss hängen soll, den Schmelz abschleifen will.
     
  7. Woliko

    Woliko Strebt nach Höherem

    Wenn ich mich richtig erinnere, ist @Lagoona praktizierender Kieferorthopäde. Vielleicht hat er einen Hinweis.
    Und wenn ich auf perplexity.ai nach einer Lösung des Problems frage, wird auch keine solche Radikalkur aufgeführt.
     
  8. sax42

    sax42 Nicht zu schüchtern zum Reden

    Danke Euch, eine (noch qualifiziertere) Zweitmeinung wollte ich ohnehin einholen. Ich hatte aber vermutet, dass in unserer Stichprobe vielleicht jemand ist, der vor dem gleichen Dilemma stand und das dann in der vorgeschlagenen Form durchgezogen hat und daher jetzt berichten kann. Ist vielleicht aber doch zu speziell. Hat vielleicht jemand einen Hinweis auf einen vertrauenswürdigen Zahnarzt im süddeutschen Raum, der mit der Thematik vertraut ist und der auch das Musikmachen nicht als lebensunwichtiges Hobby abtut? Gern PM. @Lagoona werde ich mal anpingen.
     
  9. Lagoona

    Lagoona Ist fast schon zuhause hier

    Hallo.
    Ist nicht mein Fachgebiet, ich bin Implantologe und Parodontologe.
    Ich versuche es dennoch.

    Ziel der Behandlung war es, eine Kiefergelenks-Position zu finden, in der sich die ansetzende Muskulatur entspannt. Das beendet die Schmerzen, schont die Zahnsubstanz und beugt einer Kiefergelenks-Arthrose vor.
    Das ist durch die Schienentherapie, ich vermute in Verbindung mit einer physikalischen Heilmittelverordnung (manuelle Therapie), gelungen.
    Schwer genug zu erreichen!
    Jetzt möchte der Behandler in Absprache mit dem Patienten diese Kiefergelenksposition "sichern", so dass die Schiene nicht mehr 24 Stunden getragen werden muss und die Zähne von sax42 sich in dieser Positon treffen. Der Biss wird umgestellt.
    Das geht nur über eine prophetische Bisshebung, in diesem Falle durch festsitzenden Zahnersatz, Kronen und Veneers ( auch wenn der Begriff Zahnersatz irreführend ist, denn es wird ja nur Zahnsubstanz ersetzt).

    Jetzt ist es natürlich individuell unterschiedlich. Wie groß war der Leidensdruck vorher, wie ist die Prognose bei Nichtbehandlung, wie ist die finanzielle Situation usw...
    Tatsache ist, dass bei Patienten, die unter Bruxismus( Knirschen) leiden, es häufig zu Brüchen und Abplatzungen an den Kronen und Veneers kommt,
    was für beide Seiten sehr unbefriedigend ist, da eine Neuanfertigung die Frage nach Kostendeckung/ Kulanz aufwirft und beide, Arzt und Patient die Zeit in
    die Behandlung investieren müssen.
    Deshalb versucht man neben einer Zahnprotektion durch fortwährende Schienenbehandlung( wenn auch nur nachts), Physiotherapie und eben Ausschluss von negativ einwirkenden Faktoren, die Versorgung zu entlasten.

    Das Saxophonspielen belastet die Kiefermuskulatur, da der Kiefer in einer bestimmten Position gehalten werden muss ( Anspannung, auch bei lockeren Tenor-Ansatz) und Lippendruck erzeugt werden muss.
    Ich selbst merke das, wenn ich in Vorbereitung auf ein Konzert viel übe.

    Deshalb ist die Haltung des behandelnden Arztes nachvollziehbar.

    Mein Ansatz wäre:
    @sax42 da Du ja gerade schmerzfrei bist, würde ich zunächst mit der jetzigen Schiene versuchen, bei leichtester Mundstück/Blatt Kombination, etwa 10 Minuten zu spielen, um zu schauen, wie die Kiefermuskulatur darauf reagiert.
    Direkt anach könntest Du in Absprache mit deinem Physiotherapeuten Entspannungsübungen machen und ggfls. eine Eigenmassage der Muskulatur durchführen.
    Sollte das gut gehen, dann langsam die Spielzeit ausdehnen.
    Wenn es funktioniert, dann wäre vielleicht Saxophonspielen auch mit neuen Keramikkronen möglich.
    Das solltest du mit deinem Zahnarzt dann besprechen. Vielleicht lässt er sich darauf ein.
    Sollte das nicht gehen, dann wird es schwierig, denn dann triggert das Spielen die Verkrampfung und die CMD.

    Es gibt auch monolithische Zahnversorgungen, die in Bezug auf Chipping weniger bzw. gar nicht anfällig sind.
    Das wäre allerdings in ästhetischer Hinsicht eine Einschränkung und aus Sicht der Prognose für die CMD auch heikel, da das Material extrem hart ist.
    Aber hier kenne ich mich nicht so gut aus.
    Ich hoffe ich konnte etwas helfen.
    Es gibt auch noch einen Kollegen hier im Forum, der sich vermutlich damit besser auskennt, da ich doch sehr Fachidiot in der oralen Chirurgie bin.
     
    Elly, prislop, khayman und 5 anderen gefällt das.
  10. Sandsax

    Sandsax Gehört zum Inventar

    Kollege @Lagoona hat das schon sehr umfangreich beleuchtet!

    Die Therapie ist zunächst mal nicht ungewöhnlich; nach entsprechender Funktionsdiagnostik und dauerhafter Schienenbehandlung wird bei Beschwerdefreiheit die mit der Schiene festgelegte Kieferposition dauerhaft mit möglichst minimalinvasiven Keramikversorgungen übernommen.
    Das ist dann auch so medizinisch indiziert.

    Keine Ahnung hat Dein Zahnarzt wahrscheinlich vom Saxophonspielen und den dabei auftretenden Kräften auf die Keramikversorgungen; bzw. möchte er nicht im Nachhinein dafür geradestehen, wenn Dir die Dinger um die Ohren fliegen. Das ist nachvollziehbar.
    Mechanisch sehe ich hier keine Gefahr.

    Ob die Funktionsbeschwerden durch das Saxophonspielen wieder auftreten, kann eigentlich niemand im Vorfeld wissen.
    Falls das so ist, werden sie vermutlich auch mit erneutem Pausieren des Spielens wieder aufhören, ggf. mit physiotherapeutischer Unterstützung.

    Die erwähnten monolithischen Zirkonkeramiken sind zwar inzwischen nicht mehr so gnadenlos hart wie früher, lassen sich jedoch neben Abstrichen in der Ästhetik nicht vergleichbar zuverlässig kleben.
    Im Seitenzahnbereich ok, an Frontzähnen als Veneer eher nicht angebracht.
     
    prislop, khayman, jabosax und 2 anderen gefällt das.
  11. sax42

    sax42 Nicht zu schüchtern zum Reden

    Danke @Lagoona ! Das ist eine sehr fundiert dargestellte Ansicht, mit der ich tatsächlich was anfangen kann. Wenn ich das richtig durchhöre, ist die von Deinem Kollegen hier vorgeschlagene Lösung tatsächlich sowas wie der Goldstandard - das hatte ich schon befürchtet. Das werde ich dann wohl zumindest in Betracht ziehen müssen - bisher hatte ich das aus den genannten Gründen für mich komplett ausgeschlossen.

    Ich werde aber mal den 10 Minuten Test machen und dann weiterschauen. Für den "lockeren" Tenoransatz müsste ich dann aber von meinem geliebten Sopran auf die große Kanne umsteigen - oder, wenn sich ein Instrumentenumstieg ohnehin nicht vermeiden lässt - auf Posaune(?).
     
  12. sax42

    sax42 Nicht zu schüchtern zum Reden

    Danke @Sandsax - auch das eine fundierte Behandlung des Themas. Ihr sagt ja beide, dass die Materialkombination / Mechanik an den Zähnen nicht so sehr das Problem darstellen sollte. Aber die erneue quasi statische Belastung der Kiefermuskulatur durch den Ansatz schon. Ich probiere es aus, bespreche mit meinem Zahnarzt und hoffe das Beste.

    Wenn ich Euch auch richtig verstehe, sollte ich eher ein Instrument mit geringerem Druck/Anspannung finden. Da ist das Sopran dann vielleicht nicht der richtige Wiedereinstieg...
     
  13. Perlvatt

    Perlvatt Kann einfach nicht wegbleiben

    Hallo sax24,

    Noch ein Gedanke, der vielleicht nützlich ist. Ich habe empfindliche Zähne und habe daher zwei der dicken schwarzen Bissgummis übereinander oben auf meine Mundstücke geklebt. Außerdem lege ich die Schneidezähne nur oben aufs Mundstück und übe nur dann nennenswert Druck mit den Zähnen aus, wenn das Saxophon sonst anfangen würde, zu wackeln (wenn fast keine Finger eine Klappe drücken müssen).
    Das ändert natürlich nichts an der Tatsache, dass meine Kiefer- und Lippenmuskulatur ordentlich arbeiten muss.
     
  1. Diese Seite verwendet Cookies, um Inhalte zu personalisieren, diese deiner Erfahrung anzupassen und dich nach der Registrierung angemeldet zu halten.
    Wenn du dich weiterhin auf dieser Seite aufhältst, akzeptierst du unseren Einsatz von Cookies.
    Information ausblenden