A Sax goes to Senegal

Dieses Thema im Forum "Eigene (musikrelevante) Themen" wurde erstellt von Gast, 1.Juli.2013.

  1. Saxobert

    Saxobert Ist fast schon zuhause hier

    Schön, das es Dir gut geht und Du Dich gemeldet hast.Ich finde es sehr interessant über Deine ersten Eindrücke und Erlebnise zu lesen, ist es doch so viel anders als bei uns hier. Die Leute dort sind irgendwie zu beneiden und auf der anderen Seite möchte man trotzdem nicht tauschen mit Ihnen.Ein ganz schöner Spagat zwischen zwei Welten.... ;-)
     
  2. bluefrog

    bluefrog Strebt nach Höherem

    Hi Benjahmin,

    au verdammt, irgendwie hört sich das an, wie wenn Du das große Los gezogen hättest. Gleich die Gigs und Onkelchen und die netten Leute.

    Viel Glück und Spass weiterhin!
    bluefrog
     
  3. Gast_13

    Gast_13 Guest

    Hallo Benjahmin,

    toll, dass Du gleich gut reingefunden hast, in den Moloch Dakar!
    Pass auf Dich auf und weiterhin alles Gute und viel Erfolg!;-)
     
  4. Gelöschtes Mitglied 5328

    Gelöschtes Mitglied 5328 Guest

    Hallo Benjahmin,

    habe mit Freude von Deinen ersten Eindrücken gelesen! Klasse, dass du soll schnell da rein findest.

    Hört sich doch wirklich alles vielversprechend an.

    Lass von Dir hören,

    CzG

    Dreas
     
  5. saxfax

    saxfax Strebt nach Höherem

    Moin Benjahmin,

    und schön so schnell von Dir zu hören! Dass es Dir trotz Hitze und dem Rest gut geht - umso besser :) Soll so bleiben!

    Gruß
    Saxfax
     
  6. Nilu

    Nilu Ist fast schon zuhause hier

    Hallo Benjahmin,

    gibst ja gleich Vollgas. Schön, dass alles soweit ok ist.
    Ja, Dakar habe ich damals, erstes Mal in Afrika, auch als sehr dreckig erlebt. Höhepunkt ist sicherlich die Müllhalde bei Rufisque auf dem Weg ins Restsenegal.

    Zum entspannen empfehle ich dir ein Wellnessbad im Lac Rose. Der ist wirklich rosa und absaufen geht dort auch nicht, ob des hohen Salzgehaltes. In der Brühe kannste vielleicht Saxe entlacken, grundreinigen in jedem Fall!

    Ich hoffe, du stehst baldmal mit Youssou N Dour auf der Bühne - dann komm ich sofort nach Dakar und schau zu.

    Alles Gute
    Nilu



     
  7. Gast

    Gast Guest

    Hi Benjahmin!

    Schön, dass es so gut klappt. Was für ein aufregendes Leben!

    Hoffe, Dein Glück bleibt weiterhin bei Dir und mögest Du viel Erfolg haben. So wie Du Afrika beschreibst, erinnert mich das ein bisschen an die "Wüste" Portugals, Alentejo. Da ist der Rhythmus auch gaaaanz anders als hier.

    Ganz liebe Grüße
     
  8. Gast

    Gast Guest

    Moin Ihr Lieben,

    Danke für Euren Zuspruch !
    Man kann hier als Saxer wirklich sehr schnell eine Menge erreichen, vor allem, wenn man sich schon seit vielen Jahren mit der hiesigen/dortigen Musik auseinandersetzt.

    Dakar....wo man sich als Musiker nunmal vorrangig aufhält, hat jedoch eben auch andere Seiten ---- die auf Dauer einfach nicht gut sind.

    Ich habe als ersten Reisebericht mal eine Rundmail an Freunde und Bekannte verfasst >>> die kopiere ich hier einfach mal rein ::


    >>>>DER GORDISCHE KNOTEN <<<<<

    Moin Zusammen!

    So - nun will ich mal versuchen, im Kurzen zusammenzufassen, was man als erstes Reiseergebnis bezeichnen könnte.

    Beruflich hätte ich in Dakar recht gute Chancen. Als Musiker bin ich dort angekommen, bin gleich in den Top-ranking Locations gelandet - dem Radison blu -Hotel, dem Just4U -oder dem Yengulene , habe kurz mit den Musikern geschnackt - und dann hiess das Ab auf die Bühne und spielen....einmal sogar solo...weil garkeine anderen Musiker da waren. Begeistert war man auf jeden Fall immer......erst recht, als man mitbekam, dass ich Saxe nicht nur spiele- sondern auch baue / repariere.
    Annett ( meine Holde ) könnte als Kindergärtnerin anfangen, das wäre garkein Problem - und so stünden wir finanziell garnichtmal schlecht da.....eine gewisse Anlauf-Überbrückungszeit immer mit eingeschlossen >>> man ist schliesslich in AFRIKA.
    Allein in den ersten Wochen haben wir schon Kontakte zu Musikern aus den Höchsten Rängen .... und das ist ja erst der Anfang !
    Sogesehen und für Afrikanische Verhältnisse, ein voller Erfolg ..... wenn auch schwer erkämpft durch das übliche Afrikanische Timing und deren Vorstellung vom Einhalten von Terminen.

    Aber die Geschichte hat eine andere Seite - völlig unerwartet, und das ist Dakar selbst. Die Stadt ist ein Moloch aus Wahnsinnigem Verkehr, Müllbergen, Dreck, Staub, Verfall und Smog. Das gepaart mit einem ewig heissen Saunamässigem Salzglast vom Atlantik macht die Stadt einfach unerträglich. Wenn ich unterwegs war, hatte ich oft Atemnot vor Halskratzen, Gestank und Abgasen. Vielen Palmen in Dakar fehlen die Köpfe.....sie stehen als lange traurige Stämme in der Landschaft - weil ihnen der Smog bereits den Garaus gemacht hat.
    Farbe oder Grünflächen gibt es kaum .... alles ist grau in grau und versinkt 24 Std am Tag in Gewusel und Lärm.
    Leider betrifft das nicht nur das Zentrum....sondern mehr oder weniger die GANZE Stadt....da sie sich Küstenbedingt schlecht ausdehnen kann und völlig überbevölkert ist.

    Dakar ist also wahrlich kein Ort, wo man sich freiwillig aufhalten möchte - zumindest nicht für längere Zeit.

    Diese Kombination >>> Musikerparadies versus Alltagshölle <<< ist schlecht zu lösen....ähnlich besagtem Knoten eben....den musste man entzwei schlagen, um ihn zu knacken......und so überlege ich mir, ob man es mit dem Senegal nicht ebenso machen sollte und pendeln, anstatt dort fest zu leben........man halbiert das Problem ""Deutschland"" und das Problem ""Dakar"" und nimmt von beidem die bessere Hälfte :)
    Da müssen wir nun aber nochmals gründlichst drüber nachdenken, wie wir mit der Geschichte verfahren...

    Auf jeden Fall haben wir sehr viele Kontakte knüpfen können u.a. zu einem sehr guten brasiliansichen Guitarristen, der jedoch in der Schweiz lebt und auch nur auf "Musikerbesuch" dort war....innerhalb weniger Tage war man also bereits Mitglied des internationalen Musiker-Jet-Sets.....die werden wir auch aufrecht erhalten und ausbauen.

    Die Option, die ich mir gewünscht hätte >>> nämlich eine klare Entscheidung über ""Top oder Flop"" ist jedenfalls nicht eingetreten....denn Dakar ist BEIDES zugleich.

    Ich habe nun meine Reise dort um eine Woche verkürzt und meinen Flug ne Woche vorverlegt - so dass ich mit Nettich zusammen bereits die Heimreise angetreten habe und gestern wieder in HH angekommen bin. Unser Studienjob war erledigt - und zwar Bestens......wir wissen nun was abgeht und wie man es macht....auch behördlich usw....aber nun noch eine Woche länger alleine in Dakar zu bleiben - wie geplant - wäre lediglich Zeit und Nervenverschwendung gewesen. Mission completed....turning home !! .....Dakar muss man sich keinen Tag länger antun.

    Die Ausnahme war unsere Pension.....und Marie...die Besitzerin. Ein schöner kleiner Compound, hübsche Zimmer, und Marie war unsere ""Mama"" die zugesehen hat, dass wir zurechtkommen.....weit über ihre bezahlte Pensionsverpflichtung hinnaus.
    Sie ist aber auch eine durchgeknallte Nudel.....Französin, 68 Jahre alt, aber fit wie Turnschuh, ist schon seit rund 30 Jahren immer wieder im Senegal....und betreibt die Pension wohl so seit 12 Jahren.
    Marie bleibt dann auch bis 4:00 Uhr morgens mit auf dem Concert und fährt einen dann im Formel 1 -Stil wieder mit nach Hause....durch einen Verkehr, der absolut mörderisch ist.
    Wenn man - so wie ich - grossspurig denkt : HA....nach Äthiopien schockt mich GARnix mehr....der wird in Dakar sein Waterloo erleben. Mariechen steckt das jedoch locker weg....sie hustet und keucht in dem Smog, raucht Kette...und ist fast immer gut drauf. Also ohne sie wäre es um einiges trister gewesen...wir haben uns klasse verstanden und gehörten schnell eher zur Familie als zur Gäste-Klientel.

    Zu erzählen gäbe es natürlich noch tausend kleine Geschichten...witzige, spanndende, traurige....DIA!-Stories eben. (Das Ist Afrika ! )

    Aber soweit mal zum ersten Feedback

    Liebe Gruesse

    CB & A


    >>>>> Mit einem sofortigen Auswandern nach Dakar bin ich also erstmal seehr vorsichtig - weitere Aufenthalte dort, auch mal für ein halbes Jahr, sind jedoch auf jeden Fall einer Überlegung wert.

    Musikalisch hat sich für mich ein langjähriger Traum erfüllt....aber Dakar hat einen Alptraum dagegengesetzt.....und so bekommt die berühmte Münze ihre zwei Seiten ;-)

    Warten wir mal ab....wenn mich der deutsche Winter erst wieder richtig im Griff hat, nehme ich ja vielleicht doch noch ganz schnell wieder eine postapokalyptische Müllhalde ( Dakar ) mit Dauersauna in Kauf ;-) ;-)

    LG

    CBP
     
  9. Gast

    Gast Guest

    @Wattwürmchen,

    Zitat: " Ich bin eine Blattlaus"

    Neeee...was habe ich darüber gelacht !! Der Ausdruck ist einfach herrlich !

    Aber es stimmt schon >>> Damit hättest Du keine Chance !

    Als ich im Radison-blu -Hotel auflief und die dortigen Musiker mitbekamen, dass ich Saxer bin, wollten sie das unbedingt hören....also ging ich zum Auto und holte die Hupe....

    Währenddessen fragte der Bandleader und Hotelmusikmanager meine Holde ganz ängstlich, ob sie mir denn nun auf die Schnelle irgendwelche Noten oder Akkorde aufschreiben müssten.....

    Sie antwortete : Neee Mann..lass das bloss sein ! > Der Kerl packt seine Hupe aus, hört Euch zwei Takte lang zu und ist dann voll dabei !

    So war es dann auch und wir haben aus dem Stehgreif ein ganzes Concert von zwei Stunden geschmissen....im musikalischen Stil von Buena Vista Social-Club bis hin zum Baobab-Orchestra und wüstem Afrobeat...all inclusive....
    Ich konnte die Band dabei sogar noch nach VORNE ziehen...so dass es RICHTIG abging....und meine Schulter tut JETZT noch weh vor vielem Schulterklopfen und Applaus .... NOTEN wären dabei jedoch tödlich gewesen.

    So wie ICH das sehe und erfahren habe....in verschiedenen Ländern dieses Kontinentes, ist geschriebene Theorie sowieso untauglich...ob sich das um Gesetze, Termine, Ladenöffnungszeiten oder eben auch Musik handelt....man muss sich mit dem Herzen da durchspüren....und wenn es um die Musik geht, muss man diese irgendwie auch kennen und lieben....eben auch die Afrobeats....und so war es mir möglich, dem einen oder anderen Musiker sogar noch was beizubringen...ihm zu zeigen, WIE das abgehen kann, wenn man es RICHTIG spielt......

    Da kommt also ein deutscher Freak daher, der seit 20 Jahren Afromusic spielt und zieht die Bands erstmal richtig nach vorne....da haste dann den Jubel auf Deiner Seite...
    Noten können viele dort selbst kaum lesen....und WENN, dann gehört das zu ihrem Diplom als Bandleader des National-Orchesters, wie z.B. Sidi Keifa....der das zwar studiert hat, aber seit dem nie mehr benutzt.

    LG

    CBP
     
  10. Gast

    Gast Guest

    @Nilu

    Nun jaaa....bis Youssou N Dour habe ich es dann doch nicht geschafft. Der Kontakt war zwar vorhanden ( ""Onkelchen"" sei Dank ! ) aber terminlich hat es dann doch nicht geklappt.
    Immerhin war Habib Faye...einer der Mit-Musiker von Youssou mit seiner eigenen Band schonmal ein Highlight !!

    Also ich kann nicht klagen !!

    Am Lac Rose waren wir jedoch nicht.....unsere Tour war ja eher eine Studien-Businies-Tour....und so haben wir einen Termin nach dem anderen in Dakar abgewettert.....rausfahren tun wir dann evtl mal das Nächste Mal.....MUSS man wohl auch, um nicht in Dakar nen Herzklabaster zu bekommen ;-)

    LG

    CBP
     
  11. Gast_13

    Gast_13 Guest

    Hallo Benjahmin, welcome back!
    Da biste ja gerade richtig zur heutigen Demo nach Hamburg gekommen ;-)
     
  12. saxhornet

    saxhornet Experte

    Hi Benjamin,
    willkommen zu Hause und fröhliche Weihnachten.
    p.s. nur mal zur Beruhigung wegen Inspiration:
    Ich habe gerade auf einem Musikabend einer Schule miterlebt, daß die einen Song von Manu Dibango aufgeführt haben. Es gibt also auch andere Inspirationen bei den jungen Leuten.

    LG Saxhornet
     
  13. Gast

    Gast Guest


    @Nummer_13

    Na ja....von der Demo in HH haben wir garnix mitbekommen. Als wir heimkamen, haben wir nur die Koffer in die Ecke geschmissen und uns erstmal auf s Ohr gelegt.

    ""Demos"" hatten wir jedoch auch in Dakar genug....zumindest wirkte es so.
    Wenn es dort ein Fussballspiel hat, fahren die Fans der jeweiligen Teams mit Autoprozessionen, ganzen Bussen voll,und auf Lastern montierten Soundsystems durch die Stadt - veranstalten dabei eine höllische Kakophonie an Lärm, die jeder deutschen Demo spottet.

    Desweiteren veranstalten die Mitglieder der Baye Fall --- einer muslimischen Glaubensbewegung ---gerne mal Nachts ihre Kundgebungen und Gesänge - natürlich über riesige Lautsprecher - und in Begleitung von Unmengen von Trommeln - so das das ganze Stadtviertel bebt.

    @Saxhornet
    "Willkommen zuhause..."
    Du wirst lachen - aber im Moment fühle ich mich weniger irgendwo zuhause als je zuvor.
    Was Dakar im Vergleich zu Hamburg betrifft, so bin ich froh, wieder in HH zu sein, auch wenn es einem im Vergleich nun natürlich erstmal saukalt vorkommt
    Was jedoch die Musik und die Kollegen in Dakar betrifft - so vermisse ich sie jetzt schon.

    Herumgezogen bin ich ja mein ganzes Leben lang - von Kindheit an. Dass ich nun jedoch plane, über das Jahr verteilt, an zwei völlig unterschiedlichen Orten gleichzeitig zu leben / zu arbeiten .... das ist auch für mich was Neues und muss im Kopfe sowie der Realität erstmal Form und Gestalt annehmen....da steht ja auch ein riesiger Wust an Timing,Organisation und Finanzmanagement dahinter.
    Statt also mal irgendwo etwas zur Ruhe zu kommen, wird es erst recht noch turbulenter

    Schön zu lesen, dass die Jugend dann doch auch mal was ""Vernünftiges"" spielt !
    Ironie im Konzentrat ist dann der Umstand, dass im Senegal Ami-Jazz-Standarts gerade schwer in Mode sind...zumindest in manchen Kreisen.
    Jules Gaye ( oder Guye... das sthet überall anders geschrieben ) ist Trompeter seines Zeichens - ein sehr guter Mann ! Und eine seiner Bands spielt fast ausschliesslich Miles-Davis-Songs.
    Ich hatte mit ihm schon gespielt...die Begleitung seiner Jazzband habe ich dann aber doch dankend abgelehnt.

    LG

    CBP
     
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