Berufsmusiker - hat das noch Zukunft? Kann man das heute jungen Menschen empfehlen?

Dieses Thema im Forum "Eigene (musikrelevante) Themen" wurde erstellt von Gelöschtes Mitglied 5328, 15.März.2012.

  1. GelöschtesMitglied3606

    GelöschtesMitglied3606 Guest

    Naja, wir drehen uns im Kreis. Der eine meint es so der andere meint es so. Schön, dass wir wenigstens sachlich geblieben sind. Das finde ich an diesem Thread mal richtig gut.

    Gute Nacht!
     
  2. Rick

    Rick Experte

    Hi Dirk,

    es gibt immer solche und solche, klar.
    Ich wollte keineswegs allgemeingültige Behauptungen aufstellen, sondern nur aus meiner Sicht aufzeigen, dass heutzutage keineswegs das Leben als Angestellter mit "solidem Beruf" grundsätzlich dem als freischaffender Künstler vorzuziehen ist.

    Es gibt nun mal keine "Sicherheitsgarantie" im Leben - das muss man sich klar machen, gerade als junger Mensch, bevor man aus dem verführerischen Traum der Grundversorgung durch Staat und Arbeitgeber in die Leere von Hartz 4 stürzt - wie es erschreckend vielen alten Bekannten von mir in letzter Zeit ergangen ist. :-(

    ----------------------------------------------------------


    Hi Dreas,

    dem mag ich nicht widersprechen, DAMALS ging es meinen Ex-Schulkameraden auch noch gut, da wurde ich bei Abitreffen gerne belächelt als "brotloser Künstler" ohne Eigenheim auf Kredit.
    Heute werden viele von ihnen, nach ihrer Kündigung, von den Kreditschulden aufgefressen, ich lebe hingegen immer noch munter in einer Altbau-Mietwohnung - ohne Garten und ohne Schulden. :cool:

    Hmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmm,

    das erinnert mich an viele Versprechungen, von denen ich schon gehört habe. Mal gab es angeblich zu wenig Lehrer, also studierten viele auf Lehramt, was zur berühmten "Lehrerschwemme" führte (einige Bekannte von mir waren davon betroffen), dann gab es angeblich zu wenig Ärzte...

    Und dass der aktuelle "Facharbeitermangel" tatsächlich ein Problem darstellt und nicht bloß ein Ablenkungsmanöver, muss sich erst noch erweisen.
    Zweifel daran habe ich schon mitbekommen...

    Der demografische Wandel führt meiner Ansicht nach weniger zu Führungskräftemangel als vielmehr zu Altenpfleger-Bedarf, DAS wäre bestimmt in Zukunft ein krisensicherer Beruf - aber wer kann das nötige Gerontologie-Personal bezahlen? :-o

    Deinen Optimismus mag ich Dir nicht nehmen.
    Schauen wir mal! :)

    Florentin hat den schönen Ausdruck "romantisches In-den-Tag-Leben" verwendet, der nach meiner Beobachtung eher auf diejenigen zutrifft, die auf eine Bilderbuch-Karriere in einem "soliden Beruf" hoffen.

    Wie erwähnt: Eigenheim kaufen, dickes Auto, alles auf Pump, bald wird ja die nächste Gehaltserhöhung kommen - stattdessen flattert die Kündigung rein, weil die Betriebsleitung Mist gebaut und die Firma an die Wand gefahren hat.
    Ähnliche Firmen gibt es im Umkreis von mehreren hundert Kilometern nicht...

    Aus der Traum, alles futsch - hat ein Ex-Schulfreund von mir gerade vor ein paar Tagen berichtet.
    Er, hochspezialisierter Techniker, steht jetzt am Flughafen bei der Personenkontrolle, darf jeden Tag die Körper unzähliger Männer nach Waffen abtasten, was ihn allmählich anekelt.
    Er könnte ja woanders hingehen, wo es Jobs für seine ursprüngliche Tätigkeit gäbe, nach Ostdeutschland zum Beispiel, aber das Haus ist noch nicht abbezahlt, Frau und Kinder wollen nicht fort...

    Als Musiker hingegen habe ich mich von vornherein nicht solchen romantischen Träumereien von Geld und Sicherheit hingegeben, sondern meine Ansprüche unten gehalten und die Ärmel hochgekrempelt.

    Das ist bestimmt in jedem Beruf ratsam, nicht nur als Musiker, denn wie oben erwähnt:
    Sicherheitsgarantien gibt es nicht im Leben. ;-)


    Schöne Grüße,
    Rick
     
  3. DirkThomsen

    DirkThomsen Ist fast schon zuhause hier

    Hi Rick,
    da sind wir uns doch einig. Und gerade weil es sogut wie nirgends Sicherheitsgarantien gibt (selbst als Bundesbeamter hast Du zwar Deinen garantieretn Job, aber es kann Dir passieren, daß Du mal kurz von Flensburg nach München versetzt wirst, wenn Deine Dienststelle geschlossen wird), ist es m.E. umso wichtiger, daß man etwas macht, was einem auch Freude macht. Denn nur wenn man Freude an etwas hat, wird man auch richtig gut und dann wird man bei entsprechender Eigeninitiative auch irgendeine Nische finden, in der man sein Auskommen hat. Aber: Entscheident dabei ist eben, daß man Eigeninitiative und ggf aus Flexibilität zeigt und zudem gut ist. Mittelmaß und Vertrauen darauf, daß andere für einen was tun, führt wahrscheinlich in Zukunft in der Tat ins Harz IV dasein. Das Zumindest ist meine Enschätzung der Zukunft, was aber nicht bedeutet, daß ich insb die von den Menschen geforderte Flexibilität in all ihren Aspekten begrüße.

    Viele Grüße, Dirk
     
  4. Gast

    Gast Guest


    @Rick

    ""Der demografische Wandel führt meiner Ansicht nach weniger zu Führungskräftemangel als vielmehr zu Altenpfleger-Bedarf, DAS wäre bestimmt in Zukunft ein krisensicherer Beruf - aber wer kann das nötige Gerontologie-Personal bezahlen?""

    GENAU dahingehend machen meine Holde und ich gerade eine Umschulung/ Fortbildungsmassnahme und haben danach sogar eine ÜBERNAHMEGARANTIE diverser Arbeitgeber.
    Mir macht dieser Job Spass - erst Recht, weil man sich auf diesem Gebiet seinen Arbeitsplatz heutzutage aussuchen kann ( im Gegensatz zu den meisten anderen Berufsgruppen).
    Vor allem auch im Ausland kann man damit immer was anfangen.

    NUR ist die Altenpflege ja nicht meine allererste Wahl gewesen
    ---- ich mache das, eben WEIL das ne krisensichere Geschichte ist und WEIL ich dann nebenbei ungestört und Sorgenfrei meine Musik machen kann....und zwar DIE Musik, die ich machen WILL und nicht diejenige, die GELD bringt.

    Nur soll man jungen Leuten heute empfehlen : Werde erstmal professioneller Popoputzer, damit Du dann Deinen Musikerwahn austoben kannst ??
    > Wohl kaum ! ( Ist ja wahrlich auch nicht jedermanns Ding, nem Haufen durchgeknallter Omchens und Opas ihren Brei zu verfüttern und die Windeln zu wechseln )

    Ich würde niemandem empfehlen, Berufsmusiker zu werden...WENN denn dann nur als zweites Standbein.....man kann es ja immer noch als Hauptberuf ausüben, WENN es denn klappt....
    Das Problem ist vielmehr, : WAS soll man denn jungen Leuten heutzutage SONST empfehlen ????
    Ausser ausgerechnet der Altenpflege gibts da nicht viel ""Krisensicheres"" ..... vielleicht noch "Bestattungsunternehmer" ?? >>>> Dann kann man Beides verbinden und bei der Beerdigung gleich den Trauermarsch spielen

    Mir wurde auch schon angetragen, ich solle doch mal im Altenheim ein kleines Konzert für Oma und Opa geben...."Das Wandern ist des Müllers Lust " - " Rosamunde" - "Die Vogelhochzeit" - und lauter so nette alte Kamellen....
    NEIN DANKE !!! NIX Gibts !!

    LG

    CBP
     
  5. saxfax

    saxfax Strebt nach Höherem

    Habe ich schon gemacht, im Heim steht ein Klavier auf dem Flur, wenn ich da ein Volkslied spielen, kommen sie alle, singen mit und freuen sich. Macht mir auch Spaß, wenn ich sehe wie Demente, die sonst nix mehr auf die Reihe bekommen, plötzlich Freude haben und (textsicher !) mitsingen. Deswegen muss das sonst nicht meine Musik sein.

    Aber zum Thema Empfehlen:

    Damit wäre ich sehr vorsichtig, besonders, wenn ich jemand nicht näher kenne. Wenn ich an die Empfehlungen denke, die ich früher bekommen habe, graust es mich heute noch. Auch die meisten Prognosen über erfolgversprechende Berufswege lagen ziemlich daneben.

    Wie Rick so schön geschrieben hat, es gibt keine Sicherheitsgarantien, es führt kein Weg daran vorbei, die Verantwortung für selbst zu übernehmen.

    Wahrscheinlich das Entscheidende, wie gut man seine eigenen Talente, Fähigkeiten und Macken kennt und wie genau man weiß wie selbstständig, leidensfähig, flexibel und fleißig man ist. Blöderweise muß man das immer selbst rausfinden.:)

    Gruß
    Saxfax
     
  6. chrisdos

    chrisdos Strebt nach Höherem


    Wir sollten wenigstens versuchen das zu tun, wofür unser Herz schlägt. Voreilige "Vernunftentscheidungen" sind oft der Grund für späteren Lebensfrust.

     
  7. Gast

    Gast Guest

    @Chrisdos

    ""

    Wir sollten wenigstens versuchen das zu tun, wofür unser Herz schlägt. Voreilige "Vernunftentscheidungen" sind oft der Grund für späteren Lebensfrust. ""

    Ich glaube, DAMIT hast Du den Nagel auf den Kopf getroffen.
    Ich selbst habe schon so einiges getan, was jeder ""Vernunft"" widersprach........ ich bin oft gescheitert, habe aber immerhin überall ne Weile durchhalten können und meine Erfahrungen sammeln....insofern war es eben KEIN "Scheitern" > sondern ein Weiterziehen in neue Gebiete.
    Hätte ich all das NICHT getan, wäre ich heute ein sehr verbitterter Mensch...da bin ich mir ziemlich sicher.

    Also auf den Titel des Threads bezugnehmend....ich würde niemandem empfehlen, Berufsmusiker zu werden.
    WENN das aber nunmal sein Weg ist, würde ich ihn auch nicht aufzuhalten versuchen.......

    Gerade in der heutigen Welt ist das Absurde, das Unangepasste, das Neue...gerade das Richtige. Die "Alten" Normen gelten schon lange nicht mehr, an welchen sich evtl unsere Eltern noch orientieren konnten.

    Beispiel : Früher galt es als "UNSTET" und unzuverlässig, wenn man in seinem Lebenslauf alle zwei Jahre den Job gewechselt hatte......
    HEUTE gilt das als "Erfahren, flexibel, Umdenkfähig - und Weltoffen."

    Ich merke das selbst immer wieder....mein Lebenslauf füllt zwei Seiten kleingedruckt.....in IN und AUSland....in ZIG Berufen....und Chefs und Arbeitgeber sind immer hochfasziniert davon......
    Meine Eltern gruselts jedoch, wenn sie das lesen....

    "Ach Jung"....was SOLL bloss aus Dir werden, wie willst Du denn jemals irgendwo Fuss fassen???

    Heheee...der "JUNG" wird heute 44.....und hat seine Füsse auf der ganzen Welt ....egal ob als Musiker, Instrumentendoc, Modellbauer, Waisenschulendirex,Seekartenverkäufer, Fischer, Seemann,...und seit neuestem auch noch Altenpfleger.
    EINES hat mir jedoch all das Chaos nie nehmen können....ganz im Gegenteil ----nämlich die MUSIK....ganz egal ob Ziehharmonika, Sax oder Flöte....( darrauf kommt es in diesem Falle nicht an )....und das ist GUT so.

    Ich habe auf mein HERZ gehöhrt.....nicht auf die Vernunft...
    ähnlich wie vielleicht Rick das getan hat.....und auch wenn es nicht immer einfach war...ICH BEREUE NIX !!

    Insofern, Chrisdos, hast Du für diesen Thread in meinen Augen das schliessende Credo formuliert.
    Ich kann mich dem voll anschliessen.

    LG

    CBP
     
  8. saxfax

    saxfax Strebt nach Höherem

    Da sehe ich keinen Widerspruch. Ich plädiere ja nur dafür, dass man sich halbwegs klar darüber werden sollte, was man für ein Typ ist. So gesehen trifft nämlich CBP auch dauernd "Vernunftentscheidungen", auch wenn er sie so nicht nennen mag ;-)

    Gruß
    Saxfax
     
  9. DirkThomsen

    DirkThomsen Ist fast schon zuhause hier

    Hi CBP,
    auch heute kann ein solcher Lebenslauf weiterhin zur Ablehnung führen und zwar in Jobs, die eine lange Einarbeitungszeit erfordern. Wenn man zB in meinem Bereich davon ausgeht, daß ein neuer Mitarbeiter erst nach einem Jahr richtig produktiv ist, man also zunächst sehr viel Geld in ihn investiert, um ihn aufzubauen, dann will man ihn nicht anschließend gleich wieder verlieren, was ein solcher Lebenslauf aber befürchten läßt. In anderen Bereichen hast Du evntl Pluspunkte, wenn Du nicht ewig im gleichen abgestandenen Saft geschmorrt hast. Wie Du also schon sehr richtg sagst: Es gibt heute kein allgemein für jeden geltendes richtig und falsch. Das eröffnet auf der einen Seite vielfältige Perspektiven und bietet Möglichkeiten für alternative Lebensformen (ich kenne zB jemanden, der im Wechsel ein halbes Jahr freiberuflich arbeitet und dann wieder frei hat), auf der anderen Seite wird dadurch jeder im viel stärkeren Maße als früher für sein eigenes Tun und auch sein eigenes Scheitern verantwortlich. Ob die Jungend darauf insb in der Schule durch mit der Sicherheit des Beamtendaseins versehene Lehrer ausreichend vorbereitet wird, wage ich zu bezweifeln.

    Viele Grüße, Dirk
     
  10. flar

    flar Guest

    Moin, moin zusammen
    ich glaube man kann jedem seinen Wunschberuf empfehlen welcher das auch immer sein mag, so lange man innerhalb dieses Berufes flexibel ist.
    Ich habe mit einem ehemaligen Kollegen über zehn Jahre zusammen gearbeitet der in unserem Beruf voll auf ging. Dann bekam er eine Allergie und mußte aus der Produktion ausscheiden. Er fand bei einem großen Betrieb in der gleichen Branche einen Job als Fahrer und war damit sehr zufrieden bis die Firma vor zwei Jahren Konkurs anmelden mußte. Ich treffe ihn immer noch von Zeit zu Zeit und er erzählte mir das er einen neuen Job als Fahrer ganz in der Nähe bekommen hat, allerdings in einer ganz anderen Branche. Als ich ihn vor eingen Monaten wieder mal getroffen habe fragte ich ihn wie es denn in der neuen Firma so läuft. Er sagte er habe sich einen andern Job als Fahrer gesucht, 200 Euro weniger in Monat und fünfzig Kilometer Anfahrtsweg aber in unserer Branche. Ich fragt warum das, da bist du doch auch als Fahrer? Ja sagte er, aber er wollte nicht ganz aus dem Beruf raus. Das nenne ich wirkliche Beruf-ung.
    Ich würde also ruhig den Beruf des Musikers empfehlen wenn es jemanden egal ist in welchen Bereich des Berufsbildes er später sein Geld verdient! Wenn einer sagt er studiert Musik um später mit Auftritten sein Geld zu verdienen, weil er nur damit glücklich wird, stehen seine Chancen das er davon auch Leben kann erheblich schlechter. Das ist aber in jedem andern Beruf auch so, je kleiner der Bereich mit dem man zufrieden ist, desto größer das Risiko das man davon nicht Leben kann und etwas machen muß was man nicht mag um Geld zu verdienen.

    Viele Grüße Flar
     
  11. chrisdos

    chrisdos Strebt nach Höherem

    Nein, da habe ich auch keinen Widerspruch gesehen. Mein Beitrag war auch nicht als Gegenstimme gedacht.:) Seinem Herz folgen muss ja nicht bedeuten, blind und blauäugig unrealistische Ziele zu verfolgen.
    Mein Grundgedanke war: Besser scheitern als unversucht lassen.

    Liebe Grüße

    Chris
     
  12. Florentin

    Florentin Strebt nach Höherem

    Vielleicht ist der Thread ja schon am Ende, aber ich will doch auf ein paar Kommentare eingehen.

    Also für mich ist "Vernunftentscheidung" und "voreilig" ein Widerspruch in sich.

    Na gut, ich bin halt ein sehr rationaler Mensch. Aber bei Vergleichen zwischen unterschiedlichen Jobangeboten (glücklicherweise hatte ich immer mehrere zur Auswahl) habe ich immer sehr viele Kriterien beurteilt. Die Entscheidungen waren immer "vernünftig", aber nie voreilig. Und ich habe sie eigentlich nie bereut. Nicht zuletzt, weil ich keine unrealistischen Erwartungen gehabt habe.


    Ich habe den Ausdruck als Reaktion verwendet auf eine Aussage in der Art von "was nach dem Studium sein wird, weiss eh keiner ...".

    Bilderbuch-Karriere in einem soliden Beruf: meine Erfahrung ist, dass man sich allzeit fit halten muss für einen eventuellen Wechsel. Das bedeutet zum einen, eine interessante Qualifikation und Erfahrung aufzubauen. Zum anderen, den Arbeitsmarkt genau zu verfolgen und sozusagen auf Knopfdruck eine überzeugende Bewerbung in der (elektronischen) Schublade zu haben.

    Also weder besonders romantisch noch in den Tag gelebt ...

    Das ist eines der Hauptprobleme in diesem Land: die Leute sind nicht mobil. Besser Hartz 4 als 200 km weiter ziehen.

    Dazu gehört sehr wohl auch, sich nicht durch Hausbau und Verschuldung unnötigerweise zu limitieren.
     
  13. Florentin

    Florentin Strebt nach Höherem

    Um noch einmal auf das ursprüngliche Thema Berufsmusiker ?? zurückzukommen, möchte ich einfach zwei Fälle darstellen, die ich beobachten konnte.

    Fall 1:

    Einer meiner Schulkollegen war ein begnadeter Trompeter. Er begann auch ein Musikstudium, aber parallel dazu (!) studierte er mit mir Technik. Er brauchte einige Jahre länger, aber er hat auch dieses (sehr anspruchsvolle) Studium als "zweites Standbein" erfolgreich abgeschlossen. Ausgeübt hat er allerdings keinen derartigen Beruf, weil er inzwischen als Musiker schon sehr erfolgreich war (sogar finanziell).


    Fall 2:

    Ein Musikkollege in einem Orchester erzählte mir ganz begeistert von seinem Sohn. Sehr begabt, BuJazzO. Hat Musik studiert, aber auf Lehramt. Also kein Problem, eine sichere Anstellung zu finden.

    Kurz danach lernte ich auch den Sohn kennen. Toller Musiker, keine Frage. Hat auch Musik studiert. Allerdings nicht auf Lehramt, sondern künstlerisch. Und versucht sich jetzt mit diversen Engagements plus Unterricht von Anfängern durchzuschlagen ...
     
  14. Gelöschtes Mitglied 5328

    Gelöschtes Mitglied 5328 Guest

    Um es auf den Punkt zu bringen geht es um Lebensperspektiven.

    Rick schrieb, dass er Freunde hat, die auf Pump Auto und Haus
    hatten, und jetzt auf Grund von Kündigung nichts mehr haben.

    Ja und?

    Die hatten aus ihrer Sicht super Jahre! Da kam sich Rick blöd vor.
    Jetzt läufts nicht mehr....ABER die hatten einige Jahre das was ihnen
    wichtig war. Das ist doch was....

    Das das Risiko höher als bei Rick war, musste doch klar sein.

    Und jetzt wird's mal enger....So what, man kann nicht alles haben.. .

    Und Rick sagt: "doch alles richtig gemacht!"

    REICH UND SCHÖN gibt's halt selten....


    LG

    Dreas
     
  15. Gast_13

    Gast_13 Guest

    Jeder sollte das machen, was er kann und gerne macht! Wie sich die Märkte in der Zukunft entwickeln kann doch niemand ernsthaft voraus sagen. Ob ich in 30 Jahren als Ingenieur, Holzschnitzer oder Musiker besser leben kann, weis momentan niemand.
    Das Ziel sollte sein, Spaß zu haben und sich selbst gut verwirklichen zu können.

    Deshalb machen, was man am liebsten macht und nicht das, was vermeintlich die besten Zukunftsaussichten hat. Diejenigen, die vor 2 Jahren angefangen haben, z. B. BWL zu studieren, die sehen sich jetzt einem Markt gegenüber, der sehr schwierig geworden ist. Bevor sie damit angefangen haben war das Credo noch Zukunftsicher, kann man viel Geld verdienen, Kriesensicher.

    Momentan sind Ingenieure wieder die hochgelobten, wobei hier wohl künftig die Spezialisierung entscheidend sein wird.

    Ein Musik Studium ist für einen leidenschaftlichen Musiker sicher immer eine Option, wobei die Differenzierung zwischen Lehramt, Klassik, Jazz oder - wie in Luzern - Gangsterrap meiner Meinung nach nicht sehr glücklich ist.

    Nach meiner Erfahrung ist es immer gut, wenn man ein fundiertes Grundlagenwissen hat, die Spezialisierung kommt dann mit der Zeit von alleine.

    Aber wenn jemand dann wirklich Musik studiert, mit dem Ziel, von Konzerten und Auftritten zu leben, sollte er in jedem Fall sich auch die Grundlagen des Marketings und der Wirtschaft aneignen.
     
  16. fonkysax

    fonkysax Kann einfach nicht wegbleiben

    hallo,

    ich möchte mich hier nicht auf schon gesagtes beziehen, sondern nur meine Einstellung aus meiner Erfahrung heraus schildern.
    Erst einmal gibt es keine längerfristigen absolut sicheren Perspektiven bei der Berufswahl. Was heute gefragt ist und gut bezahlt wird, kann morgen schon nicht mehr aktuell sein. Als Musiker sehe ich doch vielfältige Perspektiven, mit denen man sich doch wenn es mal schlecht läuft, Überwasser halten kann!
    Zur not wird Straßenmusik gemacht!!! Habe im letzten Jahr im Urlaub spaßeshalber Straßenmusik in Paris gemacht, 2Std 190,- EUR!!!
    Meine Meinung: Man sollte das machen, woran das Herz hängt, man muss unter Umständen sein ganzes Leben damit verbringen. Und wie schon gesagt, absolute Sicherheit gibt es nicht, auch wenn das ja ein ach so deutsches bestreben ist!!!

    In dem Sinne

    Udo
     
  17. Juju

    Juju Strebt nach Höherem

    Ich habe mich gestern mit meinem Mann über dieses Thema unterhalten. Er zuckte etwas hilflos mit den Schultern. Er sagte, als er als Berufsmusiker in den 80er Jahren angefangen habe, war seine Vorstellung vom Musikerdasein Touren und Studiosessions. Das haben er und die meisten seiner Kollegen dann die nächsten 20 Jahre gemacht. Er hatte kein Problem, für seine Band 30 oder mehr Gigs für eine Tour zusammenzukriegen und hat als Sideman auch noch diverse Gigs gespielt. Er konnte sich aussuchen, welche Gigs er spielen wollte. An Unterrichten hat keiner gedacht, war auch gar keine Zeit dazu. Dann kam die extreme Veränderung, die dazu führte, dass immer weniger Livegigs und Studiosessions da waren, dafür aber ein großer Aufschwung im "educational sector" zu verzeichnen war. Dave's Generation hat sich jetzt vermehrt im Dozentenbereich an den Hochschulen breitgemacht. Für die jetzt nachfolgende Generation von Musikern ist das aktuelle Bild also eher: Musikdozent und ein paar auserwählte Sahnehäubchengigs. Nur ist der Dozentenmarkt jetzt auch dicht, da ist für die nachfolgende Generation auch nichts mehr zu holen. Fragt sich, was als nächstes kommt. Die Kids müssen sich selbst und das Musikbusiness komplett neu erfinden, sonst wird das nichts. Aber wer weiß, vielleicht passiert ja irgendwas ganz großartiges Neues...
    LG Juju
     
  18. Apfel

    Apfel Kann einfach nicht wegbleiben

    Hi,

    ob man jemanden empfehlen kann BerufmusikerIn zu werden, kann ich nicht sagen, da Musik für mich nur ein Hobby ist. Aber ich denke, wenn jemand gerne Musik studieren soll, dann soll sie das tun - ohne zu denken, was sie später damit macht. Denn nur wenn man das Studium wirklich machen will, macht man es gut und mit viel Spaß. Alles weitere ergibt sich dann von selbst.

    Wichtig ist, nach dem Studium flexibel zu sein und links und rechts zu gucken. Denn vielleicht wird s am Ende nicht der Beruf Berufsmusiker sondern ein anderer Beruf, in dem man die Musik einsetzen kann.

    Ich denke man wird in Zukunft nicht mehr einen Beruf haben. Man wird sich immer anpassen, verändern und weiter lernen müssen. Aber ne gute Basis, also eine erlernter Beruf oder ein Studium ist sinnvoll, um darauf aufzubauen.

    Gruß,
    Apfel
     
  19. edosaxt

    edosaxt Strebt nach Höherem

    Hmmmmmmmmmmmm.........

    Ich glaube, die Zeiten, in denen man sich (fast noch als Kind) für einen Beruf entscheidet und diesen dann lebenslang ausübt, sind schon etwas länger vorbei.

    Der Arbeitsmarkt ist (leider in beide Richtungen) durchlässig wie nie.

    Professionalisierung ist ein (berufs-)lebenslanger Prozess, in dem natürlich auch Irrwege möglich sind.

    Wäre es wie früher einmal, wäre ich heute immer noch Gärtner, was ja kein schlechter Beruf ist, aber anstrengend und nicht besonders lukrativ.

    Mitttlerweile (knapp 30 Jahre nach meiner ersten selbstverdienten Mark) hab ich zwei Studien hinter mir, eine Unmasse an Fort-, Weiter- und Zusatzausbildungen, fahre mehrgleisig (Festanstellung, Honorartätigkeiten, Lehrauftrag) und sehe (finanziell) sehr gelassen in die Zukunft.

    Flexibilität ist mit Sicherheit heutzutage wichtiger denn je, aber nicht nur die lokale sondern besonders die geistige.

    also: don´t dream it, be it!


     
  20. Rick

    Rick Experte

    Hallo Dreas!

    Nö, so habe ich das nicht geschrieben, ich hatte nur erwähnt, dass ich von manchen Ex-Mitschülern als "brotloser Künstler" aufgezogen wurde.

    Das war nur kameradschaftliche Frotzelei, ich kam mir deshalb auch nicht blöd vor, ich habe mich nur über diese Naivität und Tagträumerei gewundert - als ob immer alles so bliebe, wie es bisher war... :-D

    Wieder falsch - ICH hatte das, was mir wichtig war, während sie gemeint hatten, sie würden "vernünftig" sein, "rationale" Entscheidungen treffen und hätten für die Zukunft die "richtigen" Weichen gestellt. :lol:

    Sie haben sich auf vielfältige Weise demütigen lassen, ausbeuten, von Chefs beleidigen, von Mitarbeitern mobben, aber alles für die vorgeblich rosige Zukunft, mal endlich schuldenfrei selbst im Chefsessel sitzen zu dürfen.

    Während ich das gemacht habe, was ich immer wollte, sind sie zahllose Kompromisse eingegangen - sie haben vom besseren, sorgenfreien Leben geträumt, während ich meinen Traum gelebt habe. :cool:

    Inwiefern?

    Sie haben doch auf die Eltern gehört, nach konservativ-bürgerlichen Gesichtspunkten alles richtig gemacht, während ich der "Freak", der "Hippie" war und mich jahrelang heftigst mit meiner Mutter auseinandersetzen musste, die mir immer von der "brotlosen Kunst" abgeraten hatte.
    Mann, was hatte ich da für Konflikte auszutragen... :roll:

    Ich bin jetzt auch nicht schadenfroh, mir tun die Betroffenen ehrlich Leid.

    Deshalb kann ich aber aufgrund meiner Erfahrungen niemandem empfehlen, gegen seine Neigungen und Träume "Vernunftentscheidungen" zu treffen.

    Ich kenne sehr viele Menschen, die an ihrem Lebensabend seufzten, wären sie doch in ihrer Jugend etwas wagemutiger und draufgängerischer gewesen, anstatt sich von allzu verführerischen Versprechungen früherer Generationen einlullen zu lassen und den scheinbar "sicheren" Weg zu gehen...


    Schöne Grüße,
    Rick
     
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