besonderheiten beim jazz

Dieses Thema im Forum "Anfänger Forum" wurde erstellt von hanjo, 30.März.2010.

  1. ChristophBM

    ChristophBM Kann einfach nicht wegbleiben


    Warum nur "unbewusst" ?!

    Warum nicht ebenso denkbar, daß sie es gemacht haben und es ihnen "bewußt" war?

    Über diese Frage, und die Frage, ob die ternäre Spielweise der meisten Jazzstile nicht schon eine Errungenschaft der Pre-Jazz-Epochen war, oder nicht, läßt sich trefflich spekulieren; wer von uns war schon dabei als man zu Mozarts Musik tanzte?

    Und daß Strauß mit seinem ternären Wiener Walzer eher eine gesellschaftliche, denn eine musikalische Revolution darstellte dürfen wir getrost annehmen.

    Getanzt haben die Menschen auf der ganzen Welt schon immer, und wir dürfen IMHO davon ausgehen, daß die Volkstänze in der ganzen Welt immer einen stark ternären Einschlag hatten und haben. Und das hat physiologische Gründe. Wer einmal erlebt hat wie Menschen im Stechschritt marschieren, der weiß wie stark binäre Achtel gegen jegliches "natürliche" Bewegungsgefühl verstoßen ;)

    Auch europäische Marschmusik swingt, wenn sie gut gespielt wird. Ich bin als W15er oft genug im Gleichschritt marschiert, und ich kann mich gut daran erinnern, daß wir umso leichter vorwärts kamen, je mehr wir "ternär" marschierten. Einfach, weil das der ökonomischste Bewegungsrhythmus ist.

    Und weil "Jazz" und "swing" [bewußt kleingeschrieben!] zu unrecht als Synonym verwendet werden, ein Satz von Ernst Mosch: "Hauptsache es swingt."

    Ich sage meinen Schülern immer, spiele so, daß Du Dir vorstellen kannst mit Deiner Spielweise jemanden zum Tanz, zur Bewegung zu animieren, wenn Dir das gelingt, dann swingt es auch.

    Gruß, Christoph
     
  2. billy

    billy Ist fast schon zuhause hier

  3. Rick

    Rick Experte

    Hallo Peter!

    Wie Du erwähnst, haben die nordamerikanischen Sklavenhalter den Afrikanern die Trommeln abgenommen/verboten - nicht aber die lateinamerikanischen.
    In der Karibik hat sich vielleicht am meisten die westafrikanische Kultur erhalten - doch dort ist ein 12/8-Rhythmus eher die Ausnahme... :roll:

    Es kommt ja auch nicht auf die Gesamtverbreitung ternärer Rhythmik an, sondern auf die kulturellen Einflüsse, die konkret in den US-Südstaaten am stärksten vorhanden waren.
    Pue hat die irischen Fiddler erwähnt, ich habe auf die kalabrische Tarantella hingewiesen.
    Ende des 19. Jahrhunderts gab es eine große Welle süditalienischer Einwanderung, viele wurden Musiker; vergessen wir auch nicht Nick LaRocca, den legendären Gründer der "Original Dixieland Jass Band", er war der Sohn eines sizilianischen Schusters. :-D

    In New Orleans kamen die Marching Bands nicht an Sousas damals sehr beliebten triolischen Märschen vorbei, die Salonmusik von Storyville beruhte auf spanischen, französischen und italienischen Tänzen.

    Erfolgreich durchsetzen konnte sich nur etwas, das auch vom damaligen Publikum akzeptiert wurde. Und die - zahlungskräftige! - Bevölkerungsmehrheit war südeuropäischen Ursprungs, bestimmte daher auch wesentlich den Massengeschmack.

    Interessant ist doch, dass die Ausprägung der ternären Spielweise im Jazz schon immer vom Tempo abhing:
    Mittelschnell (Marschtempo) = deutliche Triolisierung
    Schnell (Two Beat) = eher gerade Achtel, wie bei der französisch geprägten Cajun-Musik

    Und manche Stücke, wie etwa der berühmte St. Louis Blues, wechselten zwischen geradem und triolischem Grundrhythmus, was laut frühen Schallplatten auch den afro-amerikanischen Musikern keinerlei Schwierigkeiten bereitete. :cool:

    So ist es! :)

    Ich habe ja diese Diskussion auch vorwiegend deshalb angestoßen, weil ich bei meinen Schülern oft dieses von Hanjo geschilderte "Fremdeln" vor der "afrikanischen" Rhythmik wahrgenommen habe.
    Wenn sie sich aber statt Eingeborener der Elfenbeinküste italienische, alpine oder irische Volksmusiker vorstellen konnten, klappte die Triolisierung meistens leichter. ;-)


    Schöne Grüße,
    Rick
     
  4. Otfried

    Otfried Gehört zum Inventar

    Moin,

    vom Jazz versteh ich nix, da halt ich mich raus ;-)

    Aber hier

    erhebe ich Einspruch:

    Das, was wir heute als Salsa bezeichnen hat seine rhythmischen Wurzeln eindeutig im 6/8.

    Ob dieser dann eher durch eine afrikanische Tradition (bspw. den Rumbatänzen) oder eine europäische geprägt wurde (Contradanza (Country dance) u.a.), darüber kann man durchaus wieder beliebig im Sinne von Peter mutmaßen und spekulieren.

    Immerhin haben sich in Kuba möglicherweise einige sehr alte Tanz und Rhythmus Traditionen bewahrt, wie sie in den Santerias heute noch praktiziert werden.

    Gruß,
    xcielo
     
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