Böckchen anlöten mit Polster möglich?

Dieses Thema im Forum "Reparatur und Instandhaltung" wurde erstellt von Spacecat, 15.März.2026 um 12:15 Uhr.

  1. quax

    quax Gehört zum Inventar

    Hä?
    Es geht um Lötstellen und beim Weichlöten wird nunmal das Lot an der Verbindung der zuvor auf Schmelztemperatur erwärmten Bauteile aufgebracht. Schmelztemperatur des Lots des Lots natürlich. Sollte auch im sibirischen Winter funzen oder in Kamtschatka, Alaska oder Australien....:)
     
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  2. Alex_Usarov

    Alex_Usarov Ist fast schon zuhause hier

    @quax Ok, bevor wir durcheinander geraten, durch meine Deutschkenntnisse und Begrifflichkeitsgestrüpp.
    Beim Weichlöten werden die zu lötenden Ränder auf die Lötschmelztemperatur gebracht. Beim Hartlöten werden die Ränder nah an ihre eigene Schmelztemperatur gebracht, daher "kalte" in Gänsefüßle.
    Was dann passiert, kann ich an einem Beispiel gut veranschaulichen. Wenn ich eine Legierung (Helles Rotgold) brauche mit 555 Teile Gold (1060 C), 145 Teile Silber (960 C) und 300 Teile Kupfer (1080 C), schmelze ich im Tiegel Gold, dann Silber, wodurch der Legierungsschmelzpunkt auf etwa 1000 C sinkt, und erst dann lege ich den Kupfer hinzu. Und O Wunder!: sobald Kupfer (Blech oder Draht) den Schmelzpunkt der Gold-Silberlegierung erreicht, wird er angegriffen und beginnt sich aufzulösen, bei der Temperatur um 80 C weniger, als sein Schmelzpunkt. Erst bleibt ein Gerippe in der Pfütze liegen, dann ein Häutchen, dann löst er sich vollständig auf, ohne seinen Schmelzpunkt auch annähernd erreicht zu haben.
    Das gleiche geschieht in der Füge, wenn man sauber das Verfahren durchführt. Es ist in der Fuge genau genommen kein Löt mehr, und in den Rändern kein Grundmetall mehr.

    Ich ziehe da tiefen Schwarzwald ganz klar vor. Weil es dort wenig Menschen gibt, dafür aber saugeile Brötchen in jeder Bäckerei :).
     
  3. mato

    mato Strebt nach Höherem

    Hart- und Weichlöten unterscheiden sich schon durch die Lote, bzw. deren Schmelztemperatur. Silberlot kann nicht zum Weichlöten verwendet werden, da ist die Schmelztemperatur zu hoch.
    Löten ist nebenbei genauso wie kleben eine adhäsive Fügetechnik, das heißt, dass sich die Oberflächen von unterschiedlichen Werkstoffen ineinander „verzahnen“.
    Schweißen ist eine kohäsive Verbindung, bei der die Metalle ineinander fließen und das gleiche Metall als Zusatz verwendet wird.
     
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  4. Wuffy

    Wuffy Gehört zum Inventar

    Dann schau mal bitte vorbei....gerne Willkommen :)
     
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  5. JES

    JES Gehört zum Inventar

    @Alex_Usarov

    Falls du sagen willst, dass es beim hartlöten zu einer legierungsänderung in der lotfuge kommt, ist das falsch. Man schmilzt auch nicht die grundmaterialien an, sondern nur das Lot.

    "Beim Löten wird ein metallischer Werkstoff mit einem niedrigeren Schmelzpunkt als die zu verbindenden Werkstücke verwendet. Dieser Werkstoff, bekannt als Lot, fungiert als Vermittler zwischen den verbindenden Teilen. Die Kapillarwirkung beim Löten spielt eine entscheidende Rolle, da sie das Flussmittel im Lötprozess unterstützt und die Wärmeleitfähigkeit von Materialien optimiert. Löten und Hartlöten sind wichtige Verfahren in der Metallverarbeitung, die präzise Verbindungen ermöglichen."
    https://www.studysmarter.de/studium/ingenieurwissenschaften/fertigungstechnik/hartloeten/

    " Beim Hartlöten wird ein Füllmetall beziehungsweise Hartlot verwendet, das durch Erwärmung schmilzt und eine stabile Verbindung zwischen Werkstoffen ermöglicht. Das Grundmaterial wird dabei nicht selbst geschmolzen."
    https://www.cobes.de/hartloeten/

    Die Kraftübertragung erfolgt über Adhesion....wie bei Verklebung auch.
     
  6. Joachim 1967

    Joachim 1967 Kann einfach nicht wegbleiben

    Noch ein bißchen Wissen aus der Praxis:
    Weichlöten Lötzinn bis 450°C
    Hartlöten Silberlot 650°C
    Hartlöten Messinglot ca. 900°C
    Hochtemperaturlöten 1100°C
    Grundsätzlich gilt: Je höher die Arbeitstemperatur desto stärker die Lötverbindung.
    Vorbereitung der Lötstelle: mechanisch reinigen (Oxidschicht abschmirgeln). Die bei Erwärmung neu entstehende Oxidschicht wird durch das Flussmittel (säurehaltig) weggeätzt und verhindert.
    Dies gewährleistet eine molekulare Verbindung in der Randschicht zwischen Trägermaterial und Lot. Wers nicht glaubt: bitte mal etwas entlöten und dann versuchen das warme Lot abzuwischen wie einen Kleber...: die Oberfläche bleibt verzinnt und kann nur mechanisch entfernt werden. Im Gegensatz zum Kleben: der Kleber haftet nur auf der Oberfläche per Adhäsion (Anhangskraft)
    Der Lötspalt sollte möglichst klein (0,05mm) sein, er gewährleistet das Fließen des Lotes zwischen den Bauteilen (Kapillarwirkung).
    Bei Lötverbindungen sind die Lote immer die schwächsten Elemente, da das Trägermatetisl immer höhere Festigkeiten aufweist.
    Zu guter Letzt noch der Hinweis, dass das Flussmittel nicht zu stark erhitzt werden darf, da es sonst verbrennt und die Lötstelle neu vorbereitet werden muss...

    Grüße Joachim
     
  7. Alex_Usarov

    Alex_Usarov Ist fast schon zuhause hier

    20251201_195010.jpg
    Nun ja, das ist theoretisch vielleicht möglicherweise eventuell ungefähr so).
    Auf diesem Foto ist ein Armreif, den ich vor über 30 Jahren für meine Ex-Ehefrau angefertigt habe, ein Azubi-Stück in der Filigrantechnik. Der Grundmetall ist Neusilber (Schmelzpunkt genau dieser Legierung 1000 und paar Zerqetschte), der Löt ist Silber 875 (Schmelzpunkt etwa 850 C). Wie Du siehst, ist der Armreif eine einzige Lötstelle. Da meine Ex ihn 10 Jahre lang überall getragen hat und damit den Haushalt geschmissen hat, könnte man schon Hartlöten als eine relativ sichere Sache bezeichnen. Dann die Farbe: die geriefelten Drähte sind fast vollständig in Silberlot getunkt, quasi versilbert; man erkennt es an der Farbe. Aber die glatten, die haben Löt nur in der Fuge. Schau mal, wie sie oxidieren. Zwischen dem Draht und der Fuge gibt es keinen farblichen Unterschied: sie oxidieren gleichmäßig über Jahrzehnte hinweg.
    Wenn ich jetzt den Armreif durchsäge, wirst Du sehen, dass die Werkstoffe ineinander gehen (ich glaube, da passt der von @mato verwendete Ausdruck "verzanken" ganz gut). Wäre mir aber zu schade.
    Ob die Legierungen sich ändern? Jain. Ich würde sagen, sie verfließen an der Grenze. Und gehen ineinander ein.
    So ungefähr.
    Die Wissenschaft empfiehlt übrigens, die Komponente einer Legierung schmelzpunkttechnisch absteigend hinzufügen.
    Auch das stimmt nur theoretisch.

    L.G.
     
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  8. Alex_Usarov

    Alex_Usarov Ist fast schon zuhause hier

    Eventuell je nach Gebiet unterschiedlich. Bei Edelmetallen trifft es nicht ganz zu.
     
  9. JES

    JES Gehört zum Inventar

    @Alex_Usarov

    Wenn du Fachquellen nicht glaubst ist das deine Sache. Die Definition von Löten ist, man nehme ein Grundmaterial und verbinde dieses mit einem anderen Material, welches eine deutlich niedrigere Schmelztemperatur hat, als das Grundmaterialien, ohne das Grundmaterialie mit anzuschmelzen.
    Löten haftet wg Adhesion und ev noch mechanischer Verzahnung von Oberflächen. Chemisch passiert da nichts.
    Wenn du Neusilber mit Neusilber verbindest, also gleich mit gleich, ist das nicht Löten sondern Schweißen. Beim Schweißen werden, als Unterschied zum Löten, Grundmaterialien aufgeschmolzen. Anderes Verfahren, anderer Mechanismus, andere Verbindung.
    Ich habe aber keine Lust das weiter zu diskutieren... Saxophone werden nicht geschweißt, Verbindungsstellen nicht an- oder aufgeschmolzen. Ein Saxdoc weiß, wie es geht. Man kann auch zum Blechdoc gehen
     
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  10. giuseppe

    giuseppe Gehört zum Inventar

    @JES, der Ingenieur muss verstehen wie es funktioniert. Der Goldschmied muss „nur“ wissen, wie man es macht. Ich schau mir zumindest das Armband an und denk mir, das, passt schon mit den Begriffen, @Alex_Usarov weiß ganz offensichtlich, was er tut. Ich würde zumindest meinen Klappenschutz bedenkenlos von ihm anlöten lassen. :)
     
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  11. Alex_Usarov

    Alex_Usarov Ist fast schon zuhause hier

    Ach wenn es nur so wäre :).
    Ich glaube, wir müssen uns übereinander nicht ärgern. Meine häufige Differenzen mit @Gerrie und @Joachim 1967 basieren vermutlich darauf, dass sie beide aus der Industrie kommen und ich aus dem Handwerk. Würde ich mit industriellen Löten mit einfachen Stücken arbeiten, würde ich den Mitforisten in dieser Frage mit größtem Vergnügen recht geben. Aber die fertigen Filigranteile werden ausgehauen, in einem Ambos mit Punzeln zu Späeren gewölbt, zum Teil gewalzen. Da darf keine Lötstelle zu Schwachstelle werden. Daher mixe ich Löte selbst, je nach Bedarf. Wenn so ein Teilchen durchlötet wird, tue ich die Ganze Konstruktion nah an die Schmelztemperatur bringen und lasse den Lot eine gute Minute flüssig durch alle Fugen durchlaufen. Ist halt eine andere Baustelle. Aber gut, genug geschwätzt.

    Liebevoll, Alex
     
  12. Joachim 1967

    Joachim 1967 Kann einfach nicht wegbleiben

    @Alex_Usarov
    Ja, ich weiß dass bei der Schmuckherstellung Feinsilber manchmal mit Feinsilber gelötet wird damit man die Trennfuge nicht sieht. Ich habe jedoch nicht verstanden warum da von Löten gesprochen wird, für mich ist das Schweissen. Ich habe mal einen Ring aus Feinsilber gefertigt, da habe ich das so gemacht.
    Auch wenn emailliert werden soll wird das so gemacht, da Emaille nicht auf Silberlot hält.
    Ich habe jedoch von technischen Lötungen gesprochen.
    Das wollte ich nur klarstellen. Dass Du als gelernter Goldschmied natürlich ganz viel darüber weißt, ist mir doch klar. Und ganz ehrlich: ich bewundere, dass ein Goldschmied diese filigranen Lötungen so hinkriegt. Dein Schmuck ist großartige Handwerkskunst und ist sehr schön.
    Grüße Joachim
     
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  13. Joachim 1967

    Joachim 1967 Kann einfach nicht wegbleiben

    Jetzt warst Du schneller...
    Lieben Gruß Joachim
     
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  14. Alex_Usarov

    Alex_Usarov Ist fast schon zuhause hier

    Aber bei weitem nicht so schön, wie Dein Yamaha 82z:).
    Liebste Grüße zurück.
     
  15. Gerrie

    Gerrie Strebt nach Höherem

    @Alex_Usarov
    Das hat weniger mit Handwerk und Industrie zu tun.
    Industriell wird das oft induktiv gelöst.

    Eher unterschiedliche Bereiche im Handwerk.

    Ich habe mich auf die übliche Prozedur beim Weichlöten wie es früher bei der Installation üblich war oder auch am Sax angewendet wird bezogen.

    Was beim Schmuck gemacht wird weiß ich nicht, davon habe ich keine Ahnung.

    Ich sehe das nich als Differenzen zwischen uns.
    Deine Beschreibung ist interessant, hat eben im Zusammenhang mit dem Sax etwas verwirrt.

    Grüße Gerrie
     
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  16. Alex_Usarov

    Alex_Usarov Ist fast schon zuhause hier

    Das ist alles, womit ich nicht einverstanden war. Mit dem Sax hat es tatsächlich nichts zu tun.
    Liebe Grüße.
     
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