Die Akustik des Saxophons

Dieses Thema im Forum "Eigene (musikrelevante) Themen" wurde erstellt von ppue, 8.März.2026.

  1. quax

    quax Gehört zum Inventar

    @giuseppe
    Das sollte kein Riesenaufriss werden. Ich bin nur nicht einverstanden, dass das Schwingungsverhalten des Blättchens par ordre du mufti von der Rohrlänge diktiert wird.
    Wenn ich Deine Beiträge so überschaue, glaubst Du das auch nicht.
     
    giuseppe gefällt das.
  2. claptrane

    claptrane Strebt nach Höherem

    Deine Aussage über den Druck fand ich nicht logisch und habe Tante Google gefragt : "verringert sich der Wasserdruck wenn ich Wasser laufen lasse ?"
    Die KI generierte Antwort vom Google sagt ja, der Druck wird kleiner . Viel wird es aber wohl nicht sein, vermute ich
     
  3. JES

    JES Gehört zum Inventar

    Wenn in dem Schlauch, wenn ich vorne den Daumen auf die Öffnung lege und komplett zuhalte, 2bar Überdruck waren, ich den Daumen wegnehme, dann habe ich an der Öffnung keinen Überdruck mehr.
     
  4. Onkel D

    Onkel D Ist fast schon zuhause hier

    Das mit dem Druck und dem Schlauch führt hier nicht sehr viel weiter, fürchte ich. Wenn es dennoch interessiert:

    Beim geschlossenen Schlauch liegt der statische Druck an, den das System liefert (z. B. 3 bar Überdruck). Beim offenen Schlauch liegt am Hahn ein etwas geringerer Druck an (Fließdruck), weil das System ja immer nachliefern muss. Im Schlauch wird dieser Druck durch die Strömung/Reibung abgebaut, bis vorne am Schlauchende genau Umgebungsdruck anliegt (0 bar Überdruck). Wenn die Öffnung enger ist, fließt das Wasser im Schlauch langsamer, der Druck im Schlauch ist höher, dafür wird dieser Überdruck in der engen Öffnung (Düse) abgebaut und in Geschwindigkeit umgewandelt (kinetische Energie). Es fließt also bei der engeren Öffnung weniger Wasser mit höherer Geschwindigkeit raus, als bei einem nicht verengten Schlauchende. Am geöffneten Ende vom Schlauch liegt immer Umgebungsdruck an (Freistrahl).

    Hilft aber, wie gesagt, beim eigentlichen Thema nicht sehr viel weiter...
     
    Zuletzt bearbeitet: 25.März.2026 um 11:08 Uhr
    claptrane, Gerrie und giuseppe gefällt das.
  5. giuseppe

    giuseppe Gehört zum Inventar

    Naja, je länger das Rohr, desto mehr Mufti ist es. Auf dem tiefen Bb lässt sich die Tonhöhe nur noch relativ wenig durch den Mund ändern, mit Ausnahme vom Obertonspiel (bzw. Andersrum bei offener Oktavklappe nach unten).
    Warum der Ziehbereich mit kürzerem Rohr zunimmt, sodass man auf dem Mundstück vielleicht sogar etwas Richtung Duodezime schafft, weiß ich auch nicht. Auch eine Besonderheit dieser Instrumente. Ich vermute es hat mit dem Verhältnis der Eigenschwingungen des Blattes und der Röhre zu tun. Vielleicht verliert die Röhre Einfluss, wenn sie der Blattschwingung ähnlicher wird. Keine Ahnung.

    Aber eine Aufriss wollte ich natürlich auch nicht. Ich finde das einfach ehrlich spannend, habe unzählige Stunden in Lektüre und Experimente gesteckt und komme bei der Thematik in Fahrt. :pint:
     
  6. ppue

    ppue Mod Experte

    Gestern hatte ich zu wenig Zeit, um ausgiebig auf eure kritischen Anmerkungen zu antworten.

    Ohne die Resonanz der Luftsäule geht gar nichts. Die stehende Welle ist unabdingbares Prinzip für die Tonerzeugung in den unteren beiden Oktaven. Sie ist aber nicht "mächtiger", denn ohne den entsprechenden Ansatz wird die Luftsäule nicht in die entsprechende Schwingung versetzt. Das zeigt sich, wenn der Laie mal eben die tiefen Töne auf dem Saxophon anspielen soll. Da passiert gar nichts.
    Wichtig ist, dass wir die frei schwingende Fläche des Blattes mittels Lippendruck so einstellen, dass eine Kopplung und somit eine stehende Welle entstehen kann. Dabei haben wir beim Andrücken des Blattes einen gewissen Spielraum, heißt, wir können durchaus eine Oktave mit dem gleichen Ansatz abdecken.

    Der optimale Ansatz für jeden einzelnen Ton dieser Oktave ist dann doch ein individueller.

    Ich habe es etwas anders formuliert:


    Es entsteht dann der Ton, wenn beide Systeme sich koppeln. Ich kann die Passage aber vielleicht noch etwas schlüssiger formulieren. Danke für den Einwand.

    PS.: lese gerade, dass dir schon aufgefallen ist, dass ich es doch etwas anders formulierte. (-:

    "Klang nicht schön" sagt eigentlich alles und relativiert meine Aussage nicht, sondern unterstützt sie eher.


    Beim Anfänger fällt es auf. Weil er sich nicht anders zu helfen weiß, meist etwas verkrampft ist und die Lippe noch muskulös völlig undefiniert ist. Das Wort Beißen taucht immer wieder auf und der Chor der Musiklehrer, die seit 20 Jahren in das Horn tuten, stimmt einstimmig an: Locker lassen!

    Was sie eigentlich sagen müssten: Leg dir Muskelkraft in den Lippen zu, dann können die den Druck selber aufbringen und du musst nicht mehr die Zähne benutzen, um unter die Lippe zu beißen. Der Anfänger hat keine andere Möglichkeiten, den Blattdruck zu steuern. Die Lehrer haben oft keine Vorstellung davon, wie sich ihre eigene und gesamte Mundmuskulatur über die Jahre dahingegen verändert hat, dass sie ihren optimalen Ansatz haben.

    Locker lassen hilft dem Anfänger wenig, wenn er in die Palmkey-Region vorstoßen will. Das sind aber Detaill-Diskussionen, die mit der grundlegenden Akustik unserer Instrumente nur am Rande von Bedeutung sind.


    Hier ging es um das "Mahlen". Das Blatt wird nicht kürzer genommen, sondern lediglich die volle Länge etwas abgedämpft, zumindest, wenn es um Sanftheit geht (Subtone).

    Allgemein aber ist die individuelle Arbeit am Mundstück sicherlich sehr viel differenzierter zu betrachten. Aber auch damit befasste ich mich nicht, wenn ich von der grundlegenden Akustik spreche. Zur Klanggestaltung im Besonderen fehlte noch ein ganzes Kapitel.


    Ich selber kann das nicht bestätigen. Ich habe ein paar mögliche Ansätze. Den einen, der ein optimales Schwingen des Blattes ermöglicht. Damit kann ich die größte Lautstärke erringen. Diese optimal eingestellte Schwingung kann ich bestenfalls abdämpfen. Da gehen wir wieder Richtung Subtone. Ich kann aber nicht das Gegenteil produzieren, die tiefen Frequenzen verringern und mehr Höhen ins Spiel bringen.
    Allenfalls habe ich geringfügigen Einfluss auf die Obertöne durch verschiedene Zungenhaltungen.

    Klammern wir das Abdämpfen, also die Subtöne mal aus, dann klingt jeder anders aufgrund dieser Parameter:

    Mundstück
    Blatt
    Neck
    Korpus
    Mund- Rachenraum

    Vor allem klingt aber jeder anders durch die individuelle Art der Artikulation, Bendings, Vibrato, Verzierungen, und, und, und. Das sind aber nicht die Parameter, die den Klang an sich bestimmen.

    Genau deshalb hatte ich versucht, diese individuellen Ausdrucksmöglichkeiten in einem Aufnahmetest zu eliminieren und in Erfahrung zu bringen, was denn nun wirklich der Klang von Instrument, Setup und Spieler ist.

    Ein Mundstück mit starkem Baffle kannst du nicht spielen, ohne dass die oberen Mitten stark betont sind.

    Ich kann meinen Ton im Grunde nur mehr oder weniger abdämpfen und das wiederum betrifft nur die höheren Obertöne.


    Nein, das ist ein anderes Prinzip. Aber: In aller Regel wird es unterschätzt, wie viel man automatisch am Blattdruck korrigiert. In eigenen Testreihen musste ich doch erst einmal lernen, mit wirklich regungslosem Ansatz zu spielen.
    Es wird auch unterschätzt, wie wenig Bewegung es braucht, um den schwingenden Teil eines Blattes um die Hälfte zu verkürzen

    @Gerrie

    Ich spreche bewusst von Teilvakuum. Ein ganz normaler Begriff, wenn es um den Bernoulli-Effekt geht und richtig, der entsteht durch die höhere Strömungsgeschwindigkeit oberhalb des Blattes.

    Warum du bei tiefen Tönen mehr Luft brauchst? Weil der Spalt am Mundstück viel offener ist.
     
    Zuletzt bearbeitet: 25.März.2026 um 18:07 Uhr
    Gerrie und giuseppe gefällt das.
  7. JES

    JES Gehört zum Inventar

    Auf der Oberseite des Blattes strömt nichts... Oder deine Lippen sind nicht dicht. Das Blatt wird nicht umströmt, damit sind Vergleiche zum Flugzeugflügel, der tatsächlich beidseitig umströmt wird, falsch.
     
  8. Gerrie

    Gerrie Strebt nach Höherem

    hm, bist Du sicher?

    Im Bereich der Lippe „dichtet“ man das Blatt ab. O.k.
    Davor könnte es doch zur Strömung kommen?

    Versuche es mir gerade vorzustellen. Schwierig (für mich).
    Allein durch die Schwingungen muss doch was passieren?

    Ich gehe mal fertig kochen.


    Grüsse Gerrie
     
  9. ppue

    ppue Mod Experte

    Ich schrieb nicht Oberseite, sondern oberhalb des Blattes. Wo ist das, wenn du das Mundstück im Mund hast?
     
  10. Analysis Paralysis

    Analysis Paralysis Ist fast schon zuhause hier

    Stimmt doch gar nicht.
    Stimmt genauso wenig wie die Geschichte mit dem "No pressure" Ansatz, der auch dann und wann "empfohlen" wird.
    Das ist wie wenn der Opa zur Oma mit dem Tremor sagt: Zitter nicht so!
    Funktionieren tut's wenn viele Parameter gut ineinander greifen. Und da können die Proponenten die Geschichte auch völlig gegensätzlich erzählen.
    Ich kann zubeißen wie meine Schäferhundin und trotzdem ordentlich klingen.
     
    giuseppe und ppue gefällt das.
  11. JES

    JES Gehört zum Inventar

    Du kannst es drehen, wie du willst. Ein Blatt wird nicht umströmt.
     
  12. Gerrie

    Gerrie Strebt nach Höherem

    nach meinem Verständnis ist die Oberseite diejenige welche am Mundstück anliegt.
    Unterseite liegt auf der Oberlippe.
     
  13. ppue

    ppue Mod Experte

    Ich schrieb nichts von Oberseite, sondern "oberhalb des Blattes".Das sollte doch eindeutig sein, so das Mundstück im Mund ist.

    Es strömt ein Luftstrom von allen Seiten des Blattes durch den Spalt zwischen Mundstück und Blatt, an des Blattes plan geschliffener Seite entlang, ins Mundstück. Da es ein Spalt ist, durch den sich die Luft quälen muss, wird diese beschleunigt und dünner, es entsteht ein Teilvakuum und das Blatt wird an die Rail gezogen. Aber das steht auch alles oben im ersten Kapitel.
     
    Gerrie gefällt das.
  14. giuseppe

    giuseppe Gehört zum Inventar

    Ich glaube, der Teil, wie und warum das Blatt Richtung Rail ausgelenkt wird und zu schwingen anfängt ist auch relativ unstrittig. Da gibt es aus meiner Sicht spannendere Aspekte, die mit dem konkreten Spiel zu tun haben.
     
    Gerrie gefällt das.
  15. Analysis Paralysis

    Analysis Paralysis Ist fast schon zuhause hier

    Also ich hab vorher mit dem Tenor Quinten vom b bis f''' gespielt und mich im Monitor beobachtet.
    Man könnte schon auf die Idee kommen, dass da gar nix passiert, weil sehen tut man an der Lippe und am Kinn bei mir gar nix.
    Aber ich bin mir fast sicher, dass da Druckänderungen sind (ich spüre sie aber kaum) - und diese blöde Aussage mit dem Ansatz, der konstant sein muss, hat irgendwie schon seine Berechtigung.
    Viel mehr spüre ich aber innen, vor allem im hinteren Bereich der Zunge und beim Kehlkopf.
     
    claptrane, Otfried und giuseppe gefällt das.
  16. Otfried

    Otfried Gehört zum Inventar

    Mit dem hier geschriebenen bin ich weitgehend einvernehmlich:
    Ursprünglich hattest Du geschrieben:
    Das ist aus meiner Sicht mindestens missverständlich. Das Blatt schwingt nicht unabhängig von der Luftsäule im Saxophon. Blatt und Mundstückkammer und Saxophonröhre bilden ein stark gekoppeltes System. Im Endeffekt schwingt das Blatt ziemlich genau in den gleichen Frequenzen, wie die Luftsäule. Man kann am Blatt einen Piezotonabnehmer anbringen und somit das Saxophon ganz leidlich abnehmen.

    Aber Du hast Recht, das System muss sich aufschaukeln, ich glaube, beim Altsax dauert das ca 40 ms (habe ich so in Erinnerung). Was da in welcher Dynamik passiert, da kann man viel drüber theoretisieren, es passiert jedenfalls nicht so schön anschaulich und eindimensional, wie man das gerne hätte.

    Noch so ein schönes Thema ;-) Ich bin nach wie vor der Ansicht, dass sich im Mundraum durch den Vorgang des Ausatmens eine gerichtete Strömung ausbildet, in Richtung des Blattes. Natürlich nicht zu 100 %, so dass es auch Nebenströmungen, Verwirbelungen, seitliche Einströmung ins Mundstück gibt. Aber, man kann diese Strömung beeinflussen und somit den Klang etwas verändern.

    Dazu passt genau das, was der geschätzte Kollege hier beschreibt:
    Last not Least:
    Bei der ganzen Diskussion um das Schwingungsverhalten des Blattes fehlt ein Aspekt, der mglw, nicht ganz unbedeutend ist, ich weiß es aber nicht:
    Wenn wir den Luftstrom erhöhen, verändert sich ja auch die Geschwindigkeit des Luftstromes zwischen Blatt und Rail, die Schwingung wird schneller, auch ohne Verkürzung des Blattes.

    Es ging Dir aber eigentlich, so denke ich, nur um ein grundlegendes, stark vereinfachtes Verständnis, wie das mit dem Saxophonspiel so funktioniert, von daher ist das Alles nicht wirklich relevant.

    Gruß,
    Otfried
     
  17. JES

    JES Gehört zum Inventar

    Warum? Höhere Geschwindigkeit resultiert in höherem druckunterschied und damit in höherer Auslenkung. Höhere auslenkung resultiert in mehr Energie im schwingenden System... es wird lauter.
    Die frequenz wird aber über federsteifigkeit und schwingende Masse bestimmt... Beides änderst du nicht.
     
    claptrane und ppue gefällt das.
  18. Otfried

    Otfried Gehört zum Inventar

    Gutes Argument :)

    Was ist, wenn ich per Ansatz die höhere Amplitude unterbinde?

    Gruß,
    Otfried
     
  19. JES

    JES Gehört zum Inventar

    Das hat nichts mit deiner ursprünglichen Aussage zu tun.

    Wenn du deinen Ansatz änderst, änderst du die Federsteifigkeit des Blattes, unabhängig vom Luftstrom verändert sich dann die (vermutlich) die Frequenz.
    Jetzt können wir noch diskutieren, ob ich bei höherem Luftdurchsatz den Ansatz ändern muss. M.M.n. hängt das davon ab, wie locker dein Ansatz ist, bis zu welchem Druck im Mund du mit deinen Lippen den Bereich um das Mundstück abdichten kannst.
     
    claptrane und ppue gefällt das.
  20. Otfried

    Otfried Gehört zum Inventar

    Doch, hat es.

    Im physikalischen Modell, wenn ich alle anderen Parameter gleich lasse, und nur den Luftstrom erhöhe, erhöht sich beim Saxophon, wie bei allen Blasinstrumenten die Frequenz des Tons.
    Das Blatt muss also schneller schwingen, auch ohne Verkürzung.

    Gruß,
    Otfried
     
    Nemo gefällt das.
  1. Diese Seite verwendet Cookies, um Inhalte zu personalisieren, diese deiner Erfahrung anzupassen und dich nach der Registrierung angemeldet zu halten.
    Wenn du dich weiterhin auf dieser Seite aufhältst, akzeptierst du unseren Einsatz von Cookies.
    Information ausblenden