Die Wertigkeit eines Instrumentes und die Nachhaltigkeit

Dieses Thema im Forum "Eigene (musikrelevante) Themen" wurde erstellt von Bereckis, 25.Februar.2021.

  1. Bereckis

    Bereckis Gehört zum Inventar

    Das neue Selmer Supreme und meine eigenen Einkäufe bringen mich zum Nachdenken...

    Ich habe in den letzten Monaten viel Geld für Software (Orchester-Libraries, andere Sample-Libraries und externe SSD-Festplatten ausgegeben. Das Selmer Supreme würde das Dreifache kosten...

    Trotzdem hätte ich lieber das Selmer Supreme gekauft, wenn ich ich bereits ein gutes Alt-Sax hätte...

    Ja ich bin begeistert mit meiner neuen Software und nutze sie auch viel, aber...

    Mindestens dreimal im Jahr kommen irgendwelche Deal-Tage und die Software wird häufig bis zu 50 % und in Bundle bis 70 % reduziert. Natürlich habe ich dies in den meisten Fällen auch genutzt, aber es bleibt bei mir das Gefühl nichts Wertiges gekauft zu haben.

    Wenn ich an meine wunderbaren Blasinstrumente und Bässe denke, dann erfreue ich mich schon seit Jahren daran. Mein großes Akkordeon, dass ich mit vermutlich 10 Jahren gebraucht bekommen habe, habe ich immer noch und wird auch live noch genutzt. Die Instrumente sind für die "Ewigkeit" und werden mit mir gemeinsam älter.

    Ach ja, ich habe bereits im Internet recherchiert, meine gewünschte weitere Software (ca. 600 Euro) werde ich wohl als Summer-Deal in Juni für die Hälfte kaufen können...

    Was meint ihr?
     
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  2. TSax80

    TSax80 Ist fast schon zuhause hier

    Sehe und fühle ich genauso. Das ist das schöne an den analogen Instrumenten.
     
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  3. saxfax

    saxfax Strebt nach Höherem

    Deswegen heißt Software ja auch Software ;) schmilzt in der Sonne und ist zum baldigen Verbrauch bestimmt. Mit Nachhaltigkeit ist da nix.
     
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  4. zwar

    zwar Ist fast schon zuhause hier

    Ja, hm. Nun.
    Man kann in Software viel Geld sinnlos verbraten. Vor allem, wenn man da in so einen aktualitätsstrudel gerät.
    Mir haben da ein paar feste Grundsätze sehr geholfen. Ich kaufe nicht mehr, weil etwas billiger ist. Ich habe zum beispiel vor jahren vegas in einem humble bundle gekauft. Klar, irre billig. Aber was soll das, wenn ich sowieso mit davinci resolve werkel? Das programm ist überflüssig, was ich im Grunde ja vorher wusste.
    Im moment gibts angebote von vsl. Soloinstrumente 35% günstiger. Ist interessant, aber nein. Sollte ich ein weiteres Instrument tatsächlich benötigen, hole ich es mir DANN. Auch ohne Rabatt. Ich gebe so weniger aus, das ist meine Erfahrung. Ich habe die Programme und libraries die ich brauche bereits. Und ich freue mich auch nicht so sehr, wenn ich neue software installiere. Das ist bei richtigen instrumenten ganz anders. Zum Beispiel habe ich meinen alten Bass Bogen neu behaaren lassen, pfeffer und salz, bei der Gelegenheit gleich bessere Bögen zum testen bekommen, und einen davon behalten. DAS ist richtig Spaß! Und auf den Kontrabass von meiner Frau habe ich neue Saiten gemacht, Flexocore deluxe, Ebenfalls super, und das für ganz lange. Selbst an Kleinigkeiten wie ersatzminen für unsere noligrafen, neuen Sax Blättern oder gescheitem Notenpapier habe ich mehr Spass als an neuer Software.
     
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  5. Dreas

    Dreas Gehört zum Inventar

    Software interessiert mich nicht. Ist eine Notwendigkeit, kein Spass.

    Instrumente altern mit mir, oder auch meine Barbour Jacke.
    Die ist über 25 Jahre alt und wurde grade professionell aufgearbeitet. (Fast so teuer wie eine neue Jacke, aber eine neue hat für mich nicht annähernd den Wert meiner Jacke.)

    CzG

    Dreas
     
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  6. visir

    visir Strebt nach Höherem

    Software und physische Instrumente zu vergleichen ist wie essen und skifahren...

    Nachhaltigkeit... kaufen, was man "braucht", und da lieber langlebig... im jeweiligen Kontext, das lässt sich aber hier und dort anwenden. "Lieber einmal richtig statt mehrmals billig" wohl auch, ist vielleicht auch nur eine andere Formulierung des zuvor gesagten.

    Aber Software und physische Instrumente gegeneinander ausspielen...
     
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  7. TSax80

    TSax80 Ist fast schon zuhause hier

    Ich will seit langem das aufnehmen starten, aber immer wenn ich vor dem Rechner sitze und Cubase verstehen will, greife ich lieber das Horn. Blöde nur, dass ich so nie in die TOTMs reinkomme.
     
  8. RomBl

    RomBl Ist fast schon zuhause hier

    @TSax80
    Heiner, das geht mir genauso. Da ist mir irgendwie die Zeit zu schade für.
     
  9. 47tmb

    47tmb Gehört zum Inventar

    Mal ganz akademisich:
    Software ist "nachhaltiger" als jedwede Hardware. Die Produktion verbraucht kaum Ressourcen und entsorgt werden muss am Ende der Nutzung auch nichts.

    Mal ganz emotional:
    Hardware kann man sehen, anfassen als Objekt wahrnehmen.
     
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  10. TSax80

    TSax80 Ist fast schon zuhause hier

    Darum sind LPs und mit Abstrichen CDs auch so viel schöner als Spotify et al. Wenn sich majestätisch der Plattenteller dreht oder besser noch, die Tonbandspulen früher im Studio beim aufnehmen ein leises Rauschen erzeugten, das Röhrenradio bei den Großeltern langsam zum leben erwachte...

    Mein musikstudierender Pattenneffe neulich: "Jetzt habe ich schon 4 CDs, alle von Dir"
     
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  11. scenarnick

    scenarnick Ist fast schon zuhause hier

    Die Diskussion hier ist für mich gerade interessant, weil ich Software entwickle.
    Die Art und Weise, in der Software entwickelt wird ist nicht so nachhaltig wie es scheint. Ich verweise nur mal auf Studien, wie viel Energie durch "Data Center" verbraucht wird. Das aktuelle Modell der "Continuous Integration", das nahezu jede Firma und auch die Open Source Community verwendet ist sehr hungrig nach Tests, die sofort laufen und das setzt diese Farmen ganz schön unter Druck. (Für ein noch extremeres Beispiel von "Software" siehe hier: https://www.tagesschau.de/wirtschaft/technologie/stromfresser-bitcoin-mining-101.html - ja, BitCoin ist auch Software - kein anfassbares Geld mehr)

    Richtig - bei Software sind die Margen noch recht hoch, so dass man solche Deals anbieten kann (Sommerschlussverkauf, anyone?) aber das ändert sich bereits gewaltig durch die oben schon angesprochene Open Source Community. Auch wenn es ein Denkfehler ist, dass OSS "frei" ist. Irgendwovon müssen deren Entwickler auch leben, oder?

    Ohne Software könnten wir hier nicht kommunizieren. Ohne Software könnten Musiker sich nicht aufnehmen und das dann veröffentlichen. Wir kommen also nicht drumherum.

    Und ja - genau das! Auch wenn ich seit 20 Jahren Software selber entwickele oder die Entwicklung betreue brauche ich was "in der Hand", das nicht "booten" muss. Ich hab mir ein Klavier (Baujahr 1911) gegönnt und damit mein E-Piano ersetzt, A-Gitarre, Saxophon - alles kann man anfassen, es anders pflegen als ein Update einzuspielen. (Mal ehrlich, ein Sax putzen macht doch mehr Spaß als einen Update Knopf zu drücken und dann einen "Progress Bar" zu verfolgen, oder?

    In Summe: Beides hat seinen Platz, beides hat seine Kosten und damit auch seinen Wert. Software wird für mich und die meisten für uns hier nicht die physischen Instrumente ersetzen, wohl aber sinnvoll ergänzen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 26.Februar.2021
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  12. Claus

    Claus Moderator

    Isoliert betrachtet vielleicht. Aber neue Software war und bleibt immer auch der Treiber für neue Hardware. Die meisten Menschen tauschen doch z.B. ihre Computer und Smartphones nicht aus, weil sie kaputt sind, sondern weil das neueste Betriebssystem oder das neue Video-Schnitt-Programm noch ressourcenhungriger ist...
     
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  13. scenarnick

    scenarnick Ist fast schon zuhause hier

    Oder weil SW als Treiber für den Absatz neuer HW explizit geschrieben wird...
     
  14. Otfried

    Otfried Gehört zum Inventar

    Das stimmt so nicht. Bei der Entwicklung und dem Betrieb von Software werden Unmengen an Strom benötigt, und dafür zur Zeit enorme Mengen an CO2 in die Atmosphäre geblasen, bzw. Atommüll erzeugt.

    Zudem läuft die Software auf ökologisch ziemlich bedenklicher Hardware.

    Gruß,
    Otfried
     
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  15. SaxPistol

    SaxPistol Ist fast schon zuhause hier

    Muss mal schauen, ob der 486er im Keller noch funktioniert.
    Aber ob ich mich mit dem 56k-Modem noch ins Internet einwählen kann? - Geschweige denn irgendeine Seite geöffnet bekomme? :lol:
     
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  16. Claus

    Claus Moderator


    ....dauert






    .....halt






    .....etwas








    .....länger :)
     
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  17. Claus

    Claus Moderator

    Aber um noch einmal auf den Ausgangspost von @Bereckis zurückzukommen: ich empfinde die Anschaffung eines schönen Instruments auch als "nachhaltiger", weil es bei guter Behandlung kaum an Wert verliert (und in manchen Fällen sogar gewinnt).

    Und jedes gute Saxophon hat das Potential, seinen Besitzer zu überleben....
     
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  18. vmaxmgn

    vmaxmgn Ist fast schon zuhause hier

    Ich möchte in diesem Zusammenhang auch mal einen anderen Aspekt anführen. Für mich war Software nachhaltig, als es noch ein physisches Medium gab. CD oder USB Stick. Diesen konnte ich nach der De-Registrierung wieder verkaufen. Dies ist heutzutage alles kaum noch möglich... Entweder muss ich meinen Account mitgeben, damit der neue Nutzer die verkaufte Software nutzen kann, oder ich muss einen teuren USB Stick von der Firma kaufen, auf dem die Lizenz dann übertragen werden kann... auch mit den Apps die man für teuer Geld kauft ist es genauso. Diese kann ich nur mit meiner ID nutzen und kann sie nie wieder verkaufen, falls ich mal das System wechsle. Weiterhin bin ich bei den Apps abhängig ob der Entwickler die Software pflegt und bei einem Update der Systemsoftware, die App noch funktioniert. Das ist für mich ein Fass ohne Boden wenn ich immer auf dem neuesten Stand sein möchte, da ich immer Upgrades kaufen soll, damit die Software weiterhin bedienbar ist... mich nervt das gewaltig und ich habe nur noch das nötigste auf meinem Rechner. Was mich auch noch aufregt ist, dass viele Software Hersteller auf Abo umstellen. Ich habe einfach keine Lust 250 € im Monat nur für Abos zu bezahlen. Da kaufe ich mir lieber Noten. LG
     
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  19. SaxPistol

    SaxPistol Ist fast schon zuhause hier

    Ich denke, man dürfte auch die eine oder oder andere Fehlermeldung bekommen, wenn man versucht, mit einem Netscape Navigator von anno 199x versucht, eine neuzeitliche Seite zu öffnen. ;-)
     
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  20. Bloozer

    Bloozer Ist fast schon zuhause hier


    Der Mensch selbst ist auch so ein Stück hardware. Ohne sein Betriebssystem im Hirn bekäme er kein Ton aus seiner schönen Kanne, ja er würde nichts empfinden, kein Glücksgefühl, keine Freude, .... :)
     
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