Dom7alt

Dieses Thema im Forum "Improvisation - Harmonielehre" wurde erstellt von Silver, 25.Juli.2026 um 15:04 Uhr.

  1. Silver

    Silver Gehört zum Inventar

    Ich kuriere gerade eine Sommergrippe und die damit verbundene Langeweile spült allerlei Themen in mein zum Glück schon nicht mehr ganz so umnebeltes Gehirn.

    Dennoch (oder vielleicht gerade deshalb) schaffe ich es nicht, meinen Kopf systematisch um alterierte Dominantseptakkorde zu kriegen. Naja, eigentlich um die Notation derselben.

    Wenn die Alterationen explizit aufgeführt sind, ist es mir relativ klar, wo der jeweilige Akkord im stilistischen und harmonischen Kontext lebt und wie er klingen könnte.

    Zum Beispiel ein G7#9 hat neben der diatonischen großen Terz auch die b10, also die kleine Terz und kann als bluesig gelesen werden oder, wenn man die große Terz beim linearen Spiel übergeht, eine Melodisch Moll repräsentieren. Einfachster Fall.


    Jetzt aber meine Frage:
    Was haben sich die Looney Toons beim RealBook-Schreiben dabei gedacht, wenn sie „G7alt“ hinschreiben?

    - Gibt es ein systematisches „Rezept“, um das zu übersetzen (G7#5#9 z.B. passt nicht automatisch)?

    - Ergibt es sich aus einem Kontext, den ich gerade übersehe?

    - Haben die Transcribierenden an der Stelle gerade keinen genauen Peil gehabt und deswegen „irgendwas alteriertes, Bass spielt ein G - Muss also G7alt reichen!“ gedacht?
     
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  2. mato

    mato Strebt nach Höherem

    Da würde dann dorisch entstehen, und nicht melodisch Moll.

    Wenn bei den Akkorden Alt steht, assoziiere ich das mit der Alterierten Skala, also b9/#9/#11/b13, sozusagen das volle Programm.
     
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  3. mato

    mato Strebt nach Höherem

    Wobei man wahrscheinlich lieber #5 statt b13 sagen müsste, da alteriert keine reine Quinte hat.
     
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  4. Silver

    Silver Gehört zum Inventar

    Ja klar. Doch noch behämmert im Kopf :banghead:

    OK… und was davon spielt das Piano als Akkord?
     
  5. mato

    mato Strebt nach Höherem

    Ich denke mal, das hängt vom Stil des Pianisten ab und auch, was am besten in seine Stimmführung passt. Also abhängig vom Akkord davor und danach.
     
  6. giuseppe

    giuseppe Gehört zum Inventar

    Die alterierte Skala ist dahingehend ein A…, dass sie kein Arpeggio und somit keinen eindeutigen Akkord hat.

    Beim Pianisten sehe ich kein so großes Problem. Der spielt (wenn ein Bass den Grundton spielt) z.B. Terz und Sept in der linken Hand und rechts die Tensions, die gerade passen, etwa einen Molldreiklang auf B9 oder #9 oder einen Durdreiklang auf der #11 oder moderner reine Quarten auf der b13 oder whatever (so stelle ich mir zumindest das Pianistenleben vor).

    Aber beim Changes üben mit einem Melodieinstrument bin ich auch regelmäßig mit der Frage überfordert, was ich im Sinne der Übung (Arpeggio bis Sept, 3521, etc.) eigentlich nehmen soll. Es gibt kein vernünftiges Arpeggio vom Grundton mit der Durterz (außer das auf der b9 statt dem Grundton).

    Am konsequentesten bzgl. Tonmaterial üben wäre wohl, nur den Tritonussubstitut-Dominant mit dem Grundton im Bass zu nehmen, d.h. den B7#11 inkl. Lydian Dominant auf der #11 der Grundtonart. Da ist alles drin. Man verliert halt die Basslinie bei Übungen mit Basslinienbezug.
     
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  7. giuseppe

    giuseppe Gehört zum Inventar

    Eine Ergänzung: Wenn die Schreiber des jetzt als Original vertrieben Realbooks X7alt schreiben, hinterfrage ich nicht nur den Akkord, sondern die ganze Harmonisierung der Passage. Viel zu oft ist da eine moderne Reharmonisierung von Broadway Klassikern mit so vielen Extra 2-5 und Tritonussubstituten gespickt, dass es fast unmöglich wird, die Struktur des Stückes zu erkennen und sinnvoll auswendig zu lernen. Ich weiß diese Kunst zu schätzen, bin aber selber jemand, der es gerne transparent hat und spiele nicht gut genug, um die Changes wild um die Häuser zu jagen.
     
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  8. Silver

    Silver Gehört zum Inventar

    Danke, @mato und @giuseppe - da ist ne Menge dran.

    Meine Schwierigkeit - als jemand, der grundsätzlich nach „Modulen“ sucht, die so viele Takte wie möglich abdecken - ist es, solche vieldeutigen Viecher irgendwie in den Kontext zu bekommen und wenigstens einen oder zwei Guide-Töne zu finden, die mich durch so etwas durchbringen.

    Ich war halt noch nie der, der jeden beliebigen Akkord bei 180 Sachen sofort in Achteln ausbuchstabieren kann.
    Wenn beim Aebersold zwei Skalen pro Takt im Heft stehen wird es für mich unübersichtlich (und damit unmusikalisch).

    Meine Linien entstehen im Moment auf Basis dessen, was ich aus der Harmonie und der Melodie fühle und was deshalb an vorher mal Geübtem aus mir herauskommt.
    Da ist es manchmal gut, dass meine Linien im gleichen Moment auch schon wieder verklingen - insbesondere, wenn ich so einen alterierten Stolperstein in der Harmonie habe…

    Vielleicht hat ja noch jemand einen heißen Tipp, der mir dieses Rätsel zugänglich macht.
     
  9. Analysis Paralysis

    Analysis Paralysis Ist fast schon zuhause hier

    Cry Me A River - Lick von der #9.
    Da hast Du #9, b9, b13, 3 drin. Da ist schon viel gesagt :)
     
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