Jazz... auf verlorenem Posten?

Dieses Thema im Forum "Eigene (musikrelevante) Themen" wurde erstellt von lemon, 7.Januar.2012.

  1. rbur

    rbur Gehört zum Inventar

    Drum mache ich es mir ja auch extrem einfach und spiele nur Klassik.
     
  2. Thomas

    Thomas Strebt nach Höherem

    +1
     
  3. magick

    magick Kann einfach nicht wegbleiben

    Es gibt keine "gute" Musik im Sinne eines objektiven Absolutismus. Das ist Quark. Musik ist gut, wenn sie einem ganz persönlich gefällt. Wenn nicht, ist die Musik nicht gut. Punkt. Jedwede Einteilung von Musik in gut oder schlecht nach irgendwelchen Kriterien ist elitärer Quark von Leuten, die unbedingt nicht zum Mainstream gehören wollen.

    Was bringt es mir, wenn die einhellige Meinung ist, das ist gut, mir sich beim anhören aber die Fussnägel hochklappen.

    Das schöne an der subjektiv-individuell orientierten Klassifizierung ist, das das ein dynamischer Prozess ist, der innerhalb von Tagen/Wochen/Monaten/Jahren aus guter Musik schlechte Musik und umgekehrt machen kann.

    Ich bin übrigens mit WDR4 aufgewachsen, in den 80ern musikalisch geprägt worden (wir sind uns vermutlich einig, nach objektiven Kriterien würde der meiste Kram aus den 80ern als schlecht durchfallen, mit gefällts trotzdem immer noch) finde in jeder Musikrichtung irgendwo was was mir gefällt und etwas was nicht und fange langsam an mich für Jazz zu öffnen. Grundsätzlich kann ich weder mit "Das muss gut sein, das hören Millionen" was anfangen, noch mit "Das muss Mist sein, das hören ja Millionen". My 4ct
     
  4. Rick

    Rick Experte

    Hallo Magick!

    Dem stimme ich sofort uneingeschränkt zu!

    Nun, man kann vielleicht auf diese Weise motiviert werden, die Hörerfahrungen zu erweitern.

    Hilfreich finde ich da ppues Anregung, sich mal mit dem historischen und sonstigen Kontext der jeweiligen Musik zu beschäftigen.

    So habe ich beispielsweise als ausgewiesener Jazz-Fan von Kindesbeinen an erst Hard Rock zu schätzen gelernt, nachdem mir ein Mitschüler dazu Hintergrundinformationen geliefert hatte.
    Wir machten uns gegenseitig "Mixtapes" mit Erläuterungen, er über Deep Purple, White Snake, Rainbow usw., ich über Count Basie, Duke Ellington und Konsorten.

    Seither verstehe ich Hard Rock besser - und er ist selbst Jazz-Fan geworden! :)

    Da bin ich wieder völlig bei Dir.

    Zumal die Single-Charts als wichtigstes Kriterium für erfolgreiche Musik schon seit Jahrzehnten überwiegend vom Kaufverhalten weiblicher Kinder und Teenager bestimmt werden - wer sonst interessiert sich bitteschön überhaupt für Single-CDs? :-o

    Und bei aller Liebe, der wechselhafte Musikgeschmack kleiner Mädchen ist für mich nun wirklich nicht relevant. :lol:


    Schöne Grüße,
    Rick
     
  5. ppue

    ppue Mod Experte

    Im Sinne des objektiven Absolutismus kann ich Musik natürlich nicht qualifizieren. Die Diskussion über Gut und Schlecht sollte auch im Fluss sein.

    Dennoch bleibt eine Trennung. Zumindest für mich.
    So kann ich durchaus beurteilen, ob eine Dixieland-Revival-Band musikalisch und technisch gut ist, auch wenn ich es nicht hören mag.
    Erzähl mir nicht, dass es da keinen Unterschied gibt. Ich muss kein Hühnchen mögen, um sagen zu können, dieses hat Antibiotikareste und jenes eben nicht. Für mich ein Kriterium, dass nicht an meinen persönlichen Geschmack gebunden und von daher eher objektiv statt subjektiv ist.

    Wenn wir nicht mehr über Qualität von Kunst reflektieren, laufen wir Gefahr, kulturell in kommerzieller, vom Geld bestimmter Ware zu ersticken.
    Wenn städtische und private Konzertbetreiber, Museen, Kulturinitiativen und Schulen sich keine Gedanken mehr über künstlerische Qualität machten, dann bestimmt halt die Industrie, was ich höre.
    Das ist nicht nach meinem Geschmack. Und was nicht nach meinem Geschmack ist, ist schlecht (-;

    PS.: Ich habe keine Schwierigkeit, als elitär zu gelten.
     
  6. Gast

    Gast Guest

    @magick & Ppue

    Ich finde, Ihr habt BEIDE irgendwie Recht.

    "MUSIK" wurde mal definiert als eine ""Aneinanderreihung verschiedener Töne".

    Sobald das also gemacht wird, ist es "Musik" und kann daher nicht in gut oder schlecht eingeteilt werden....sondern eher in die Geschmacksfrage des Gefallens oder Nichtgefallens.

    Nun sind wir heute ja aber einen Schritt weiter...und können durchaus unterscheiden, wo die Unterschiede einer Beethovensymphonie im Vergleich zu "Da Da Da" von Trio in den 80igern liegen.
    Dem einen mag ja DADADA besser gefallen als ne Symphonie...
    dennoch ist s wohl klar, wo der qualitative "Mehrwert" liegt.

    Ich kann auch hergehen und sagen: Hey...ich fress halt gerne Mc Doof-Fastfood....das schmeckt mir besser als ein ausgewogenes Menu...aber ich kann nicht behaupten, dass es qualitativ besser gemacht sei.

    Wo liegt nun also der Grat zwischen GUT und SCHLECHT ?
    Ich denke, das definiert jeder für sich selbst anders.

    LG

    CBP
     
  7. lemon

    lemon Ist fast schon zuhause hier

    Ditto...

    Hier muss ich nach subjektivem Empfinden beiden Recht geben...

    Obwohl zu diesem Thema ehh alle Leute unterschiedlicher Meinung sind und für immer bleiben werden!

    MfG Lemon
     
  8. iwivera

    iwivera Nicht zu schüchtern zum Reden

    Der Vergleich mit dem Essen gefällt mir. Auch ein einfaches Essen kann schmecken. Kommt drauf an, wie gut es gekocht /gespielt wird. Und fünf-Sterne-Küche ist oft gewöhnungsbedürftig. Ich höre mir immer mal wieder auch Sachen an, von denen ich nach erstem Anschein sagen würden: nee, kann ich nichts mit anfangen. Manchmal werden die dann doch noch zum persönlichen Shooting-Star.
     
  9. ppue

    ppue Mod Experte

    Warum könnt ihr nicht privaten Geschmack von objektiver Qualität trennen. Sind doch offensichtlich zwei paar Schuhe.

    Mir gefällt das Auto oder das Auto ist von guter Qualität.

    Was spricht dagegen, zwischen Geschmack und Qualität zu trennen?

    Ersteres ist ein subjektives Gefühl, das zweite das Ergebnis einer wie immer gearteten Untersuchung des Gegenstandes.

    Wenn ich Musik höre, habe ich ein Gefühl. Wenn ich Musik untersuche, bekomme ich ein Ergebnis.

     
  10. Claus

    Claus Mod Emeritus

    Na, ganz so leicht, wie Du es suggerierst, ist die Trennung nicht. Das offensichtliche Problem liegt in der Festlegung der Kriterien und Maßstäbe für Deine "wie immer geartete" Untersuchung. Welche sollen das sein, die nicht zugleich auch wieder Ausfluss subjektiver Präferenzen sind?

    Das ist eben nicht so eindeutig wie die Zeit bei einem 100-Meter-Lauf.
     
  11. Thomas

    Thomas Strebt nach Höherem

    die Qualität des Autos ist recht leicht messbar, die Qualität der Musik wohl eher schwieriger. Welche Kopplung besteht eigentlich zum "Geschmack"?

    Innerhalb meinem "Geschmack" gibt es Musik, die gefällt mir, die höre ich gerne, freue mich darüber , geniesse sie und das wars dann auch. Es gibt aber auch Musik, die mich total mitnimmt und entrückt ( blind reingegriffen: z.B. Bruckner, Mahler...). Ist diese Musik dann von höherer Qualität auch weil sie mich so bewegt oder hat die Musik aufgrund ihrer Qualität einfach nur viel mehr Potential, mich so zu bewegen?
     
  12. Kommissar-Speciale

    Kommissar-Speciale Ist fast schon zuhause hier

    Um noch mal zur eigentlichen Frage zurück zu kommen:

    Neben Jazz gehöre ich der "DeutschRap" Fraktion an (und das schon seit ´94! --> Anfänge in Deutschland)

    Dem DeutschRap wird schon seit Jahren bescheinigt, dass er tot sei. Zusätzlich bescheinigen ihm das die zahlreichen RapJournalisten ebenfalls schon jahrelang.

    Nur: Das Gegenteil ist der Fall! Nach - zugegeben - einer dreijährigen "Durststrecke", war 2011 ein gigantisches Jahr für "die Szene" (mehrere TopTen und #1 Chartplatzierungen etc)

    Will sagen: Genau wie der DeutschRap (in alle seinen Variationen) gewissen Schwankungen unterliegt, so unterliegt auch Jazz-Musik (in all ihren Variationen) eben dieser.

    Solang CD´s genügend Absatz finden, solang "Jazz-Schulen" und "Jazz-Hochschulen" aus dem Boden schießen und sich auch wirtschaftlich halten können, solang es diese Jazz-Jugendpreise (weiß nicht genau wie der heißt, aber jede Hochschule hat doch so Gruppen, genau wie jedes Land usw.) --> genau so lang wird "Jazz" nicht aussterben.

    Da es "DEN JAZZ" nicht gibt und er eine steten Wandlung unterliegt (Subgenre, Subsubgenre etc) werden auch hier neue Kreationen auftauchen.
    Ob diese dann "Mainstream-Charakter" haben werden, sollten wir uns eher nicht wünschen, denn dann fangen sich die Karussel "Vermarktung" und "Merchandizing" sehr schnell an zu drehen! (Stichwort "One-Hit-Wonder)


    @Lemon: (in Anlehnung an den Satire-Thread) Heul hier mal nicht so rum.

    So far, der Kommissar.
     
  13. chrisdos

    chrisdos Strebt nach Höherem

    Vielleicht können wir ja auf einem Minimal-Konsens aufbauen: Es gibt gut und schlecht gespielte Musik.

    Warum sollte das nicht bewertbar sein?

     
  14. lemon

    lemon Ist fast schon zuhause hier

    @Komissar Speciale...
    Ich hatte da echt schlechte Laune auch sonst wegen Schule, jetzt wo ich mir das nochmal durchgelesen hab, ist mir aufgefallen, dass du da echt recht hast... da habe ich echt überreagiert.

    Tut mir Leid... war wirklich überzogen.

    MfG Und einer Entschuldigung Lemon
     
  15. Roland

    Roland Strebt nach Höherem

    Hallo!

    Das wäre *mir* allerdings etwas zuwenig.

    Eine Käseplatte kann ganz doll angerichtet sein, mit ausgesuchten, hochklassigen Rohmilchkäsen, fein abgestimmt usw. Da ich aber keinen kalten Käse mag, werde ich die Käseplatte nicht anpacken, egal wie gut sie gemacht ist. Ich mag kalten Käse nicht.


    Die maximale Komplexität des Audiosignals, was der Hörer im Durchschnitt verarbeiten kann, liegt nun mal recht niedrig. Jazz übersteigt dieses Grenze - je nach Genre - gerne, deutlich und immer wieder. Jetzt kann man den Jazz anpassen, dann hat man den ihr wisst schon, diesen komischen Saxer, der in Weichzeichnervidoes und halboffenem Hemd am Fenster spielt, dessen Namen nicht sagen darf und dessen Platten beim Lust for Life in der Pop-Abteilung stehen. Oder der Hörer lernt, mit komplexeren Material umzugehen und ändert seinen Kleidungsstil, z.B. Rollkragenpullover. Tertium datur: Mein Audio-Processing-Subsystem war immer schon in der Lage, komplexere Musik zu verarbeiten, der Harmonienalysator lief immer shon als Background-Task; deswegen konnte ich immer schon brauchbar nach Gehör spielen. Und ich kann und will Jazz hören auch ohne Rollkragenpulli. :)

    Meine Frau kommt aus 'ner anderen Ecke (King Crimson), hatte aber kein Problem nachzuvollziehen, was Branford Marsalis im Quartett spielte. Musikalisches Gespür hat sie!

    Liebe Grüße aus Aachen
    Roland




     
  16. zwar

    zwar Ist fast schon zuhause hier

    jazz ist ja erstmal nur ein wort, genau wie musik. erreichen wird uns jazz oder musik ja immer im detail. ein bestimmtes stück, von einer bestimmten combo gespielt, in einem bestimmten zusammenhang gehört, in einer bestimmten lautstärke, mit erinnerungen verknüpft oder auch nicht.
    wenn da genug positives zusammenkommt, finde ich jazz gut.
    aber es gibt stücke, da hilft kein ausdruckstarker gesang oder cooles saxspielen, kein nettes ambiente, keine assoziation, weil die stücke einfach bedeutungsarm sind. ich streite mich eigentlich auch nie darüber mit anderen musikern, weil da doch ziemliche einigkeit da ist, was gute und was schlechte musik ist (um jetzt mal schwarz weiß zu bleiben). ich finde die gleichen metal-stücke am besten wie unser gitarrist, wobei ich metal grundsätzlich nicht mag.
    es ist schwer zu beschreiben, aber manche stücke/interpretationen "haben was", und andere nicht.
    ich habe jedenfalls unter oft ganz unterschiedlich orientierten musikern in der hinsicht viel konsens erlebt.

    direkt zum thema: jazz auf verlorenem posten...
    vielleicht in den staaten, aber nicht in europa. dafür ist der europäische jazz zu innovativ. :-D

    gruß

    zwar
     
  17. saxfax

    saxfax Strebt nach Höherem

    Um mal die oroginalfrage zu beantworten

    Das war in meiner Schulzeit (Anfang 1970er) wirklich genauso. Jazz war für mich damals nur Dixieland, den alte Herren spielten. Keiner in meiner Klasse hörte sowas. Da waren Bee Gees angesagt, auf den Schulfeten liefen Alice Cooper und Stones und Monkees und Tull etc. Cream galt als intellektuell, von Zappa ganz zu schweigen. Kein Jazz war in Sicht. Eher noch Folk.

    Natürlich sterben irgendwann die alten Heroen, aber die jungen müssen ja erst noch alte Heroen werden.

    Und: schau Dich mal im Forum um!

    Wirklich? Ich finde, dass es mehr geworden sind. Zumindest gibt es hier in der Provinz deutlich mehr gute Konzerte als damals. Wahrscheinlich sind deswegen die Gagen immer schlechter geworden.

    Das ist nach meiner Meinung eine Sache der Wahrnehmung. Jazz war in meiner Jugend auch schon keine Popmusik mehr, da zählte nur die Gitarre. Von daher ist das Revival (auch des Saxophons!) schon erstaunlich.

    Gruß
    Saxfax
     
  18. lemon

    lemon Ist fast schon zuhause hier

    @Saxfax Das mit den Jazzmusikern war auch so gemeint, dass es mir so vorkommt... den bei allen Jazzkonzerten oder was auch immer wo ich bisher war gab es zum Großteil nur ältere Musiker udn deshalb drängte sich mir dieser Verdacht auf... Den Vergleich zu "Damals" kann ich nicht kommentieren, da ich erst seit kurzem darauf achte...

    Noch eine Sache, seitdem ich diesen Thread hier nochmal gelesen habe hat sich meine Sicht auf die Dinge auch schon wieder verändert...

    MfG Lemon
     
  19. Tröto

    Tröto Strebt nach Höherem

    Noch eine kleine aktuelle Zugabe:
    hier!
     
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