Jazz TOTM - Improvisation, wie gehe ich es an?

Dieses Thema im Forum "Improvisation - Harmonielehre" wurde erstellt von Mugger, 7.Dezember.2012.

  1. Rick

    Rick Experte

    Hallo Chris!

    Weil die Erfahrung gezeigt hat, dass manches, was in Foren geschrieben wird, leicht von Lesern als "absolut" angesehen werden kann.
    Deshalb ist mir die Relativierung wichtig gewesen.

    Wie Du Deinen Beitrag gemeint hast, hast Du ja schon verdeutlicht, ich sehe da mit Dir auch keinen Konflikt. :)

    Ja gerne! :-D

    ... Was ich auch für sinnvoll halte. Denn in der Improvisation muss man schließlich selbst bewerten, was (bzw. welcher Ton) für einen selbst "richtig" oder "falsch" ist, die Entscheidung kann einem niemand abnehmen. ;-)


    Liebe Grüße
    Rick
     
  2. Gelöschtes Mitglied 7743

    Gelöschtes Mitglied 7743 Guest

    Ich übe als Improanfänger Tonleitern eigentlich nur auf zweierlei Weise, je nach Bedarf:

    Schema A: Dur-Tonleiter eine Oktave (beispielsweise C->c), dann in der gleichen Tonart einen Ton höher und wieder herunter (d->D), vom nächsthöheren Ton das ganze wieder eine Oktave rauf (E->e), dann wieder vom nächsthöheren Ton wieder herunter (f->F), usw. und ggf. rhythmisch variiert. Man spielt mit der C-Dur-Tonleiter also nacheinander C-ionisch (Dur) herauf, D-dorisch (herab), E-phrygisch (herauf), F-lydisch (herab), G-myxolydisch (herauf), A-äolisch (herauf), H-lokrisch (herab) und C-ionisch (herauf) und umgekehrt. M.E. hat dies den Vorteil, das man damit alle mit der entsprechenden Dur-Tonart verwandten Skalen gleich mitlernt, ohne sich vorher Gedanken darüber machen zu müssen. Man muss sich anschließend nur die komischen Namen und die Lage der Grundtöne merken.

    Das Schema funktioniert natürlich in allen Tonarten (z.B. D-ionisch (Dur) herauf, E-dorisch (herab), Fis-phrygisch (herauf), G-lydisch (herab), A-myxolydisch (herauf), H-äolisch (herauf), Cis-lokrisch (herab) und D-ionisch (herauf)) und auch mit pentatonischen Skalen (verschiedene Modi der Dur-Pentatonik, wobei der 5te Modus eine klassische Moll-Pentatonik ist) und Bluesskalen.

    Schema B: C-Dur-Tonleiter eine Oktave (C->c), dann in der gleichen Tonart einen Ton höher und wieder herunter (d->D), Cis-Dur-Tonleiter eine Oktave (Cis->cis), dann in der gleichen Tonart einen Ton höher wieder herunter (dis->Dis), usw. Damit übt die Tonleitern chromatisch und wird unabhängig vom Denken im Quintenzirkel.

    Vor dem Ausarbeiten einer Improvisation ist es m.E. hilfreich die Tonleitern in der Tonart (den Tonarten) des Stücks nach Schema A zu üben. Man kann auch gelernte Licks mit diesen Tonleitern variieren und damit neue Melodielinien kreieren.

    Beste Grüße,
    BCJ
     
  3. cara

    cara Strebt nach Höherem

    Mich würde mal interessieren, was am auswendig lernen so schlimm sein soll.
    Bei den Standards sind es doch sowie immer nur ein paar Takte. :roll:
    Was die Finger lernen, sollte der Kopf erst recht lernen können. ;-)

    Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass man (gut) improvisieren kann, wenn die Finger machen, was sie wollen, weil der Kopf ihnen nicht sagen kann, was er will.
    Die paar Takte auswendig ist doch die kleinste Übung bei der Vorbereitung zum Impro.
    Oder sehe ich da was falsch?

    Gruß Cara



     
  4. Werner

    Werner Strebt nach Höherem

    Wenn du von älteren jazz ausgehst, sind die Themen meist eher einfach. Bei späteren Stilen, insbesondere BeBop, brauchen die Themen ev ganz schön viel Aufmerksamkeit, auserdem sind sie oft sehr schnell.
    Donna Lee z.B. hat relativ einfache Changes, aber komplexe Melodik. Das Thema "mal eben" auswendig lernen, ist da nicht.



    http://swing-jazz-berlin.de/#band
     
  5. Gelöschtes Mitglied 5328

    Gelöschtes Mitglied 5328 Guest

    @ Cara

    Falsch siehst Du das sicher nicht. Es jedoch auch kein Muss, das Thema
    erstmal auswendig zu lernen. Manche lernen auch schneller auswendig als
    andere.

    Ich z. B. gehe nicht den Weg: "erst das Thema auswendig, dann die
    Impro". Bis ich das Thema drauf habe, kann ich eh auswendig (mal mehr mal weniger....es verinnerlicht sich jetzt aber viel schneller als noch vor
    einem Jahr).

    Mit der Impro fange ich an, sobald ich das Thema einigermaßen sicher spielen kann. Der Rest ergibt sich dann halt....

    LG

    Dreas
     
  6. cara

    cara Strebt nach Höherem

    @Werner
    naja, das Thema hier heißt ja
    Jazz TOTM - Improvisation, wie ...
    da gab es meines Wissens keine besonders komplexen Themen bisher.

    @Dreas
    Niemand muss irgendetwas. Ich denke nur, hier geht es darum, mit welchen Hilfen man seine Impro vorbereiten kann. Ich bin jedenfalls froh über jeden sachdienlichen Hinweis (klingt irgendwie nach Kripo :-?), den ich für mich versuchen kann, um weiter zu kommen.


    Bisher mache ich mich mit der Melodie vertraut, spiele sie zum Playalong, dann auswendig zusammen zum Playalong mit Melodieinstrument. Dabei höre ich immer schon die Begleitung des Improteils, um meine Ohren daran zu gewöhnen, was da passiert.

    Als nächstes höre ich mir verschiedenes auf Youtube dazu an oder auf CD. Die Frage ist: Wer spielt dieses Stück wie - um eine Gefühl dazu zu bekommen. Manches mag ich, manches nicht, okay. Was ich mag, höre ich mir mehrmals an.

    Als nächstes schau ich mir die Akkorde an, üb die Tonleiter, spiel die Akkorde durch und neuerdings kann ich daraus auch eine Basslinie ableiten. Immerhin. :-D Hab's aber erst einzweimal gemacht.

    Das ist ungefähr mehr oder weniger meine Vorbereitung.
    Wirklich einen Plan habe ich dann eaber immer noch nicht.

    Was hilft es, die Melodie durch alle Tonleitern zu jagen?

    Gruß Cara






     
  7. chrisdos

    chrisdos Strebt nach Höherem

    Und am Ende jeden Beitrages die Haftungsausschlussklausel nicht vergessen... :-D
     
  8. Juju

    Juju Strebt nach Höherem

    Für das konkrete Stück hilft es nicht unbedingt. Für Dein Spiel im Allgemeinen hilft es ungemein. Es schult Dein Gehör. Du wirst merken, dass es mit jedem Stück etwas flotter geht. Du gewöhnst Dich daran, Dinge in unangenehmen Tonarten zu spielen. Du kannst Ausschnitte von einem Stück bei der Improvisation von anderen Stücken verwenden (Alternative zu "Licks"). Grundsätzlich, wenn man regelmäßig ein Stück oder ein Lick (auswendig) durch alle Tonarten bringt, wird man sich wundern, wie es allmählich immer besser geht, auch wenn man es anfänglich absolut verflucht und Ewigkeiten dafür braucht...
    LG Juju
     
  9. cara

    cara Strebt nach Höherem

    @Nightwatchman
    danke, ich verstehe.
    Ein steiniger Weg - mit Jagen wird da erst mal nix, eher mit Stolpern. ;-)

    Gruß Cara
     
  10. Mugger

    Mugger Guest

    Morgen,

    wenn Du die Geduld hast, verlangsame das, was Du spielst.
    Ist auch eine meiner "Hausübungen". Improvisieren auf Tempo 60-80.
    Erstaunlich, welche Ideen da kommen.
    Sind die erst mal da, ist das Umsetzen auf 220 kein großes Problem.

    Liebe Grüße,

    Guenne
     
  11. cara

    cara Strebt nach Höherem

    nein, Geduld gehört leider nicht zu meinen Stärken.
    Ausdauer schon.
    D.h. ich muss mir einen guten Plan basteln mit vielen kleinen Meilensteinen, um der Ungeduld ein Schnippchen zu schlagen. :-D
    Werde ich mit einbauen. Vielleicht bei mir eher 50-60. Mal schaun,

    Gruß Cara
     
  12. cara

    cara Strebt nach Höherem

    was ich natürlich in #66 total vergessen habe zu erwähnen, ist der Rhythmus des Stücks.

    Den mache ich mir natürlich noch vor der Melodie irgendwie zu eigen. Wenn es geht zur Playalong zählen/wippen, ansonsten nur mit zählen/wippen.

    Gruß Cara
     
  13. Mugger

    Mugger Guest

    Moin,

    mach grad folgende Übung über Ladybird:
    Langsames Tempo (60-70), von Akkord zu Akkord sind nur stufenweise Wechsel erlaubt (also Halb- oder Ganzton), Tensions natürlich schon.
    Das übe ich ein paar Minuten, dann entwickle ich daraus ein Solo. Ich muss mich also nach vorne orientieren, gleichzeitig darf ich den Faden zum bereits Gespielten nicht verlieren.

    Liebe Grüße
    Guenne
     
  14. cara

    cara Strebt nach Höherem

    @Mugger
    wenn man die Tensions runterzieht, ergibt sich dadurch doch wieder exakt eine Tonleiter des Grundton des Akkords?

    Was ist der Unterschied zwischen "mit der entsprechenden Tonleiter über die Akkorde spielen" oder "mit den Akkordtönen und den Tensions"?

    Das Tonmaterial ist doch gleich. Und wenn nur kleine Schritte erlaubt sind, nur horizontal?

    Gruß Cara
     
  15. Mugger

    Mugger Guest

    Servus,

    Wenn Du (Tenor) z.B. auf dem A im Dmaj beginnst, kannst Du im folgenden Gm auf Bb oder G, im folgenden C7 wenn Du Bb spielst auf C oder A, wenn Du G spielst auf A oder F#.
    Den Rest hab ich jetzt nicht so gut verstanden, sorry.

    Liebe Grüße,
    Guenne
     
  16. cara

    cara Strebt nach Höherem

    Ja, vielleicht habe ich die Frage blöd gestellt. :roll:

    Danke

    Gruß Cara

     
  17. Gelöschtes Mitglied 5328

    Gelöschtes Mitglied 5328 Guest

    @ Cara

    "Ja, vielleicht habe ich die Frage blöd gestellt."

    Finde ich gar nicht. Ich verstehe das auch so. Wenn Du die Akkorde
    und ALLE Tensions spielst hast Du wieder die Skala.

    Aber vielleicht meinte Guenne ja schwerpunktmäßig nur Akkordtöne
    und hin und wieder 9 oder 13 damit es farbiger wird?

    LG

    Dreas
     
  18. cara

    cara Strebt nach Höherem

    okay, Tensions nur, wo nötig, z.B. damit die Stufen nicht zu groß werden (und farbenfroher :) )

    Gruß Cara
     
  19. Mugger

    Mugger Guest

    Nabend,

    jetzt verstehe ich.
    Aber ich denke nicht an 13, b9, #9 oder sonstwas.
    Ich versuche, sinnvolle Melodien zu spielen, wo halt nominell möglicherweise diese Tensions vorkommen.
    Um diese simplen "Linien" herum versuche ich dann Melodien zu erfinden.

    Liebe Grüße
     
  20. Saxoryx

    Saxoryx Strebt nach Höherem

    Nachdem ich das jetzt alles durchgelesen habe, frage ich mich, wie man überhaupt zu einer Improvisation kommen soll, wenn man sich so viele Gedanken macht. Als Anfänger meine ich jetzt, nicht als Profimusiker oder jemand, der schon Jahrzehnte spielt.

    Ich war bis zum letzten Sonntag zehn Tage lang auf der Musikwoche, von der ich erzählt habe, habe dort in einer Jazzband/Bigband gespielt (nachdem ich erst 3 Monate spiele, aber das hat niemand gestört), und einige von uns haben beim Abschlusskonzert ein Solo gespielt. Es waren alles reine Hobbymusiker mit noch nicht sehr langer Spielerfahrung, ein, zwei, drei Jahre. Keiner der Solisten hat vorher ein Stück seziert oder sich Akkorde bis in die tiefsten Tiefen überlegt, das ging mehr nach Laune und Gehör. Natürlich klang das nicht wie Parker oder Coltrane, aber das Entscheidende daran war: Wir hatten Spaß. Ein bisschen Theorie haben wir auch gelernt, aber so richtig verstanden hat das wohl niemand von den Teilnehmern. Trotzdem konnten alle ein bisschen Improvisieren, wenn sie dazu aufgefordert wurden. Und das innerhalb einer Woche.

    Deshalb kann ich für Anfänger nur unterstreichen, was hier schon öfter gesagt wurde: Einfach machen. Am Anfang nicht zu viel nachdenken, sondern einfach spielen, zuhören, spielen. Ich habe jedenfalls in diesen 10 Tagen unheimlich viel gelernt, ich habe einen Riesensprung gemacht und spiele jetzt ganz andere Sachen als vorher. Hätten die 10 Tage hauptsächlich aus Theorie, Sezieren und Akkorde lernen bestanden, hätte ich wohl kaum etwas gelernt. Jetzt kann ich einfach drauflos Improvisieren, auch wenn ich noch nicht viele Töne zur Verfügung habe, aber es hört sich erstaunlich gut an. Es hört sich überhaupt nicht so an, als ob ich erst 3 Monate spiele. Vorher hat es sich so angehört.

    Also ich möchte jedem Anfänger einfach den alten Spruch in Erinnerung bringen: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Theorie ist eine schöne Sache, aber ich kann auch Improvisieren, wenn ich keine Ahnung habe, was ein Dominantseptakkord ist, einfach indem ich zuhöre. Und ein paar Töne nachspiele.
     
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