Länge der Luftsäule

Dieses Thema im Forum "Eigene (musikrelevante) Themen" wurde erstellt von visir, 29.April.2026 um 20:53 Uhr.

  1. visir

    visir Gehört zum Inventar

    Hallo alle!

    Aus Jux und Neugierde, und weil bei einer Veranstaltung neulich gesagt wurde, dass das Fagott 2,5m Luftsäule hat, wollte ich das einmal von meinem Basssaxophon wissen. Hab eine Schnur mit Gewicht durchgelassen (ja, die nimmt den kürzesten Weg...), den S-Bogen extra gemessen, und bin auf 2,75m gekommen. Nun spielt das als tiefsten Ton ein klingendes as, das hat 51,9Hz und damit eine Wellenlänge von 6,55m. Die Hälfte davon ist 3,28m... immer noch deutlich mehr als 2,75m. Hm... kann ich durch den direkten Weg der Schnur um die Kurven einen halben Meter "verloren" haben? Habe ich wo einen Denkfehler? Das Knie hat freilich schon ziemliche Ausmaße...
     
    kindofblue und giuseppe gefällt das.
  2. ppue

    ppue Mod Experte

    Dass die Länge deines Horns von der halben Wellenlänge abweicht, hat, meines Erachtens verschiedene Ursachen. Erst einmal musst du zu der Länge des Korpus, oben am S-Bogen, eine virtuelle Spitze dazurechnen. Die ist recht lang, also viel länger als dein Mundstück und hat in etwa aber das gleiche Volumen dieses.

    Dann kann es sein, dass dein Instrument eine andere Steigung hat, die nicht genau dem Konus entspricht, der exakt in die Oktave überbläst. Stell dir vor, dein Rohr wäre zylindrisch, also klarinettenähnlich, dann wäre dein tiefster Ton ein Db, also eine Quinte unter deinem Ab. Je geringer die Steigung, desto tiefer der Ton bei annähernd gleichbleibender Tonhöhe des zweiten Registers.

    Dann kommen noch etliche Unsauberkeiten dazu, in erster Linie die Tonkamine, die ja ein Volumen haben, das, zusammengerechnet, beim Basssaxophon doch schon eine erhebliche Größe ausmacht. Auch dieses Volumen senkt die Tonhöhe.

    Das sind schonmal drei Faktoren, die die endgültige Tonhöhe des tiefsten Tones bestimmen. Diese halbe Wellenlänge stimmt also nur im nicht realisierbaren Idealkorpus, nicht aber in der Realität.
     
    kindofblue und giuseppe gefällt das.
  3. giuseppe

    giuseppe Gehört zum Inventar

    Neben der Abkürzung der Schnur hat @ppue schon das m.E. wichtigste genannt: die Länge des virtuellen Konus bis zur Spitze und eventuell auch das mit der Steigung des Konus - da müsste ich jetzt allerdings nochmal Klarinette und Sopran vermessen und nachrechnen, welche der beiden jetzt eigentlich näher an der theoretischen Halbwelle ist, ich weiß es tatsächlich nicht. Ist das Sopran „normal“ und die Klarinette „abnormal“ oder umgekehrt, was Wellenlänge und Rohrlänge betrifft?

    Ergänzen möchte ich nur die Rolle des Trichters. Die Weite beeinflusst nämlich auch die virtuelle Länge der Röhre und je weiter desto länger.
     
    kindofblue gefällt das.
  4. visir

    visir Gehört zum Inventar

    Ah ja... das sind genug Effekte, um die Differenz zu erklären. Und eben, dass die Schnur ja die Kurven zu eng nimmt. Das ist unten am Knie (in etwa) 5cm statt 15cm (Rohrmitte) Radius und am oberen Bogen 4cm statt 8cm. Das sind alleine schon ca. 21cm.

    Hab jetzt einen link gefunden, der Rohrlängen angibt:
    https://www.msdw.at/unterrichtsfächer/instrumentalunterricht/saxophon/

    Beim Bari messe ich 207cm mit der Schnur... plausibel.
    Dass das Bari mehr als die doppelte Rohrlänge wie das Alt hat, mag am tief-A liegen.
    Wenn ich aber die Länge vom Tenor verdopple, komme ich nur auf 262cm, und da habe ja ich schon mehr mit der Schnur gemessen - ?
    Gibts irgendwo "offiziellere" Angaben der Rohrlängen?
     
    kindofblue gefällt das.
  5. elgitano

    elgitano Ist fast schon zuhause hier

    Guten Morgen,
    laut dem befreundeten Orgelbauer vor Ort (ich habe ihn schon des öfteren hier erwähnt, da ich viel von seinem Wissen halte und aufnehme) erklärte mir die Länge der Pfeifen, welche in aller Regel zylindrisch sind.
    Die Länge der Rohre weichen von der realen Länge ab, da die stehende Welle nicht direkt am Ende des Rohres reflektiert wird, sondern erst etwa 10% nach dem Ende von der umgebenen Luft reflektiert wird. Diese 10% hängen von Lautstärke und Durchmesser ab, evtl. auch von der Umgebungstemperatur. Beim Saxophon mit öffnenden Trichter wird das noch schwieriger es genau zu definieren.
    Das sieht man schön an den verschiedenen Positionen der Tonlöcher für tief B und Bb (an Instrumenten bis tief Bb) am Bariton. Vor allem an historischen Instrumenten, welche keine MK VI Kopieen waren. Diese haben unterschiedliche Abstände voneinander, was mich immer gewundert hatte. Das liegt an der Form der unterschiedlichen Trichter, somit an der unterschiedlichen Reflektion.

    Ich gehe erst mal davon aus, dass er mir keinen Mist mitteilt
    Schönen Tag und 1.Mai
    Claus
     
    quax, Paco_de_Lucia, ppue und 3 anderen gefällt das.
  6. ppue

    ppue Mod Experte

    Ein gutes viertes Argument.
     
  1. Diese Seite verwendet Cookies, um Inhalte zu personalisieren, diese deiner Erfahrung anzupassen und dich nach der Registrierung angemeldet zu halten.
    Wenn du dich weiterhin auf dieser Seite aufhältst, akzeptierst du unseren Einsatz von Cookies.
    Information ausblenden