Mehr Zeit fürs Saxophon..?

Dieses Thema im Forum "Eigene (musikrelevante) Themen" wurde erstellt von billy, 13.Februar.2009.

  1. Rick

    Rick Experte

    Hallo Claus,

    das wäre wirklich schön, wenn das Einkommen eine faire Anerkennung der erbrachten Arbeit darstellen würde... :roll:

    Am meisten Geld lässt sich durch "Zocken" erwerben, also durch Wetten, sei es nun an der Börse, auf der Rennbahn oder an der Lotto-Annahmestelle (das "Setzen" auf Zahlen ist ja auch eine Form der Wette).

    Prinzipiell wird durch Geld nur eine Wertschätzung ausgesprochen - jemand behauptet, sein Angebot (Ware oder Dienstleistung) sei ein bestimmtes Honorar wert, der andere entspricht dieser Behauptung durch die Bezahlung, oder er "handelt", treibt den Preis runter. Der Anbieter muss sich fragen, ob er weiter runter geht oder auf den Kunden verzichtet - immer dasselbe Spiel, auf dem Basar wie im Personalbüro. ;-)

    Das klingt willkürlich und ist es auch - siehe manche Anwaltshonorare oder die erwähnten Preise für Gutachen von sog. "Experten", die in ihrer Höhe teilweise jegliches Schamgefühl vermissen lassen.

    Und wenn einerseits immer noch viel zu viele Menschen auf dieser Welt in Hunger und Elend krepieren müssen, während andere meinen, es sei "ihr gutes Recht", in Saus und Braus zu schwelgen, frage ich, was das denn nun alles mit gerechter Bezahlung zu tun hat...?

    Arbeitet der US-amerikanische Broker mit seinem jährlichen Millionen-Bonus wirklich mehr und härter als der mittelamerikanische Kaffeebauer, der aufgrund der niedrigen Weltmarktpreise seines Produkts kaum seine Familie ernähren kann?
    Was hat also Einkommen tatsächlich mit der Gegenleistung für Arbeit zu tun???
    :-?

    Fragend,
    Rick
     
  2. Claus

    Claus Mod Emeritus

    @Rick

    Das sind alles valide Beispiele dafür, dass das derzeitige Gefüge von Einkommen das Gerechtigkeitsempfinden vieler Menschen verletzt - meines oft auch. Da liegt sicherlich vieles im Argen und die zunehmend auseinandergehende Schere zwischen arm und reich birgt viel sozialen Sprengstoff, der irgendwann auch hochgehen wird.

    Aber das war ja nicht mein Punkt. Die Philosophie des bedingungslosen Grundeinkommens scheint mir doch zu sein, die "Entlohnung" vollkommen von einer selbst zu erbringenden Leistung zu lösen. Und im Übrigen auch zu lösen von jeder Feststellung einer wie immer geartetetn Art von Bedürftigkeit - insofern geht auch der Hinweis auf Hunger und Elend in der Welt in die falsche Richtung.

    Selbst wenn die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens in Deutschland durchführbar wäre (ist sie m.E. als Insellösung innerhalb einer immer stärker verflochtenen EU nicht, aber das ist eine anderen Geschichte), wirst Du damit die Probleme des Hungers in der Welt nicht lösen können.
     
  3. altruist

    altruist Ist fast schon zuhause hier

    Hallo in die Runde,

    Nicht für Arbeit, sondern für die durch die Arbeit erbrachte Leistung, die wiederum von der Produktivität abhängig ist, aber auch von vielen anderen Faktoren. Die Ungerechtigkeit beginnt schon damit, dass ich in Deutschalnd geboren wurde und nicht in Mittelamerika.

    Allgemein zum Film, den ich mir gerade angesehen habe. Da sind viele schöne Gedanken drin. Endlich werden Familien gerechter behandelt. Es wird stark auf positive Motivation gesetzt. Ob das reicht? Ich war zunächst skeptisch.

    Dann kommt der mathematische Teil und das mit der Mehrwertsteuer. Da wird also jedem 1000 bezahlt, dafür muss bei 100% MWSt 500 an Steuern auf Konsum bezahlt werden. Während der Film hier noch 500 negative Steuern berechnet, sehe ich eine Steuerquote von 50% aufs Mindesteinkommen!

    Je mehr einer verdient, desto mehr sinkt seine Steuerquote, da er einen größeren Teil seines Einkommens nicht für Konsum benötigt. Im Gegensatz zu dem Grundeinkommler kann er jede Menge Kohle steuerfrei sparen! Tolles Steuersparmodell! Am besten dann völlig legal im Ausland anlegen, die Zinsen brauchen ja nicht versteuert zu werden. Wir entschuldigen uns ausdrücklich bei Herrn Zumwinkel! Mit den gesparten Steuern und Sozialabgaben werden sich einige Leute mehr eine Burg am Gardasee finanzieren können.

    Plötzlich wird mir klar, dass die Protagonisten des Grundeinkommens im Film fast alle aus privilegierten Schichten stammen. Die profitieren am meisten von dem Modell. Und bei 1000 sagen wir Euro Grundeinkommen, wie im Rechenbeispiel, und 50% Steuern darauf liegen wir wieder bei Hartz 4 Sätzen, und die hochfliegenden Träume landen auf der Erde.

    LG Johannes
     
  4. Topshit

    Topshit Ist fast schon zuhause hier

    Also ich glaube nicht das hier irgendjemand wirklich einschätzen kann ob das Grundeinkommen zu einer Verbesserung führt, ob unser Staat zusammenbricht in der globalisierten Umgebung und einem kapitalistischen System und so weiter und so fort. DAFÜR IST DIESES THEMA VIEL ZU KOMPLEX. Ich bekenne mich trotz Ahnungslosigkeit dazu, dieses System für eine gute Idee zu halten. Selbst wenn sich für einen Hartz4 Empfänger finanziell nichts ändert, würde wenigstens viel Stress, Existenzangst und unnötiger Bürokratieaufwand wegfallen, oder auch nicht, wer weiß.

    Gruß, Mischa
     
  5. Ernesto

    Ernesto Ist fast schon zuhause hier

    Tja, darum sind ja in dieser Diskussion auch die Maddemaddiger gefragt.

    Zur Zeit liegen auf alles ca. 20% MWSt. Nach dem Modell sind es 50%.

    Daraus folgt für mich, wenn es denn überhaupt eine Verbesserung der Situation der Armen darstellen soll, daß 1000 EUR / Nase eben nicht ausreichen.

    Schon in der Diskussion / dem Film wurde darauf hingewiesen, daß sich das Modell herrlich missbrauchen lässt: Man definiere das Grundeinkommen so niedrig, daß es zum Leben ganz knapp ausreicht, ausreichen kann und wasche dann seine Hände in Unschuld während man das eigene Einkommen akkumuliert. Wie gesagt, jede der etablierten deutschen Parteien hat das Grundeinkommen in ihrem Programm aufgenommen. Manche freiheitliche Parteien jedoch mit lächerlichen Sätzen unter 600EUR. Damit ist eine Familie die von ALG II lebt zar unter Umständen noch besser bedient als heute, die Idee des Grundeinkommens jedoch ist konterkariert.

    Die Intention ist aber die, vom Zwang wegzukommen, hin zur Freiwilligkeit von Arbeit. Verbunden mit der Annahme, dass dadurch die Qualität steigen werde. Wie Wäre es, wenn das Grundeinkommen auf 49% des Durchschnittseinkommens festgelegt würde?



    PS: Wen wundert es dass die Protagonisten aus privilegierten Schichten stammen? Bildung ist eben ein Privileg. Und nur wenn ich neben der Erwerbsarbeit noch genügend Zeit habe, mich der Weiterbildúgnsarbeit zu widmen - z.B. Sax zu üben wenn ich kein Professioneller Saxer bin,dann kann ich das Bildungs-Privileg das ich vielleicht durch ein Studium erworben habe weiter ausbauen.
     
  6. Ernesto

    Ernesto Ist fast schon zuhause hier

    Hier noch ein interessanter Beitrag zum Thema:

    wer soll das bezahlen?

    http://www.youtube.com/watch?v=7DCjGwK0GEo&NR=1
     
  7. chrisdos

    chrisdos Strebt nach Höherem

    Hallo,

    für mich ergibt sich aus den Beispielen nicht zwangsläufig eine Preiserhöhung, der Begriff Mehrwertsteuererhöhung ist in diesem Zusammenhang auch falsch.
    Es geht darum alle Steuern und Abgaben (insgesamt fast 50%) zusammenzufassen und sie als Konsumsteuer zu erheben.
    Das würde eine Konsumsteuer von 100% ergeben :-o (oh Gott!!), trotzdem würde sich theoretisch nichts am Preis ändern.

    Nicht klar?

    Der steuerbereinigte Herstellungspreis macht die Hälfte aus, das ist jetzt schon so.
    Die Steuern sind die andere Hälfte, also auf die Herstellungskosten bezogen 100%, bezogen auf den Gesamtpreis 50%.

    Natürlich gibt es im Einzelfall Verschiebungen nach oben oder unten.

    Teil des Grundeinkommens ist also auch eine gewaltige Steuerreform, die den Namen verdient.

    Liebe Grüße

    Chris
     
  8. Ernesto

    Ernesto Ist fast schon zuhause hier

    Bist Du Mathematiker? So schön erklärt!
     
  9. ppue

    ppue Mod Experte

    Benzin würde so um mehr etwa 10% billiger, wobei der Wegfall von Lohn- und Einkommenssteuer des Ölproduzenten noch garnicht abgezogen ist.
     
  10. melnick

    melnick Kann einfach nicht wegbleiben

    Vielen Dank,

    an alle die sich die Zeit genommen haben,
    sich mit der Petition von Susanne Wiest:
    Reformvorschläge in der Sozialversicherung - Bedingungsloses Grundeinkommen beschäftigt haben.
    Ein komplexes Thema, dieses BGE, mit weitreichenden Konsquenzen.
    Im Mittelpunkt; Jeder von uns ist wertvoll und es die Aufgabe unserer sozialen Gemeinschaft , Allen ein eigenverantwortlich, selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. In dem Vertrauen, daß die freie Verwirklichung des eigenen Lebenssinns eine ernorme Bereicherung der kreativen Wertschöpfungsprozesse in unserer Gesellschaft bewirken.
    Puh, das kann einem schon einen mächtigen Schreck einjagen,...
    das mit der Freiheit und dem selber Denken müsssen usw.
    Kein Wunder das die ersten Reaktionen, auf die Schönheit dieser Realutopie, Ablehnung ist, von nicht bezahlbarer Illusion bis zur perfiden Manipulation der finanziell schwachen Gesellschaftsgruppen etc.
    und im Nebensatz der Petition steht auch noch die radikale Vereinfachung des Steuersysthems bzw. des Finanzsysthems.
    Neue Werte neue Ordnungssystheme, die Aufhebung von Abhängigkeiten und Erpreßbarkeit Vieler, also die Abschaffung bestimmter Machtstrukturen
    in unserem Land, das klingt irgendwie revolutionär, anarchisch....
    Diese Petition ist von allen Seiten torpediert bzw. boykotiert worden
    sogar von BGe Initiativen die vorwarfen man hätte sich erst organisieren , abstimmen , die Positionen festigen; Sprecher wählen usw müssen und so hätte das alles gar keine Chance mehr als 1500 Mitzeichner zu bekommen, alle Parteien haben stillschweigen bewahrt,
    obwohl sie das Ge in ihren Programmen haben, eine so unfassende Petitionsforderung dabei hat es, auch schon scheibchenweise,das Potential Wählergruppen zu sichern für die nächsten Legislaturperioden.
    Aber gute Ideen haben zum rechten Zeitpunkt ihre eigene Magie.
    Von Vielen unerwartet, haben in den 6 Wochen in denen man die Petition online mitzeichnen konnte, plus eine Woche weil der server extrem lahmte was er heute auch wieder tat, 52985 Menschen mitgezeichnet!
    ( die online Mitzeichungsfrist ist nun abgelaufen, es geht aber noch per email?, brieflich oder per Fax aber ich weiß nicht wie lange noch)
    50 000 Mitzeichner war die Bedingung für ein Quorum.
    Wird eine Petition innerhalb von 3 Wochen nach Eingang (bei öffentlichen Petitionen rechnet die Frist ab der Veröffentlichung im Internet) von 50.000 oder mehr Personen unterstützt, wird über sie im Regelfall im Petitionsausschuss öffentlich beraten. Der Petent wird zu dieser Beratung eingeladen und erhält Rederecht.

    Soweit, erst mal, noch mal vielen Dank an Susann Wiest und allen Mitdenker.


    mfG Benno


    was aus all diesen Ideen wird liegt an uns..
     
  11. Claus

    Claus Mod Emeritus

    ...und wer skeptisch ist, hat eben nicht mitgedacht... :-o
     
  12. Ernesto

    Ernesto Ist fast schon zuhause hier

    schrieb Melnik.

    Sax-Billy war so klug, diesen Thread genau richtig zu platzieren. Mit dem Hinweis: Achtung, Politik.

    Unsere Gemeinsamkeit ist die Liebe - manchmal Hassliebe zum Sax.

    Ist das Saxophon ein politisches Musik-Instrument?

    Für mich ein klares JA.

    Die Anfeindungen gegen seinen Erfinder waren politischer Natur. Konservativ sein ist leicht. Man weiss, was man hat.

    Das Sax war revolutionär. Es wurde abgelehnt. Angefeindet. War im 3. Reich das Sinnbild der entarteten Musik.

    Ich selbst hatte lange genug zu kämpfen, es erlernen zu dürfen (Klavierstunde war kein Problem, Geige ebensowenig, Aber SAXOPHON? Igit. Lern doch erst mal Klarinette, zus Sax kannst Du ja immer noch wechseln . . . .

    Wenn ich ein eigenes SAx herausbringen könnte, würde ich es WEILL-SAX nennen. In Memoriam an Hermann Weill.

    Gerhard
     
  13. Gast

    Gast Guest

    @hi gerhard,

    dritte reich verfemt ... das stimmt so nicht!

    es war beginnend in der ideologie der rassentheorie dem dunkelfarbigen zugeschrieben worden, dann dem amerikaner schlechthin. (lohnt jetzt nicht hier einzusteigen, sind uns wohl einig)

    die reichskulturkammer hat aber eine blitzwendung gemacht, als husadel im auftrag von göring das sax in der luftwaffe SEHR hoffähig machte. damit war es wieder en vogue und durfte auch von diletanten (!!) und musikern am theater gespielt werden vorausgesetzt sie benutzten die richtigen töne - grins.

    kohlert hatte einen über 50%tigen export anteil an amerika seinerzeit!

    die entartung wurde also nachgebogen.
    gruss
    nimo
     
  14. altruist

    altruist Ist fast schon zuhause hier

    Nach dem Post von chrisdos muss ich meinen Post nochmal revidieren. Es war mir entgangen, dass ein Hartz 4 Empfänger ja auch heute schon mit seinem Konsum ca. 50% Staatsquote mitträgt in Form von Mehrwertsteuer und Sozialabgaben sowie Einkommenssteuer auf im Produkt enthaltene Löhne. Am Umfang der auch von Bedürftigen zu tragenden Gemeinschaftslasten würde sich nichts ändern und sie würden wohl mit dem Grundeinkommen besser dastehen.

    LG Johannes
     
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