Mundstücke - wieso so horrend teuer?

Dieses Thema im Forum "Anfänger Forum" wurde erstellt von mondkalb, 15.November.2013.

  1. Rick

    Rick Experte

    Tatsächlich? Ach, Du warst das... ;-)

    Dankeschön! :)

    Och, von Verbitterung will ich nicht sprechen. Bin ja selber schuld, was treibe ich auch so einen Aufwand? :-D

    Damit möchte ich nur sagen, dass wir Künstler es einfach gewöhnt sind, "unterbezahlt" zu werden. Gerade geistige, kreative Arbeit kann man fast unmöglich in Zahlen fassen, wie vielleicht auch das Tüfteln an einem neuen Mundstück.

    Aber wie arm wäre die Welt ohne die verrückten Kreativen, die ständig sehr viel Zeit und Mühe in unbezahlte Arbeit stecken?

    Wenn ich weiß, dass da einer hungernd und frierend in seiner Werkstatt sitzt und jahrelang an "seinem" Mundstück feilt, gebe ich dafür sehr gern ein paar Scheine mehr aus.
    Trotzdem muss nun mal auch hier das Verhältnis zum Markt, die "Bodenhaftung" gewahrt bleiben, denke ich. :roll:


    Schöne Grüße,
    Rick
     
  2. saxhornet

    saxhornet Experte

    @Rick:
    Wie viele Mundstückhersteller, nicht Firmen die angekaufte vertreiben, kennst Du persönlich?
    Wie viel Zeit hast Du schon in das Thema Mundstücke, Aufbau und Wirkungsweise gesteckt?


    Das Thema ist ja mein rotes Tuch Thema, da ich fürs Forum ja an einem Guide daran gearbeitet habe, der dann, als er noch nicht fertig aber schon über 30 Seiten lang war, nie seinen Weg hier ins Forum geschafft hat (nachem mein Elan hier nochmal einen Guide zu machen doch deutlich von Foristen gebremst wurde, um es noch nett auszudrücken). Ich habe mich mit dem Thema dadurch aber sehr intensiv beschäftigt.

    Du musst in dem Bereich Entwicklungsarbeit leisten, denn es soll zu viele Spielern und unterschiedlichen Saxophonen passen, nicht nur dem Eindruck und Geschmack des Entwicklers entsprechen und nur zu seinem Horn optimal funktionieren. Und auch die meisten Blätter sollen ja gehen.

    Gerade was Baffle, Kammer, Facing angeht ist da viel Arbeit notwendig um das optimal abzustimmen mit dem was klanglich erreicht werden soll mit dem Mundstück. Man kann ein Mundstück mit bestimmten Klangeigenschaft designen, nur daß diese sich nicht immer bei allen Spielern identisch dann zeigen. Aber bei jedem Spieler wird es einen bestimmten Effekt haben ob es ein high baffle oder ein low baffle Mundstück ist oder wie sich die Kammergrösse in Verbindung mit dem Horn äussert, nur wird der eine halt nicht so hell klingen wie der andere Spieler.

    Ich kenne einige Hersteller persönlich und rede doch schon öfters mit einigen über das Thema Herstellung, Kosten etc. etc.
    Einige würden gerne billigere Mundstücke auf den Markt werfen können es aber nicht bei gleicher Qualität und mit ihren Herstellungsmöglichkeiten. Gerade ein guter Baffle oder eine gute Bahn ist nicht wirklich optimal mit einer Maschine umzusetzen. Je mehr Handarbeit, desto teuere wird aber das Produkt weil weniger produziert werden kann. Auch kann man das nicht einfach Jedem mal kurz eben beibringen, da muss man erstmal viel Erfahrung sammeln damit es funktioniert.

    Und weder Babbitt, noch Rico sind für unglaublich tolle, immer gleiche Qualität bei Spielern bekannt. Wie stark die Unterschiede sind bei einigen Herstellern durfte ich bei eigenen Testreihen schon mit Entsetzen feststellen.

    Lg Saxhornet
     
  3. Taiga

    Taiga Ist fast schon zuhause hier

    Jetzt will ich hierzu doch auch nochmal eine ketzerische Frage stellen:
    Warum sind "Vintage" MPC dann so teuer? Die sind in ihrem Leben - je nach dem, wie oft weiterverkauft - sicher bereits mehrfach bezahlt worden. Und da steckt keine Entwicklungsarbeit mehr drin und der Hersteller hat auch nichts mehr davon.
    Aber das sind Äpfel und Brinen, ich weiß. Trotzdem...

    CzG
    Taiga
     
  4. Gelöschtes Mitglied 5328

    Gelöschtes Mitglied 5328 Guest

    @ Taiga

    Angebot und Nachfrage bestimmen den Marktpreis....

    CzG

    Dreas

    P.S. wie bei den Saxophonen im übrigen auch.
     
  5. rbur

    rbur Gehört zum Inventar

    so isses
     
  6. annette2412

    annette2412 Strebt nach Höherem

    genau. . . und wie bei uhren und autos.. und, und, und...

    lg
    annette
     
  7. Rick

    Rick Experte

    Hallo Saxhornet!

    Ich kenne durchaus einige Hersteller persönlich (u. a. Herrn Goto von den Gottsu-Mundstücken) und habe mich bereits ausführlich mit ihnen über die grundsätzlichen Problematiken sowie Preise unterhalten, habe auch durchaus schon einige Zeit in das Thema gesteckt, wobei ich allerdings annehme, dass Du mir da bestimmt Einiges voraus hast.

    Das gestehe ich gerne zu, dennoch wird man wohl nicht immer das Mundstück völlig neu erfinden.

    Soweit ich das überblicke, haben viele Mundstückentwickler quasi als "Refacer" begonnen, indem sie für Kunden bereits vorhandene Mundstücke nach deren Wünschen bearbeiteten. Daher werden sie schon wissen, was sie wie tun müssen und wie weit man normalerweise gehen kann, ohne dies jedes Mal wieder von vorne "entwickeln" zu müssen. ;-)

    Das ähnelt ja dem Aufwand in der Musik:
    Ein Anfänger benötigt beispielsweise für sein erstes Big-Band-Arrangement viel Zeit und Tüftelei, während ein Routinier so etwas in wenigen Stunden (wenn überhaupt) "hinwirft", letzterer bietet aufgrund seiner Erfahrung wahrscheinlich auch das bessere Ergebnis.

    ABER der Routinier hat ja schon im Lauf seines Lebens viel Zeit eingesetzt, um diese Erfahrung zu erwerben, dies sollte man dabei nicht vergessen.
    Nichtsdestotrotz muss nicht jeder Kunde diese "Lebensinvestition" bezahlen, die ja überhaupt Voraussetzung für seinen Musikerberuf ist, das wäre doch etwas viel verlangt.

    Das habe ich ebenfalls schon so gehört und glaube es auch.

    Das ist ja genau das Problem von Herrn Goto, er arbeitet aus dem Grund nur mit einer einzigen Assistentin! :-o

    Trotz des überaus großen Anteils an Handarbeit bei seinen Gottsu-Mundstücken kosten diese selbst in der aufwändigsten Metall-Version immer noch keine 600,-... :roll:


    Kollegiale Grüße,
    Rick
     
  8. Florentin

    Florentin Strebt nach Höherem

    Die folgenden Links geben vielleicht einen Einblick, was alles für den erfolgreichen Bau von Mundstücken getan wird:

    Theo Wanne

    Jody Jazz

    Steamer

    Ja, natürlich, ist alles nur Werbung ...
     
  9. Gelöschtes Mitglied 1142

    Gelöschtes Mitglied 1142 Guest

    hallo Rick,

    ich verstehe diese Aussage nicht wirklich.

    Es bleibt doch jedem selbst überlassen, wie viel Geld er für ein Mundstück ausgeben möchte. Es ist ja nun wirklich nicht so, dass es in diesem Wirtschaftszweig auch nur ansatzweise eine Monopolstellung gibt.

    Tenormundstücke gibt´s schon für weniger als 20 Euro z.B. von Rico.

    Fast jedes Produkt bietet mehrere Nutzen.
    Beispiel Uhr. Der Hauptnutzen einer Uhr ist es, die Zeit möglichst genau anzuzeigen. Uhren mit diesem Hauptnutzen kann man schon für ca. Euro 10,- erwerben.
    Daneben gibt´s noch zahlreiche Zusatznutzen und jeder Interessent kann wägen, welche dieser (meist emotionalen) Zusatznutzen für ihn wichtig sind.
    Und so gibt es duchaus Uhren, die deutlich über 100.000 Euro kosten und die Zeit weniger genau anzeigen wie mancher Quarzticker, der nur 1 Promille davon kostet.

    Bei Mundstücken kann dieser emotionale Zusatznutzen eben darin bestehen, etwas Außergewöhnliches oder Individuelles zu besitzen. Bei Vintage-Teilen auch das Gefühl, etwas Seltenes zu besitzen, was nicht jeder andere hat. So what?

    Gruß aus dem Schwarzwald
    Bernd

     
  10. ehopper1

    ehopper1 Strebt nach Höherem

    Ich suche bzw. suchte immer Mundstücke, die zu mir passen bzw. passten.

    Auf das Aussehen habe ich noch nie geachtet. Und das Haben-wollen-weil-das-nicht-jeder-hat war und ist mir ebenso egal. Es muss einfach nur passen.

    Klar musste auch ich schon mal schlucken, z.B. bevor ich mir mein Jody Jazz ESP Bariton leistete. Hätte auch lieber etwas Günstigeres erworben. Fand ich zu dem Zeitpunkt aber nicht.

    Wenn man sich mal anschaut, wofür man sonst noch Geld ausgibt, relativiert sich so ein Preis aber recht schnell. Denn wenn ein Mundstück optimal passt, hat man viele Jahre Freude damit.
    Und - um auf mein Beispiel zurückzukommen - mein ESP Bariton passt mir nach mittlerweile fast fünf Jahren wirklich sehr gut.

    Und manchmal passiert es ja auch so, obwohl das eher selten ist: Auf meinem Sopran spiele ich das Originalmundstück seit ich das Instrument habe. Das ist einige Jährchen her.

    Lg
    Mike
     
  11. Otfried

    Otfried Gehört zum Inventar

    Moin,

    wenn die Motivation tatsächlich darin begründet liegt, dann sollen die Leute auch ruhig ordentlich dafür zahlen.

    Vielleicht noch Mundstücke mit Brillibesatz oder diesen komischen Kristallen, deren Namen mir nie einfällt :lol:

    Auf der anderen Seite. Wenn ein Hersteller für ein einzelnes Mundstück mehrere Stunden Handarbeit benötigt, um ein optimales Ergebnis zu erzielen, dann kann man sich leicht ausrechnen, wie viel dafür letztlich zu bezahlen ist, soll diesem Herstller auch noch ein tragfähriger Gewinn zukommen.

    Ob ein solches handgefertigtes und optimiertes Mundstück denn tatsächlich notwendig oder sinnvoll für einen ist, muss dann wiederum jeder für sich selbst entscheiden.

    Nur, wenn man dann nicht mal ein solches Mundstück testen kann bevor man sich für einen Kauf entschließt :roll:

    Gruß,
    Otfried
     
  12. Gelöschtes Mitglied 1142

    Gelöschtes Mitglied 1142 Guest

    @xcielo:

    Treffender hätte ich es nicht schreiben können.

    Gruß aus dem Schwarzwald
    Bernd
     
  13. saxhornet

    saxhornet Experte

    Sorry aber der Vergleich hinkt. Ein Mundstück ist keine Uhr und lässt sich damit nicht vergleichen. Ein Mundstück soll bestimmte Aufgaben erfüllen und das sind mehr als eine Uhr. Ich verbinde da auch keinen emotionalen Zusatznutzen mit. Das Ding muss so funzen wie ich es benötige.
    Leider tun das bei mir die wirklich richtig billigen Dinger selten. Allerdings auch nicht immer automatisch ein teures Teil. Die Theo Wanne Mundstücke, die ich so testen konnte gefielen mir weder auf dem Alt noch dem Tenor.

    Klar, das stimmt sicherlich, das einige Käufer sich sowas genau deswegen zulegen aber sinnvoll ist das nicht, in meinen Augen. Es sollte eher darum gehen, daß das Mundstück in punkto Ansprache, Klangvielfalt und -umsetzung sowie Intonation den Spieler unterstützt und in diesen Punkten seine Wünsche am ehesten erfüllt.
    Mich interessieren, obwohl ich ein Mundstückverrückter wie mugger bin, Vintageteile nicht wirklich so sehr. Klar wenn es meine Anforderungen erfüllt ist es mir egal ob Vintage oder nicht aber es muss halt nicht Vintage sein, nur weil es dann selten ist. Mir geht es darum was ich damit machen kann (und damit meine ich nicht ob ich es als Türstopper verwenden kann).

    Lg Saxhornet
     
  14. Gelöschtes Mitglied 5328

    Gelöschtes Mitglied 5328 Guest

    @ saxhornet

    Es gibt auch Sammler....die haben eine ganz andere Kaufmotivation.

    Gerade bei "Vintage" dürfte die Gruppe gar nicht so klein sein...

    CzG

    Dreas
     
  15. saxhornet

    saxhornet Experte

    Das ist mittlerweile das eigentliche Problem. Es gibt viele interessante und auch gute Mundstücke, die aber kaum von Händlern geführt werden. Die Begründung ist immer die gleiche, zu teuer, Sortiment schon zu gross, das kauft keiner etc. So kann man aber als Spieler selber vieles gar nicht mehr vorher ausprobieren und muss blind kaufen, wenn man es probieren will.

    Ich erlebe selbst in Läden wie immer wieder Leute da reinstolpern, über Mundstücke nichts wissen, bei denen der Ansatz vorn und hinten nicht geht, die dann unbedingt was von Link ausprobieren wollen, weil sie da so viel tolles gehört haben oder das Vorbild spielt auch ein Link (ohne zu wissen, daß das Mundstück anders war und gerne auch schon mal bearbeitet wurde). Die können aber nichtmal ihren eigenen Sound, geschweige denn die einzelnen Teile eines Mundstücks beschreiben. Bei solchen Kunden lohnt es sich nicht sich ein grosses breites Sortiment anzulegen.
    Und über den Preis wird immer gemeckert, meist dann aber nicht nur von den Leuten, die sich das nicht leisten können sondern auch von denen, die das Geld haben.
    Wir sind halt ein Land in dem einfach alles nur noch billig sein darf, wo sogar Leute mit Geld lieber zum Spartag in einen Lebensmitteldiscounter gehen um zu Centpreisen ihr Fleisch zu kaufen. Qualität gewünscht? Fehlanzeige.

    Lg Saxhornet
     
  16. saxhornet

    saxhornet Experte

    Wofür gezielt sammeln, wenn es dann nicht gespielt wird?

    LG Saxhornet
     
  17. Mugger

    Mugger Guest

    Moin,

    ich stoße mich jetzt gar nicht an dem Wort, aber verglichen mit Kollegen bin ich ein Waisenknabe.
    Ich hab erst in letzter Zeit herumprobiert (und viel gelernt).

    Ein Freund, mit dem ich Sonntag gespielt hab, hab 9 verschiedene 8er Drakes probiert, bevor er eines gekauft hat.
    Nach dem Gig hat er meine Merlot und Robusto probiert, und ich musste ihm versprechen, dass ich ihn zuerst anrufe, sollte ich eines der beiden verkaufen.
    Da spricht nicht der Glauben heraus, dass er mit einem der beiden besser, höher, lauter was immer spielen kann, das ist halt Interesse und Freude an dem ganzen Herumspielen damit.
    So wie ich übrigens auch meiner Freundin die Freude an ihrer Glashütte gönne, obwohl meine Casio Funkuhr mit Solarzelle die Zeit wesentlich genauer und unproblematischer anzeigt.

    Liebe Grüße,
    Guenne

     
  18. Gelöschtes Mitglied 1142

    Gelöschtes Mitglied 1142 Guest

    @saxhornet:

    Stimmt ja alles, was Du schreibst.
    Du definierst für Dich, welche Eigenschaften Dein Mundstück haben muss.

    Andere definieren eben andere Präferenzen. Für manche muss es eben - nur als ein Beispiel von vielen möglichen und völlig irrational - des Mundstück der Marke XY sein, mit dem z.B. das große Vorbild spielt. Egal, ob sie selbst damit klarkommen oder nicht.

    Nichts anderes habe ich geschrieben. Und gerade deswegen finde ich das Beispiel mit der Uhr sehr treffend. Gäbe es das Phänomen mit den emotionalen Zusatznutzen nicht, hätte jeder eine Funkuhr.

    Gruß aus dem Schwarzwald
    Bernd

    Edit: Guenne war mal wieder schneller :)
     
  19. saxhornet

    saxhornet Experte

    @Bernd:
    Du hast schon recht, jeder hat da seine Präferenzen und jeder wird da anders rangehen. Einige sind wahrscheinlich wirklich sehr emotional bei Ihrer Mundstückwahl.

    Für mich ist das einfach nur ein Arbeitsmittel, daß in den Parametern, die mir wichtig sind, möglichst so arbeitet wie ich es benötige (meist geht man doch Kompromisse ein), da interessiert mich kein Name oder sonst etwas.

    Für mich hat nur ein Mundstück mehr Parameter als eine Uhr, bei der ich viel stärker darauf achte wie sie auch aussieht (was mir beim Mundstück vollkommen egal ist).

    Lg Saxhornet
     
  20. bluefrog

    bluefrog Strebt nach Höherem

    :-D
     
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