Pentatonik - Fluch oder Segen?

Dieses Thema im Forum "Improvisation - Harmonielehre" wurde erstellt von ppue, 25.Juni.2012.

  1. Saxfriend

    Saxfriend Ist fast schon zuhause hier

    RogerF,
    ne, die Frage war allgemein gemeint....Für mich ist Kreativität sehr individuell und nicht an Vorgaben geknüpft......Wenn ich z.B. soliere, dann möchte ich etwas ausdrücken und das ist nunmal sehr individuell. Man lässt andere teilhaben an seiner Musik, die von innen kommt. Da habe ich schon viele Überraschungen erlebt, was da auch bei anderen für Ideen kamen. Da macht Zuhören richtig Spass.Du hörtest Dich , sorry, so verbissen an. Habe da eine Lockerheit vermisst, eine Bereitschaft zum Experimentieren. Vielleicht tue ich Dir da auch Unrecht
    ;-)Musikalische Grüße,
    Saxfriend
     
  2. chrisdos

    chrisdos Strebt nach Höherem

    Ich kann es drehen und wenden wie ich will........für viele Defizite und angebrachte Kritik gibt es einen gemeinsamen Nenner:

    Das Hören kommt zu kurz!

    Liebe Grüße

    Chris
     
  3. Saxfriend

    Saxfriend Ist fast schon zuhause hier

    Christos,
    kurz und knapp auf den Punkt gebracht :-D DANKE,
    Saxfriend
     
  4. Dr-Dolbee

    Dr-Dolbee Ist fast schon zuhause hier

    Ich liebe die Pentatonik als Grundlage für die Improvisation. Chromatische Ausflüge etc. kann man ja trotzdem zwischendurch mal machen.
    Im Übrigen machen viele der großen Musiker mit der ach so banalen Pentatonik "bessere" Musik als vermutlich die meisten von uns.

    Bezüglich Musik und Drogen fällt mir eines der Sanborn Konzerte in Montreux ein:
    http://www.youtube.com/watch?v=eqFrl7B7yuY
    Der Gitarrist ist mit Sicherheit stoned, aber er spielt einfach nur geil :cool:

    Gruß
    dr.dolbee
     
  5. Rick

    Rick Experte

    So, habe endlich mal etwas mehr Zeit als heute Mittag!

    Zum Thema:

    Pentatonik kam meines Wissens vorwiegend durch die Rockmusik in den Improvsationsunterricht, ähnlich wie die Bluestonleitern.
    In Rock, Funk, Pop haben solche einfachen Mittelchen auch ihren angestammten Platz, dort hört man sie ständig; ja, man darf wohl mit Fug und Recht behaupten, wenn jemand in Rock und Pop etwas anderes als Pentatonik-basierte Improvisationen spielt, bewegt er sich damit aus dem Stil heraus.
    Das Publikum wendet sich dann meistens mehr oder weniger verständnislos ab... :-D

    Und das Publikum ist da leider sehr oft wie Benjahmins Kindergärtnerin:
    "Rote Sonne geht gar nicht, das wäre ja JAZZ, eine richtige Rock-Sonne ist gefälligst IMMER ein gelber Kreis mit Strahlen dran."

    (Hier hört man ja ab und zu von der sog. "Jazz-Polizei" - die "Blues-Polizei" etwa ist aber in der Regel deutlich strenger und kompromissloser!) :-o

    Man könnte die allgemein in der Gesellschaft vorherrschende Hörermeinung meiner Ansicht nach so zusammenfassen:
    Alles, was NICHT überwiegend auf Pentatonik basiert, ist Jazz. :cool:

    Insofern hat Pentatonik im Improvisationsunterricht eine ganz wichtige Rolle - außerhalb des Jazz.

    Wenn zu mir Schüler kommen, die einfach nur mal so'n bisschen "freier spielen" möchten, aber keine ausgeprägten Jazz-Fans sind, dann kriegen sie von mir kurzerhand Pentatonik bzw. Blues-Tonleiter ins Frühstücksschüsselchen.
    Und sind zufrieden damit. :)

    Woran machst Du das fest?

    Oft wirken Musiker "irgendwie weggetreten", die es aber keineswegs sind, sondern einfach nur in ihre Musik vertieft - denn das Musizieren kann im Gehirn ähnliche Vorgänge auslösen wie manche von außen zugeführten Substanzen.
    Es gibt also durchaus so etwas wie einen "Musikrausch", wie es ja auch den "Liebesrausch" und besonders verbreitet den Rauscheffekt bei Ausdauersport gibt.

    Rauschmittel machen im Grunde nichts anderes, als die Ausschüttung bestimmter Hormone zu verursachen.
    Als ich mal Kokain geschnupft habe, bekam ich das Gefühl wie nach einem tollen, bejubelten Konzert vor tausenden Zuhörern oder einem schwer verdienten Lob durch Eltern, Lehrer o. ä.
    Dopamin halt. ;-)

    Das geht alles, wie gesagt, auch ohne Drogen.
    Doch bei anhaltendem Misserfolg ist man besonders gefährdet, auf externe "Muntermacher" zurückzugreifen, weil einem die realen Erfolgserlebnisse fehlen.
    DA beginnt die Suchtgefahr... :roll:

    ------------------------------------------------------------

    Hallo HanZZ,

    wie soll man denn RICHTIG "nüchtern" sein?
    Wir werden ständig von Hormonen überflutet, selbst "Wach" und "Nüchtern" kann nur eine Momentaufnahme von vielen ständig wechselnden Zuständen sein.

    Für einen Langzeit-Konsumenten wie Charlie Parker bedeutet Heroin in erster Linie Schmerzfreiheit, also die Möglichkeit, an etwas Anderes zu denken, wieder für die Dauer des Schusses "normal" arbeiten und handeln zu können.

    "Clean" meint hingegen, dass man augenblicklich keine Wirkung irgendwelcher Substanzen verspürt (bzw. diese feststellbar ist) - das gab es für Charlie Parker wahrscheinlich seit seinem 16. Lebensjahr nie mehr.

    Aber er war wohl laut den Berichten seiner Freunde im Kern ein disziplinierter, unheimlich fleißiger Mensch, äußerst intelligent und musikalisch hochbegabt.
    Nur im Entzug zeigte er sich unberechenbar, MUSSTE seine körperlichen Qualen lindern, konnte sich nicht konzentrieren, kam aufgrund der Suche nach Dealern zu spät oder gar nicht zu Auftritten, musste für die horrenden Preise des Schwarzmarkts erhebliche Geldmengen in seine Sucht stecken.

    Leider wurde er so ein frühes Opfer verfehlter Drogenpolitik und medizinischer Unerfahrenheit aufgrund von damaligen Vorurteilen.

    Mit kontrollierter Heroin-Gabe und allmählicher Entwöhnung unter medizinischer Aufsicht nach moderner Praxis hätte er garantiert wesentlich länger und glücklicher leben können.


    Schöne Grüße,
    Rick
     
  6. cara

    cara Strebt nach Höherem

    @ Roger
    Für mich hört sich das nicht verbissen an.
    Es gibt viele wunderbare Kompositionen, die es wert sind, genauso wunderbar gespielt und vorgetragen zu werden.
    Auch das ist nicht jedem gegeben und erfordert ebenso viel Fleiß.
    Ich finde es jedenfalls weder falsch noch traurig, diesen Weg zu wählen. :)

    Und wer weiß, ob dich nicht in fünf oder sechs Jahren oder später doch noch die Neugierde packt und du wieder ganz anders entscheiden wirst. ;-)

    Jedenfalls kenne ich Saxspieler, die deinen Weg eingeschlagen haben und mit dem, was sie tun sehr glücklich sind. :-D

    Für mich ist es Genuß, eine Komposition schön vorgetragen zu hören.

    Grüße aus Südniedersachsen

    Cara
     
  7. flar

    flar Guest

    Moin, moin zusammen
    wer braucht schon Drogen um abgefahrene Gedanken und Emotionen zu produzieren, da reichen die fünf Pentatoniktöne vollkommen aus.
    Glaubt Ihr nicht? Dann müßt Ihr mal hier bei #1 anfangen zu lesen und Euch bis hier her durch arbeiten :lol: :lol: :lol:
    :topic: :cool:
    Viele Grüße Flar
     
  8. HanZZ

    HanZZ Ist fast schon zuhause hier

    Um das ganze aus meiner Sicht nochmal zusammenzufassen:

    - Ich finde Pentatonik OK, gebe aber zu, dass es langweilig werden kann, wenn man nichts anderes nutzt(oder nutzen kann).

    - Ich mag keinen Bebop, was aber nicht ausschliesst, dass mir einige Stücke von Charlie Parker trotzdem gefallen und das Bird ein cooler Typ war.

    - Ich diskutiere nicht weiter (auf rein theoretischer Basis) über Drogen und deren Wirkung auf Motorik und/oder Kreativität - Insbesondere nicht mit Leuten, die damit offenbar berufsmäßig zu tun haben/hatten und davon viel mehr Ahnung haben als ich. :) Bei mir ist das Meinung, aber nicht unbedingt Sachkenntnis.

    - Das Leben ist schön, macht mehr Musik!

    Cheers
    HanZZ
     
  9. flar

    flar Guest

    Moin, moin zusammen
    nur um das klar zu stellen, ich wollte niemanden mit meinem beitrag #107 auf die Füße treten. Ich finde nur das eigentliche Thema sehr interessant und wichtig und wollte damit (auf humorvolle Art, deshalb die :lol: :lol: :lol: ) das ganze wieder :topic: kriegen!

    Viele Grüße Flar
     
  10. zwar

    zwar Ist fast schon zuhause hier

    rick hat das doch auf den punkt gebracht.
    im jazz kämpft man um jeden zusätzlichen melodieton, nimmt zb lydisch statt ionisch, nutzt die verfügbaren optionstöne, wo es nur es sinn macht.
    die beiden pentas (und es waren wohl von anfang an nur "die beiden pentas" gemeint) sind da in der improvisation halt nur eine ruhige, besinnliche farbe, ein kontrast zu dem vielgestaltigen sonstigen geschehen. im jazz wohlgemerkt.
    bei den celtic rock sachen, die ich öfters mitspiele, wäre dagegen die verwunderung groß, wenn ich mich zu weit aus den pentas lehne.
    aber schon im blues ist mir penta zu wenig. wenn das dann noch einhergeht mit rhytmischer ungelenkigkeit, ist für mich der punkt erreicht, wo ich mir sage: muss ich mir nicht anhören.
    dass man arpeggios und pentatonik einsetzt, um einen einstieg zu bekommen ist vollkommen in ordnung, aber pentatonik gehört nicht glorifiziert.
    meiner meinung nach, wie immer,

    gruß
    zwar

     
  11. ppue

    ppue Mod Experte

    Ich denke, es ist ausdiskutiert.
     
  12. chrisdos

    chrisdos Strebt nach Höherem

    Wer hat gewonnen? :-D
     
  13. flar

    flar Guest

    Jeder der sich auf Grund des Treads Gedanken gemacht hat! :p

    Viele Grüße Flar
     
  14. 47tmb

    47tmb Gehört zum Inventar

    Oh!
    Welch gleichsam philosophische und einfache wahre Antwort.

    Solong
    tmb
     
  15. chrisdos

    chrisdos Strebt nach Höherem

    :top:
     
  16. Rick

    Rick Experte

    Hm - wenn jemand gewonnen hat, muss aber auch jemand verloren haben, oder?

    Ich habe jedenfalls versäumt, mich schon viel früher einzuklinken, weil ich einfach keine Zeit hatte, deshalb fühle ich mich als Verlierer... :-(

    Traurige Grüße,
    Rick ;-)
     
  17. chrisdos

    chrisdos Strebt nach Höherem

    Mit gewonnen meinte ich eigentlich den Fluch oder den Segen. :)
     
  18. Rick

    Rick Experte

    Aaaaahhh soooo, verstehe!

    Das kommt ja wohl immer auf den Einzelfall an, also auf den Lernenden bzw. den Lehrer, wie er damit umgeht.

    PPues Anregung ist sicher dazu gut gewesen, dass man sich mal Gedanken über das "Allheilmittel" mundgerecht portionierter Schüler-Skalen macht, das war auf jeden Fall wichtig, finde ich.

    Was dann jeder Leser/Diskussionsteilnehmer für sich daraus an Lehren zieht, ist diesem natürlich mal wieder selbst überlassen.
    Aber gut, dass darüber gesprochen wurde, das finde ich wirklich!

    Es gibt in der Tat Lehrbücher und Workshops, die den Eindruck vermitteln, ohne Pentatonik bzw. Blues Scales könne man nicht gescheit improvisieren lernen.
    Das muss relativiert werden - diesen Zweck hat dieser Thread meiner Meinung nach erfüllt. :cool:


    Schöne Grüße,
    Rick
     
  19. Saxfriend

    Saxfriend Ist fast schon zuhause hier

    Hallo,
    nachdem alles gesagt ist......mein Vorspiel aus Noten und Impro ist beim Puplikum sehr gut angekommen. Mir schlotterten zwar die Knie, aber es lief gut
    und auch ich war zufrieden :-D VLG,
    Saxfriend
     
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