Saxophon lernen - Saxophon lehren

Dieses Thema im Forum "Saxophon spielen" wurde erstellt von ppue, 8.Februar.2026 um 16:51 Uhr.

  1. ppue

    ppue Mod Experte

    Immer wieder und sicherlich aus gutem Grund werden oft die Methoden diskutiert, mit denen wir Saxophon lernen wollen. Im Mittelpunkt dabei stehen meist die Lehrer, mal als geniale Vermittler, mal als grausige Pädagogen, denen man eher entfliehen möchte.

    Und natürlich gibt es beide Typen und alle Nuancierungen dazwischen. Bei allen aber kommt noch entscheidend dazu, inwieweit die Chemie zwischen Lehrer und Schüler stimmt, inwieweit die Lehrmethoden gefallen, inwieweit Anspruch und Wirklichkeit bei Lehrer und Schüler auseinanderklaffen und sicher noch viele andere Parameter, bis zum Preis der Unterrichtsstunden.

    Die Beurteilung eines Lehrer-Schüler-Verhältnisses ist aufgrund dieser oft völlig unterschiedlichen Umstände ungemein schwierig und lässt sich meist nicht auf einen oder zwei davon herunterbrechen. Ein Grund, warum ich Diskussionen um der Lehrer Qualitäten hier im Forum recht langweilig bis sinnlos finde.

    Auch der Kreis der Autodidakten lässt sich in vielerlei Gruppen einordnen, die auf völlig unterschiedliche Art und Weise ihrem Hobby frönen, völlig verschieden motiviert sind und alle möglichen Methoden ausprobieren.
    Manche stürzen sich auf die mannigfachen Filmchen im Internet, andere haben ein ausgereiftes Übungskonzept mit Longtones, Etüden, Stücken bis hin zur Harmonielehre und wieder andere haben einfach Freude am Spiel und Zusammenspiel.

    Das Zusammenspiel mit anderen Musikern ist dazu noch einmal ein gewichtiger Faktor für Motivation und Fortkommen, der sicherlich für alle Lernenden äußerst hilfreich ist.

    Ich finde diese Vielfalt an Methoden toll, nicht zuletzt deshalb, weil die Wege des Erlernens immer auch den Menschen widerspiegeln, der mit seinem Spiel bestenfalls seinen ganz eigenen Ausdruck und seinen Platz in der Welt der Musik findet.

    Allen Lernenden scheint mir gemeinsam, dass der Unterricht oder das Lernen für sie möglichst effektiv sein sollte. Zumindest lese ich das so aus vielen Beiträgen hier im Forum heraus. Mag sein, dass diejenigen, die sich gerade darüber keinen Kopf machen und einfach nur Spaß an der Sache haben, sich in solche Diskussionen weniger einbringen. Ja, bestimmt ist es sogar so.

    Bei dem Thema Effektivität beim Lernen werde ich immer hellhörig, denn meine eigene Einstellung dazu geht in eine andere Richtung. Für mich sind Effektivität und Kreativität zwei Sachen, die einfach schlecht zusammenpassen, wenn sie sich nicht sogar im Wege stehen.

    Effektivität setzt ein Ziel voraus. Wenn ich nicht weiß, wohin ich will, also kein Ziel habe, kann ich auch nicht den kürzesten Weg dahin finden. Stellt sich mir allerdings die Frage, ob der kürzeste Weg überhaupt derjenige ist, der mir am besten gefällt oder mich am meisten abholt.

    Auf der anderen Seite sollte das, was ich momentan tue, befriedigen und nicht erst das, wo ich mich mit meinem Können in zwei Jahren befinden will. Ja, ist halt so ein Ding mit dem Weg und dem Ziel.

    Nochmal zur Kreativität. Die ist ja nicht einfach plötzlich da. Ich kann sie nicht an- oder abstellen, sie nicht erzwingen. Ich kann sie noch nicht einmal als Ziel dingfest machen.

    Kreativität, so sehe ich das, passiert. Sie passiert, wenn ich mich in irgendetwas hineinziehen lasse, wenn ich Neugier verspüre und vor allem, wenn ich offen bin. Offen für Nebenwege, Umwege, für Erlebnisse, von denen ich vorher gar nichts geahnt habe, für Sachen, die mich verblüffen, reizen, mich plötzlich Dinge tun lassen, die ich mir bis dato gar nicht habe vorstellen können.

    Nochmal zurück zum Lehrenden, der ja in gewisser Weise Erzieher ist. Bestenfalls schafft er es also tatsächlich, seinen Schüler in die Sache hineinzuziehen. Wobei mir das Wort "ziehen" nicht wirklich gefällt.

    Meine Vorstellung eines guten Lehrers wäre die eines Mentors, der dem Schüler all das aus dem Weg räumt, was diesen daran hindert, seinen eigenen Weg zu finden (bei jungen Schülern sind das z.B. ganz oft die Eltern, die man aus dem Weg räumen muss). Die Wege, schon oben beschrieben, sind so unterschiedlich, dass dieses Ebnen des Weges nicht funktionieren wird, geht der Lehrer mit der immer gleichen, schablonenhaften 0815-Methode vor.

    Kurzer Exkurs zu den Preisen für den Unterricht: Ein auf den individuellen Schüler abgestimmter Unterricht besteht nicht aus den 50 Minuten Präsens, sondern braucht Vor- und Nachbereitung, eine Dokumentation der gelehrten Stunden und die Beschäftigung mit eben den Wegen, die die Schüler selber vorgeben.
    Vielleicht muss ich ein paar Noten rausschreiben, spezielle Übung ausdenken, eine Klavierbegleitung üben etc., all das schaffe ich nicht in 50 Minuten.

    Ja, so wäre es ideal. In der Realität wird das schwierig, einerseits eben finanziell wie andererseits auch nervlich. Mir reichten schon vier Schüler am Tag, aber vielleicht bin ich da auch komisch.

    Was mir, neben dem Ensemblespiel, viel gebracht hat, war, selber Unterricht zu geben. Sich der Sache des Lernens von einer ganz anderen Seite anzunähern. Ich bin der Meinung, dass auch fortgeschrittene Spieler Anfängern durchaus Unterricht geben sollten (in den Blasorchestern ist das, glaube ich, auch so). Das Hirnen darüber, was einem Schüler gerade am besten hilft, hilft einem selber. Mit dem Schüler ein Stück zu analysieren, bringt dir selber ungemein viel. Schon alleine, das, was dem ungeschliffenen Ton des Anfängers fehlt, Hören und Bestimmen zu lernen, lässt dich selber ganz anders ansetzen (-:

    Der ungemein liebevoll gemachte Film zum Thema:

    Zugvögel … Einmal nach Inari


     
    Zuletzt bearbeitet: 8.Februar.2026 um 17:02 Uhr
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  2. saxfax

    saxfax Strebt nach Höherem

    Ja, für mich ist es so. Ich habe aber auch einen sehr guten Lehrer, dem ich voll vertraue, Leute, mit denen ich zusammenspielen kann und die Möglichkeit, mir ab und zu einen Workshop zu gönnen (bei denen der gesellige Aspekt fast am wichtigsten ist).

    Trotzdem schaue ich ab und zu in Fäden zu den Themen Üben und Unterricht rein, aber nur kurz zur Unterhaltung.

    @ppue Danke für den Filmtip
     
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  3. bthebob

    bthebob Strebt nach Höherem

    @indieRunde
    Nur als allgemeiner Input-Beitrag.

    Eine Freundin bat mich vor kurzem, ihr das Fotografieren mit einer
    "richtigen" Kamera beizubringen.

    Sie will weg von -Telefonbildern-

    Mir fiel dabei auf:

    #1 Es ist gar nicht so einfach, Dinge, die einem selbst seit langem zur Routine geworden sind,
    einem Einsteiger zu erklären.
    Dinge wie:
    Sich wiederholende Handgriffe, fotografische Theorie
    oder bestimmte Überlegungen beim Fotografieren,

    #2 Wann erklärt man was.
    Trockene Zusammenhänge lieber später besprechen oder gleich ?

    #3 Zeigen, wie und wo man was einstellt
    oder lieber selber "rumprobieren" lassen ?

    Mein kleines Fazit bisher:

    Praktisch machen lassen und dann an Hand der Fotos auswerten.

    Meine Freundin -jammert- schon von ganz allein und will wissen:
    "Wieso und weshalb ihr Foto nicht so aussieht, wie sie es sich vorgestellt hat."

    Oder, was sie gestalterisch besser machen könnte.

    VG
     
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  4. Gerrie

    Gerrie Strebt nach Höherem

    Zum Thema Ausbildung in der Blaskapelle kann ich nur für meine Region sprechen.
    Früher haben Musiker denen man es zutraute den Nachwuchs ausgebildet.
    Ist heute nicht mehr so. Meist in der Musikschule.
    Ich habe das vor gut 40 Jahren gemacht.
    Parallel zur Meisterausbildung.
    Da lernt man gewisse Grundlagen.
    Insgesamt hat mir das sehr viel gebracht.
    Zwei Klarinettistinnen wurden um Welten besser als ich selbst spielen konnte.
    Mit den Anderen war ich auch sehr zufrieden.
    Eine Ausnahme gab es auch. Den konnte ich nicht erreichen. Übte nicht und hat sich entsprechend entwickelt.
    Wäre das der Einzige und der erste Schüler gewesen wäre ich verzweifelt.

    Zum Thema Lehrer.
    Wenn man einen Individuellen Unterricht will , sollte man wie @ppue gerechnet hat auch die Bereitschaft besitzen es zu entlohnen.
    Da wird es schon Diskussionen geben.

    Entscheidend ist für mich die Chemie muss stimmen. Dann kommt der Musikstil, fast genauso wichtig.
    Preis ist für das was ich kenne sowieso okay.
    Entfernung Max 25 km mit dem Auto oder 50 mit der Bahn.

    Grüsse Gerrie
     
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  5. JES

    JES Gehört zum Inventar

    Vor 45 Jahren in meiner Blaskapelle gab es keine Ausbildung. Es hat auch keiner nebenher unterrichtet.
    Wenn du ein Stück/eine Technik nicht konntest war das dann halt dein Problem. Wenn du grundsätzlich Unterricht hattest an musikschule oder privatlehrer war es vielleicht eine Option an den Schwächen zu arbeiten.

    Unterricht ist in meinen Augen immer individuell. Jeder hat eine andere Basis, jeder lernt anders und jeder hat Ziele. Ein guter Lehrer bzw ein gutes Lernkonzept geht auf diese Aspekte ein (mich stört etwas das ganze nur auf ein menschliches Problem runterzubrechen).
     
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  6. Gerrie

    Gerrie Strebt nach Höherem



    Deswegen mein Hinweis, dass ich nur für meine Region sprechen kann.

    Das ist schon ein spezieller Weg. Alle autodidaktisch unterwegs?

    Du hast ja auch geschrieben dass Du keine Noten lesen kannst.
    Notenlesen und Theorie war bei uns Vorraussetzung um überhaupt mit dem Instrument anzufangen.

    Grüße Gerrie
     
  7. gaga

    gaga Gehört zum Inventar

    1960 in Varel (Nordsee) gab es nur einen Spielmannszug. Ich war 12 und "musste" Klarinette spielen lernen wegen Monty Sunshine, Mister Acker Bilk und Sidney Bechet. 80 DM für ne olle C-Klarinette verdient und gelernt, was das Zeug hielt. Eine klassische Schule gab mir den Rahmen, die Aufnahmen meiner Helden waren Motivation genug. Zur Konfirmation endlich eine "richtige" Klarinette, meinen Freund zu nem Banjo überredet, der Rest war Üben, Proben, Platten hören (mein Freund war nicht ganz so knapp wie ich).

    Ich wusste früh, dass es ohne Unterricht bzw Geld dafür mit einem Studium nix wird, noch ein Grund war der Jazz als Leidenschaft und null Zugang zur bürgerlichen Musik. Wegen Sidney Bechet musste noch ein Sopran her, mit 14 am Hafen, am Bau oder in der Ziegelei die großen Ferien durchzuarbeiten war für uns damals normal und die Herbstferien hießen ja nicht umsonst Kartoffelferien.

    Kurz: ich bin mein Leben lang immer Autodidakt geblieben, erst aus der Not heraus, aber irgendwann wird es - auch in vielen anderen Bereichen - zur Methode.
     
  8. JTM

    JTM Ist fast schon zuhause hier

    Ich persönlich finde,das mit Abstand am wichtigsten beim Lehren ist,den Schüler motivieren zu können,und zwar jede Stunde aufs Neue
     
  9. Tobias Haecker

    Tobias Haecker Ist fast schon zuhause hier

    Hmm,

    in meiner Wahrnehmung, gibt's hier nur sehr wenige, die sich skeptisch zu Unterricht äußern. Und da bin ich bei denen auch überzeugt, dass es nicht daran lag, dass die so schlechte Erfahrungen mit Unterricht hatten sondern eher, dass das Menschen sind, die kein Feedback abkönnen...

    Im Gegenteil, nehme ich es eher so wahr, dass die Einstellung zu Unterricht deutlich positiver ist als noch vor 10/20 Jahren, als ich ich das erste mal in den Foren aktiv war. Ich meine, dass auch weniger Autodidakten noch unterwegs sind.
    Kann natürlich sein, dass sich die Autodidakten jetzt weniger als solche präsentieren. Vielleicht gab es einen Culture Shift da Coaching und Mentoring für Erwachsene deutlich trendiger geworden sind. Vielleicht lieg ich mit meiner Wahrnehmung auch falsch.

    Zudem sollte man sich hier immer in Erinnerung rufen, dass dieses Forum ein kein repräsentatives Querschnitt von Saxophonspielern abbildet. Hier sammeln sich halt Klugscheißer, Nerds und Besserwisser (ja, da ordne ich mich selbst mit ein) mit einem (inzwischen etwas oldschooligen und nischigen) Hang für Onlineforen...

    Kurz meine persönliche Meinung zum Saxophon Unterricht. Ich habe von meinen Schülern wahrscheinlich ähnlich viel gelernt wie sie von mir und ich lerne da immer noch.

    Und ja, Chemie muss stimmen und Lehrer gibt's auch in unterschiedlicher Kompetenz. Vor 10 Jahren war ich auch noch nicht so weit wie heute. In 10 Jahren werde ich wahrscheinlich (hoffentlich) auch ein besserer Lehrer als jetzt sein.
     
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