Schrauber, Musiker und Fetischisten

Dieses Thema im Forum "Eigene (musikrelevante) Themen" wurde erstellt von Gast, 9.Dezember.2011.

  1. Rick

    Rick Experte

    Hallo CBP,

    der Vergleich mit dem Profi-Fußballer ist ganz interessant, denn der Sport-Profi ist ja in der Regel bei einem Verein fest angestellt, der Musik-Profi hingegen heutzutage meistens selbstständig, arbeitet nur mehr "freischaffend" auf Honorar-Basis an Musikschulen oder Konservatorien.

    Die Entwicklung der Festanstellungen von Berufsmusikern verhält sich leider umgekehrt proportional zur Anzahl der Musikhochschul-Absolventen... :-(

    Will sagen:
    Mit Musik Geld verdienen zu wollen stellt sich immer mehr als Schnapsidee heraus.
    Selbst die früheren "Brot-Jobs" wie beispielsweise Tanzmusik verschwinden immer mehr, die werden jetzt von sog. "DJs" (Besitzer eines Laptops mit zehntausend Musikdateien) übernommen.
    Live-Musik gerät zum Auslaufmodell, das sich immer weniger Menschen leisten wollen.

    Wenn das so weiter geht, gibt es bald nur noch Amateur-Musiker, denn zur vollständigen Deckung aller Lebenshaltungskosten taugt Musik nach meiner Beobachtung heute so wenig wie nie zuvor. :roll:


    Wehmütige Grüße,
    Rick
     
  2. Gast

    Gast Guest

    @Rick

    "
    Will sagen:
    Mit Musik Geld verdienen zu wollen stellt sich immer mehr als Schnapsidee heraus.
    Selbst die früheren "Brot-Jobs" wie beispielsweise Tanzmusik verschwinden immer mehr, die werden jetzt von sog. "DJs" (Besitzer eines Laptops mit zehntausend Musikdateien) übernommen.
    Live-Musik gerät zum Auslaufmodell, das sich immer weniger Menschen leisten wollen.

    Wenn das so weiter geht, gibt es bald nur noch Amateur-Musiker, denn zur vollständigen Deckung aller Lebenshaltungskosten taugt Musik nach meiner Beobachtung heute so wenig wie nie zuvor."

    >>> leider kann ich Dir da ganz und garnicht widersprechen.
    Die Zeiten sind wohl ziemlich vorbei.

    Ich war mit 18 mal einen Sommermonat in Amsterdam mit nem Banjospieler zusammen...einfach Strassensound machen und Abends in den Kneipen spielen....wir haben nicht nur ganz gut davon leben und den Urlaub finanzieren können...wir haben sogar noch einige hundert Gulden mit heimgenommen. Sowas kannste heute vergessen !!
    Mit meinen Bands bekam ich früher noch GAGE...heute musste erstmal die Saalmiete und den Mischer vorfinanzieren und hoffen, dass es kein Reinfall wird....
    Wenn man am Ende bei aller Proberei, aller Arbeit, allen Kosten noch was rausbekommt, kann man froh sein.

    Ausgerechnet in Äthiopien habe ich das noch erleben dürfen, dass man mit seiner Hupe in eine Musikkneipe kommt, da ein paar Musiker jammen, man da 3 - 4 Stunden mitspielt und mit 200.- Birr heimgeht ( so als gäbe es hier 200 Euronen )...das liegt aber daran, dass die in solchen Dingen halt auch 30 Jahre zurück sind....ähh, WAREN....auch da gibts inzwischen den billigen DJ mit nem Laptop.

    Die Fussballprofis werden dagegen zu Millionen mit Festverträgen gehandelt....da haste leider auch Recht.
    Da sieht man aber auch, wie das Volk drauf ist....wie im alten Rom : "Brot und SPIELE" > Alias Bier und Fussball. Das ist ihnen wichtiger als Musikkultur...die darf ruhig aus der Konseve kommen....hauptsache man sieht ein paar halbnackte Mädels dazu auf dem Bildschirm.

    :-( :-(

    CBP
     
  3. auge

    auge Ist fast schon zuhause hier

    Das stimmt so GSD nicht ganz.
    Zumindestens die Brotjobs gibts hier bei entsprechender Kompetenz (Mehrere Instrumente, Gesang, Leidensfähigkeit) schon noch. Ich bekomme regelmässig Anfragen von "Coverbands" und das geht bis zum "Profijob" will heissen etwa 120 Auftritte im Jahr.
    Ob man das will sei dahingestellt. Ich brauchs im Moment nicht zu machen.

    Ich seh das pragmatisch. Sobald ich Musik machen kann (Gitarre, Sax, Gesang) bin ich ein glücklicher Mensch. Ob das jetzt "meine" Musik ist oder eben nicht ist für mich 2. rangig.
    GSD muss ich ja nur im Moment davon Leben und kann ab 2013 meinem neuen Beruf als Musiklehrer (achja und Mathes......) nachgehen... ;-)...
    Lg
    Auge
     
  4. Gast

    Gast Guest

    @Auge

    Ja...mag sein, dass es das regional bedingt schon noch gibt.
    Aber im Grossen und Ganzen kannste das in Europa knicken.

    Ich kenne auch Leute, die machen im Altenheim Tanzmusik, oder spielen zum Ständchen des Bürgermeisters 60igsten Geburtstag auf....und leben irgendwie davon.
    Das sind aber m.E. Auslaufmodelle.
    Ich kenne nen Schlagzeuger, der spielt jeden Sonntag früh mit ner Dixielandcombo zum Frühschoppen und lebt auch davon....wennste das jedoch hochrechnest, ist die Zahl solcher Leute eher aussterbend.

    LG

    CBP
     
  5. Juju

    Juju Strebt nach Höherem

    Ich kann Rick und CBP nur zustimmen. Hier in London und Rest-UK sieht es gleichermaßen finster aus. Über Angestellte, die seit ein paar Jahren Pay Freeze haben, denke ich nur immer, dass sie auf ganz schön hohem Niveau jammern. Mein Mann hat als Jungspunt in den 80er Jahren für nen Pub-Gig mehr bekommen als heute (in realen Pfund Sterling), wenn man da die Inflationsrate reinrechnet, dann ist das der Megaeinkommensverlust. Auge hat recht, je nachdem, wie niedrig die Hemmschwelle ist, kann man sich natürlich irgendwie durchschlagen. Function Bands können hier noch einigermaßen verdienen. Wir haben hier noch die Westend-Shows, das ist wieder eine Szene für sich. Der live Musik wird es hier noch zusätzlich schwer gemacht durch irgendwelche licensing laws, wo Live-Musik-Betreiber erstmal für viel Geld ne Lizenz erwerben müssen und die Einhaltung sonstwelcher Health&Safety Regulations nachweisen müssen, damit sie überhaupt Live-Musik in ihrem Laden haben dürfen.
    Das Modell vom passionierten Amateur, der sich seine "Music-Habit" über einen Dayjob finanziert, scheint leider wirklich das Zukunftsmodell zu sein. Wenn ich mich in punkto "Traumgigs", also Gigs, hinter denen man inhaltlich voll und ganz steht, mit meinem Mann vergleiche, und zum Beispiel das letzte Jahr betrachte, dann habe ich zwar nur eine Handvoll Gigs gespielt, aber diese Gigs haben die Welt für mich bedeutet. Gigs, die für meinen Mann die Welt bedeuten, hat es für ihn in ähnlich geringen Umfang gegeben, dazu viele Kompromiss-Gigs und das College. Aber er hat den Vorteil, dass er sich die ganze Zeit mit Musik beschäftigen kann. Ich kann meinen eigenen sehr hohen Ansprüchen nicht gerecht werden, weil mir die Zeit fehlt.
    Liebe Grüße,
    Juju
     
  6. mixokreuzneun

    mixokreuzneun Ist fast schon zuhause hier

    letztendlich als fazit:

    er war musiker und sie hatte auch kein geld......

    ich bin ehrlich gesagt heilfroh, dass ich mit musik nicht mein haupteinkommen erwirtschaften muss, sondern die freiheit habe das zu spielen, was ich will, zumal mein job als freiberufler immer mal wieder am tag es zulässt zu üben. als lehrer wäre ich völlig ungeeignet........

    grüsse

    andi
     
  7. Gast

    Gast Guest

    @Nighwatchwoman

    Vor ca 8 Jahren habe ich mit meiner damaligen Ska-Band mal auf der Becksbühne am Hamburger Hafengeburtstag gespielt.
    Der Hafengeburtstag ist ja ein Mega-Event,zu dem Zigtausende extra anreisen, Schiffe extra hersegeln usw usf. Die Becks-bühne ist dabei eine der grössten und amtlichsten Musikevents.
    ABER für uns Musiker gab es ein Brötchen und einen Becher Orangensaft.....selbst ein Bier musste man selber zahlen.
    Da unterhält die Becks-Brauerei zu Werbezwecken sogar ein eigenes Segelschiff mit extra in Flaschengrün angefertigten Segeln....aber für die Musiker gibt s noch nichtmal ein Freibier.
    Wenn man als Band schon 400.- Euro für einen schalldichten Proberaum monatlich hinlegt, ist sowas nicht nur ein Einkommensverlust, sondern ein absolutes Minusgeschäft...bestenfalls als PR-Gig zu vertreten ( deswegen haben wir s auch gemacht )

    Für Amateurmusiker wäre das vielleicht eine tolle Sache gewesen...WOW ! Wir hatten einen genialen Gig auf der Becks-Bühne! > da kann man noch den Enkelkindern von erzählen !!
    Für jemdanden, der was dabei verdienen will ...oder muss...war es jedoch ein Reinfall.So ist das leider häufig....auch gerade deshlab, weil es viel zu viele "Musiker" gibt...eben auch Amateure, die bereit sind, umsonst zu spielen...oder aber für ihren eigenen Gig sogar zu zahlen.

    Sowas habe ich gerade hier in Hamburg schon oft erlebt > da werden grosse Musikevents ausgerufen und die Bands ZAHLEN damit sie auftreten DÜRFEN....das Publikum zahlt ebenfalls und so freut sich der Veranstalter doppelt. Die Musikqualität sinkt dadurch enorm und der Profi hat das Nachsehen.
    Das ist man alles nichtmehr wie s mal war !

    bedenkliche Grüsse

    CBP

    Daher hat Mikrokreuzneun schon Recht: Man kann heutzutage froh sein, wenn man von der Musik nicht leben muss.
     
  8. Gelöschtes Mitglied 5328

    Gelöschtes Mitglied 5328 Guest

    @ all

    Ich kann das nur betsätigen.

    Wenn wir für Kunden Veranstaltungen planen und konzipieren und dann über´s Budget diskutieren ist es schon erschreckend, wie gerade bei der Musik gefeilscht wird.

    Da kosten dann das Event schnell mal 100.000,-€, 200.000,-€ oder mehr, aber wenn wir über das Engegament der Band diskutieren wird über 500,-€ verhandelt!

    Das Angebot ist einfach zu groß, es gibt zu viele "Amateure", die das für kleines Geld machen, weil sie glücklich sind auftreten zu dürfen und der professionelle DJ mit einer technisch bestens ausgestatten Anlage ist dann auch noch Wettebwerber.

    Da kann der ernstahfte Profimusiker kaum noch mithalten, es sei denn es gibt schon einen gewissen Bekanntheitsgrad und man will deshalb genau DIE Band.

    LG

    Dreas

     
  9. HanZZ

    HanZZ Ist fast schon zuhause hier

    Ich hab' ja schonmal erzählt, dass wir mit unserer Kollegenband hin und wieder bei firmeninternen Veranstaltungen spielen. Unser Grundsatz dabei: Nie ohne Gage!
    Das machen wir nicht in erster Linie um Kohle zu verdienen, sondern um die Preise nicht kaputt zu machen.

    Unsere letzte Gage haben wir übrigens danach für unser internes Hilfsprogramm "WHEO- We Help Each Other" gespendet, durch das unverschuldet in Not gekommene Kollegen (z.B. nach dem Tsunami in Japan, nach der Flut in Pakistan oder nach dem Erdbeben in Haiti) finanziell unterstützt werden.

    Cheers
    HanZZ
     
  10. Juju

    Juju Strebt nach Höherem

    Hier ist eine interessante Diskussion zu dem Thema, bezieht sich allerdings auf Jazz.
    Liebe Grüße,
    Juju
     
  11. 47tmb

    47tmb Gehört zum Inventar

    Ganz professionell (?) zurück zur Eingangsfrage:

    Hobbymusiker mit Anspruch (aber zu wenig Zeit, dies zu erarbeiten :-( ),
    Spaßfaktor ist wichtig, was dazu führt dass ich auch alles mögliche ausprobiere bevor ich es per se als vodoo abtue (Mundstücke, Blätter, Ligaturen Resonanzringe, Klangbögen, Daumenhalter....)

    (und es ist nicht alles vodoo ;-)

    :peace:



    Was draufsteht (Marke, Seriennummer) ist mir wurscht. Es muss die Klappen da haben, wo meine Fingers hinkommen und muss mich bei dem, was ich mir vorstelle unterstützen.

    Solong
    tmb

     
  12. Gast

    Gast Guest

    @Nightwatchwoman

    Habe mir die Diskussion mal komplett reingezogen - und es kommt ja auf das Gleihe herraus wie hier im Thread....ein paar wenige schaffen es noch ganz gut...der Rest geht mehr oder weniger leer aus. Ich frage mich jedoch, wie angesichts dieser Tatsachen noch immer so viele Leute versuchen, aus dem Jazz ihre Brötchen zu backen. Es ist offensichtlich zu einer Brotlosen Kunst geworden...mehr als das Allgemeinmusikerdasein, welches sich auch mit Schlagern und Tanzmusik abgeben würde.
    Auch Künstler ( Maler ) hatten schon immer ihre Probleme....das Beispiel wurde ja auch genannt....um wieviel mehr dann ein Van Gogh zu seiner Zeit ???
    Wenn nun jedoch lauter Van Gaghs aus den Schulen purzeln, MUSS ds ja in s Auge gehen.....
    Eine sehr interessante Dicussion !!


    @47mtb
    Hey, auch ich habe vieles ausprobiert...viele Voodotricks als falschen Zauber entlarvt aber auch vieles entdeckt, was Sinn macht.Ich habe dabei manch ein Sax geschrottet oder auch MPCs
    ....unzählige Blätter verhunzt...aber es hat Spass gemacht und ich weiss nun , wo ich stehe. Teuer war s bisweilen...aber auch erfahrungsreich.
    Nur weiter so !!

    LG

    CBP
     
  13. Rick

    Rick Experte

    Alles hat nun mal seine Vor- und Nachteile.

    Ich weiß garnicht, ob ich einen Büro-Alltag überleben würde, hatte zuletzt bei meinem Zivildienst 1984 einen von außen geregelten Tages- und Wochenablauf, das war schon damals nicht mein Ding gewesen... :-(

    Und natürlich habe ich inzwischen meine Nischen gefunden, gewiss mit viel Luft nach oben :-D , aber ich überlebe ganz gut. :)

    Die Entwicklung kann einem derzeit Sorgen bereiten, andererseits gibt es aber auch immer wieder Revivals und Gegenbewegungen - früher galt mal Jazz als tot, inzwischen ist es eher die Rock-Musik mit ihrem Opa-Publikum, während immer mehr junge Leute begeistert zu Big-Band-Swing tanzen... :roll:

    Vielleicht kommt ja alles ganz anders, man entdeckt die Schönheit der Live-Musik neu, wird der Sample-Sounds, MP3-Dateien und You-Tube-Clips überdrüssig, wer weiß? ;-)


    Optimistische Grüße,
    Rick
     
  14. edosaxt

    edosaxt Strebt nach Höherem

    Hmmmmmmmmm.......

    Ist es denn wirklich so, dass früher alles besser war und mehr Musiker, besser von ihrer Musik leben konnten???
    Ich hab da keine gesicherten Zahlen gefunden.

    Den Wunsch von immer mehr Menschen einen individualisierten Job zu haben, kann ich im Bekanntenkreis subjektiv feststellen.
    Die Flut an jungen Leuten, die Schauspieler, Musiker, Tänzer, Designer, Schriftsteller, oder " irgendwas mit Medien" werden wollen, erscheint mir außerordentlich hoch!
    Ja, ja, die Geister, die wir riefen!
    Lg
    Edo
     
  15. saxfax

    saxfax Strebt nach Höherem

    Ob es wirklich besser war weiß ich nicht. Wohl aber, dass es diese Debatte schon in dern 70er Jahren gab. Die Kunst -und Musiklehrer in unserer Schule hatten es vorher alle auf dem freien Markt mit dem Berühmtwerden und Geldverdienen versucht. Ich glaube, auch die Deutschlehrer. Unser Kunstlehrer sagte immer "Mache NIE dein Hobby zum Beruf".

    Besten Gruß
    Saxfax
     
  16. Gast

    Gast Guest

    Klar - weil ER es nicht geschafft hat bzw. sich nicht getraut hat. Wir hatten so einen Kunstlehrer und so einen Musiklehrer. Sie waren beide SCHEISSlehrer, waren sich eigentlich zu schade, eigentlich zu Höherem geboren - aber die Umstände...

    Gruß, Herman

     
  17. saxfax

    saxfax Strebt nach Höherem

    Nein, geschafft hatte er es wohl nicht, aber getraut schon! Und schon gar nicht waren das alle schlechte Lehrer oder gaben sich zu höherem geboren - die hatten eher rechtzeitig die Mechanismen des Marktes durchblickt. Ich weiß nicht, was daran falsch sein soll.

    Gruß
    Saxfax
     
  18. schluesselpapst

    schluesselpapst Ist fast schon zuhause hier

    Jeder der von seiner Musik leben will, sollte sich nicht als Musiker sondern als Unternehmer sehen.

    Grüsse Schlüsselpapst
     
  19. Gast

    Gast Guest

    @Schlüsselpapst

    ""Jeder der von seiner Musik leben will, sollte sich nicht als Musiker sondern als Unternehmer sehen.""

    DAS ist wahrscheinlich ein entscheidender Film dazu. Man muss wohl in erster Linie "Verkäufer" sein, der ein Produkt ( die Musik) an den Mann bringt und zu Geld macht....und weniger "Musiker", der erhofft, für seine "Kunst" was zu bekommen.


    @ Rick - sehe ich ähnlich. Die Live-musik wird irgendwann mal ein Revival erleben, wenn die Leute von ihren MP3-Sounds die Nase voll haben.

    Eine kleine Tendenz in diese Richtung ist ja jetzt schon zu beobachten > viele DJs greifen plötzlich wieder auf die gute alte Schallplatte zurück, weil ihnen ( und dem Publikum ) der Digitalsound auf den Keks geht. Eine Einzelaufnahme, die ich vor drei Jahren mal während eines "Heimaturlaubes" von Äthiopien aus in Hamburg aufgenommen habe, wurde gleich auf Vinyl gepresst > die gibt es garnicht als CD.Im folgenden Sommer lief die recht erfolgreich auf etlichen Dancehall-events.
    Ebenso habe ich schon des öfteren bei DJ-Nights direkt in der Dancehall ein Live-Sax dazugespielt.
    Die Tendenz ( back to Livesound) zeichnet sich also bereits ab. Die Bezahlung ist jedoch nach wie vor bescheiden.
    50.- Euro für zwei Stunden Studioauftragsarbeit waren da noch der beste Schnitt in den letzten zwei Jahren...PLUS Taxigeld für An- und Rückfahrt. Da kann ich für meine Verhältnisse nicht meckern.

    @HanZZ
    Finde ich absolut korrekt, dass Ihr auf ner Gage besteht...ganz egal, ob Ihr die nun spendet oder versauft.
    Es ist wichtig, dass Veranstalter Musik nicht als ein Billigprodukt ansehen, was es - vor allem von der Amateurliga- stets umsonst gibt....oder wofür sie sogar noch ZAHLEN, um ne Auftrittsmöglichkeit zu haben.
    Diese Tendenz hat sich leider schon ziemlich manifestiert...und es wird höchste Zeit, dass sie rückgängig gemacht wird.

    LG

    CBP
     
  20. Juju

    Juju Strebt nach Höherem

    Es waren früher einfach mehr Gelegenheiten, die jetzt total weggebrochen sind. Z.B. Studiosessions. Wenn man sich anschaut, auf welchem Niveau Filmmusik in den 60er bis ca 90er Jahren aufgenommen wurde, und was für ein Budget dafür z.B. auch bei TV-Serien zur Verfügung stand, da war für gute Instrumentalisten jede Woche ne Studiosession drin. Jetzt wird billigst produziert und die Musik von einer ein Mann Band im Homestudio auf nem Synth zusammengestückelt.
    Mit CDs macht man auch keinen Gewinn mehr, wo man sich doch alles billigst downloaden kann.
    Radiobigbands gibt es zumindest hier in Uk nicht mehr (da ist Deutschland noch echt verwöhnt). Die "BBC Big Band" wird projektbezogen zusammentelefoniert, da wir dann eine Musikerliste abtelefoniert.
    Selbst Westend Shows haben angefangen, Teile der Bands von der Konserve abzuspielen.
    Dann ist da noch die staatliche Förderung. Hier sind im Rahmen des Sparpakets der Regierung drastische Einschnitte vorgenommen worden, die den Jazzsektor überproportional betroffen haben (die Klassiker sind relativ verschont geblieben, scheinen eine größere Lobby zu haben).
    Ich gehe mal davon aus, dass es in Deutschland ähnlich ist.
    Ich erinnere mich noch gut an die ersten Jazzkonzerte, die ich in den 80er Jahren in Deutschland besucht habe, und da waren ganz oft britische Bands. Die Veranstalter konnten sich das offenbar leisten, und die Bands haben wohl genug Gage erhalten, dass es sich für sie gelohnt hat. Und die Publikumszahlen stimmten wahrscheinlich auch. Ich wüßte heute von keinem britischen Musiker, der mit seiner britischen Band längere Zeit auf Tour in Deutschland ist...
    Das sind jetzt Beispiele, die mir spontan einfallen.
    Liebe Grüße,
    Juju
     
  1. Diese Seite verwendet Cookies, um Inhalte zu personalisieren, diese deiner Erfahrung anzupassen und dich nach der Registrierung angemeldet zu halten.
    Wenn du dich weiterhin auf dieser Seite aufhältst, akzeptierst du unseren Einsatz von Cookies.
    Information ausblenden