Über Jamie Cullum zu Alexander von Schlippenbach?

Dieses Thema im Forum "Eigene (musikrelevante) Themen" wurde erstellt von Gelöschtes Mitglied 172, 11.Mai.2013.

  1. Gast

    Gast Guest

    @Roland,

    der beitrag gefällt mir, is wie aus'm leben! :-D
     
  2. flar

    flar Guest

    Moin, moin Roland
    Hier könnte man den Jazz gegen jede andere Musikrichtung austauschen, ihren "Ruf" haben die alle weg. Volksmusik wird nur von Nazis gesungen, volkstümliche Musik (da sehe ich einen Unterschieht) ist Volksverdummung, Rockmusik ist auch stupide und (auch hier immer wieder beliebt)Popmusik ist simpel, künstlich hergestellt und so wieso Betrug. Die Frage ist doch warum sich trotz dieser weit verbreiteten Vorurteile nur Jazz und Volksmusik eines so geringen Publikumszuspruchs erfreuen während die anderen Musikrichtungen, sogar Klassik wenn sie sich an die bekannten Namen hält (Mozart usw.), Publikumsmagneten sind! Klar auch nicht jeder Rockmusiker kann von seiner Musik leben, aber wenn der richtige kommt ist das Stadion voll. Viele der von Dir aufgezählten Sachen stimmen natürlich, aber andern Musikrichtungen wird auch so einiges unterstellt. Nur daran kann es meiner Meinung nicht liegen das kein Jazzmusiker mehr in der Lage ist richtig große Hallen zu füllen! Festivals mal ausgenommen wo die Spitzenmusiker im Paket kommen können auch die erfolgreichsten Jazzer höchstens kleine bis mittlere Saale voll bekommen. An der Menge der verschiedenen Jazzstyle kann es auch nicht liegen, wenn wir hier die ganzen Rockunterarten aufzählen haben wir genauso viel zu tun.

    Nachdenkliche Grüße Flar
     
  3. 47tmb

    47tmb Gehört zum Inventar

    @ flar

    Wiviele Musiker/Bands/Ensembles anderer Musikrichtungen füllen mehr als kleine bis mittlere Säle ausser bei entsprechenden Festivals?


    Jazz und auch Klassik sind weniger populär, weil man in der Regel wirklich zuhören muss; sich nicht bedudeln lassne kann.

    Rock-Musik war schon immer ein Ausdruck von Protest und hat von daher eine breite Basis bei den jüngeren.
    (Nun, der Altersdurchschnitt bei Stones- oder Status Quo- oder zz-top-Konzerten heute könnte auch zu einem klassischem Konzert passen :) )

    Und die Jazz-Veranstaltungen (Einezlekonzert und auch Konzertreihen eilnzelner locations), die ich in letzter Zeit besucht habe waren durchaus gut besucht und zwar auch noch mit einem moderaten Altersdurchschnitt :)

    Cheerio
    tmb

     
  4. Rick

    Rick Experte

    Moin Flar!

    Muss man denn große Hallen füllen? Ist das ein Maßstab für Erfolg?

    Große Hallenkonzerte funktionieren nur mit Event-Charakter, da muss etwas sehr hoch "gehypt" sein, und da geht es schon los, denn der "Hype" kommt nur durch massiven Werbungsaufwand - Zeitungen, Zeitschriften, Flyer, Plakate, Radio, Fernsehen - da verschwinden schnell alleine für die Werbung eine Million Euro und mehr! :-o

    "Geld kommt zu Geld", das gilt auch fürs Musikbusiness.
    Da geht es nicht mehr um Geschmack, sondern da geht es vorwiegend um Sensation, Spektakel, Zirkus, das war schon bei den alten Römern so und hat sich bis heute nicht geändert.
    Wenn man den Leuten nur ausreichend einredet, "Da musst du unbedingt hin, das darfst du dir nicht entgehen lassen!", dann kommen sie auch gerannt. Mit musikalischer Qualität wie auch Stilistik hat das meiner Ansicht nach nicht viel zu tun - die Leute kommen zu Folk wie zu Rock wie zu Pop wie zu "Riverdance" oder André Rieu, wenn's nur vorher ausreichend angekündigt wurde (siehe "Blues Brothers" Teil 1!) ;-)

    Auch von Woodstock redet man mehr über das Erlebnis, das Geschehen rund ums Festival, als über die Performances selbst, die waren fast schon austauschbar.

    In der Halle sind für die meisten Zuschauer die Akteure auf der Bühne mit bloßem Auge kaum noch zu erkennen, da freut man sich über die Großbildschirme, der Ton kommt sowieso nur aus den Lautsprechern - das ist aber dann ein "Musikgenuss" wie zu Hause vor dem Fernseher mit der Tour-DVD, bloß ungemütlicher und in schlechterer Klangqualität. :-(

    Will ich mir das antun, nur um die Musiker mal "live" gesehen zu haben?
    Etliche dutzend Euro bezahlen für ein im Grunde genommen unbefriedigendes Erlebnis?

    Als Jugendlicher bestimmt, als junger Erwachsener vielleicht, als "gestandener Mann" schon lange nicht mehr.
    Dann lieber die erwähnte Tour-DVD.

    Es gibt natürlich Bands und Musik, da kommt es auf diese "Großveranstaltungs-Stimmung" an, aber das gilt nicht für Modern Jazz, da könnte so etwas eher stören, finde ich. :roll:

    Ich selbst spiele im Zweifelsfall lieber in kleinen Clubs als in großen Hallen und höre da auch lieber Musik.
    Natürlich ist es ein großartiges, berauschendes Erlebnis, vor Menschenmassen zu stehen und von denen frenetisch bejubelt zu werden, aber es ist zugleich auch ernüchternd, wenn man bedenkt, was man dafür als Saxer tun muss:
    Ein paar ekstatische hohe Töne, etwas aggressives Gegrowle, schon wird gejubelt, das verläuft fast wie im Pawlowschen Experiment, das langweilt mich auf Dauer, es wurde mir im Lauf der Zeit zu eindimensional.

    Im Club kann ich ein ausgefeiltes Solo über eine komplexe Ballade spielen, ernte damit möglicherweise nicht so viel Applaus, aber die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass hinterher ein Zuhörer zu mir kommt und mir sagt, dieses Solo hätte ihn sehr bewegt.
    Auf der großen Bühne kommt nur der Manager hinterher zu mir und meint, das nächste Mal sollte ich mehr Dampf machen, sonst hauen ihm die Leute ab.
    Das ist der Unterschied.


    Schöne Grüße,
    Rick
     
  5. ppue

    ppue Mod Experte

    Was denn, wenn ich behaupte, dass Jazz in unserer Gesellschaft einen erstaunlich guten Stand hat? Es ist ja nicht gerade unsere eigene Tradition und dennoch gibt es viele Gruppen unterschiedlichster Stilrichtungen, von Dixie bis Free Jazz (letzterer sogar mit eigenen deutschen Wurzeln).
    An den Hochschulen kann man seit Mitte der 70er Jahre Jazz studieren. An den Musikschulen ist Jazz eine Selbstverständlichkeit, große Festivals mit großen Namen sind überlaufen, in allen Städten gibt es Jazzkneipen und Jamsessions. Immer noch gibt es die Jazzbigbands der Radiosender und sogar bei der Bundeswehr.

    Es könnte ganz anders bestellt sein um eine solche importierte Musiktradition.

    Klassische Hobbymusiker sitzen doch viel mehr in der Nische. Solange man an der Musikschule lernt, gibt es Konzerte, bei denen es deshalb voll ist, weil die gesamte Elternschaft zuhört. Aber was und wo musiziert der Hobbyklassiker danach? Ein paar wenige Hobbyensembles spielen vielleicht noch öffentlich zu besonderen Gelegenheiten. Mehr Möglichkeiten, auch unterhalb des professionellen Standards Konzerte geben zu können, sind mehr als rar.
    Somit bleibt das Klassikpublikum verwöhnt und gleichzeitig verschont von mehr oder weniger unprofessionellen Darbietungen.

    Ich bin auch nicht sicher, ob junge Rock- und Popbands mehr Möglichkeiten zu Auftritten haben.

    Letztendlich zählt die Qualität. Wenn die da ist, wird sich auch Erfolg einstellen.
     
  6. TheSteamer

    TheSteamer Guest

    Moin!

    @ppue

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    Grüße the Steamer
     
  7. Gelöschtes Mitglied 1142

    Gelöschtes Mitglied 1142 Guest

    In unserem kleinen Kurort mit knapp 9000 Einwohnern (alle umliegenden Ortsteile mitgerechnet) findet alle paar Jahre mal wieder der Bad Liebenzeller Jazzsommer statt. An mehreren Tagen mehrere Jazz-Events gleichzeitig an verschiedenen Orten. Z.B. Doldinger im Kurpark, Antolini in der Halle der Mineralbrunnen AG, andere, nicht so bekannte Performer im Burghof oder dem Gut Georgenau.

    Und die sind allesamt immer sehr gut besucht.

    Schade, dass ich nicht überall gleichzeitig sein kann :)

    Und das in einer eher sehr konservativen Kleinstadt, bei deren Altersdurchschnitt ich als 62-Jähriger eher zu den jüngeren gehöre.

    Ich kann aus dieser Erfahrung nicht beobachten, dass Jazz keinen guten Stand hätte.

    Gruß aus dem Schwarzwald
    Bernd
     
  8. Rick

    Rick Experte

    Den Eindruck, dass Jazz in unserer Gesellschaft eigentlich ganz etabliert ist, teile ich ebenfalls.
    Gerade ältere Mitbürger haben oft noch aus ihrer Jugend ein ganz positives Image vom Jazz, der ja meines Wissens in der Nachkriegszeit bis in die 1960er Jahre hinein geradezu als Symbol für Jugend, Weltoffenheit und Befreiung galt (bis er von Beat, später Rock diesbezüglich abgelöst wurde).

    Das Problem stellt sich eher in der Frage, wie man Jazz für die jüngeren Leute der heutigen Zeit wieder bekannter machen könnte.
    Nicht unbedingt attraktiver - wenn ich Schülern Jazz vorspiele, gefällt ihnen die Musik oft schon (sie hegen auch nicht die von Roland geschilderten Vorurteile, die sind eher in meiner Altersgruppe zu finden), aber sie KENNEN diese Musikrichtung schlicht und ergreifend gar nicht!

    Immer wieder erlebe ich von Teenagern die Reaktion, dass sie sich fragen, warum man ihnen diese Musik medial VORENTHÄLT - sei es im Radio oder im Fernsehen, in Zeitschriften oder im Internet, immer geht es bei "Musik" ausschließlich um Rock und Pop, Jazz und Klassik scheinen geradezu absichtlich tot geschwiegen zu werden.

    Die Großeltern hören selbst noch Jazz, die Jugendlichen WÜRDEN sich bei Gelegenheit dafür interessieren, nur wir mittleren Jahrgänge ("Sandwich-Generation") scheinen die entschiedenen Jazz-Hasser zu sein. :roll:


    Schöne Grüße,
    Rick
     
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