"Unmöööööglich!!!" - Wie sieht das denn aus?

Dieses Thema im Forum "Eigene (musikrelevante) Themen" wurde erstellt von Zausel, 23.Dezember.2014.

  1. Rick

    Rick Experte

    Das sehe ich ähnlich: Lieber ein Ausnahme-Talent mit individueller Kleidung als einen Stümper in korrektem Zwirn. :cool:

    Gerade bei Jazz und Pop ist da viel möglich, finde ich, so lange es um keinen "ehrfurchtgebietenden" (Wuffy) Anlass geht.

    Einer meiner Lieblingskollegen ist ein "farbiger" US-Amerikaner, Schlagzeuger, der bereits mit allen möglichen Größen spielte und EINDEUTIG in den 1960er, 70er Jahren sozialisiert wurde. Er besitzt weder Anzug noch Krawatte und trägt beim Spielen sowieso immer weiche Sportschuhe, keine Lacktreter.
    Zu "offiziellen" Anlässen kommt er wie ein von Hippies geschmückter Weihnachtsbaum, um es mal drastisch zu formulieren, doch bisher hat sich noch keiner dran gestoßen - Musikern, besonders guten und bekannten, lässt man Einiges durchgehen.

    Mir persönlich machen Anzüge und Krawatten nichts aus, das war schon zu Schulzeiten meine Art, mich gegen die EINHEITSKLEIDUNG meiner Jugend (Blue Jeans, T-Shirt, grüner Parka, Turnschuhe) abzusetzen. :-D

    (Besonders cool finde ich die übergroßen, weiten "Zoot Suits" der 1930er und 40er mit den riesigen Wagenrad-Hüten, leider ist dieser lässige Hipster-Look aufgrund der aktuell hautengen Mode nirgends zu finden, muss man sich maßanfertigen lassen, mir zu teuer...) :-(

    Und ich lehne als Individualist sowieso Uniformen jeder Art ab; in unserer Big-Band gilt deshalb eher eine lockere Kleidungsrichtlinie als eine strenge Ordnung, jeder darf gern ein wenig von der Norm abweichen. Und wenn man 15 echte Anzugträger hat, dann kann auch der 16te bloß Black Jeans und Stoffjacke tragen, ohne dass es negativ auffällt. ;-)


    Schöne Grüße,
    Rick
     
  2. abraxasbabu

    abraxasbabu Ist fast schon zuhause hier

    Wolle mer Musik mache oder Modeschau?
     
  3. 47tmb

    47tmb Gehört zum Inventar

    Nun, wir sind also bei den Punkten

    Respekt vor dem Publikum
    Gruppeninteresse
    Anlassabhängig
    individuelle Note
    Teil des show-act

    Wenn man allerdings einer der hier auch beispielhaft genannten Topmusiker oder gar Ausnahmemusiker ist, ist es egal oder gehört zum Typ (--> Matthias Schriefel)

    Cheerio
    tmb
     
  4. Claus

    Claus Mod Emeritus

    Wenn das die Verabredung in der Gruppe ist, ist das völlig ok.

    Wenn aber verabredet wurde "einheitlich schwarz", dann fände ich persönlich es etwas daneben, wenn jeder Dritte in blau, pink oder im Hawai-Hemd aufschlagen würde. Das ist die Perspektive als Teil der Band.

    Als Zuhörer/Zuschauer lege ich auf ein einheitliches Erscheinungsbild keinen großen Wert. Da halte ich es mit Rick: ein guter Musiker ist mir lieber als ein besonders elegant gekleideter. Das hat aber auch Grenzen. Wenn sich Rick beim nächsten Auftritt im Bikini präsentieren würde, bekäme ich vermutlich von der schönen Musik wenig mit, weil ich damit beschäftigt wäre, die Botschaft des eigenwilligen Kleidungsstils zu enträtseln...

    ;-)
     
  5. bluefrog

    bluefrog Strebt nach Höherem

     
  6. ppue

    ppue Mod Experte

    Ich werfe mal mein Lieblingswort Authentizität in die Runde. Wenn beide, Gruppe und Individuum, authentisch rüber kommen, ist das in Ordnung.

    Wollen wir Modeschau oder Musik? Ich kann und will das gar nicht von einander trennen. Die Art und Weise eines Auftritts, die Show oder Antishow, gehören immer mit zur Musik. Du kannst ein begnadeter Jazzer sein. Wenn du aber verschämt auf die Bühne stolperst, den Notenständer nicht aufgefaltest bekommst, ihn dann so hoch einrichtest, dass man dein Gesicht nicht mehr sieht und nur auf den zufällig offen stehenden Hosenstall achtet, kannst du blasen wie ein Gott. Die musikalische Anerkennung wirst du nicht finden. Vielleicht einen Job im Quatsch-Comedy-Club.

    Zur musikalischen Aufführungspraxis gehört mehr als nur deine Musik. Ansonsten könnten wir genau so gut eine CD einlegen. Man verkauft schon in gewissem Masse auch sich selbst, seinen Körper, sein Outfit und bestenfalls eben seine gesamte authentische Erscheinung.

    Und auch die Gruppe hat eine eigene Authentizität, die es zu beachten gilt. Das heißt gar nicht, dass ein barfüßiger kurzbehoster Bläser stören muss. Kommt auf die Gruppe drauf an.
     
  7. 47tmb

    47tmb Gehört zum Inventar

    ppue schrieb

    "wollen wir musik oder modenschau?"


    Nun, zu erst einmal die Musik.


    Aber zwischen Modeschau und passender/weniger passender oder angebrachter/weniger angebrachter Kleidung ist denn doch noch ein erheblicher Unterschied, oder?


    Cheerio
    tmb
     
  8. Gelöschtes Mitglied Wolle

    Gelöschtes Mitglied Wolle Guest

    Gute Musik zu machen und sich in einem gepflegten äußeren zu präsentieren muß nicht unbedingt gegensätzlich sein. Das hat nichts mit Modenschau zu tun. Wenn verabredet wurde in schwarzer Kleidung zu erscheinen sind natürlich ROTE Turnschuhe nicht gerade dem Allgemeinbild zuträglich, hab ich schon erlebt. Das ist fast so schlimm, wie mit einem Bikini als Leadaltist zu erscheinen. Das Auge hört mit.

    Grüße
    Wolle :cool:
     
  9. kokisax

    kokisax Strebt nach Höherem

    Bei Studioaufnahmen kräht kein Hahn danach wie die einzelnen Spieler angezogen waren.
    Da sind auch "rote Socken" in jeglicher Form akzeptabel. :duck:
    Bei Live Auftritten verlangt das Publikum zum (hoffentlichen) Hörgenuss auch einen entsprechenden Optischen "Genuss".
    Das Gesamtbild Musik und Optik müssen passen und dem Anlass entsprechen.

    kokisax
     
  10. Gelöschtes Mitglied Wolle

    Gelöschtes Mitglied Wolle Guest

    kokisax
    Bei Live Auftritten verlangt das Publikum zum (hoffentlichen) Hörgenuss auch einen entsprechenden Optischen "Genuss".
    Das Gesamtbild Musik und Optik müssen passen und dem Anlass entsprechen.

    :applaus: so ist das!

     
  11. Rick

    Rick Experte

    Klar, "das Auge hört mit", wie ich immer sage. Ich wage sogar zu behaupten, dass die meisten Menschen besser sehen als hören können, zumindest legen diesen Schluss regelmäßig die Hitparadenplatzierungen nahe. :-D

    Je vordergründiger die Musik bei einer Veranstaltung ist, desto mehr modische Freiheiten können sich die Musiker erlauben - MÜSSEN sie sogar, um aufzufallen, damit sie vom Durchschnittspublikum überhaupt registriert werden.
    (Wie der Trompeter gespielt hat, weiß hinterher kaum noch einer, aber dass er einen Hut trug oder eben barfüßig war, daran kann sich jeder erinnern.) ;-)

    Doch manchmal soll die Musik nur unauffällig im Hintergrund bleiben; dann ist natürlich alles zu vermeiden, was zu viel Aufmerksamkeit beansprucht.
    (In dem Fall schaut aber auch kaum jemand auf die Füße der Bläser; ich muss zugeben, dass ich noch bei keinem Orchester nachgesehen habe, welche Sockenfarbe die Musiker tragen und ob sie überhaupt Schuhe an haben...)

    Die meisten Veranstaltungen werden sich allerdings irgendwo zwischen den beiden Extremen Showbühne und Hintergrund ansiedeln, da ist es doch wohl eher den jeweiligen Ensembles und ihrer eigenen Toleranz überlassen, wie sie sich im Einzelnen präsentieren, denke ich.

    Bei Big-Bands und anderen Orchestern existieren meines Wissens eher selten von außen vorgegebene Kleiderordnungen (außer freilich bei Polizeiorchestern usw.) , die geben sie sich meistens selbst vor.
    Da entscheidet im Zweifelsfall der Ensembleleiter, was noch geht und was schon Grenzen überschreitet.

    Meine Big-Band beschäftigt sich bekanntlich viel mit authentischem Swing, weshalb wir auch gerne entsprechende Kleidung tragen.
    Ehrlich gesagt stört mich da schon seit Jahrzehnten weniger die allgemeine Schuhtracht als die Frisur des langhaarigen ersten Tenoristen - aber einen original Kurzhaarschnitt kann ich ihm leider nicht vorschreiben, so gern ich das auch wollte!
    (Und mein Bart entspricht auch nicht wirklich der damaligen Mode...) :lol:


    Schöne Grüße,
    Rick
     
  12. Claus

    Claus Mod Emeritus

  13. Gelöschtes Mitglied Wolle

    Gelöschtes Mitglied Wolle Guest

    Beides wird schnell dreckig...
    :pint:
     
  14. kokisax

    kokisax Strebt nach Höherem

    Bobby McFerrin als Ausnahmekünstler darf das.
    Er hat sich sein Renome über Jahre erarbeitet und wirkt in allem glaubhaft was er darbietet.
    Viele verwechseln aber diese Reihenfolge und stellen ihren oft fraglichen Individualismus zur Schau bevor sie Erfolg haben.

    Ist ja wie mit dem Geld.
    Viele geben es schon aus bevor sie es haben und fallen dann auf die Nase.

    kokisax
     
  15. Zausel

    Zausel Nicht zu schüchtern zum Reden

    Schade - ich habe keine rechte Zeit mehr, meine eigenen Erfahrungen hier zu schreiben.

    Nur ein, zwei Sätze, bevor ich mich für ein paar Monate nach Australien verbschiede:

    "Anders" sein hat viel, viel mit dem sog. "Standing" (hierfür gibt es leider kein deutsches Äquivalent) zu tun.

    Mich kennt man hier in der Region NUR barfuß. In meinem Bekanntenkreis hat mich noch nie jemand mit Schuhen gesehen.

    Niemand wundert sich mehr - aber öfter werden, wenn ich fehle, meine Kollegen gefragt "Wo ist den der Barfüßige"?

    Ja, ich habe hier auch in der Blaskapelle gespielt. Volle Uniform: Trachtenjacke, rote Weste etc.
    Barfuß.

    Und NIEMAND hat sich gewundert.
    Es hat wohl (nehme ich jedenfalls an) damit zu tun, dass ich diesen Stil unaufgeregt selbstverständlich lebe.

    So, ich muss los.
    Das Taxi kommt gleich.

    Macht es gut.

    Ich wünsche allen ein gesegnetes Jahr 2015. Und einem milden Winter.
    Meiner wird heiß ...

    Der Zausel
     
  16. last

    last Guest



    ...vermutlich hat nur aus Höflichkeit keiner was gesagt.
    ...so unaufgeregt, dass es hier zur Diskussion gestellt wurde.

    Viel Spaß in Australien

    lastvisitor
     
  1. Diese Seite verwendet Cookies, um Inhalte zu personalisieren, diese deiner Erfahrung anzupassen und dich nach der Registrierung angemeldet zu halten.
    Wenn du dich weiterhin auf dieser Seite aufhältst, akzeptierst du unseren Einsatz von Cookies.
    Information ausblenden