Was macht einen guten Saxer aus?

Dieses Thema im Forum "Eigene (musikrelevante) Themen" wurde erstellt von Gast, 18.Dezember.2010.

  1. edosaxt

    edosaxt Strebt nach Höherem

    @Ralf
    Klar sind die groesser, die Welt komplizierter, die Anforderungen an unsere Kinder komplexer, umso wichtiger ist es Vorbild zu sein, einzustehen fuer die eigenen Werte und vorzuleben.
    Strenge und Aufruf zur Disziplin aber auch Beklagen hilft da gar nichts, glaube ich.
    Positives Vorleben und da sein!!
    Unsere Kinder leiden nicht an TV, Internet usw., sondern daran, dass wir sie da alleine mit lassen!
    Sorry völlig o.T., aber irgendwie auch nicht:
    Geht mit euren Kannen raus, macht 1000 gute Saxophonisten

    edo
     
  2. saxkai5

    saxkai5 Ist fast schon zuhause hier

    Wenn wir uns von der Mittelmäßigkeit lösen, ist ein guter Saxophonist jemand, der etwas kann, dass die meisten anderen nicht können. Besonderer Ton? Schnelle Technik? Vielseitigkeit? Egal!

    Es ist etwas, das bleibt! Etwas Neues? Vielleicht, aber nicht unbedingt.

    Wie ist so ein Saxophonist, der besser ist als die anderen? Er ist wahrscheinlich etwas verrückt, total in seine Sache vertieft, und natürlich zutiefst professionell - weil er die Geschichte der Musik kennt, die er spielt - und auch die Geschichte seines Instrumentes. Er ist fähig durch sein Instrument zu kommunizieren. Er ist viel - aber eines ist er sehr wahrscheinlich nicht: angepasst. Und geduscht hat er vor dem Konzert vielleicht auch nicht - dann ist er wahrscheinlich doch nicht so gut.
     
  3. Gelöschtes Mitglied 1142

    Gelöschtes Mitglied 1142 Guest

    Hallo edo,
    das ist mir zu allgemeingültig formuliert. Mein Sohn hatte nie irgend ein Interesse, selbst aktiv Musik zu machen. Und ich hatte keinerlei Interesse, ihn an etwas heranzuführen, wofür er sich nicht von sich aus begeistern konnte.

    Dafür spielte er in seiner Jugend aktiv Tennis. Trainierte dafür 3x pro Woche und gewann mehrere Meisterschaften. Er hatte ein klar formuliertes Ziel: In der deutschen Tennisrangliste einmal unter den Top 100 gelistet zu sein.

    An dem Tag, als er dieses Ziel erreicht hatte, legte er den Schläger beiseite und fasste ihn nie wieder an.

    Während des Studiums schlägt sein Herz für American Football. Er trainiert 3x pro Woche und hat auch hier ein Ziel: Mit der Hochschulmannschaft den Hattric zu schaffen und 3x in Folge deutscher Meister zu werden.

    Zweites Ziel: Mit der Liga-Mannschaft in die GFL aufzusteigen. Teilziel ist erreicht: 2010 der Aufstieg in die GFL 2.

    Sind halt andere Interessen. Musik gehört nicht dazu. Und ich finde das vollkommen in Ordnung.

    Sein soziales Umfeld: Menschen, die Ziele haben und ehrgeizig genug sind, diese zu erreichen.

    Gruß aus dem Schwarzwald
    Bernd
     
  4. edosaxt

    edosaxt Strebt nach Höherem

    Klar ist das in Ordnung!
    Ich wollte auch nichts allgemeingueltiges formulieren. Fuer mich ist es wichtig, dass meine Kinder Musik machen, sie haben in unserem Haushalt auch eigentlich keine Chance es nicht zu tun. (Wobei ich mit Sicherheit kein guter Saxophonist bin)
    Viele andere Interessen und Neigungen, Begabungen foerdern wir natürlich ebenso.
    Ob du nun durch Musik, Sport, Naturwissenschaft, Tanz oder was auch immer das Leben lernst, ist egal, Hauptsache du hast ein Feld, in dem du Lust, Frust, Disziplin, Freude, Trauer usw. usw. Empfinden kannst.
    Das kann man vor den verschiedenen Kaesten (tv, computer usw.) nur gefiltert.
    Edo
     
  5. Rick

    Rick Experte

    Also alle Saxofonisten, die ich Wasserpfeife rauchen sah (mit entsprechender Füllung), hatten hinterher erst mal überhaupt keinen Ansatz mehr! :lol:

    Zu diesem Kleidungsthema fällt mir noch ein, dass man es (und die "Anpassung") auch andersrum sehen kann:

    Ich war schon als Teenager großer Fan des Jazz der 30er und 40er Jahre und liebte es, mich entsprechend zu kleiden.
    Bereits in den 80ern lief ich gern mit Anzug, Krawatte und Hut herum (wie auf meinem aktuellen Avatar) und trat auch so auf, als alle Kollegen generell noch alla Mike Stern mit Turnschuhen, Schlabber-Shirt und Blue Jeans antanzten.
    Damals war so ein Anzug-Look also eher die Ausnahme als die Regel! ;-)

    Ich beobachtete allerdings, dass mich Veranstalter aufgrund dieses Kleidungsstils grundsätzlich etwas respektvoller behandelten, auch konnte ich damit meistens bessere Gagen aushandeln als im Freizeitdress. Man wurde einfach eher ernst genommen. :roll:

    ----------------------------------------------------

    Hallo Bernd,

    Mein Sohn bekam von mir ab der Einschulung Keyboardunterricht, das war für mich keine Frage.
    Es ging mir darum, ihn prinzipiell an die Musik heranzuführen, ihm Grundbegriffe beizubringen (die man auch für den Schulunterricht brauchen kann!), seine Fingerfertigkeit zu trainieren und ihn grundsätzlich Disziplin lernen zu lassen, ihm Erfolgserlebnisse zu verschaffen (Leistung kann Früchte bringen).
    Nicht zuletzt war das auch zielgerichtet gemeinsam verbrachte Zeit.

    Er machte bei kleinen Vorspielen mit und begleitete an Weihnachten immer die gemeinsam gesungenen Lieder. Das hat auch ganz gut funktioniert bis zur Pubertät, wo er sich mehr für Schlagzeug begeisterte, worauf er dann ebenfalls Unterricht bekam (von einem befreundeten Kollegen).
    Damit trat er auch im Schulorchester sowie bei Spezialensembles auf, doch eine eigene Bandgründung schlug wie gesagt leider fehl.

    Inzwischen ist er sportlich sehr aktiv (Leichtathletik, Krafttraining) und pausiert mit der Musikausübung - doch die Grundlagen, die er da mitbekommen hat, sind fest verankert. Vielleicht wird er ja in einigen Jahren wie mancher hier mal zum "Spät-Wiederkehrer"?

    Ich habe es jedenfalls nicht bereut, ihm diese Möglichkeit der musikalischen Betätigung aktiv gegeben zu haben, er ebenfalls nicht. :cool:

    Herzlichen Glückwunsch zu diesem zielstrebigen Sohn und seinen eindrucksvollen Erfolgen! :)

    Mein Sohn hat nun mal eine starke soziale Ader, er kümmert sich gern um Schwächere und versucht, ihnen zu helfen, deshalb sein Faible für "Versagertypen".
    Seine Lehrer setzen ihn bevorzugt neben auffällige Mitschüler, weil sie seinen wohltuenden Einfluss auf solche Jugendliche erwarten.

    Doch so ein Engagement kann natürlich an den eigenen Kräften zehren, vor allem, wenn dauerhaft Erfolge ausbleiben und man bei manchen Typen einfach "gegen eine Wand rennt" - das hat er auch schon mitbekommen.
    Dementsprechend sucht er inzwischen vermehrt die Nähe von Leuten, die ihn vielleicht weniger belasten.

    So, meinerseits nun genug von der Jugend und Vaterstolz:
    :topic:

    Schöne Grüße,
    Rick
     
  6. schluesselpapst

    schluesselpapst Ist fast schon zuhause hier

    Ich denke das ist fast überall so. Die Jugend hat überzuckert, dass es besser sich in irgendeiner Amtstube den Allerwertesten platt zu sitzen als irgendwas Sinnvolles zu lernen (Handwerk, Instrument...)
    Wozu auch? Als Musiker lebt man im Vergleich zu einem Staatsdiener so richtig schlecht. Abends (Nachts) arbeiten, Pension in Harz 4 Höhe, Immer an der Armutsgrenze, Keine Kur, alle 20 Jahre Urlaub,... usw.
    Die Jugend ist klüger geworden

    Grüsse
    Schlüsselpapst
     
  7. Gelöschtes Mitglied 1142

    Gelöschtes Mitglied 1142 Guest

    Hallo Rick,
    auch wenn es jetzt immer weiter off topic läuft:
    Ich sehe hier wieder weitere Parallelen.
    Es war nicht so, dass ich meinen Sohn nicht an Musik heranführen wollte. Schon im Kindergartenalter (dort ging er nie hin, da es ihm dort viel zu laut und zu hektisch war) schickte ich ihn in die musikalische Früherziehung.
    Wurde aber nichts. Er hatte einfach keine Freude dran. Dafür ist er ein Mathe-Genie....

    Auch seine Lehrer(innen) setzten ihn gerne neben auffällige Typen. Seine ruhige und besänftigende Art und Weise habe guten Einfluss auf die entsprechenden Mitschüler....

    Durch den Sport hat er m.E. sehr viel für sein späteres Leben gelernt. Selbstvertrauen, Ausdauer, Disziplin und Zielstrebigkeit.

    Ich kann gut damit leben, dass er dem Vater in Sachen Musik nicht nacheifert. Dafür hat er Tugenden entwickelt, die mir fehlen. Und ich glaube, diese Tugenden werden für seinen weiteren Lebensweg hilfreicher und nützlicher sein als Musik es je sein könnte.

    Gruß aus dem Schwarzwald
    Bernd
     
  8. Gine

    Gine Ist fast schon zuhause hier

    Hallo, die Diskussion erinnert mich an: Wir suchen einen jungen Ingenieur mit vielen Jahren Berufserfahrung in allen Bereichen des Ingenieurswesens, mit Überragenden Zeugnissen, der mindestens sieben Sprachen spricht, davon drei fliessend, den Umgang mit Kunden beherrscht (ordentlich, beherrscht addrett, charmant)......und dann soll auch noch immer die Sonne scheinen und sich der Schnee vor meiner Tür auflösen....
    Peters Beschreibung kann ich als Bandleiter voll verstehen und wenn ihr fragen würdet was macht einen guten Bandleiter aus, dann vielleicht die Fähigkeit die Leute nach solchen Kriterien zu suchen. (Außerdem wünsche ich mir genau diese Liste oft bei unserer Bandprobe).

    Für mich ist das aber absolut nicht die Antwort auf die Frage, weil mir das zu viel von wünsch-mir-was ist.
    Ich bleibe dabei, ein Saxophonist ist dann für mich gut, wenn ich zuhöre, auch wenn ich eigentlich weghören will (damit meine ich natürlich nicht die Lautstärke).
    Das man überhaupt nur interessant spielen kann, wenn man schon lange wahnsinnig viel geübt hat ist doch sowieso klar.

    Und ich finde ganz klar, das Zwischenmenschliche ist KEIN Kriterium ob einer ein guter Saxophonist ist. Leider sind ja oft gerade die Egoisten besonders gut, weil die immer so schön üben können (ohne Rücksicht auf Verluste). Sonst müsste ich unbedingt hinzufügen, dass ein Saxophonist nur dann gut ist, wenn er gut aussieht und ein guter Liebhaber ist.
    Übertreibe ich? Vielleicht
    Grüße
    Gine
     
  9. chrisdos

    chrisdos Strebt nach Höherem

    Wehret den Anfängen des Sexismus!!!

    ...aber es wäre nicht zwingend nachteilig :lol:
     
  10. Tino

    Tino Kann einfach nicht wegbleiben

    Für mich sind die Kriterien für einen guten Saxophonisten:
    Guter Sound, Groove und Geschmack, virtuose Technik kann helfen interessant zu spielen.
    Mich persönlich beeindruckt gefühlvolles Spiel mehr als 32stel bei 200bpm

    Gruß
    Tino
     
  11. Saxax

    Saxax Ist fast schon zuhause hier

    :ironie:
    ich vermisse hier noch die Frage, wozu soll ein Saxer überhaupt gut sein? Wozu brauch ich die/den denn?

    Soll er Essen kochen, wäre es ganz nett, wenn er kochen kann. Soll sie einen Dübel in der Wand befestigen, wäre etwas handwerkliches Geschick ganz gut. .... und für das bisschen Saxgeblase gibt´s doch schöne Midi-Samples.

    :topic:
    Ich geh´jetzt mal von mir aus: für unsere Jazzcombo bin ich sicherlich nicht richtig gut, aber es kommt gut hin (und macht Spaß, ich glaube meinen Mitmusiker/inne/n auch). Für ein klassisches Ensemble oder einen Musikverein wäre ich aus vielen Gründen nicht die Bohne zu gebrauchen.

    Es mag bei den Profis einige geben, die mit viel Übung auch in unterschiedlichen Stilrichtungen überleben können und müssen. Die meisten werden aber nur in einer Stilrichtung richtig gut sein.

    Dabei sei noch dran erinnert: bei Charlie Parker meinten am Anfang auch immer alle, er spiele falsch und mit Ornette Coleman wollte deshalb am Anfang niemand zusammenspielen :roll:


    keep swingin´


    Saxax
     
  12. altblase

    altblase Strebt nach Höherem

    Ein guter Saxer hat einen derartigen schönen Ton drauf, dass man gleich fühlt, "Das ist es ! Hier fängt die Musik an !"

    Der gute Saxer muss in der Lage sein, das Publikum schon in Verzücken zu setzen, auch wenn er nur einen einzigen Ton spielt. Der Ton muss leben. Bei den meisten, auch etablierten supervirtuosen Saxern, lebt er nicht. Es ist eine göttliche Gabe.:cool:
     
  13. Tröto

    Tröto Strebt nach Höherem

    altblase schrieb
    Ein Himmelreich für ein Beispiel! Wer wäre denn solch ein von Gott und der Muse Geküsster?

    Im Ernst: Das würde mich wirklich interessieren!
     
  14. Gast

    Gast Guest

    einer von mehrereren! :cool:

    http://www.youtube.com/watch?v=pnxeKl-Kbqw

    die ersten töne....


    und einer ohne sax und wunderbar ab der ersten sekunde

    http://www.youtube.com/watch?v=UOEIQKczRPY
     
  15. Tröto

    Tröto Strebt nach Höherem

    @ nimo

    Endlich ein Hörbeispiel in dieser Diskussion!

    Auch wenn ich Prügel beziehe:

    Stan Getz klingt mir persönlich in den hohen Lagen zu sehr nach Klarinette.

    Chet Baker: nimo, Du bist ja ein Melancholiker!
     
  16. Gast

    Gast Guest

    Sehr schön. Danke!

    Was macht einen guten Saxer aus.. vielleicht einfach, dass viele ihn toll finden? Vielleicht ist er so unwiderstehlich, dass man einfach nicht umhin kann, ihn/sie toll zu finden?

    Vielleicht muss man unter den vielen, vielen die schon berühmt und bekannt sind, hinhören und man wird das Geheimnis des guten Saxers entschlüsseln können?

    Nein, grad ist es mir die Erleuchtung gekommen:

    ein guter Saxophonspieler/eine gute Saxophonspielerin ist jemand, der/die mindestens bei einem Menschen einen Schauer den Rücken runter oder eine Gänsehaut hervorrufen kann:)

    Bei allem, was ihr jetzt geschrieben und gelesen habt, dies ist DIE ultimative Erklärung........


    :ironie:


    Liebe Grüße,

    Joe
     
  17. Gast

    Gast Guest

    hi Joe,

    wenn ich so nebenbei musik höre beim reparieren, oder ich gehe in der stadt oder sonstwo und ich halte inne - ereicht mich was.

    in der werkstatt unterbreche ich die arbeit, auf der strasse bleibe ich stehen, oder beim konzert bekomme ich harte brustwarzen (lol-sorry = thats live).

    für mich ein untrügliches zeichen, dass mich GUTE (für mich) musik erreicht.

    und wenn es dann noch die möglichkeit gibt, dass gehörte mehrmals abspielen zu können, dann kommt der schauer.


    richtig ist auch, dass es passagen bei live musik gibt die mich innehalten lassen um unter sekunden später loszulassen, weil der stil mir (nicht) mehr gefällt.

    tagesform (gelegentlich) ausschlaggebend.

    so oder so ähnlich ist das mit mir merkwürden :-D
     
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