wie bekomme ich meinen eigenen Anspruch runter

Dieses Thema im Forum "Anfänger Forum" wurde erstellt von Linksdatsch, 28.März.2010.

  1. bebob99

    bebob99 Strebt nach Höherem

    Wie es aussieht haben das Problem viele. Anfangs dachte ich, mein Lehrer will mich veräppeln, wenn er mich gelobt hat. Ich hab doch nur gepatzt. Er hat aber gemeint "was willst Du, nach 3 Monaten ist DAS doch schon recht ordentlich".

    Und laufend gibt er mir neue schwierige Übungen. Nie was leichtes. Manchmal glaub ich er ist ein Sadist. Nach 9 Monaten hat er mich noch überredet bei der Musikkapelle mitzuspielen, weil sie dringend einen 2. Saxophonisten für das Herbstkonzert brauchen.

    Ich hab geschlottert. 60 "Profis" und ein Anfänger. Erstaunlicherweise haben sie mich nicht gleich am ersten Abend rausgeworfen. Sie haben mich sogar am Konzert mitspielen lassen. Ich habe aber auch immer darauf geachtet, schön im Hintergrund zu bleiben, dass man mich ja nicht hört.

    Zu Weihnachten hat dann die Familie auf musikalische Begleitung bestanden. Was hab ich mich geniert für meine Patzer.

    Ich bin immer noch bei der Kapelle und in 2 Wochen ist das Frühlingskonzert. Ich habe da volle 3(!) Takte Solo. Anfangs hab ich verweigert, aber der Kapellmeister hat drauf bestanden, dass ich das mache. Hat mich ein paar mal allein vor versammelter Mannschaft patzen lassen - und niemand hat gelacht. Mittlerweile bin ich da auch lockerer. Die Klarinetten hat er auch einzeln spielen lassen und ganz ehrlich, SO gut kann ich das auch :-D

    Was kann also schon schlimmeres passieren, als dass ich das Solo verpatze, 300 Zuhörer entsetzt den Saal verlassen und wir eine Woche später bei der Konzertwertung runtergestuft werden :-o

    Nein aber im Ernst. Es hilft enorm, wenn man mitkriegt, dass die anderen auch Probleme haben und das in Summe trotzdem ein einwandfreies Ergebnis bringt. Man macht sich dann nicht mehr Druck als nötig ist. Niemand ERWARTET von mir, dass das perfekt läuft. Nicht einmal beim Konzert. Nur ich.

    Es hilft auch, dass die anderen nicht einfach zu spielen aufhören, nur weil ich daneben gegriffen habe. Das geht einfach weiter und da bleibt Dir gar nichts anderes übrig als möglichst schnell wieder Anschluss zu finden. Mittlerweile spiele ich über Fehlerstellen meistens ohne Stocken drüber. Ich höre es zwar, aber zum korrigieren ist es ohnehin zu spät.

    Und wenn Du wieder zu wenig Fortschritte machst, dann spiel mal was, das vor einem halben Jahr schwer war. Da siehst Du dann, wieviel Fortschritt Du doch unbemerkt gemacht hast.
     
  2. lee

    lee Ist fast schon zuhause hier

    "wie bekomme ich meinen eigenen Anspruch runter"

    gar nicht.je besser du wirst,um so mehr wächst parallel der anspruch.
    da musst du mit leben.lies mal im anderen thread, wie stan getz seine fähigkeiten einschätzte.und das war sicher kein koketieren. und soo schlecht war der nicht :)
    was mal kurzfristig hilft(klappt nur manchmal) ist, innerlich einen schritt zurücktreten, sich betrachten und über sich und seine ansprüche grinsen. aber künstlich in seinen inneren wachstumsprozess eingreifen.. das geht nicht.
     
  3. Kilian_92

    Kilian_92 Schaut nur mal vorbei

    So schaut meistens die Wahrheit aus. Mit dem eigenen Anspruch hab ich auch fast täglich zu kämpfen. Man übt konzentriert auf ein Ziel, übt scales, permutationen von iwelchen akkorden, analysiert stücke, hört sich orginalaufnahmen davon an & versucht schließlich mit ner impro das auszudrücken was man bei dem stück fühlt. Man nimmt dies auf hört das an & denkt "war doch eh alles umsonst" "klingt doch eh grottenschlecht" usw.daselbe lässt sich auf die klassik-schiene übertragen, bei der man monatelang ein stück übt, es vorträgt & man nach dem einen moment total unzufrieden mit sich war, auch wenn die realität, häufig anders aussieht. An anderen tagen hat man phasen, an denen man die welt umarmen könnte so stolz ist man auf sein erbrachtes. Ich denke dass hängt stark mit dem ergeiz damit zusammen, mit der man die sache, in dem fall "saxophon spielen" betreibt. Doch für anfänger wird es noch schwieriger sein, wochenlang zu üben und zu denken es klingt wie in der ersten woche. Man mussich immer einfach darauf besinnen, auch wenn es schwer fällt, das man iwann sicher das ziel erreichen kann(egal bei welchen talent) ganz passabel saxophon zu spielen. sicher ein getz oder parker wird nicht jederm muss man ja auch nicht. Wie von meinen vorschreibern schonmal erwähnt sollte man in so einer schlechten phase einfach mal alte stücke rauskramen & man erkennt das sich da trotzdem was getan hat. (;
     
  4. viva-la-musica

    viva-la-musica Ist fast schon zuhause hier

    Sax lernen dauert eben ein paar Jahre, und du kannst dein ganzes Leben lang weiterlernen.

    Ein Kind ist glücklich, wenn es ein Kinderliedchen vorspielen kann. Ein Erwachsener hat einen vollkommen anderen musikalischen Horizont, das macht es sehr schwierig, dort anzulangen.

    Schraub deine Ansprüche zurück, sonst wirst du es gefrustet aufgeben. Fürs Vorspiel wäre es wichtig, spiel da nicht die Stücke, die du gerade gelernt hast, sondern Stücke, die du schon seit ein paar Monaten kannst. Das Publikum wäre schon begeistert, wenn du den 2-Ton Blues von O'Neil vorspielst. (Das Kinderlied für Erwachsene.)

    Der Million Fehler fogend, die ich schon gemacht habe, kann ich nur sagen, weiterspielen! Aus 1000 Konzerten wage ich zu behaupten, das Publikum merkt es größtenteils nicht, bzw verhält sich meist wohlwollend. Manche Fehler lockern sogar eine steife Veranstaltung auf, das ist eher eine Frage des Charmes deines Lehrers.

    Hilfreich wäre Gruppenunterricht, weil du dort immer mit anderen wetteiferst, dich an ihnen messen kannst. Wenn du mit CD übst, stopp nicht bei einem Fehler, sortiere dich und spiel weiter. Kritische Passagen üben, sicher. Ein anderer Trick: übe die Stücke von hinten! Fang mit der letzten Phrase an, dann spiel die letzten 2 Phrasen, usw. Irgendwann bist du beim allerersten Ton angelangt, und sobald du den gespielt hast, kannst du sicher sein, das alles Folgende mehr geübt wurde, sich fast von allein spielt.

    Deine Lehrerin hat auch eine andere Perspektive auf dieses Konzert und ihr Lob gehört sicher mit zum Konzept. Mach dir klar, wenn was schiefgeht, fällt das eher auf sie, als dass dich jemand beurteilen würde. Und lass dich trösten: auch abgebrühte Profis machen nicht alles 100%tig, manche haben auch später noch Lampenfieber. Und wahrscheinlich mussten sie auch schon durch etliche miese Vorspielsituationen durchgehen, das durchzustehen muss man halt auch lernen.

    Das tolle ist doch, du hast alles richtig gemacht: "Als ich dies merkte und dann bewußt locker ließ, ging es dann doch noch gut zu Ende." Keep on grooving, folge deinem inneren Gesang.
     
  5. bebob99

    bebob99 Strebt nach Höherem

    Ich habe mir vor ein paar Tagen wieder einmal eine CD mit Aufnahmen von Bach's Goldberg Variationen angehört. Gespielt von Glenn Gould. Das ist zwar kein Saxer, aber ein göttlicher Pianist und Meister im Interpretieren von Bach's Werken.

    Die Stücke selbst sind eher kurz und am Ende war noch Platz auf der CD, den sie mit "Take-Outs" gefüllt haben. Da hört man einige Aufnahmen mehrfach mit den Diskussionen des Meisters dazwischen. Dann wieder Fingerübungen und neu ansetzen. Ich glaube, bei einem Stück waren sie schon bei Take-17 und es war ihm noch nicht gut genug.

    Du kannst mir glauben, dass ich bei noch so genauem Hinhören auch nicht den kleinsten Unterschied feststellen konnte. Trotzdem war er wohl wieder mit seiner Leistung unzufrieden...
     
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