Wie weit kann man als Späteinsteiger noch kommen?

Dieses Thema im Forum "Eigene Themen" wurde erstellt von Dreas, 17.Dezember.2017.

  1. Aerophon

    Aerophon Ist fast schon zuhause hier

    Das ist im Grunde ein frustrierende Frage, denn am Ende komme ich immer zum Schluss: Leider nicht so weit wie ich gerne würde und schon gar nicht so schnell wie erhofft.
    Gut, ich habe auch meine lichten Tage :), an denen es einfach nur Spaß macht. Auf dem Sax bin ich nun 5 Jahre unterwegs und denke mir oft, warum fällt mir dies oder das nach dieser Zeit immer noch schwer? Immerhin kann man mich mittlerweile ganz gut anhören und das Publikum ist oft erstaunlich gnädig auch wenn man selbst nicht zufrieden ist. Im Sommer habe ich einen Gottesdienst auf einer Bühne mit rund 150 - 200 Zuhörern auf einem Sopran solo eröffnet. Alle fanden's gut. Ich kann also doch was...

    Wie weit kann ich kommen? Darauf habe ich keine Antwort. Meine Hoffnung wäre, dass ich eines Tages einfach das Sax in die Hand nehmen kann und dann eine gute Impro hinlegen kann und nicht ständig auf Noten angewiesen bin. Daran arbeite ich, ist aber noch ein ziemlicher Weg.Wird Zeit, dass ich mir eine Band suche.

    Aerophon
     
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  2. Atkins

    Atkins Ist fast schon zuhause hier

    Also wenn ich mir das alles so durchlese, ist doch ganz klar der Weg irgendwohin das Ziel. Und ich finde es auch immens wichtig, dass man mit dem, was man aktuell macht, Spass hat und iwie auch
    zumindest manchmal zufrieden ist. Es gibt natürlich immer viel zu verbessern und zu lernen, aber der Ist Zustand soll doch auch zufriedenstellend sein.
    Natürlich mit der Option, immer weiter zu kommen....wäre ja sonst langweilig.
     
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  3. Nilu

    Nilu Ist fast schon zuhause hier

    Wie weit kann man als Späteinsteiger noch kommen?
    Auf jeden Fall kann man als Späteinsteiger noch eine Rentner-Band im Altersheim gründen, sofern man Rentenberechtigt ist. Beamten und Selbständigen ist der Weg dazu noch bis zur Einführung der Grundsicherung versperrt.
     
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  4. visir

    visir Ist fast schon zuhause hier

    Das erinnert mich gerade ganz stark an eine junge Anfängerin (ich schätze: unter 20) in unseren Salsa-Kursen, die seit Anfang der Saison dabei ist, aber nach wie vor rumsteigt wie der Storch im Salat, null Takt, null Bewegungsgefühl. Spaß scheint sie dabei trotzdem zu haben...

    Freilich würden wir alle gerne morgen wie ... spielen. Freilich wissen wir alle, dass das nicht eintreffen wird.

    Und ja, bei "wie weit" ist die entscheidende Frage "wohin denn?" Bis zu welchem Tempo? Bis zu welchem Stück? Bis zu welcher Gage oder bis zu wieviel verkauften Tonträgern? Bis zu welchem akademischen Grad? Das wären jetzt einmal lauter Ziele, die sich nicht gegenseitig bedingen...
    Wenn das Ziel nur "Spaß" ist, ist ja auch die Frage "und wann hat man (mehr) Spaß?" Das führt nämlich wieder zu Zielen wie oben.

    Bezüglich "bis zu welchem Stück": das war jedenfalls am Anfang für mich immer wieder Motivationsfaktor: dieses oder jenes Stück will ich können. Aber irgendwann kann man es (ausreichend)... am Anfang stellt sich schnell wieder was ein, was man können will. Beim einen bleibt das so, der will immer das noch schwierigere Stück - was, wenn er keines mehr findet? Beim anderen hört das in der Form einmal auf - was motiviert dann? Kann allerdings dann alles mögliche sein...
    Das war ja auch bei mir interessant: zuerst "ich will das und das können", und Auswahl gab es genug. Mit der Einschränkung, dass man für viele Stücke eine (Big) Band bräuchte - gut, lernt man halt einmal die Melodie, oder den Sax-Part, je nach Stück.
    Mittlerweile traue ich mich "wo spielen", und dafür übe ich dann natürlich das betreffende Repertoire. Dann ist der Anlass vorbei, und die Rückkehr dazu, nur was für mich selbst zu lernen, ist zunehmend schwierig. Zumal auch gegebene Melodien immer leichter von der Hand gehen und immer weniger "Herausforderung" sind, und wenn man die Melodie hat, fehlt die Band...

    Wie weit will ich kommen?
    Wenn ich so überlege, stand das nicht am Anfang meiner Überlegungen. Da war noch das Thema "mal schauen, ob es überhaupt was für mich ist". Als sich herausstellte, dass es was für mich ist, mehr noch, dass ich voller Begeisterung darauf angesprungen bin, stellte ich vor lauter Begeisterung die Frage nicht, wohin ich will. Und was will ich jetzt? Musik spielen, die ich mag. Wenn ich das kann, hab ich wohl mein Ziel erreicht.
     
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  5. TSax80

    TSax80 Ist fast schon zuhause hier

    Dieses ganze Improvisationnummer interessiert mich nicht für mich ganz klar das Blattspiel im Vordergrund. [/QUOTE]

    Ich brech mir immer einen ab, wenn ich statt klingender transponierte Noten habe, das ist der Nachteil des Frühanfängerautodidaktentums. Mit Blättern spiel ich aber auch.
    Und eines sollte man mal nicht vergessen, Parker, Coltrane, Brecker, Evans, Malach, Berg und wie sie alle heißen, die haben geübt bis zum umfallen, das ist denen auch nicht geschenkt worden. VG, TSax80.
     
  6. Sandsax

    Sandsax Ist fast schon zuhause hier

    Meine erste Saxophonlehrerin meinte anfangs (vor knapp 20 Jahren):

    „Wow- wenn Ihr weiter so übt, könnt Ihr in 30 Jahren so spielen wie Coltrane!“
    Ich hab zwar nicht so viel geübt, weiß aber inzwischen trotzdem ganz sicher: sie hatte Unrecht :lol:

    Macht trotzdem Spaß aber soviel zum Thema Zielprognose… :-D
     
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  7. quax

    quax Ist fast schon zuhause hier

    Angeber. Willst du jetzt sagen, dass Du noch besser bist :D?
     
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  8. last

    last Ist fast schon zuhause hier

    Benny Golson über das Übungspensum von John Coltrane... (ab 2:50 min)



    LG

    last
     
    Zuletzt bearbeitet: 18.Dezember.2017
  9. bluefrog

    bluefrog Ist fast schon zuhause hier

    Das kannst Du so nicht sagen, Du hast noch 10 Jahre Zeit.:D
     
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  10. KUS

    KUS Ist fast schon zuhause hier

    @Sandsax

    Also Leute, die so eine Einstellung wie Du an den Tag legen (nach 20 von 30 Jahren behaupten, das schaff' ich nicht), kann man doch nur als Leistungsverweigerer ansehen.

    ;-) Kai
     
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  11. Dreas

    Dreas Gehört zum Inventar

    Was ich immer wieder interessant finde, auch wieder hier, dass einige sagen...
    "Mmmh, ja, improvisieren würde ich gerne mal, aber das kann ich noch nicht, da brauche ich noch Zeit"...
    nach zwei, drei, fünf Jahren...:eek:....

    Zeit, wofür?

    Wenn man damit nich irgendwann anfängt, lernt man es nie! Je früher, desto besser!

    Es gibt keine notwendigen Vorraussetzungen, die man erreicht haben muß, um mit der Improvisation anzufangen.

    Nicht theoretisieren...macht es einfach! Der Spaß ist garantiert!

    CzG

    Dreas
     
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  12. Aerophon

    Aerophon Ist fast schon zuhause hier

    @Dreas
    Da hast du natürlich Recht. Wichtig ist sich zu trauen. Bei Improvisation über Changes bin ich noch nicht wirklich angekommen, Trotzdem gelingt mir immer mal wieder bei bekannter Tonart und mit Hilfe von Guidelines eine Impro, die gut klingt und mit der ich zufrieden bin. Selbst mein Lehrer findet manchmal gut was ich da spiele und das nicht nur aus pädagogischem Antrieb.

    Wichtig ist für mich dass ich einen Zugang zum Stück habe. Im Moment,weil ja Weihnachten ist White Christmas. Impro geht gut. Dagegen vor Kurzem Coltrane Central Park West, alle 1,5 Takte ein neuer II-V-I überfordert mich. How Insensitive, ich liebe es, Impro darüber geht gar nicht.. Ich denke wohl auch noch zu viel dabei, immer wenn es schnell wird bin ich lost in the middle of nowhere. Da müsste ich einfach die Bremse lösen und drauflosspielen. Aber es sitzt dann der kleine Mann im Ohr und flüstert mir ein: Das kannst du nicht.

    Aerophon
     
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  13. KUS

    KUS Ist fast schon zuhause hier

    Der kleine Mann hat mindestens einen Zwillingsbruder

    ;-) Kai
     
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  14. visir

    visir Ist fast schon zuhause hier

    nö, ist er nicht. Improvisieren liegt einem oder auch nicht. Mir liegt es in sehr eingeschränktem Maß. Spaß habe ich (noch) keinen daran. Kommt vielleicht irgendwann, aber wozu mich jetzt damit belasten?
    Bzw. "belaste" ich mich ja auch teilweise jetzt damit, weil es ja doch irgendwie "dazugehört", aber ohne ernste Ambitionen. Wozu auch? Spielen kann man auch ohne Improvisation.
     
  15. grosskopf

    grosskopf Ist fast schon zuhause hier

    Es gibt immer Songs, zu denen einem nichts Anständiges einfällt. Ich behaupte mal ein Level erreicht zu haben, um über jeden Song improvisieren zu können. Aber es ist dann halt bei bei Stücken, die mich nicht inspirieren, die mir nicht liegen, Rumgedudel. Das will ja keiner hören ;-) Also mach dir da mal keinen Kopf, wenn das eben so ist. Improvisieren sollte man immer, ohne irgendeinen Anspruch, ohne etwas Bestimmtes spielen zu wollen. Improvisation wird vor dem "Ernstfall" geübt und dann "rausgelassen". Jeder kann einfach drauflos spielen. Wie lernt denn ein Mensch sprechen? ...richtig, es wird drauflosgeplappert! Du glaubst ja gar nicht, was ich manchmal für tolle Soli höre von Schülern, die grade mal so eine Durtonleiter zustande kriegen!
     
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  16. annette2412

    annette2412 Moderatorin

    scheint eine größere Familie zu sein, die es bis nach Berlin geschafft hat...:rolleyes:

    Das finde ich auch, obwohl ich mir beim Improvisieren oft haarsträubende Sachen zusammenspiele.
    Auch jetzt gerade wieder beim Adventskalender hat es mir so viel Spaß gemacht einfach zu dem Playalong zu spielen, ohne viel nachzudenken und irgendwann kommt dann was einigermaßen brauchbares raus.

    Ich für mich persönlich bin ich schon sehr weitgekommen:
    In vier Jahren als Späteinsteigerin von "absolut Null Ahnung und Null Vorkenntnissen in Musik" bis "hierher"!
    Es gibt immer die, die das in einem Jahr schaffen, aber auch die, die viel länger dafür brauchen.
    Wieweit ich noch komme?? Da bin ich selbst gespannt....!!!

    Liebe Grüße
    Annette
     
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  17. pth

    pth Ist fast schon zuhause hier

    Eine Vorraussetzung gibt es: Man muss loslassen können!
     
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  18. a.g.

    a.g. Ist fast schon zuhause hier

    ich glaube wenn das beherzt gemacht wir ist noch richtig was möglich. Das hab ich schon öfter bei Leuten gehört die einen guten Lehrer als z. B. Lebenspartner haben und auch beim Üben immer wieder Rückmeldungen bekommen von kompetenter Seite. Das Moto könnte heißen "weniger ist mehr", war ein Seminar von Kenneth Coon, bei dem es kurz zusammengefasst darum ging, das Üben zu fokussieren, und was auch immer geübt wird mit voller Aufmerksamkeit und sehr konzentriert zu machen. Da können dann auch kurze Übe Einheiten (mal zwischen durch 5-10 Minütchen) viel bewirken. Was natürlich die Eigentlichen Übe Einheiten nicht ersetzten soll. Ich habe da ein Beispiel erleben dürfen von jemand, der nichts anderes gemacht hat als "effektiv" üben. War echt der Hammer.
    Andrerseits vergleichen wir, die Amateure, uns immer gerne mit den richtig guten. Da müssen wir wohl alle Abstriche machen. ....
    Dennoch bin ich überzeugt, das "effektives üben" der Weg ist noch richtig weit zu kommen. Mal sehen ob es umsetzbar ist. ;):)

    herzliche Grüße

    Andreas
     
  19. Thomas

    Thomas Ist fast schon zuhause hier

    ich bin eher so der Klassik-Boy, ich höre sehr gerne Jazz, aber spielen kann ich nicht. Hab vor 14 Jahren oder so als ich mir ein Tenor gekauft habe mal in diese Richtung (Improvisation ) rumprobiert.
    In einem kleinen Moment der Selbstüberschätzung behaupte ich mal ( ich spiele hauptsächlich und sehr intensiv Klarinette(n) seit über 40 Jahren ) daß das technisch kein Problem wäre, das Technische läuft bei mir immer recht schnell. habe dann ein wenig rumgemacht mit Aebersold und co, Skalen Licks etc. aber es wurde nix. Warum? Weil ich zu blöd bin? Kann sein, aber ehrlich gesagt, ich stand da mit der Erkenntnis dass ich zu den betrachteten THemen überhaupt keine Geschichte zu erzählen habe...
    naja und dann bbleibt das was ich zu bieten hätte ( für mich) unbefriedigende wenn auch technisch halbwegs versierte Phrasendrescherei... das ist Kacke , das bringt mir nix, den Zuhörern auch nicht.... vielleicht ändert sich das ja mal ... :)
    LG
    Thomas
     
  20. Aerophon

    Aerophon Ist fast schon zuhause hier

    Ich habe da mittlerweile so meine eigene Ansicht dazu. Bei vielen Impros von Profis sträuben sich mir die Nackenhaare und ich kann sie weder mit Genuss noch unter Weiterbildungsaspekten hören. Trotzdem gibt es Zuhörer, die das aller erste Sahne finden. Hier im Forum gab es schon verlinkte Stücke auf Youtube, die ich grauenvoll fand aber von anderen mit großer Begeisterung besprochen wurden. Da fällt mir zB Kamasi Washington ein. Meine Schlussfolgerung ist, dass man es nie allen recht machen kann, es aber immer Zuhörer geben wird, die deine Musik trotzdem gut finden werden. Das Wesentliche einer Impro ist daher für mich, dass ich selbst davon überzeugt bin. Mit weiterem Können wird dann hoffentlich auch die Häufigkeit mit der ich zufrieden bin zunehmen. Der eigentliche Sinn einer Impro ist doch auszudrücken, was einem zu dem Stück einfällt und nicht unbedingt die Absicht die Zuhörer zu bedienen. Ein Profi, der davon leben, kann das vielleicht auch anders sehen. Trotzdem glaube ich, dass gerade im Jazz der Antrieb zur Musik ist, dass man etwas ausdrücken will.

    Zum eigentlichen Thema zurück, Impro ist für mich nur ein Aspekt. Ich würde gerne soweit kommen, dass ich Stücke relative fehlerfrei vom Blatt spielen kann und dabei auch gut klinge. Ich kann mich an einem ausnotierten Stück mindestens genauso freuen, wenn es gut gespielt ist, wie an einer gelungenen Impro.

    Aerophon
     
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