Wir haben es ja geahnt: Top Hits immer schlichter.

Dieses Thema im Forum "Eigene (musikrelevante) Themen" wurde erstellt von Silver, 5.Juli.2024.

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  1. Silver

    Silver Strebt nach Höherem

    Wir haben es ja schon immer geahnt, einige von uns wussten es genau und ein paar haben davon bei Rick Beato in stundenlangen Videos gehört…

    Aber jetzt gibt es doch tatsächlich eine ernst zu nehmende Studie, berichtet in einem Mainstream-Medium:

    https://www.spiegel.de/kultur/musik/studie-zu-melodischer-komplexitaet-top-hits-werden-immer-simpler

    Liegt hinter einer Click-Wall, man muss also Cookies akzeptieren, um den Artikel zu lesen (oder ein SPON-Abo haben).

    So wenig überraschend die Aussage, so interessant finde ich streckenweise die Gedanken zu den Ursachen.
     
  2. JTM

    JTM Ist fast schon zuhause hier

    Die Hits sind nicht schlechter geworden. Weniger komplexe Melodien sind kein Beleg für schlechtere Musik. Der Geschmack hat sich einfach geändert.
    Wenn ich mal 45 Jahre zurückschaue und an DaDaDa von Trio denke,ein absoluter Hit und sowas von einfach gestrickt
     
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  3. Silver

    Silver Strebt nach Höherem

    Von schlechter hat ja niemand etwas gesagt. Nicht mal die Autoren der Studie (so direkt, jedenfalls).
     
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  4. scenarnick

    scenarnick Administrator

    Naja - textlich repetitiv und dadurch ein Hit ist nicht gerade neu
    SCNR

    Aber irgendwie kommt mir das auch anderem Kontext bekannt vor, nämlich dem Trend zu "mehr Noten pro Zeiteinheit". Hatten wir das nicht schonmal ähnlich gesehen beim Übergang vom BigBand Swing zum Bebop? Früher wurde auch Mozart vorgeworfen, zu viele kleine Noten zu schreiben.

    Das sind Strömungen, Moden, die wir immer wieder sehen werden.

    Rap und HipHop in die Betrachtung der melodischen Komplexität einzubeziehen ist wohl für mich etwas fragwürdig, denn um Melodie geht es bei den Stilistiken nicht, da stehen andere Dinge im Vordergrund.
     
  5. ilikebrecker

    ilikebrecker Schaut öfter mal vorbei

    Nach dem Ableben von John Coltrane, Miles Davis und Michael Brecker war die musikalische Abwärtsspirale nicht mehr aufzuhalten ... :D.

    Ich kann moderne Chartmusik überhaupt nicht mehr hören. Leichtbekleidete, dauergewellte und an allen Ecken und Kanten aufgespritzte junge Blondchen wackeln mit ihren Är.... und trällern mit maximaler technischer Glattbügelung ihre stimmlichen Unzulänglichkeiten ein anspruchsloses Liedchen. So ist zumindest mein Eindruck, der aber nicht fundiert ist, da nach ca. 5 Sekunden der Brechreflex bei mir einsetzt und ich wegschalten muss.
    Bei volkstümliche Musik a la Silbereisen, Borg und wie die Fuzzis alle heißen geht mir das ähnlich - um ich meine hier nicht Volksmusik, wie sie z.B. in einem bayerischen Wirtshaus (oder irischen Pub) gespielt wird und Teil der Kultur der jeweiligen Region ist.
     
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  6. Silver

    Silver Strebt nach Höherem

    Naja, wenn man als Stichprobe „Top 5 der Annual Billboard Charts“ seit 75 Jahren nimmt, kommt man am HipHop nicht vorbei…
     
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  7. scenarnick

    scenarnick Administrator

    Richtig, da kommt man nicht daran vorbei, aber dann sollte man dort eher die rhythmische Komplexität analysieren anstatt der Melodie. Vielleicht wird das die nächste Studie :D
     
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  8. Silver

    Silver Strebt nach Höherem

    Was die Studie gemacht hat…
     
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  9. scenarnick

    scenarnick Administrator

    Ich sehe Deinen Punkt. Hatte ich zunächst überlesen bzw. anders verstanden.
     
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  10. Perlvatt

    Perlvatt Nicht zu schüchtern zum Reden

    Suzanna Randall hat mal eine exzellente Reihe von Podcasts gemacht:
    https://www.br.de/mediathek/podcast...nna-randall-wissens-podcast/alle-staffeln/875
    In einer Folge geht es auch um die Entwicklung von Musik (ich weiß leider nicht mehr, welche Folge).
    Relevant für die Entwicklung sind demnach unter anderem die Algorithmen von Spotify. Die Künstler bekommen Tantiemen, wenn ein Titel wenigstens 30 Sekunden gespielt wurde. Daher werden die Songs immer kürzer und gleich zu Beginn muss es toll klingen, damit möglichst viele Songs in kurzer Zeit wenigstens 30 Sekunden gehört werden. Minutenlange Einleitungen, wie sie z.B Dire Straits gemacht haben wären jetzt schlecht fürs Geschäft.
     
  11. Dreas

    Dreas Gehört zum Inventar

    Wobei das ja nicht neu ist. Die 3,5 Minuten, die i. d. R. ein Popsong lang ist, ist der Laufzeit einer Vinylsingle geschuldet.

    CzG

    Dreas
     
  12. Sax Ralf

    Sax Ralf Ist fast schon zuhause hier

    Moin, moin

    Nur weil etwas Komplex ist, ist es nicht gut, und nur weil etwas einfach gestrickt, ist es nicht schlecht!
    Ob etwas erfolgreich ist, hängt von sehr vielen Aspekten ab, und viele Verkaufsstrategen zählen da nicht umbedingt den Inhalt zu den wichtigsten Punkten.
    Egal ob Klopapier, Essen oder Kunst!
    Nicht ohne Grund bestand Miles Davis darauf, dass seine Platten in der Rubrik Pop bei den Plattenfirmen geführt wurden, da wurde mehr Werbung eingesetzt.
    Als er zu CBS kam, konnte er das nur noch durchsetzen, indem er auf die Verlagsrechte seiner Kompositionen verzichtete und das CBS überließ.
    Was macht der echte Verkaufsstratege, wenn sich etwas nicht mehr lohnt?
    Richtig, er läßt es einfach sein, und wie Herr Davis überläßt er es anderen.

    Ach ja, Komplexität, "So what" = 2 Akkorde - "Der Ententanz" 5 Akkorde, finanzieller Erfolg?
    Meine persönliche Vermutung, auf lange Sicht und LP/CD/Streaming mitgerechnet, wird Herr Davis höchst wahrscheinlich vorne liegen, obwohl der das ja gar nicht verdient hat, weil er ja nur 2 ...:D

    Viele Grüße Ralf
     
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  13. Roland

    Roland Strebt nach Höherem

    - da hat schon Duke Ellington vor Jahrzehnten erfolgreich dagegen gekämpft
    - seit Mitte 70er oder so gibt es Maxi-Singels und die entsprechenden Remixe
    - ist so sinnvoll wie die Beschränkung auf 80 Zeichen pro Zeile beim Programmieren, weil eine Lochkarte auch nur 80 hatte; haben wir erfolgreich überwunden

    Wir streamen, aber halten uns an technische Begrenzungen einer größtenteils obsoleten Technologie. Nachher schreiben wir noch auf einem 150 Jahre alten Schreibmaschinenlayout, welches ursprünglich eingeführt wurde, damit mit nicht zu schnell tippt ... äh ... Moment ... das machen wir ja!?

    Menschen sind schon eine komische Spezies ...

    Grüße
    Roland
     
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  14. visir

    visir Gehört zum Inventar

    Da habe ich die Begründung gelesen, dass oft hintereinander liegende Buchstaben in der Mechanik nicht direkt nebeneinander stehen sollen, damit die Gefahr des Verhakens minimiert wird. Auch nicht "besser" - zugleich aber auch egal, denn jede Anordnung muss man irgendwie lernen, und ich schreibe mittlerweile weitgehend blind, ohne jemals Maschinschreib-Unterricht gehabt zu haben.

    Und auch die Maße der booster des space shuttles hatten einen Zusammenhang mit irgendwelchen römischen Pferdeeisenbahnen, oder so... wo halt irgendwelche Festlegungen immer weiter vererbt werden. Kann gut sein, kann schlecht sein, kann egal sein. Begrenzungen werden überwunden, wenn es sich lohnt.
    Hat jetzt alles nichts mit der Komplexität von Top Hits zu tun, aber dazu war ja im Prinzip ja auch schon alles gesagt.
     
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  15. Roland

    Roland Strebt nach Höherem

    Natürlich geht das besser, siehe etaoin shrdlu (bzw. enisra tdhulc für uns).

    Grüße
    Roland
     
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  16. *gerd*

    *gerd* Kann einfach nicht wegbleiben

    "Repetitiv, einfach und dicht – das fördert demnach die Entwicklung zum Ohrwurm."
    "Unsquare Dance" kann sich auch eine ganze Woche lang als Ohrwurm festsetzen. :confused:
     
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  17. ilikewoods

    ilikewoods Ist fast schon zuhause hier

    Ist ja gewissermaßen einfach, repetitiv und dicht
     
  18. ilikewoods

    ilikewoods Ist fast schon zuhause hier

    Im Irish Pub ist es doch auch nicht "original" . Man sollte sich immer bewusst sein, dass ein Feiern der eigenen Kultur und Tradition immer schon auch eine Nachbildung ist und nicht mehr das Original. Wir können uns nicht der Tatsache entziehen, dass wir andere Menschen mit anderen Lebensrealitäten sind.

    Insofern finde ich Musikantenstadel sympathischer als Chart-Pop. Beim Musikantenstadel gibt es sozusagen eine stillschweigende Vereinbarung, dass man jetzt gemeinsam in Nostalgie und Verherrlichung des "einfachen Lebens" schwelgt. Es ist sozusagen ehrlicher Beschiss.
    Musikantenstadel ist, wie sich betrinken, weil man keine Hoffnung hat.
    Charts sind, wie sich betrinken, weil man denkt, es wäre jugendlich und cool.
    Das erste ist mir viel sympathischer
     
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  19. ehopper1

    ehopper1 Strebt nach Höherem

    Haben die in der Studie deutsche Schlager analysiert? :ironie:
    Der kam und kommt ja meistens recht einfallslos daher.
    Und bei Fernsehsendungen glänzen die Stars dieser Szene häufig mit Full Playback.

    Aber:
    Schlichtheit gab es in der Musik schon immer.
    Nur zwei Beispiele aus früheren Pop-Jahren:
    "Tulsa Time" von Danny Flowers, häufig gespielt von Eric Clapton
    "Feelin´Alright" von Dave Mason, häufig interpretiert von Joe Cocker
    Beide Songs haben nur zwei Akkorde, sind aber richtig tolle groovige Stücke.

    Rap und Hip Hop wurde hier erwähnt.
    Da muss ich nur hier einmal drücken und gut is:
    upload_2024-7-5_15-16-12.png

    Ist aber reine Geschmackssache.

    LG
    Mike
     

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  20. quax

    quax Gehört zum Inventar

    Das wohl bekannteste Motiv in der Musik besteht aus zwei Tönen. Okay ist aus 1808 und es bleibt nicht dabei. Immerhin...
     
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